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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.06.1879
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1879-06-18
- Erscheinungsdatum
- 18.06.1879
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- Deutsch
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Börsenblatt Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. Eigenthum des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. 138. Leipzig, Mittwoch den 18. Juni. 1879. Nichtamtlicher Theil. Johann GänSflcisch zn Gutcnberg. (Schluß aus Nr. ISS.) Es war ein strebender Kops, dieser bewegliche Junker, den wir in Straßburg kennen gelernt! Wir fanden ihn technisch genügend prädisponirt, der Träger der gewaltigsten culturhistorischen Er findung zu werden. In Berührung mit Goldschmieden, vertraut mit der Handhabung des Metallgusses und wohl auch mit der Gravirkunst, war er gewerblich tüchtig vorbereitet, der erste Typo graph der Welt zu werden. Es brauchte ihm bloß(!) der Gedanke zu kommen! Der Gedanke nämlich, Bücher auf eine viel raschere und billigere Art herzustellen als mit Rohr und Feder. Die Schreiber des Mittelalters hatten allerdings eine große Fertigkeit und Gewandtheit erlangt, aber diese langwierige Kunst producirte doch immer nur ein Exemplar zugleich, und dies eine Exemplar blieb dadurch stets unverhältnißmäßig thsuer. Der Büchervocrath war auch zu klein, um das allgemeiner erwachende Lesebedürfniß zu befriedigen. Die winzigen Producte der Blechschreiber, Stempel- und xylo- graphischcn Briefdrucker, — Spielkarten, Heiligenbilder, Stoß seufzer, äußerst primitive Schulbücher u. s. w., — hatten bloß den Beweis der Möglichkeit rein mechanischer Herstellung des Schrift- thums geliefert. Das Abdrucken von Farbe und Dinte geschah, Pressen waren bei gewissen Handwerkszweigen nicht mehr unbe kannt, aber man konnte mittelst dieser unwesentlichen Hilfsmittel die Zahl der schweren Folianten damaliger Zeit nicht um eine ein zige Nummer vergrößern. Man wendet gegen diese Richtigstellung des historischen That- bestandes ein, daß sie die Leistungen der Briefdrucker unterschätze. Der Einwand beruht aber aus einer Verwechslung. Es ist nicht der Holzschnitt als Zeichnung und Kunstproduct, dem die Aner kennung versagt wird, sondern man wird sich schwerlich für das Aus sparen einiger aus Holz gezeichneten Buchstaben oder Buchstaben reihen zu begeistern vermögen! Der anzuerkennende Holzschnitt als bildliche Darstellung ist viel älter als die Typographie, um gekehrt aber erhielt die xylographische Büchelchensabrik den Haupt stoß gerade von den großartigen Schöpfungen der neuen Erfindung. Es existirt nicht ein einziges prätypographisches Fragment des xylo- graphischen (bilderlosen) Buchdruckes. War es doch viel billiger und unendlich leichter, einige wenige Blattseiten in Holz zu schnei den, als für ein Paar Schulbücher, für die lateinische Fibel, den typographischen Druckapparat herzustelle». Für den Buchdruck mußte etwas ganz Neues geschaffen werden. Ein unruhiger Geist, mitten in der Zeitbewegung stehend, durch Verschuldung gezwungen, auch auf den materiellen Gewinn zu ach ten, nicht in den Banden einer Zunft befangen, nicht versimpelt und verzwergt durch die hölzerne Mache der Briesdrucker, dagegen in Sechsundvierzigster Jahrgang. Metallarbeiten geübt — Gutenbcrg ersann dies Neue und begann im Jahre 1450 auch sofort, die Erfindung energisch in Anwendung zu bringen. Er suchte sich einen Compagnon-Geldschießer und fand diesen in dem Mainzer Bürger Johann Fust. Im August des Jahres 1450 schloß Gutenberg einen rein finanziellen Vertrag mit ihm ab. Johann Fust sollte Gutenberg 800 Gulden leihen, gegen 6 yh Zinsen. Obgleich dieselben in dem Contract ausbedungen waren, so sagte Fust ihm doch mündlich zu, daß „er solcher Versoldunge nit begere von ym zu nehmen". Mit diesem Gelde sollte Gutenberg „das Werk vollbringen", „sein Gezeug (Geräthschast u. s. w.) zu richten und machen", und dieses „Gezüge" sollte das Unterpfand Fust's sein. Würden sie aber uneinig, so sollte Gutcnberg die 800 Gulden wiedcrgeben, seine Einrichtung aber schuldenfrei sein. Damit beging unser erfinderisches Genie einem „xraotioal man" gegenüber einen sehr groben Fehler, denn er versäumte, einen bestimmten Kün digungstermin sestzustellen; eine Lücke in dem Vertrag, die ihn schutzlos seinem Shylock überlieferte. In Bezug aus die durch Gutenberg herzustellenden Werkzeuge war folglich Fust ausschließ lich der hypothekarisch gesicherte Geldschieber, Gutenberg einzig und allein der Vollbringer des Werkes. Außerdem kam man überein, daß Fust dem Gutenberg jährlich 300 Gulden „sür Kosten und auch Gesindelohn, Hauszins, Pergament, Tinte und so weiter" aus- legcn sollte. Um December 1452 aber hat Fust von neuem 800 Gulden vorgeschossen, über welche Summe Gutenberg nachher eine Verrechnung ablegen sollte. Wozusollten diese Summen dieneu?Dic Ausdrücke, „Pergament, Papier, Tinte" im Zusammenhang mit Gesindelohn und Haus- miethe sind an sich schon eine recht verständliche Andeutung. Zum Ueberfluß aber wird mit dem hypothekarisch verpfändeten „Gezüge" urkundlich das Werk der Bücher genannt. Geschah die Herstellung der Werkzeuge mit den ersten acht hundert Gulden ausschließlich im Interesse Gutenbcrg's, so sollte dagegen, nach dem andern Uebereinkommen der Vortheil dieser Einrichtung gemeinschaftlich sein. Hier ist also Fust von neuem der Geldschießer, aber im Sinne des finanziellen Associb, Gutenberg aber auch hier der Techniker, der Geschäftsführer. Zuerst vollende Gutenberg den 27zeiligen Donat (1451), denn Schulbücher versprachen natürlich den größten Absatz; vorher aber nahm er schon die 36zeilige Bibel — die Gutenberg's nicht Pfister's Werk ist — in Angriff (1450), welche 1452 fertig wurde, und stellte dann noch einen 30zeiligen Donat her. Wir schalten hier ein, daß die Steigerung der Zahl der Zeilen auf einem Blatte ein wichtiges Moment sür die Bibliologie des 15. Jahrhunderts ent hält. Die erste Bibel, deren Druck 1450 begann, hat 36, die zweite, um 1456 vollendete, 42, Schöffer's Bibel 1462 dagegen 48, die 330
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