Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.08.1899
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1899-08-22
- Erscheinungsdatum
- 22.08.1899
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18990822
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-189908224
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18990822
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1899
- Monat1899-08
- Tag1899-08-22
- Monat1899-08
- Jahr1899
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
194, 22. August 1899. Nichtamtlicher Teil. 5979 Herr Hupp durch de» Hinweis auf Vau der Linde ins Lächerliche zu ziehen sucht, keinen besonderen Wert, dies er- giebt sich schon daraus, daß ich an zwei Stellen sage, Schössers Stempel oder Matrizen wären »auf irgend eine Weise«, »auf einem nicht mehr festzustellenden Wege«, in andere Hände gelangt. Die Entwendung war nur eine Möglichkeit, die Benutzung von Schössers Material durch einen andern zu erklären. Meinen Hinweis darauf, daß man schon in ältester Zeit mit dem die Bestimmung un datierter Inkunabeln so sehr erschwerenden Besitzwechsel der Typen rechnen müsse, wie der Uebergang der Typen der sechsunddreißigzeiligen Bibel in die Hände Pfisters beweise, erklärt Herr Hupp nicht für treffend, da die Sache noch durchaus nicht klar sei. Daß Pfister mit den Bibeltypen gedruckt hat, steht doch fest, von der Bibel selbst, die Herr Hupp im Sinne zu haben scheint, sprach ich nicht.fi »Für weit wichtiger halte ich den Hupps eigenen scharf sinnigen Beobachtungen entnommenen Umstand, daß das Missalc und die Psalterien zwar im großen und ganzen dieselben Typcnformen aufwciscn, daß aber die benutzten Typen nicht von dem gleichen Gusse herrühren, vielmehr die Typen des Missale im allgemeinen schlechter gegossen sind als die des Psalters. Auf die Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen, geht Herr Hupp in seiner Erwiderung gar nicht cin.fi Wie will er aber die auffallende Thalsache er klären, daß an Stelle der für das nach seiner Meinung ältere Missale benutzten Typen bei dem Psalterium van 1457 frisch gegossene traten, während noch bei den späteren Psalterien, wie bei dem von 1-502, wahrzunehmen ist, daß die schon 1457 verwendeten, stark abgenutzten Typen immer weiter gebraucht werden?fi Sollte man nicht vielmehr gerade aus letzterem Umstande schließen dürfen, daß zwar die Typen, nicht aber die Stempel und Matrizen in Schössers Besitz geblieben sind? Daß sie vor 1462 in andere Hände gelangt sind, habe ich nicht gesagt, ich stellte es nur als Möglichkeit hin, daß das für die Mainzer Druckerei verhängnisvolle Jahr 1462 vielleicht auch den Drucker des Missale anderswohin geführt habe.fi Schösser selbst hat die fraglichen Typen nach 1459 lange Jahre nicht benutzt, sondern jahrzehntelang sich anderer Lettern bedient. Vielleicht konnte gerade dieser Umstand den Uebergang des unbeachtet liegenden Materials in andere Hände erleichtern.fi »Herr Hupp meint ferner, meine Erklärung, der Drucker des Missalc habe deshalb von manchen Typen der Psalterien leinen Gebrauch gemacht, weil er die Stempel oder Matrizen dazu nicht hatte, erfordere so künstliche Hypothesen, daß meine scheinbar so einfache Erklärung in Wahrheit zu den allerkompli- ziertesten Annahmen zwinge. Das sehe ich nun durchaus nicht ein. Herr Hupp giebt selbst zu, daß man sich ja die »Unterschlagung« (um diesen Ausdruck beizubehalten) ganz nach Bedürfnis größer oder kleiner vorstellen könne. In Bezug auf die spitzen und gestümmelten Nebenformen der Buch staben der Psalterien, die im Missale nicht Vorkommen, bin ich überhaupt etwas anderer Meinung als Herr Hupp, der auf S. 18 seiuer Schrift die Ansicht ausspricht, diese Nebenformen seien nicht etwa gefeilte oder nach geschnittene Typen, sondern entstammten eigenen Stempeln und Matrizen. Ich glaube vielmehr, der größte Teil der Nebenformen ist durch Abfeilen entstanden, damit die Typen besser zusammen paßten.«) Für den ungeübten oder sorg loseren Drucker des Missale fiel der ästhetische Gruud, der Schösser zu diesen Umgestaltungen veranlaßte, weg; er setzte seine Typen einfach nebeneinander ohne Rücksicht auf die harmonische Gesamtwirkung der Schrift, gerade wie Schösser in seinen späteren Psalterdrucken mit den ursprünglich zu ganz bestimmten Zwecken veränderten Typen verfahren ist. Für x und zy bei denen die zweite Form nicht durch Ab feilen entstanden sein kann, muß der Drucker des Missale beide Formen gehabt haben. Daß die eigens für die kleine Psaltertype gefertigten Unzialen, sowie das Versuszeichen im Missale nicht Vorkommen, worin Herr Hupp kaum zu wider legende Beweise für das höhere Alter des Missale sieht, könnte man auf verschiedene Weise erklären. Entweder hatte der Drucker auch diese Typen nicht, oder, wenn er sie besaß, benutzte er sie nicht, weil es ihm zu umständlich und schwierig war, bei einzelnen Buchstaben den Rotdruck durchzuführen. Sollte Herr Hupp auch letztere Vermutung als zu künstlich zurückweisen, so möge er bedenken, daß das berühmte große U Schöffers in dem Drucke von 1502 nicht benutzt ist, während es 1516 wieder erscheint. Herr Hupp müßte konsequenterweise auch das Psalterium von 1502 für das älteste halten, da gar nicht abzusehen ist, warum Schösser 1457—1490 und dann wieder 1516 das U verwendet haben soll, während er 1502 die Stelle leer ließ.fi Zu vergleichen wäre hierzu auch, was ich in meinen »Untersuchungen über die Buchdruckertechnik« (Centralblatt XIV, 162 folg.) über die Initialen der Bibel von 1462 er mittelt habe, sowie die von Van der Linde, Quellen forschungen S. 73 Anm. 2 mitgeteilte Thatsache, daß es von dem Rationale Durandi Schöffers 1459 Pergament exemplare mit den gedruckten Psalterinitialen und solche mit leergelassenen Stellen für den Illuminator giebt. »Besonderen Wert legt Herr Hupp auf das eigen tümliche r des Missale. »Was sollte wohl«, fragt er, »den Drucker des Missale, falls er, gleichviel auf welche Weise, seine Typen von den Druckern des Psalters erhalten hatte, veranlaßt haben, das zweite, allgemein gebräuchliche runde r abzulchnen und für diesen einen Buchstaben, für den er doch die gewöhnliche Form auch besaß und benutzte, eine ganz besondere Form zu zeichnen, einen eigenen Stempel dafür zn schneiden und eine Matrize dazu anzufertigen?« Ich glaube, die Sache ist viel einfacher, als Herr Hupp vermutet.fi Der Drucker des Missale braucht den Stempel für dieses r gar nicht erst zu schneiden, denn es ist nichts als der rechte Teil des Ir des Psalters. Ihm fehlte der Stempel für das runde r, wohl -aber hatte er den für das U Da dieser Buch stabe im Missale kaum gebraucht wurde, feilte er einfach die linke 1 ähnliche Seite ab und gelangte so zu seinem zweiten r.fi Wie sehr die ersten Drucker mit der Feile gearbeitet haben, ist längst bekannt. Ich stelle mir den Sachverhalt also gerade umgekehrt vor, als Herr Hupp in der Anmerkung 1 auf S. 10 seiner Schrift, nach der das lc des Missale durch Anlötung des merkwürdigen r an die beiden 1 entstanden ist. Daß dies schon im Psalter vvrkommt, kann jeder aus der Probe ersehen, die auf S. 21 der Huppschen Schrift von Bl. 151 r. des Psalters angegeben wird. Zu bezweifeln, daß hier dies lr eine eigene Type sei, liegt nicht der geringste Grund vor; in der 42zeiligen Bibel sowohl wie in der 36zeiligen ist die Form des ü ganz ähnlich (vergl. Dziatzkv, Gutenbergs früheste Druckerpraxis S. 52), und hier kommt dessen rechter Teil als r nicht vor. Damit fällt nicht nur die Lötungstheorie, sondern es fallen auch alle die Phantasieen, die Herr Hupp über dies r aufgestellt, das er die ursprüngliche, völlig zum Charakter der Schrift passende Form nennt, die nur von dem Metallarbeiter Gutenberg selbst herrühren könne, während der Schreiber Schösser sie durch das leichter zu schreibende runde r ersetzt habe. »Auch der Umstand, daß die kleine Psaltertype nur im BUssale und bei Schösser vorkommt, beweist gar nichts für Hupps Ansicht. Einen Grund für ihre seltene Benutzung habe ich schon angegeben, nämlich ihre Größe, die sie für die meisten Drucke ungeeignet machte. Daß eine Type nur ein- oder zweimal verwendet wird und dann spurlos ver schwindet, kommt auch sonst im 15. Jahrhundert vor. 795* .
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder