Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.10.1871
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1871-10-18
- Erscheinungsdatum
- 18.10.1871
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18711018
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-187110183
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18711018
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1871
- Monat1871-10
- Tag1871-10-18
- Monat1871-10
- Jahr1871
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
3334 Nichtamtlicher Theil. 241, 18. Oktober. Nichtamtlicher Theil. Aus den Papieren der Weidmannschen Buchhandlung. (Fortsetzung aus Nr. 239.) Die nächsten Jahre fasiden in, der Weidmannschen Handlung einen neuen Diener, Herrn Philipp Erasmus streich aus Lanbach- Der dreißigjährige Mann hatte die Welt gesehen, und schien wohl geeignet, fortan die Bücher der Firma zu führen. Also Wat an die Stelle der bisherigen, fast gemalten Schriftzüge, die neue Hand, fern von jeder Zierlichkeit, knorrig und knuppig, wie ihr Schreiber: man möchte sagen, cs zeigte sich auch äußerlich der Ncbergang von der verzopften Vergangenheit zu einer frischeren, geistig regeren Gegenwart. Aber so viel Namen Reich während seiner vierzigjährigen Thätigkeit in das Hauptbuch der Firma trug, der seine fehlt. Es bleibt daher der genaue Zeitpunkt seines Eintritts in das Geschäft verborgen, dann aber auch die Höhe seines Gehaltes. Doch ist an zunehmen, daß er etwas mehr erhielt als der Bediente Herr Klopp stock, der 50 Thlr. Salarium, und bei seinem Abgang für besonderes Wohlvcrhalten weitere 25 Thlr. empfing; Herrn Böhme wurden für seine Dienste von Mfchaelis 1753 bis Ostern 1754 25 Thlr. bezahlt. Herr Reim, nach Reich's Tode der Leiter der Handlung, beginnt söiste Laufbahn iist Weidmannschen Gdschäftc mit 70 Thlbn. und steigt in den nächsten Jahren, jedoch ohne Ueberstürzung, auf 125 Thlr. Herr Schneider, ebenfalls ein Weidmannscher Bedien ter, erhält bei seinem Abgänge — die Höhe des Gehaltes läßt sich nicht bestimmen — 50 Thlr. als Geschenk zu seinem Eta blissement. Mit dem Eintritt Reich's gewinnt das Hauptbuch der Firpra an Mannichsaltigkeit. Denn zu den stets wiedcrkehrendcnLsestalten der Geschäftsgcnossen tritt nun der Schriftsteller, der jenen zu thun gibt. Und es ist billig, daß auch hier die Theologie vor Len andern Facultäten den Vertritt hat. Ein starker Band'Predigten von Or. Karl Gottlob Hofmaun in Wittenberg eröffnet 1747 den Reigen. Von einem kleineren Heft abgesehen, hat dann 10 Jahre später der Herr Superintendent Hofmann abermals Stoff zu einem umfäng liche» Bande gleicher Gattung, die Firma aber gewährt ihm in beiden Fällen für den Bogen 1 Thlr. 8 Groschen Honorar. Der Nächsterscheinende ist der Leipziger Theologe Bahrdt, der Vater des Mannes mit der eisernen Stirn. Er lebte, wie wir aus des Sohnes Autobiographie wissen, in knappen Verhältnissen und war deshalb gewiß froh, als er im November 1748 für einen Band Predigten „laut Conlracts anticipaudo" 25 Thlr. von der Weidmannschen Handlung ausgezahlt erhielt. Einer späteren Ab schlagszahlung von gleicher Höhe folgte dann zur Michaclismesse 1749 die Erledigung des ganzen Honorars, den Bogen zu 1?h Thlr. ge rechnet. Auch der Magister Bahrdt hatte wie sein College Hof mann viel Erbauliches zu sagen gewußt; er füllte über 140 Bogen und empfing 234 Thlr. 4 Groschen. Und beiläufig zu derselben Zeit zahlte die Handlung an den jungen Herrn Platner 50 Thlr. „pro llonornrin opru-ouloruiu pntrw sui", für seines Herrn Vaters Johann Zach. Platner opusoulorum rnsäieo^osiiiui'Aieoruiu 2 towi, die dann, 84 Bogen und in einer Auflage von 1250 Exemplaren, von Herrn Jaeobcer (vormals Schniekes) gedruckt wurden. Im Jahr 1750 erhielt als erster der Männer, die dem Weid mannschen Verlagskatalog Glanz verliehen und Reich dauernde Freundschaft bewahrten, Johann Joachim Spalding, damals seit 10 Jahren Prediger in Lassähn, zivei Seitön des Hauptbuchs ein- geränmt. Doch war des Mannes Thätigkeit zunächst lediglich der "Uebersehung englischer theologischer Schriften gewidmet, Arbeiten, die eben nicht allzuviel cinbrachten. Immerhin durfte sich Herr Spalding nicht beschweren, er erhielt das gewöhnlich Bezahlte, zwei Thlr. für den Bogen, für eine spätere Arbeit sogar -8 Thlr. 16 Groschen. Das ihm erwachsende Honorar empfängt der gelehrte Mann theilweise in Geld, theils in Büchern, von dörren er freilich einiges als für ihn unbrauchar wieder zurück- scndet. Auch Herr 1>r. Bahrdt hat in diesen Jahren wieder Bedarf an Büchern, aber das Geld, sie zu bezahlen, scheint zu fehlen. Also ist es eine gute Fügung des Schicksals, daß sich mittlerweile wieder eine Anzahl Büßpredigten zusammengefunden haben, welche die Firma für 1 Dukaten die Predigt (der Dukat zu 3 Thlr.) erwirbt und druckt. Aber trotzdem bleibt das Verhältniß zwischen Verleger und Autor schief. Wiewohl noch eine kleine Schrift im Verlage der Firma erscheint, ein größeres Manuscript noch druckfcrtig vor liegt, so findet es die Handlung doch für zweckmäßig, den Verkehr mit Herrn Bahrdt abzubrechen. Das Manuscript wird zurück gegeben, die Vücherschuld „mit Bewilligung der Frau Hofräthin und, der Mademoiselle Weidmann erlassen". In derselben Zeit, da Herrn Bahrdt's Büßpredigten gedruckt werden, treten mit der Firma zwei Männer ist Verbindung, der ge waltigere nur vorübergehend, der geringere dauernd: Lessing und Rämler. iJm Sommer >1755 war die Beiß Sara Sampson in Frankfurt a. O- zum ersten Mal aufgesührt worden, und der ihr gespendete Beifall bewog den jungen.Dichter dahin über- zusicdeln, wo seinen theatralischen Neigungen freie Bahn war. Er verließ im Herbst Berlin und siedelte nach Leipzig über. Doch der Verkehr mit der Kochischen Truppe konnte nicht alles bieten, was des Lebens gemeine Nothdurft erforderte. Und so übernahm denn der Magister Lessing für die Weidmannsche Handlung die Ueber- setzüng"vö» Law's ernsthafier Ermunterung an alle Christen zu einem frommen und heiligen Leben. *) Gleichzeitig schrieb er eine Vorrede zu einer Uebersetzung von Thomson's Trauerspielen. Law's Buch, 38 Bogen stark, brachte dem Verfasser der Miß Sara 76 Thlr., die Vorrede zu Thomson 4 Thlr., und ge langte die Summe von 80 Thlrn. in vier Raten vom October 1755 bis März 1756 zur Auszahlung. Am 10. Mai trat dann Lessing mit dem jungen Winkler die vielversprechende Reise an, aber der beginnende siebenjährige Krieg drängte bald zur Umkehr. Und abermals mnß gewöhnliche Uebcrsetzerarbeit dem Dichter Brot lie fern. Richardson's Fabeln, die er für die Firma verdeutscht, brin gen Lessing — den Bogen zu 2 Thlrn. — 50 Thlr. Das Buch ist lange Jahre hindurch ein sehr guter Verlagsartikel der Handlung geblieben. Der bedrängte Mann, der außerdem in jener Zeit Hutchcson's Sittenlehre der Vernunft übersetzt, empfängt dann weiter von der Firma für einige Thalcr Bücher, die letzten im Januar 1758. Der ausgleichcnde Posten im Haben aber ist aus geblieben. Fünf Seilen vor dem armen Magister hat Herr Professor Ramlcr von Berlin seinen Platz erhalten. Er, der Zweite des um Philipp Erasmus Reich sich bildenden Schriftstellerkreises, beginnt sein Verhältniß zur Firma als Uebersetzer des Batteur. Er empfängt dafür rund stOO THaler, nach einigen Jahren für die Verbesserungen des neuen Druckes abermals 219 Thalcr. Er hat das Verdienst, der Firma einen guten Verlagsartikel geliefert zn haben: 1802 er scheint das Werk in fünfter verbesserter Auflage. Noch mehr als die Konten der Antoren erzählt uns der Ver kehr mit den Buchdruckercien von der Regsamkeit, welche die alte Firma unter ihrem jungen Leiter entwickelt. Denn nicht alle be- ') Nach Kayser, .Bücherlcrikon und Goedcke, Grundriß, S. 6l5, wäre nur der Anfang von Lessing, das klebrige von Weisse übersetz!. — Jeden falls ward das Honorar vollständig an Lessing bezahjt-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder