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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.06.1871
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1871-06-07
- Erscheinungsdatum
- 07.06.1871
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- Deutsch
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1654 Nichtamtlicher Theil. stL 127, 7. Juni. rer Vorsteher seit nun mehr als zwei Decennien ausgezeichnet vor liegt. Und was das humane Wirken des Börsenvereins betrifft, so genngr es darauf hinznweisen, daß derselbe jedes Jahr für die der Unterstützung bedürfenden Berufsgenossen 1500 Thlr. hergibt. Hrn. Klincksieck mögen Wohl alle diese Dinge während seiner Tä tigkeit in Paris fremd geblieben sein; — gewagt bleibt es dann immer, sich über einen Gegenstand öffentlich zu äußern, welchen man nicht in sich nach allen Seiten ausgenommen hat. Jndeß, es könnte erwidert werden: was will das alles besagen, was der Börsenverein durch seine Mittel auch bisher geleistet, gegen über der Pflicht, „für unsre vom Krieg betroffenen Bernfsgenossen" zu sorgen; diesen muß vor allem geholfen werden und koste es das ganze Vermögen des Börsenvereins!*) Es soll das zugegeben werden und wir folgen den Ausfüh rungen des Hrn. Klincksieck, um zu erfahren, für wen denn nun das Capital des Börsenvereins, die 40,000 Thlr. verwendet werden sollen. Da heißt es zuerst: „die bedürftigen Hinterbliebenen unsrer im Kriege gefallenen Collegen"; ich rechne dazu noch die ge fallenen Gehilfen und zähle deren zusammen 18, die ihr Leben für das Vaterland gelassen haben. Notorisch haben von allen diesen überhaupt nur drei oder vier Hinterbliebene, welche durch den Tod des Ernährers überhaupt in unverschuldete Bedrängniß gekommen sein könnten, in Wirklichkeit sind das vielleicht nur zwei oder drei. Für diese verlangt Hr. Klincksieck Wohl nicht die 40,000Thlr.! — Er fährt nun zwar fort: er selbst habe keinen Begriff von der An zahl Derer, denen Hilfe zu leisten sei, meint denn: der Börsen verein solle sie aufsuchcn, und will dann, fortfahrend, auch dem „Arbeitsunfähigen" geholfen wissen, das heißt doch: jedem durch Verwundung oder Krankheit im Kriege arbeitsunfähig Gewordenen. Allerdings sind dies eine ganze Zahl und wir rechnen dazu auch Die jenigen, namentlich die Gehilfen, welche durch den Krieg ihre Stel len verloren und so in Bedrängniß gekommen sind. Ihnen ist schon aus dem Buchhandel heraus geholfen und wird ferner geholfen wer den mit dem, was Einzelne und was der Börsenvercin dazu hergege ben; aber wenn diese Hilfe Einigen auch wird dauernd gewährt wer den müssen, so werden die Anderen — hat eine sorgsame Pflege, zu welcher die Gelder des Buchhandels hinreichend bereit lie gen, sie wieder arbeitsfähig gemacht — mit demselben Ernste und Muthe, mit welchem sie für das Vaterland gegen den Feind ausgczogen sind, ihre Lebensstellung sich wieder zu erobern wissen und sicher die von der Pflicht der Gesammtheit ihnen zu Theil werdende Hilfe nicht einen Tag länger in Anspruch nehmen, als es eben durchaus nothwendig ist. Aber zur Bestreitung auch dieser Lei stungen wird es nicht nöthig werden die 40,000 Thalcr des Börsen vereins zu verwenden. Hr. Klincksieck weist ferner ans den von denLondonerBnchhänd- lcrn den Buchhändlern in Paris im Herbste vorigen Jahres gespen deten reichen Beistand von 8000 Thlrn. hin. Wir wissen nicht, zu welchen Zwecken diese bestimmt waren; sollten damit die Ver luste und Einbußen ersetzt werden, welche die Pariser Buchhändler durch den Krieg u. s. w. in ihren Geschäften erlitten, so müssen wir doch erklären, daß die Genossenschaft des deutschen Buchhandels sich kaum dazu verstehen wird, das Vermögen ihres Vereins dazu herzu geben, solche Verluste und Einbußen deutscher Buchhändler — und wer von diesen hätte durch den Krieg solche nicht erlitten! — auszu- glcichen; viel eher werden die einzelnen Verleger bereit sein, dieSaldi solcher Geschäfte, welche durch den Krieg vollständig ruinirt worden *) Hr. Klincksieck will sogar die Bibliothek des Börsenvereins und das Mobiliar, welche zusammen auf 3000 Thlr. abgeschatzt sind, verwendet wis sen, da er von 40,000 Thlrn. spricht, während Wcrlhpapiere und Cassen- bcstand nach dem letzten Berichte des Rechnungs-Ausschusses zusammen nur 34,000 Thlr. betragen! sind, zu streichen; das Vermögen des Börsenvereins kann aber nicht zu deren Zahlung verwendet werden. Die von der letzten Generalversammlung bewilligten 2000 Thlr. neben dem Jahresbeiträge von 1500 Thlrn. und den für den Krieg aus den Beiträgen einzelner Bernfsgenossen gesammelten nahezu auch 2000 Thlrn. sind eine reiche, volle, den Buchhandel ehrende Gabe; es ist in der Generalversammlung schon ausgesprochen, daß, reicht dieselbe „für unsre vom Kriege betroffenen Berufsgenossen" nicht aus, neue 2000 Thlr. werden bewilligt werden. Aber für solchen Zweck, wo außer den oben genannten Summen der Einzelne fort fährt viel und reich herzugeben für die vom Kriege und sonst vom Unglück Betroffenen, das Gesammtvermögen des Börsen vereins in Beschlag zu nehmen, das hat eigentlich keinen rechten Sinn; es ist gar nicht nöthig, daß der Verein als solcher, wie Hr. Klincksieck verlangt, erst ein außerordentliches Zeichen seines guten Willens und seiner Thatkraft ablege; der Börsenvercin hat dies durch die seitherige Benützung seines Vermögens schon hinreichend bewiesen, und er wird dasselbe auch ferner so zu verwalten haben, daß er, von dem allerdings viel gefordert wird,, auch fernerhin vieles leisten kann! — . — Zur Geschichte des dänischen Buchhandels. II.*) DiePeriode, die wir bis hierher behandelt haben, umfaßte die Zeit von der Einführung der Buchdruckerkunst, und die der lutherischen Reformation bis zur Einführung der Souveränität der dänischen Könige im Jahre 1660/61. Während des elfteren Zeitraums stand z. Th. die Geistlichkeit allein, nach der Reformation, bis das Königs thum absolut wurde, führte der Adel die Herrschaft im Lande und in- fluirte in vieler Beziehung auf die Wissenschaft und das Bücherwesen, er unterstützte dieselben mehrfach. Als nach 1660 der Bürgerstand das Haupt auf Kosten des Adels erhob, fielen die Unterstützungen des letzteren fort, und wenn auch der König und der Hof den Wissen schaften hold waren, so kam doch jetzt eine Zeit heran, in welcher dieselben und auch der Buchhandel um ihre Existenz vielfach zu kämpfen hatten. Pietismus und Bigotterie gingen Hand in Hand mit rohem Materialismus. Der Nachdruck blühte, die Censur wurde streng gehandhabt, auch gegen die Bücher, die vom Ausland cingeführt wurden; diese waren noch dazu mit Steuer belegt, bis dieselbe end lich 1769 auf einmüthige Vorstellung der Professoren der Univer sität und der Buchhändler fiel, jedoch nur was ungebundene Bücher betraf, von gebundenen wurde sie fortcrhoben, weil die Einbände zugleich ein Erzeugniß ausländischer Handwerker seien. Es führten sich um diese Zeit iu den dänischen Buchhandel die Auclionen und die Pränumerationen auf erscheinende Werke, die dann manchmal nie erschienen, ein. Es entstand auch 1725 in Kopenhagen die erste Leihbibliothek durch einen Deutschen, Namens Weninghausen, die zuletzt 8000 Bände zählte und täglich 5 und 600 Bücher auslieh. So etabliren sich nun auch Antiquare. Unter den Buchhändlern machen sich geltend Christian Cassuben und Daniel Paulli, letzterer stammte aus Rostock, sein Bruder Namens Simon war Buchhänd ler in Straßburg; ferner Höpffner, Wielandt, Prcuß, Fönir- berg u. A., letzterer namentlich als Nachdrucken — An Auclionen und Pränumerationen als forcirte Mittel zum Absatz von Büchern schlossen sich noch ferner Reclamen durch Straßenplacate, und, was die Lieder — die, welche Neuigkeiten brachten — und die Zeitungen betrifft, öffentlicher Verkauf ans den Straßen durch ausschreiendc Knaben, also „fliegende Buchhändler". Die fremden Buchhändler besuchen nun seltener Kopenhagen, aber cs eristiren auch dort acht nicht unbedeutende dänische Firmen, die im lebhaften Verkehr mit dem Ausland stehen, und cs muß gesagt werden, daß der Buchhandel sich trotz allem hob. ») I. S. Nr. 125.
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