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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.03.1935
- Strukturtyp
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- 1935-03-07
- Erscheinungsdatum
- 07.03.1935
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- Deutsch
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X- 56, 7. März 193S. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Ttschn Buchhandel. verband der Deutschen Korrespondenz- und Nachrichtenbüros, Berlin SW 11, Prlnz-Albrecht-Straße S, anzumelden. Personen und Firmen, die bereits einem Fachverband der Reichspressekammer oder einer anderen Einzelkammer der Reichskulturkammer angehören, sind gehalten, sich lediglich zur listenmäßigcn Erfassung bei dem Neichsverband der Deut schen Korrespondenz- und Nachrichtenbüros zu melden. Der Zeitschrlsten-Lesezirkel Nach Angaben des Reichsverbandes der deutschen Lesezirkel- besiyer c. V. in Hamburg befassen sich heute rund 8SV Firmen in Deutschland mit dem leihweise» Vertrieb von Lesemappen. Die Hälfte davon, etwa 420, sind Lesezirkelfachgeschäfte, die sich aus schließlich dem Verleihgeschäft widmen; bei den anderen wird der Lesezirkel als Nebenbetrieb geführt, das sind dann meist Buchhand lungen in kleineren Städten. Nach einer Schätzung des Verbandes haben die deutschen Lesezirkel einen Verbrauch von wöchentlich etwa 866 666 Stück neuer Familien- und Unterhaltungszeitschrlften. Ein großer Berliner Lesezirkel bezeichnet seinen Bedarf an Unterhal- tungszeitschriften auf rund 1666 Stück je Zeitschrift und Nummer, die sich auf etwa Müll Abnehmer verteilen. Die von diesem Lese zirkel vertriebenen Mappen kursieren etwa dreizehn Wochen lang, die Bezugspreise find nach dem Alter der Hefte gestaffelt. Für einen Preis von durchschnittlich NM. 2.— in der Woche liefert der Lesezirkel in wöchentlichem Turnus zwölf neu erschienene Zeit- schrlstenhefte. Die gleiche Mappe kostet nach dreizehn bis vierzehn Wochen NM 6.36 bis RM 6.38 ln der Woche. Die Abnehmer dieses Lesezirkels setzen sich zu 8V Prozent aus Privatkunden zusammen, den Rest bilden Cafös, Gasthäuser, Frisörs usw. Das Anteilver- hällnls zwischen Privat- und Geschäftskunden ist aber bei den ein zelnen Lesezirkel-Unternehmungen sehr verschieden. In Hamburg gibt es 68 Lesezirkel-Fachgeschäfte, die wöchentlich 176 666 Abonnen- Sollen Bücher Es ist ein Kennzeichen der heutigen Zeit, daß sie mit möglichst geringem Arbeits- und Müheaufwand möglichst viel erreichen will. Der Techniker spricht in diesem Fall vom höchsten Nutzeffekt. Unter diesen Gesichtspunkten sind auch die beiden neuen Verfahren zur Vermittlung kultureller Werte, Photographie (Film) und Rundfunk, zu betrachten. Es ist heute nicht mehr nötig, eine Novelle, einen Roman selbst zu lesen, aus der Tätigkeit des Lesens heraus das Ge schehen in der Phantasie entstehen zu lassen. Im Rundfunk bekommen mir die Novelle vorgelesen, der Roman wird, als Hörspiel bearbeitet, in zwei Stunden gesendet, und das Drama Shakespeares wird alles Beiwerks entkleidet, sodaß der Hörer nur noch den nötigsten Extrakt der Dichtung erhält. Ebenso wie im Rundfunk akustisch wird im Film optisch die Dichtung wiedergegeben, um dem Kulturmenschen die Mühe des Lesens zu ersparen. Wir sind weit davon entfernt, aus diesen Tatsachen heraus Film und Rundfunk verdammen zu wollen, deren Bedeutung gar nicht hoch genug gewertet werden kann — wir wollen vielmehr den Wandel des kulturellen Lebens, in dem wir heute unzweifelhaft stehen, auch einmal von der anderen Seite beleuchten. Denn neben dem immer stärker werdenden Einfluß von Film und Rundfunk besteht noch die Literatur, die gelesen werden muß, um lebendig zu werden. Sie muß zu den neuen Formen irgendeine Stellung einnehmen. Und sie hat es getan, indem sie sich so weit wie möglich dem Grundsatz der geringsten Mühe anpaßte. Dem Käufer eines Buches wird ein Teil der Arbeit des Lesens abge nommen. Von der Zeitung her, die seit kaum zehn Jahren das Bild in größerem Umfange kennt, drang die Illustration in das Buch ein. Und wir sind schnell bequem geworden. Die lebendigste Schilderung vermag uns nicht zu packen, solange nicht eine Photo graphie unsere Phantasie unterstützt. Es gibt keine statistischen Ta bellen mehr — an ihre Stelle sind kleine Männchen oder andere bildliche Symbole getreten, deren wechselseitige Größe uns eine sinn liche Anschauung vermittelt. Das Buch hat also vor dem Bild kapi tuliert. Es hat ihm soviel wie irgend möglich Raum gegeben und ist darüber oft zum reinen Bilderbuch geworden, das die Kenntnis des Lesens nicht mehr erfordert. Das Bilderbuch ist aus einer Do mäne des Kindes zum wesentlichen Bildungsmittel des Erwachsenen geworden. Man wird hier einwenden, daß die Illustration keineswegs eine Erscheinung unserer Zeit ist, daß sie etwa in der Renaissance bereits einen breiten Raum einnahm, man wird an die Bilderbibeln früherer Jahrhunderte denken. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, daß len bedienen. Nordwestdeutschland ist überhaupt der günstigste Boden für das Lesezirkelunternehmen. Dagegen zählt Groß-Berlin ein schließlich Potsdam und Nowawes nur 17 Lesezirkel. Diesen von vr. Carl Schneider vom Deutschen Institut für Zei tungskunde-Berlin in seinem Artikel »Die Zeitschrift im Lesezirkel« (Der Zeitschriften-Verleger H. 5) mitgeteilten Zahlen fügt der Ver fasser am Schluß seiner Darstellung die Frage hinzu, ob die Abon nenten des Lesezirkels nicht für den direkten Zeitschriftenbezug ge wonnen werden könnten. Er verneint sie, denn »neu gewonnen wer den könnten allenfalls diejenigen Lesezirkelabonnenten, die die Zeit schriften vom Lesezirkel neu beziehen. Das ist aber nach den stati stischen Erhebungen bei weitem die Minderzahl. Die Mehrzahl über nimmt die Hefte erst, wenn sie mehrere Wochen alt sind und daher zu einem billigeren Satz geliefert werden. Das Gros der Lese zirkelabnehmer ist also mehr darauf aus, die Zeitschriften möglichst billig zu bekommen, als möglichst neu. Und das ist für das Ver lagsgewerbe das Entscheidende«. Wert der Zeitungsstatistik In »Scherls Informationen« Nr. 113 veröffentlicht vr. Hans Traub »Anmerkungen zur Zeitungsstatistik«. Mit ausführlichen Be gründungen werden die Zahlen der Zeitungsbestände in Deutschland aus den Jahren 1927, 1928, 1932, 1933 und 1934 zusammengestellt und in ihren notwendigen Abweichungen näher begründet. Daraus geht eindeutig hervor, daß man keinesfalls die verschiedenen An gaben über die Zeitungsbestände aus der Zeit vor und nach dem Jahre 1933, wie man sie immer wieder in der Öffentlichkeit lesen kann, ohne kritische Prüfung hinnehmen soll. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt W. Ulrich in seinen »Kritischen Bemerkungen zur Statistik des Handbuches der deutschen Tagespresse 1034« (Zeitungswissenschaft 10. Jahrg., Nr. 2). Insbesondere sagt er, daß die für ein zuverlässiges Bild nicht unwesentliche Gesamtzahl aller deutschen Zeitungen (3097) und ihre Aufteilung nach der wöchent lichen Erscheinungsweise der Korrektur bedürfen. illustriert werden? die Illustrationen dieser Zeit bis zum beginnenden 2V. Jahrhundert Werke bildender Künstler waren. Malerei, Zeichnung und Holz schnitt unterstützten das geschriebene ober gedruckte Wort und wurden mit Andacht betrachtet. Daß dabei rein mengenmäßig die heutige Bilderslut nicht annähernd erreicht wurde, versteht sich von selbst. Jedes einzelne Bild war eine Individualität, die man erlebte. Die Phantasie des Malers hatte unzählige Züge geschassen, die man sorg fältig betrachten mußte. Heute ist die Illustration in den seltensten Fällen die Arbeit eines Malers ober Zeichners, sondern die Photographie hat alle anderen Gattungen verdrängt. Damit ist auch das Besen des Bildes verändert. Es ist nicht Gestaltung der Welt, sondern ihr Abbild. Die Illustration ist also keine Weitersührung des Textes, sondern seine Bestätigung. Sie sagt als Bild, was die Worte des Schrift stellers schilderten. Das ist keine Wertminderung der Photographie, deren Bedeutung nicht nur für die Wissenschaft unersetzlich ist, ob wohl auch hier zuweilen bereits wieder auf die Zeichnung zurllck- gegriffen wird, wenn es daraus ankommt, das Wesentliche eines Gegenstandes oder den Eindruck einer bestimmten Landschaft wieber- zugeben. Das fast restlose Durchdringcn der Photographie hat dazu ge führt, daß schöne Literatur eigentlich nicht mehr illustriert ist, obwohl das ln früheren Jahrhunderten nicht ungewöhnlich war. Nur die Bilderbücher der Kinder werden noch von Zeichnern und Malern hergeftellt, da die Märchenwelt der Photographie verschlossen Ist. Dagegen sind die anderen Bücher — Erlebnisberichte, Reiseschilde- rnngen, Lebensdarstellungen usw. — kaum noch ohne photographische Illustrationen zu finden. Es ist nun nicht immer so, daß die Bilder tatsächlich von einer bestimmten — nämlich der geschilderten — Reise stammen, denn es gibt hinreichend Bildarchive, die zu jedem Thema die passenden Illustrationen zur Verfügung haben. Und wenn der Verfasser auch nur ein paar dürftige Photos selbst gemacht hat, so hält er es doch für nötig, sie dem Buche beizugeben. Der eigent liche Sinn der Illustration, die eine Ergänzungund Wetter führung des Wortes sein soll, ist anscheinend ganz vcrloren- gegangen. Denn die Frage lautet heute nicht: »Sind Bilder not wendig?«, sondern: »Sind Bilder vorhanden?«, und der Verleger scheint seltsamerweise der Ansicht zu sein, baß ein Buch ohne Ab bildungen nicht zu verkaufen sei, obwohl er sich doch sagen mutz, daß eine Enttäuschung des Lesers durch einen unbedeutenden Inhalt des Buches auch durch Bilder nicht aus der Welt zu schassen ist, während der gute Text für sich selbst spricht. Wenn jedoch tatsächlich eine 181
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