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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.12.1890
- Strukturtyp
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- Band
- 1890-12-01
- Erscheinungsdatum
- 01.12.1890
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- Deutsch
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278, 1. Dezember 1890. Nichtamtlicher Teil. 6813 «Verein Buchfink» in Wien. — Das einundzwanzigste Stistungs- Isest des Buchfink, welches am 15. November im Hotel »zum goldenen Kreuz» labgehalten wurde, muß als ein äußerst gelungenes bezeichnet werden, Iwelchem Ausspruch gewiß jeder der Teilnehmer beistimmen wird. Schon Ivor 7 Uhr füllte sich der prächtige Saal, und eine ungezwungene Kon- Iversation zwischen den zahlreich erschienenen Herren Prinzipalen und Gc- I Hilfen war — was wir mit großer Genugthuung konstatieren — zu bc- Imerken. Als Tafelmusik war die Kapelle -Chorherr« bestellt, deren Ivorzügliche Leistungen wesentlich zu der allgemein animierten Stimmung «eitrugcn. Der erste Toast wurde von dem Präsidenten des Vereins, Herrn lOtto Goßrau, auf Seine Majestät unfern allergnädigsten Kaiser Franz iJoses I. ausgebracht, nach welchem die Kapelle die Kaiserhhmne intonierte. iSodann begrüßte der Vizepräsident, Herr August Gl aser, die anwesenden IGäste in herzlicher Rede und dankte im Namen des Vereines für das dem iBuchfink bisher und auch heute wieder bewiesene Wohlwollen und Interesse. lEr schloß seine Rede mit einem begeistert aufgenornmenen Hoch aus die IGäste. Im weiteren Verlause berichtete Herr Goßrau über die Vereins- Ithätigkeit des Buchfink im vergangenen Jahre. Er gedachte in ihn sichtlich Ibewegendcr Weise d.s Hinscheidens eineshochverehrten Gönners desVereines, Ides Herrn R. v. Waldheim, des Herrn Wilhelm Ritter v. Braumüller, Idcs treuen Mitgliedes Curtmann und eines der Gründer des Vereines, iGustav Klcinstück. Sodann kam Redner auf ein erfreuliches Thema, indem Icr über verschiedene sehr gelungene Unternehmungen des Vereines im ab- I gelaufenen Jahre, so z. B. den instruktiven Vortrag des Herrn Max Jasfö l übcr Lichtdruck, ferner die Vorlesungen der Herren Pötzl und Chiavacci w., I berichtete und auf den außerordentlich günstigen Stand der Krankenkasse des Buchfink hinwies, hierzu bemerkend, daß im Hinblicke aus die allen An forderungen entsprechende genossenschaftliche Krankenkasse seitens einer An zahl von Mitgliedern des Buchfink geplant sei, die Krankenkasse desVereines in eine allgemeine Untcrslützungskasse. welche Notleidenden in jedem Falle, sei cs nun Krankheit, Erwerbslosigkeit re, helfend zur Seite stehe» soll, umzu- wandcln. Sollte dieser Plan zum Beschluß erhoben werden, so bitte der Präsident schon jetzt, die der Krankenkasse seitens der Herren Prin zipale in so hochherziger Weise stets zu teil gewordene Unterstützung auch der neugcplantcn Institution augedcihen lassen zu wollen. Ganz be sonders betonte der Vorsitzende, daß der Buchfink stets der neutrale Boden bleiben solle, auf welchem sich Prinzipale und Gehilfen in herz lichster Weise begegnen, und daß von seiten des Buchfink jedwede Ver suche, welche geeignet sein könnt n, das zwischen Prinzipalen und Ge hilfen herrschende gute Einvernehmen zu stören, energisch zurückgcwiesen und bekämpft lvcrdcn sollen. Herr Julius Schcllbach. den wir mit wahrer Verehrung unscrn »Papa Schcllbach» nennen, feierte in seiner herzgewinnenden und zün denden Weise das cinundzwanzigste Lebensjahr des Buchfink und be glückwünschte den Verein zu seiner nach deutschem Rechte nunmehr erlangten Großjährigkeit. Redner empfing von allen Seiten lebhaften Beifall. Nach dem ersten Tafellied verlas der Herr Vorsitzende die ein- gclaufcnen Glückwunschschreiben, darunter das launig abgcfaßtc unseres alten Freundes, des allerorten bekannten Wiener Lokal - Charakte- ristikcrs Friedrich Schlögl, lebhaften Anklang fand. Sodann erfolgte die Verteilung des von der Firma Carl Fromme wie alljährlich ge spendeten -Buchsink-Kalenders», welcher diesmal das Bildnis des verstorbenen Herrn N. v. Waldheim enthält. Nunmehr ergriff Herr Loll das Wort und feierte in anerkennenswertester Weise die Thätigkeit des Herrn Vercinspräsidcuten Otto Goßrau, der jene Tendenzen, unter denen vor einundzwanzig Jahren der -Buchfink« gegründet wurde, stets hochgehalten habe und von diesen nie abweichen werde: es sei darum Herrn Goßrau ein dreifaches -Hoch- auszubringcn, welcher Aufforderung in stürmischer Weise entsprochen wurde. — Weiter hielt Herr Theo Sturtzcl eine Lobrede auf Wiener Leben, Wiener Gemüt, kurzum auf unsere schöne Kaiscrstadt, und wir müssen gestehen, daß keiner der Vor redner sich eines solchen Beifalles und einer solchen Zustimmung zu er freuen hatte, wie eben der allbcliebte Herr Sturtzel, der in seiner hin reißenden und in vollster Begeisterung gehaltenen Rede alle Herzen ent flammte. — Nach einer in herzlicher Weise gehaltenen Ansprache des Herrn Wiedenmann war der offizielle Teil des Festes beendet und be gann nunmehr der Unterhaltungsabend. Den Reigen der Produktionen eröffnet«: der Waldhorn-Virtuose Herr Louis Savart, auf dem Klavier begleitet von Herrn Jeremias, niit Joses Strauß' Konzert. Stürmischer Beifall lohnte nach jedem Satz den jungen Künstler, der im weiteren Verlauf des Abends noch Schuberts -Mädchens Klage«, Schumanns -Abendlied« und Neßlers -Trompeterlicd» zu Gehör brachte. Herrn Savart's Leistungen waren ganz meisterhafte: bei wunderbar reinem Ansatz entlockte er seinem schönen Instrumente herrliche Töne, die bald jauchzend, bald klagend den Raum durchflogen und jedes Zuhörers Brust mit Entzücken erfüllten. Wir rufen dem jungen Künstler — dem Sohn eines verstorbenen Be- rufsgenvssm — ein herzliches Glück auf zu und glauben ihm eine glänzende künstlerische Laufbahn Voraussagen zu können Die nun folgenden humoristischen Vorträge der Herren Gäste Brunner, Mahr und Prziborski entfachten unbeschreibliche Heiterkeit und fanden stürmischen Beifall, den sie auch in vollstem Maße verdienten. Zwei -Weaner Bitz-, die Herren Goßrau und Heinhöfer, er klommen nun das Podium, um uns mit einem Kouplet nach der Melodie -Ans der grünen Wiese» zu erfreuen. Die Herren sangen mit bekannter Verve und ernteten ungeheuren Applaus. In schwungvollen Worten machte Herr Putz den Anwesenden die Mitteilung, daß cs der Vereinsleitung gelungen sei, eine in Wien jüngster Zeit berühmt gewordene Dame -Im belle Irene», die tätowierte Jungfrau, für das Fest zu gewinnen, und forderte die Anwesenden aus, die schöne Irene — welche in einem anstoßende» Gemach ausgestellt sei — ja nicht unbesichtigt zu lasse»: das Entree sei billigst gestellt, der Wohlthätigkeit hingegen keine Schranken gesetzt, da das Reinerträgnis zur Hälfte der Buchfink-Krankenkasse, zur anderen Hälfte d m Gehilsen-Verband in Leipzig g'widmet sei. Die Besichtigung wurde den» auch allgemein vorgenommen und mit Befriedigung wurde konstatiert, daß man einen solchen Ausbund von Häßlichkeit, wie ihn die -schöne Irene» bot, noch nie zu Gesichte bekommen habe. Dies Schaustück brachte in wenigen Minuten ein Ver hältnismäßig ganz nettes Sümmchen ein. Nunmehr erschien ein alter, gemütlicher Herr auf dem Brettl und sang sein Lied in so lieber, gemütvoller Weise, daß ihm diese Leistung so leicht keiner nachmachcn wird. Herr Glaser erntete aber auch reich lichen Beifall und sang dann das zweite Tafcllicd -Der Buchfink und die Wiencrstadt» dessen Refrain von den Anwesenden mit Aufgebot aller Kräfte mitgesungcn wurde. Die Tafcllicdcr waren überhaupt wieder in jener prächtigen Weise ausgcarbcitct, wie man sic nur von unseren Vercinspoeten, den Herren Krähmer, Mohr und Putz, erwarten kann: lebhaft wurden die Au toren von allen Seiten zu ihren Leistungen beglückwünscht, welche auch thalsächlich sehr viel zum Gelingen des Festes beigctragcn haben. Herr Lutz produzierte sich im Konzert-Zeichnen und fand, wie immer, auch diesmal wieder lebhaften Beisall. Herr F. C. Kraft, den wir bisher nur als unübertrefflichen -Haus knecht- kannten, entpuppte sich diesmal als Petroleur und war wirklich ganz ausgezeichnet. Sein Vortrag fand die heiterste Aufnahme und großer Beifall ward ihm zu teil Damit war in vorgerückter Nachtstunde das Programm erschöpft; aber noch niemand dachte an den Heimweg: die Stimmung war prächtig und da erfreute uns Herr Wiedcnmann noch mit zwei Vorträgen, die nur er in solcher Weise zur Geltung zu bringen vermag; eS waren dies: -Der Nachtwächter, der vor Mitternacht nacht- wachtert- und -Der Extrato». Dankbarste Anerkennung war sein Lohn. Nunmehr aber rüstete man zum Ausbruch; jedoch erst im Lass Gabesain fand das schöne Fest seinen vollständigen Abschluß Jedem Teilnehmer wird der 15. November 1890, der Tag des 21. Stiftungsfestes des »Buchsink«, in angenehmer Erinnerung bleiben, und so rufen wir dem Vereine ein kräftiges -rirat, oreoeat, tiorsat», den Gästen aber -auf fröhliches Wiedersehen beim 22. Stiftungsfeste- zu. Wien. IV. Haussuchungen. — Das-BerlinerVolksblatt» schreibtam26 V.M.: Haussuchungen wurden im Laufe des gestrigen Tages in verschiedenen Buch handlungen nach dem sozialdemokratischen Liederbuch, XII. Auflage, auf Anordnung des königlichen Amtsgerichts, Abteilung 88, von Polizci- beamtcn abgehaltcn. -Gchaussucht- wurde, soviel uns bekannt geworden ist, in der Buchhandlung unseres Blattes, Beuthstr. 3, bei R. B äg inski, Arbeiter-Buchhandlung, Cith-Passage, und bei Kunze, Ruppinerstr. 2. Bestellung des Börsenblatts für 1891. — Der heutigen Nummer liegt eine Beilage an, in der zur rechtzeitigen Erneuerung des Abon nements auf das Börsenblatt für 1891 aufgefordert wird und die der gefälligen Beachtung bestens empfohlen sei. Personalilachrichten. Gestorben: am 23. v. M. in Halberstadt nach schwerer Krankheit Herr Gustav Loose, seit dem Jahre 1863 Inhaber der Frantz'schen Buchhandlung in Halberstadt, deren Namen er durch fleißige und umsichtige Thätig keit in hohem Ansehen erhalten hat. Ehre seinem Gedächtnis!
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