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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.03.1897
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1897-03-03
- Erscheinungsdatum
- 03.03.1897
- Sprache
- Deutsch
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1668 Nichtamtlicher Teil. 51, 8. März 1897. nicht einmal genügend ersichtlich ist. Auch wird bei der Menge der ausgelegten Titel leicht gerade dasjenige Buch übersehen, das für den Beschauer allein Interesse hat. So können z. B. dreißig Liebhaber des Angelsports an einem Buchladen vor übergehen, ohne daß ihnen ein ausgelegtes neues Buch über diesen Sport auffällt, während vielleicht fünf von ihnen das Merkchen gern gekauft hätten, wenn es ihnen vorgelegt worden wäre. Es wird deshalb^ bei der Auslage Wert darauf zu legen sein, durch große, weithin lesbare Plakare oder fesselnde Bilder die Käufer zum Nähertreten zu veranlassen, auch die ausgelcgtcn Bücher so zu gruppieren, daß jeder den ihn interessierenden Lesestoff leicht findet. Es dürfte sich deshalb weniger empfehlen, Bücher aus allen Wissenschaften bunt durch einander auszulegen und so wochenlang liegen zu lassen, als vielmehr gleichartige Bücher in größerer Menge und alle zwei, drei Tage Bücher einer anderen Wissenschaft. Wenn z. B. zum Beginn der Jagdzeit im Schaufenster ein großes, fesseln des Jagdbild und ein Jagdalbum ausgelegt ist, und rings herum Bücher über Jagd, Wild, Hund re. liegen, so dürfte wohl keiner der die Straße passierenden Jagdliebhaber an dem Laden vorübergehcn, ohne sich die Auslage genauer anzusehen. Auch hinsichtlich der Probesendungen läßt sich das Buch nicht mit anderer Ware vergleichen. Bei dieser ist die Probe nur ein ganz kleiner Bruchteil dessen, was der Käufer von der Ware braucht; das zur Ansicht gesandte Buch aber ist schon die benötigte Ware selbst. Ist dieses genau besichtigt und geprüft, so ist damit das Bedürfnis oft schon befriedigt, und das Buch wird ungekauft zurückgesandt. Ansichtssendungen sollte man deshalb nur solchen Kunden machen, die jährlich einen bestimmten Betrag zum Ankauf von Büchern ver wenden. Dem Sortimenter kann es dann gleich sein, welche von den zur Ansicht gesandten Büchern behalten werden, wenn ihm nur der zum Ankauf bestimmte Betrag zufließt. Für andere Kunden aber muh der Titel, der Prospekt, die Anzeige zur Nachfrage reizen und der Verkäufer den Kunden bei Einsichtnahme des Buches im Laden zum Kaufe anregen. Auch die Zeitungsannonce läßt sich beim Buchvertrieb nicht in dem Maße ausnutzen wie bei anderen Waren. Der Kaufmann braucht nur die Gattung einer neuen Ware an zuzeigen, um eine große Menge von Liebhabern zum Kaufe anzuregen; das einzelne Buch dagegen hat in jedem Orte nur einen kleinen Interessentenkreis, so daß der Absatz we niger Exemplare eines Werkes die Kosten der Anzeige kaum deckt. Auf eine allgemeine Anzeige von dem Eintreffen einer neuen Büchersendung wird aber noch nicht einer sich ein finden, um zu sehen, ob für ihn etwas Geeignetes darunter sei. Nur für den Verleger ist die Anzeige in einer geeig neten Zeitschrift oder Zeitung in der Regel von Er folg, besonders wenn das Inserieren ständig fortgesetzt wird. So wurde beispielsweise ein populär-medizinisches Werk, das ein Arzt einem ihm befreundeten Journal-Verleger in Kom missionsverlag gegeben hatte, von diesem auf dem Umschlag eines jeden neu erscheinenden Heftes seiner Zeitschrift regel mäßig mit angezeigt, und es wurden jährlich mehrere Tausend Exemplare des Buches abgesetzt. Als aber plötzlich das Journal in andere Hände übergegangen war und das Buch nicht mehr öffentlich angezeigt wurde, sank der Absatz in ganz kurzer Zeit fast auf Null, ein Beweis, daß der frühere starke Absatz nur eine Folge jener ständigen Anzeige gewesen ist. Wenn nun die Anzeige in Zeitschriften und Zeitungen sowie der Probeversand im Buchhandel nicht in dem Maße angewendet werden können, wie in anderen Handelsgeschäften, so muß doch notwendigerweise ein Ersatz dafür gesucht werden. Denn ohne Angebot entsteht keine Nachfrage, ohne Mitteilung von dem Erscheinen eines neuen Werkes ist auch kein Käufer dafür zu erwarten. Man kann die Bücher hinsichtlich der Vertriebsweise in drei Klassen teilen: erstens Brotartikel, zweitens wissenschaftliche Werke und drittens Bücher erbau lichen, belehrenden oder unterhaltenden Inhalts für das große Publikum. Die Brotartikel, wie Schulbücher, Gesang- und Gebetbücher, Bilderbücher rc., erfordern im allgemeinen keine besondere Anpreisung Ihr Absatz richtet sich lediglich nach dem vorhandenen Bedürfnis, und jeder Käufer wird sich von selbst diejenigen Bücher holen, die er braucht. Die Käufer wissenschaftlicher Werke sind die Angehörigen des Gelehrten standes, Juristen, Mediziner, Geistliche, Lehrer, ebenso Offiziere u. s. w Diese finden alle neuen Erscheinungen ihrer Fach literatur schon in den ihnen zugänglichen oder von ihnen gehaltenen Fachzeitschriften angezeigt, sowie in den ihnen durch das Sortiment gesandten Spezialkatalogen verzeichnet; auch gehören sie fast ausschließlich zu denjenigen, denen der Sorti menter unverlangt Bücher zur Ansicht sendet. Außer dieser Fachliteratur und den sogenannten Brot artikeln erscheint aber wöchentlich noch eine große Menge lite rarischer Werke, die nur zur Unterhaltung und Belehrung des großen Lesepublikums bestimmt sind. Wollte man diese Bücher an alle Angestellten im Handels- und Gewerbestande, an alle Familien von Haus zu Haus zur Ansicht senden, so würden sie vielleicht gelesen, aber nicht gekauft werden, oder doch der Absatz die Versandkosten nicht decken, abgesehen davon, daß dem Buchhändler auch nicht von jedermann bekannt ist, für welchen Litteraturzweig er ein besonderes Interesse hat. Auch eine Zeitungsanzeige über jedes einzelne Buch würde für das Sortiment zu kostspielig werden, selbst wenn sie von jedem Leser Beachtung fände, was keineswegs anzu nehmen ist. Da aber außer der Kolportage die Zeitung der einzige Weg ist, auf dem man heute der großen Masse von einem neuen Buche Kenntnis geben kann, da ferner nur der Titel eines Buches als Probe desselben im kaufmännischen Sinne gelten kann, da endlich die Anzeige in jeder Zeitung und jedem Ort dieselbe sein kann, also auch der Satz nur einmal nötig sein würde, so kann nur eine für alle Sorti menter gemeinschaftlich hergestellte Journal- und Zeitungs- Beilage, auf der die Titel der neu erschienenen Bücher ge dachter Gattung angezeigt sind, das geeignete Mittel sein, um den Interessenten von dem Vorhandensein der für sie passen den neuen Erscheinungen auf die billigste und sicherste Weise Kenntnis zu geben. Um sich dieses Mittels bedienen zu können, müßte das Sortiment zunächst eine Centralstelle be stimmen, welche die Herstellung und Ausgabe eines solchen wöchentlich erscheinenden Litterarischen Anzeigeblattes zu besorgen hat. Das würde für den deutschen Buchhandel bei dessen ausgezeichneter Organisation nicht schwierig sein. Das Blatt selbst könnte einseitig oder zweiseitig be druckt in Form eines Prospekts erscheinen und am Fuße jeder Seite einen Bestellschein enthalten, der mit oder ohne Firma bezogen werden kann, je nachdem der Besteller die bezogenen Exemplare seiner Journal-Kontinuation beilegen oder gemeinschaftlich mit den anderen Sortimentern des Ortes sie einem Lokalblatte als Beilage beifügen will. Die Titel der angezeigten Werke mit Preisangabe würden viel leicht am zweckmäßigsten in Kastenform nach Art der be kannten Ernstschen oder Modeschen Prospekte gesetzt. Auch könnte das Interesse der Leser noch geweckt werden durch regelmäßige Aufnahme eines illustrierten Witzes nach Art der Beilagen der Fliegenden Blätter, ferner durch Aufnahme einer durch mehrere Nummern laufenden kleinen Novelle, für die eine Spalte jeder Seite genügen würde. An Stoff für wenigstens eine Seite wöchentlich wird es bei der Menge der täglich erscheinenden Bücher niemals fehlen, selbst wenn es sich nur um Schriften bildenden, belehrenden und unter haltenden Inhalts iüber Kunst, Litteratur, Handelswissen-
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