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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.06.1892
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1892-06-09
- Erscheinungsdatum
- 09.06.1892
- Sprache
- Deutsch
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Vermischtes. Dcr littcrariscke Austausch zwischen Amerika und Deutschland. — Dcr in New-Aork in deutscher Sprache er scheinenden, sehr sorgfältig redigierten - Pharmaccutischcn Rund schau» entnehmen wir folgenden zeitgcmähcn und beachtenswerten Aussatz aus ihrer neuesten Nummer vom Juni 1892 (Bd. X. Nr. 6): In den Spalten dcr Rundschau ist wiederholt darauf hingewicsen worden, wie zahlreich die Elite der studierenden Jugend unseres Landes jährlich zu dem Borne deutscher Forschung und Wissenschaft, den Universitäten und den technischen Hochschulen Deutschlands zieht, um das dort ge suchte und gewonnene Wissen und Können daheim nutzbar zu machen und zu verwerten. Für diese freigebige und rühmliche Leistung Deutschlands als Uraoeoptor gentium erhält es nur geringe Gegen leistung und wenig Dank. Dasselbe gilt auch auf deutschsprachlichem litterarischcm Gebiete und in dcr periodischen Presse dcr Vereinigten Staaten. Diese zehrt für Untcrhaltungs- und Belchrungsmaterial wesentlich von dem, was die Presse Deutschlands in ausgiebiger Fülle darbictet. Auch hierbei liegt dcr Gewinn allein aus unserer Seite, — aber auch dcr unschöne Ruf, das, derselbe bei dem häßlichen Brauche des Nachdruckes ohne Quellen angabe, vielfach in unredlicher Weise erworben wird. Diese Freibeuterei wird von der großen Mehrzahl unserer Tageszeitungen und deren Wochenblätter unbeanstandet und um so mehr verübt als die ein heimische deutschsprachliche littcrarischc und journalistische Produktion mit dem Aussterben dcr älteren, in den Folgejahren von 1848 hierher ver schlagenen, intellektuellen Kräfte sich stetig vermindert hat. An deren Stelle ist ein jüngeres Pygmäcngeschlecht von geringwertigerem geistigen Kaliber getreten. Die wenigen besseren Talente in demselben ziehen cs aus naheliegenden Gründen vor, das englische Idiom zum Vehikel ihrer littcrarischen Produkte zu wählen und' kehren der deutschsprachlichen Presse zu dcrem Nachteil den Rücken. Diese aber greift bei eigener Sterilität für ihre Bedürfnisse und die ihrer Leser umsomehr in das reiche Füllhorn der deutschen periodischen Presse, annektiert von dieser nach Belieben, und so cirkulieren die vollwertigeren geistigen Münzen dcr deutschen Presse in dm hiesigen deutschsprachlichen Zeitungen und Wochenblättern, meistens ohne jede Anerkennung und häufig ohne An gabe wo und von wem sie geprägt wurden. Durch lange Gewöhnung und billige Lieferung sind auch bei dem Publikum Gleichgiltigkeit und weite Toleranz für diese zinslose Anleihe eingetretcn Man empfängt und erfreut sich des von der Presse An nektierten, ohne, bei eigner Zahlung an diese, dem Gefühl einer Verant wortlichkeit für deren Freibeuterei Raum zu geben. Als milderndes und einigermaßen versöhnendes Element kann dafür allenfalls die That- sache in Betracht kommen, daß in dem kosmopolitischen Weltmärkte unseres großen Kontinents, des zweitgrößten deutschen Landes, welches seine Portale für die Auswanderer aller Nationen und für die materiellen und intellektuellen Produkte aller Länder offen hält, welches allen eine Heimstätte und freie Ausnützung und Verwertung der Ressourcen des Landes darbietet, auch ein liberalerer Austausch littcrarischer Güter zu lässig und wünschenswert ist. Und dies schon deshalb, um für die Fortcr- haltung und Pflege der deutschen Sprache, deutscher Bildung und Ge sittung möglichst zu wirken und Interesse und Sinn für dieselben und sür die littcrarischen Leistungen und Güter des alten Vaterlandes bei den Alten zu wahren und bei der Jugend zu erwecken, zu pflegen und zu festigen. Man würde daher wohl allseitig und unbeanstandet weite Toleranz walten lassen, wenn dieser littcrarischc Güteraustausch seitens dcr überseeischen periodischen Presse durchweg redlich und mit Angabe dcr Quelle erfolgte. Auch dürste die Frage noch offen stehen, ob wirklich gute deutsche Zeitschriften durch solche Freibeuterei hier dauernd benachteiligt werden. Die Erfahrung scheint zu ergeben, daß, je mehr Nachdruck aus denselben verübt worden ist, desto mehr deren Bekanntwerdung, Wertschätzung und Verbreitung in gebildeteren deutsch-amerikanischen und dcutsch-lesenden amerikanischen Kreisen zugenommen hat. Man weiß in diesen sehr wohl, daß die besten Früchte, mit denen unsere deutsch-sprachliche periodische Presse sich schmückt, nicht eigenes, sondern erborgtes Produkt sind, und wird damit allmählich und nachhaltig zur Kenntnisnahme und An schaffung dcr Originale angeregt und hlngesührt, und wo diese erst Boden gefunden und Wurzel gefaßt haben, da gedeiht und festigt sich deren Geltung und Verbreitung schnell und reichlich. Es ist daher nicht un wahrscheinlich, daß das Raubsystem unserer deutschsprachlichen Presse sür die Verbreitung der besten und auch hier geschätzten deutschen Zeit schriften eher Bahn gebrochen und dieselbe weit mehr gefördert als ver mindert hat, denn deren Absatz in den Vereinigten Staaten ist, nament lich bei rechter, den hiesigen Bräuchen angcpaßter geschäftlicher Pro paganda durch den Buchhandel, ein großer und stets zunehmender. Dieser Einbürgerung und Verbreitung kommt hier noch der Umstand zu statten, daß durch allgemein gleichmäßigere Wohlhabenheit, durch die in allen Bcvölkerungsschichten, wenn auch oberflächlichere, so doch leicher verteilte Bildung und Lescsucht, sowie auch durch relativ illigerc Preise aller hiesigen Zeitungen und Zeitschriften, dcr Brauch des gemeinschaftlichen Haltens, Austausches oder Leihen? derselben nicht besteht. Jeder schafft sich dieselben selbst und meistens reichlich an. Wenn man für den von unserer deutschsprachlichen Tages- und Wochenprcsse geübten Nachdruck, soweit derselbe nicht in grober Ver letzung littcrarischen Anstandes geschieht, Mildcrungsgründc walten lassen kann, so sind wir weit entfernt für Büchernachdruck und sür einen Freipaß für diese Art littcrarischer Gütergemeinschaft zu plaidieren Vielmehr wird jeder Rcchtlichdenkcndc gegen dieses Piratcntum deutsch- amerikanischer Zcitungshcrausgcbcr und Drucker Front machen, wenn auch die weniger skrupulöse Masse den billigen Nachdruck den teuren Originalen vorzicht und denselben damit unterstützt. Indessen auch hier bei sind Ursache und Wirkung und die Bräuche des Auslandes nicht ganz außer acht zu lassen und sollten von deutschen Verlegern größere und sachkundigere Berücksichtigung erfahren. Für wissenschaftliche Werke ist ja, namentlich nach dcr Beseitigung des barbarischen Eingangszollcs, dcr Preis deutscher Bücher ein relativ billiger. Wo derselbe höher erscheint, als der einzelner ähnlicher Werke amerikanischen Ursprunges, ist er doch meistens und um so mehr be rechtigt, als neue Auslagen Wirklich auch neue Bücher, neu geschrieben und neu gesetzt und nicht, wie hier, oft nur Nenabdruck alter Platten mit neuer Titelseite, Vorrede und einigen Korrekturen, Zusätzen und allenfalls einigen neuen Schlußseitcn sind. Von Untcrhaltungs- und auf die Masse berechneten Büchern ver anstalten dagegen amerikanische Verleger meistens entweder sogleich oder nach Erkenntnis des voraussichtlich größeren Erfolges, außer Luxusaus gaben, durch Plattcndruck und billigere Ausstattung in Papier und Band auch billige, populäre Ausgaben Damit wird die Anschaffung guter Bücher auch weniger Bemittelten möglich, und die bessere Littcratur gelangt auch in diejenigen Volksschichten, in denen deren Verbreitung und Einfluß besonders wünschenswert und wohl angebracht sind; denn sic bilden gerade in diesen ein wirksames und nachhaltiges Antidot gegen billigen, verbildenden und korrumpierenden littcrarischen Schund, durch welchen unter anderem auch für sozialistische, anarchistische und athe istische Irrlehren Propaganda gemacht wird. Die Goldmünzen der besseren geistigen und littcrarischen Güter cirkulieren damit hier gleichmäßiger durch alle Vo kSschichtcn, wirken ausklärcnd, belehrend und bildend, gleichen soziale Gegensätze mehr auS und machen dieselben zwischen Reichen und Armen weniger fühlbar. Verleger und Autoren finden dabei durch größeren Absatz offenbar ihre Rechnung ebensowohl und vielleicht besser, als durch bloße Beschränkung aus kleinere kostspielige, nur den Reichen zugängliche Auflagen. Wenn deutsche Verleger solcher Bücher, welche nicht fachwisscnschaft- licher und beruflicher Art sind, sondern für alle Volksschichten gleiche Geltung und Interesse haben, die Bräuche, Bedürfnisse und die sich dar bietenden Chancen des überseeischen Büchermarktes mehr in praktische Berücksichtigung ziehen und demselben in rechter Weise durch Herstellung billiger populärer Ausgaben begegnen würden, so würde dcr Eingang und Absatz guter deutscher Bücher sich hier mehren, nach und nach sich als wohl ergiebig erweisen, der deutschen Littcratur den Markt des zweit größten deutschen Landes mehr erobern und Nachdruck zum größeren Teile unprofitabel machen So lange dies aber nicht geschieht und für die Mehrzahl gangbarer neuer Erscheinungen dcr besten deutschen Unter- haltungs- und Bildungswcrke nur Luxusausgaben mit gesuchter Papier- und Raumverschwcndung bcibehalten werden, wird hier, Ivo alle Volks schichten von der öffentlichen, freien Schule an, an gemeinsame Bildungs- Wege und Mittel gewöhnt sind, auch hinsichtlich der deutschen Littcratur, mit oder ohne meistens lückenhaften Verträgen gegen Nachdruck, dieser sortbestchen und bei dcr Masse dcr Bevölkerung Unterstützung finden. Für das Land und für den wünschenswerten Fortbestand und die Pflege der deutschen Sprache und Littcratur wäre dies im hie sigen Interesse alsdann auch keineswegs zu beklagen. Daß billige, in rechter Weise auf den Markt gebrachte Bücher hier guten Absatz finden und sich für Verleger und Autor durch größeren Umsatz wohl bezahlen, bekunden alle in billigen Ausgaben hcrgcstcllteu älteren und neueren deutschen Publikationen. Allein manche deutsche Ver leger scheinen dem ungeschäftlichen und meistens auch unergiebigen Prinzip des englischen Buchhandels zu folgen, nach welchem ein neues Buch zuerst in einer weitschweifig gedruckten, zwei- bis dreibändigen Oktavausgabe sür 30 Schillinge erscheint, ehe es in einbändiger, wenige Schillinge kosten der Ausgabe ins große Publikum kommt. Manche mit nutzloser, ge suchter Raum- und Papicrvcrschwcndung gedruckten und infolgedessen in mehreren Bänden erscheinenden und unnötigerweise verteuerten Bücher, wie z. B. die Werke von Felix Dahn, Georg Ebers und anderen, finden zwar trotz ihrer hohen Preise hier guten Absatz, aber auch ebenso schnell Nachdruck, würden indessen bei Herstellung von populären, billigeren Ausgaben ohne zwecklose Raum- und Papicrvergcudung viel mehr Absatz und Verbreitung finden und durch die Masse des Umsatzes schließlich auch größeren Gewinn für Ver leger und Autor ergeben und den Nachdruck aus dem Felde schlagen. Jetzt aber fordert die übliche Maxime einzelner deutscher Verleger gerade zu zu diesem auf und verdient ihn. Wenn Werke, wie z. B. dcr be gehrteste Roman eines bedeutenden deutschen Autors in 4 Bänden zu 28 anstatt in einem Bande zu etwa 4 ^ ausgegeben werden, dann darf sich der Verleger nicht wundern, daß sich alsdann die Extreme be-
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