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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.09.1894
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1894-09-13
- Erscheinungsdatum
- 13.09.1894
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- Deutsch
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5510 Nichtamtlicher Teil. 213, 13. September 1894. Nichtamtlicher Teil. Etwas über Zeitschriften-Nuflagen. Es bedarf nicht erst einer längeren Auseinandersetzung, zu zeigen, welch hohen Wert für jegliche periodische Veröffent lichung die Zahl ihrer Exemplare hat, die sogenannte Auf lage, in der sie erscheint. So sehr man in vielen Fällen vermuten darf, daß die Masse und die Güte einer Leistung nicht Hand in Hand gehen, ja sogar in umgekehrtem Ver hältnis zueinander stehen, so wenig darf man mit diesem Verdacht die Auflagcnhöhe der Journale betrachten. Die große Verbreitung einer Zeitschrift zeugt einerseits davon, daß dieses Blatt seinen Zwecken gut entspricht, und ermög licht ihm anderseits, dies in noch höherem Maße zu thun. Sie sichert ihm einen starken geistigen Einfluß, bringt ihm in den Abonucmentsgeldern direkt eine materielle Hilfe und führt ihm, was die Hauptsache ist, viele gut bezahlte Inserate zu. Denn der Geschäftsmann, der seine Ware ankttndigen will, thut dies doch am liebsten dort, wo er für sein Inserat die meisten Leser erwarten darf. So kommt cs, daß manche und nicht die schlechtesten Journale nur von Inseraten leben und ihre Exemplare umsonst abgcben; sehr viele der später erwähnten Zeitschriften stellen sich demgemäß als Gratis- oder Anzeigen- oder Offcrtenblättcr oder dergl. heraus. Nun ist es nicht leicht zu erfahren, bis zu welcher Höhe die Auflage eines Journals gestiegen ist. Im allgemeinen läßt sich ja ein Geschäftsmann, also auch ein Zcitungs- vcrlegcr, nicht gern in sein Gebaren hincinblicken. Bedauer lich bleibt dies freilich; denn genaue Aufschlüsse über die Menge der Waren, so da irgendwo und irgendwann ver fertigt und verkauft werden, würde wohl sehr tiefe Einblicke in unser wirtschaftliches Leben gewähren, die bislang meistens nur dort ermöglicht werden, wo, wie bei den Abgaben, Zöllen u. s. w., eine staatliche Aufsicht auch zu einer Statistik dessen führt, was durch die Hände des Staates gegangen ist. Indessen gicbt es doch Fälle, wo ein Geschäftsmann an der Veröffentlichung seiner quantitativen Ergebnisse geradezu ein Interesse hat. Dies ist bei den Zeitschriften, besonders insofern es sich für sie um die Gewinnung vieler Inserate handelt, thatsächlich der Fall, und darum finden sich auch an den Stellen, wo der inserierende Kaufmann die nötigen Auf schlüsse sucht, reichliche Angaben über die Auflagenhöhe und damit über die Erfolgaussichten einer Annonce. Solche Stelleir sind in Deutschland u. a. der »Insertions-Kalender, zugleich Zeitungskatalog« der bekannten Annoncen-Expedition Rudolf Mossc, für 1894 in 27. Auflage erschienen, und das »Adreßbuch der deutschen Zeitschriften und der hervor ragenden politischen Tagesblätter«, herausgegeben von H. O. Sperling (Leipzig), derzeit in seinem 35. Jahrgang, das sich für eine ganze Reihe geschäftlicher und geistiger Bedürf nisse als brauchbar oder sogar unentbehrlich erweist. Eine geschlossene Uebersicht ist aus diesen und wohl auch anderen Quellen nur für die Zeitschriften engeren Sinnes, nicht für die eigentlichen Zeitungen, die politischen Tagesblätter, zu gewinnen. Beschränken wir uns an der Hand von Sperlings »Adreßbuch« auf die eigentlichen Zeitschriften, so ergiebt sich aus dcil dortigen Angaben und unseren eignen Berechnungen folgendes. Bis etwa April 1894 sind im ganzen 3829 Zeitschriften, ungerechnet die früher eingegangenen, zu verzeichnen. Von diesen haben 2284, also gegen 60°/g, ihre Auflage angegeben. Allerdings sind diese Angaben noch kein Beivcis, daß es sich thatsächlich so verhält; und daß dabei manche »Abrundungen nach oben« stattgcfunden haben, dürfte mit einigem Recht zu vermuten sein. Allein es wäre doch wieder ein Un recht, wollte man hier ausschließlich Lug und Trug sehen. Es wird damit ebenso sein wie auf anderen Gebieten: ein gut Stück Ucbertreibung, die Hauptsache jedoch immerhin verläßlich. Bleiben wir also, schon wegen der Unmöglichkeit, jedesmal das Gegenteil zu beweisen, bei den gegebenen Mit teilungen. Natürlich ist die Zahl der Exemplare, in denen ein Blatt gedruckt wird, die »Auflage«, noch lange nicht gleich der Zahl derer, in denen cs verkauft wird, noch gar seiner Abonnentenzahl, da auch bei großer Festigkeit des erwarteten Absatzes immer ein Uebcrschuß bereit gestellt sein muß. Be sonders gilt dies für kleine Zeitschriften; solche von 500 Exemplaren Auflage sctzcu etwa samt späteren Nachbestellungen nur 300 ab, bürden sich also ein Risiko von jedesmal 200 Ladenhütern auf. Relativ dürfte dieser Rest bei großen Zeit schriften weit geringer sein; solche mit einem Absatz von 30 000 werden, von anfänglichen Versuchen abgesehen, gewiß nicht 20 000, sondern höchstens vielleicht 1000 Uebcrschuß drucken, lieber die Höhe des Absatzes ist freilich so wenig zu erfahren, daß wir uns wieder mir an die Anflagenhöhe halten können. Jene 2284 Zeitschriften erscheinen nach ihrer Angabe in einer Gesamtauflage vou mehr als Hfl? Millionen (11 602 120); dies ergiebt im Durchschnitt etwas über 5000 (5080) Exemplare, eine Zahl, die im Vergleich mit der Auslagenhöhc der Tagcsblätter gering scheint, jedoch im Ver hältnis zu der Anflagenhöhe der Mehrzahl jener Zeitschriften ziemlich bedeutend ist. D. h. man darf eine Zeitschrift von 5080 Exemplaren Auflage bereits als eine sehr verbreitete bezeichnen; wir werden ja noch manche Ucbcrraschungen zu hören bekommen. Alle diese Zahlen sind, wie gesagt, nur eben auf Treu und Glauben hinzunehmen. Einen Ausweg aus dieser Ungewißheit gicbt es allerdings: die notarielle Bestätigung der Auflage. Leider betreten diesen nicht kostenlosen Weg nur wenige Blätter — ganz abgesehen davon, daß auch die Angabe über diese Bestätigung selbst wieder eine Irrung sein kann. Unter jenen 2284 Zeitschriften haben es nur 140 der Mühe wert gefunden, dem Publikum diese größere Verläßlichkeit zu bieten. Dies sind wenig über 60/j, oder von der Gesamtheit der 3829 Blätter 32/gO/o. Die Totalsumme der notariell bestätigten Auflagen ist gegen 1 flg Millionen (1 325 055); ihr Durchschnitt 9465, also fast doppelt so hoch als der Durchschnitt durch alle An gaben. Man sieht, daß cs vorwiegend die stärkeren Journale sind, die sich diesen Beweis ihrer Stärke leisten; leider sind darum diese an sich verläßlichen Angaben kein verläßlicher Maßstab für die durchschnittlichen Mengen. Es fragt sich jetzt, wie sich die verschiedenen Arten von Zeitschriften und die einzelnen Blätter zu einander in der Auflagenhöhe verhalten. Fragte man jemanden, der sich nur nach den lautesten Ruhmreden über das »Volk der Denker und Dichter« ein Bild von dessen inneren: Leben gemacht hat, welchen Interessen nach seiner Vermutung die wenigst-, und welchen die meistverbreiteten unserer Journale dienen, so würde er vielleicht und nicht ganz grundlos antworten: »Ich glaube, daß bei den Deutschen am wenigsten verbreitet die Modenblättcr und am meisten verbreitet die philosophischen Zeitschriften sind.« Darauf können wir ihm Mitteilen, daß cs fast gerade umgekehrt ist: mit der niedersten Höhe, d. i. mit einem Auflage-Durchschnitt von 514 Exemplaren, müsse:: sich just die philosophischen und mit der zweitgrößten Auflagen höhe, d. i. einen: Durchschnitt von 26 241, darf sich die Gruppe der »Frauen-, Haus- und Modeblätter« trösten; über ihr steht nur noch die Gruppe der »Katholischen Jugcnd- blätter« mit 29 625 Exemplaren im Durchschnitt (der allerdings nur aus 4 Zeitschriften genommen, demnach weit bedeutungsloser ist als der nächsthöhere, der sich aus 27 Posten zusammcnsetzt). Von den letztgenannten
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