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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.12.1889
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- 1889-12-30
- Erscheinungsdatum
- 30.12.1889
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6056 Nichtamtlicher Teil. 302, 80. Dezember 1889. Nationalbibliothck zu Paris befindliches Exemplar. Ein Faksimile davon in Originalgröße (2 m : I m 26 om) ist von Jomard herausgegcben. Diese bedeutende Arbeit Mcrcators scheint jedoch nicht einmal in dessen nächster Umgebung große Aufmerksamkeit geweckt zu haben und ist auch nicht nach dem Tode Mercators der von seinen Söhnen veranstalteten Ausgabe seines Atlas im verkleinerten Maßstabe einverleibt; selbst die besten, bis zum Schluß des Jahrhunderts erschienenen Seekarten, wie auch die von Jan. Janzoon 1653 und Peter Goos 1658 hcrausgegebenen Sammlungen ignorierten sie. Sogar van Keulens berühmtes Kartenwerk läßt Mercators System unberücksichtigt. Nordenskiöld, durch dessen Hände so viele Karten aus damaliger Zeit gegangen sind, kennt nur zwei nach Mercators System gezeichnete Karten aus dem XVI. Jahrhundert, die eine von Henrik Hondius (Fig. 61), die andere von Rich. Hakluits (Tas. XI,). Erfinder der nach ihm genannten Projektion ist Mercatvr allerdings nicht; denn bereits Willibald Pirkheimcr bespricht sie in der Einleitung zu der Straßburger Ausgabe des Ptole mäus von 1525, und der Engländer Edw. Wright stellte 159l die mathematischen Berechnungen dafür auf. Jedoch die Ehre, diese Methode zuerst praktisch durchgeführt zu haben, bleibt dem Mercatvr. Wir sehen somit, daßTdie Kartographie noch vor Ende der Jnkunabelzeit der Landkarten eine ganz achtungswerte Stufe er- reicht hatte, obwohl man sich, nach dem damaligen Stande der mathematischen Wissenschaft, noch nicht volle Rechnung von den Bedingungen für die Uebertragung der Zeichnung der Oberfläche eines kugelförmigen Körpers auf eine gewöhnliche Planfläche nb- legen konnte. Man kann aber auch nicht behaupten, daß, trotz der mathematischen Analyse von heute, eine wesentliche Reform in der Projektion eingetreten wäre. Im neunten Kapitel gelangt der Verfasser zum Schluß der Jnkunabelperiode (1520 —1550). Dieser Zeitpunkt ist nicht übermäßig reich an neuen Erscheinungen und diese schließen sich zunächst als tabulas uovae den 11 neuen Auflagen des Ptole- mäus an. In diesen sind nämlich 269 ältere ptolemäische Blätter und 244 tabulas novas, meist in Doppelfolio, vorhanden, während der ganze sonstige Zugang kann, 100 Blatt beträgt, wenn man die i» Münsters Kosmographie übergegaugenen Blätter und einen Teil kleinerer Abbildungen in den Werke» von Bordone und Apianus nicht mitzählt. Trotzdem erblickt man den Schimmer einer neuen Morgenröte sowohl auf Grund der nach träglichen korrekteren topographischen Untersuchungen, als auch der verbesserten Projektion. Bis zur neuen Straßburger Auslage von dem Werke des Ptolemäus (1513) waren die Karten hauptsächlich in Italien ausgeführt, wenn auch unter Beistand von Zeichnern und Kartenstechern aus dem Vaterlande Gntenbergs. Von da ab war auf kurze Zeit Deutschland der Hauptplatz der Karten produktion ; jedoch dauerte diese Vorzugsstellung kaum ein Vierteljahrhundert, und Italien trat wiedcr in seinen früheren Platz ein. Nach dem Erscheinen von Ortckius' tbsatrnm orbis IsrraruiQ (1570) blieb jedoch Holland für lange Zeit das wich tigste Land für den Landkartendruck. Die technische Ausführung .it jedoch durch den Zug über die Alpen nicht gewonnen; denn leider tritt an Stelle des für die Kartcnzeichnung sich vor trefflich eignenden Kupferstichs zum Teil grober Holzschnitt, und erst die in Kupferstich ausgesührten Arbeite» von Ortelius und Mercatvr lassen sich mit den italienischen vergleichen Nordenskiöld beschreibt zum Schluß des Kapitels noch 42 Kartenwerke oder Blätter aus der Periode von 1520 — 1550 und illustriert sie durch 13 Abbildungen im Texte und Taf. XXXVIII des Atlas. Wir sind nunmehr bis zum Wendepunkt in der Entwickelung der Kartographie um die Mitte des XVI. Jahrhunderts gelangt, und daszehnteKapitelführt uns in den Beginn der neuen Zeit ein. Bis dahin begnügte man sich hauptsächlich mit Uebersichtskarten über größere Gebiete, die ans solchen Daten beruhten, wie,sie Ptolemäus in seiner Kosmographie verzeichnet, alsc Reiseberichte, Angaben der Entfernungen verschiedener Orte voneinander oder der Himmels striche, unter welchen sie im Verhältnis zu einander stehen, und schließ lich mit einigen mittels der damaligen unvollständigen astronomi schen Hilfsmittel getroffenen Orts-oder Breitenbestimmnngen; denn die Feststellung dsV Längen dürfte nur ganz vereinzelt vorgekommen sein. Mit Ausnahme der Userkarten kümmerte man sich wenig um die Kartographie der neuen Welt, kaum soviel wie unsere Geographen um die Darstellung des Landes um die Pole sich küm mern; und was die alte Welt betraf, so war der Glaube an die Unfehlbarkeit des Ptolemäus fast noch immer »»erschüttert. Von diesem Zeitpunkt ab wurden jedoch Spezialkarten über kleinere Gebiete »ach wirklichen topographischen Messungen allgemeiner; sie wirke» zurück auf die großen Uebersichtskarten, gegen deren Ausführung sich vieles sagen ließe, und von nun an vervollkommnet sich die technische Behandlung in einer Weise, die man bei den Erzeugnissen der Zeit, die Nordenskiöld als die Jnkunabelzeit'be zeichnet, vermißt. Die eigentlichen Bahnbrecher waren Jac.,Gastaldi, PH. Apianus, Abr. Ortelius, vvr allen aber Gerhard Mercatvr. Als den Anfang der Kartenwerke der neueren Zeit bezeichnet man gewöhnlich das -'1'bsatrum orbis terrarum« des Ortelius, und ausschließlich diesem und Mercatvr werden die Verdienste der Reform zugeschrieben. Hiermit begeht ma» jedoch ein Un recht gegen die älteren italienischen Arbeiten. Eine Hanptnrsache liegt darin, daß diese Arbeiten hauptsächlichem Einzelkarten bestanden, die so gut wie verschwunden sind. Doch'scheint man wenigstens den Anlauf zu einem großen Kartenwerke in der Art der holländischen Atlanten genommen zu haben; dem römischen Atlas Lafreris, ohne Jahreszahl und Datum. Das illustrierte Titelblatt, welches auch dem uns vorliegenden Werk vorgesetzt ist, stammt jedoch zweifellos von dem Kupferstecher Antonio Lafreri, der 1540 ei» Atelier für Kupferstich in Rom hatte. Erst durch das Studium dieses Werkes empfängt man einen Begriff von dem hohen Standpunkt der Kartographie in Italien in der Zeit von 1550 — 1575. Das Werk enthält 142 Karten, die Nordenskiöld beschreibt und von welchen er verschiedene Proben giebt. Sie sind mit außerordentlicher Zartheit bei einer Ueberfülle des Stoff lichen ansgeführt, treten aber stets nur in Verkleinerung auf, während die Originale einen bedeutenden Umfang haben. Der größte Teil des Ruhmes fällt auf Gastaldi (oder Castaldi), dem Ortelius in seinem »Mrsatrum orbis tsrrarrun« oft folgt. lieber Gastaldi persönlich weiß man wenig mehr, als daß er in Villasranca in Piemont geboren wurde und größten teils in Venedig seine Wirksamkeit entfaltete, die ihm mit Recht den Ruhm verschaffte als seeslleutissiwo cosmsxrapbo kiswontsss. Seine Arbeite» stehen denjenigen in der ersten Ausgabe von Ortslius Idsatrum wenigstens gleich, ja übertreffen sie mitunter. Von ihm rühren auch die wichtigsten Karten in Lafreris Atlas her. Jeden falls gehört er zu den Bahnbrechern der Kartographie Einen hervorragenden Platz nimmt Petrus Apianus,' Pro fessor der Mathematik i n Ingolstadt, (*1531, f1580) ein. 1566 er schienen in München sein, e 24 bayrischen Landestafeln, diezweite Auflage folgte 1568 aus Ing lstadt. Später wurde das Werk mehrmals herausgegeben, zuletzt 1881 in München. Die Karten sind in Holz geschnitten mit begleitenden Legenden; die Ausführung ist plump, die Blätter sind mit vielem unnötigen Schmuckballast beladen und bleiben weit hinter der Feinheit der italienischen Stiche zurück. Was aber geographische Genauigkeit betrifft, so sind diese Karten, die sich auf für damalige Zeit ungewöhnlich sorgsame Vermessungen gründen, denen vielleicht nur Mercators »Flandern« nicht nachsteht und die die Arbeiten Gastaldis weit hinter sich lassen, nicht genug zu loben, während die Italiener noch in der technisch-artistischen Ausführung weit überlegen waren. Jedoch auch dieser Vorzug bleibt, wie bereits erwähnt, nicht von langer Dauer, und damit hört die Kartographie auf in Nom und Venedig zu blühen, und fällt den Ländern diesseits der Alpen zu.
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