Vertag von Kreiner L Useisser in Stuttgart. ^^s40353j Vom 1. Oktober 1898 ab erscheint: Der Anim. Monatsschrift für Semüi unü Seist. Serausgeber: Zeannot kmil freikerr von Srottduss. „Der Hürmer?" Wer ist das? Leitwort: „Zum Sehen geboren. Zum Schauen bestellt . . Lynkeus, der Türmer. lFaust II.) Eine ganz unmoderne Erscheinung, die eigentlich gar nicht, deshalb aber gerade erst recht und nur desto besser in «nsere Zeit hineinpaßtI Der „Türmer" ist ein Mann in altmodisch verschollenem Gewände, der auf hoher Zinne steht. Unter sich steht er die jähe Flucht widerspruchsvoller Erscheinungen, das Hasten und Drängen des Menschengetriebes; empor schaut er zum uner gründlichen Himmel, wo schweigende Gestirne auf Bahnen ewiger Weisheit wandeln —: „Zum Sehen geboren, Zum Schauen bestellt I" An Sehvermögen fehlt es in unserer Zeit nicht. Unzählige Sehorgane: Zeitungen und Zeitschriften dienen ihm. Aber über dem bloßen Sehen, der äußerlichen, kalt verstandesmäßigen, einsetligen Sonderbetrachtung der Erscheinungen vergißt sie nur zu oft das Schauen: die innere, die Dinge im Zusammenhänge erfassende Anschauung durch das Gemüt — die harmonische Weltanschauung. Der „Türmer" wird bestrebt sein, die Sehenden zu Schauenden zu machen. Sollte er damit nicht einer großen, wahrhaft zeitgemäßen Aufgabe dienen? Umsaust von Schlagworten, von Parteien und Schulen hin- und hergezerrt, betäubt von Programmen, überschüttet mit verwirrendem Lesestoff, der nach den Grundsätzen: „Vielerlei, nicht viel" und: „Die Masse muß es bringen" zusammengerafft ist, sieht sich der Zeitgenosse vergebens nach einem stillen Winkel um, in welchem er alle die aus ihn einstürmenden Fragen, Erscheinungen und Ereignisse in Ruhe mit sich und Gleichstrebenden erörtern und verarbeiten könnte. Diesen „stillen Winkel" diese umfriedete Geistesstätte werden ihm die Blätter des „Türmers" bieten! . Feierabendstimmung soll sie durchwehen. Aber den Feierabend genießt nur, wer tüchtiges Tagewerk vollbringt. So wird der „Türmer" auch dem großen Kampfe der Zeit, der ein Kampf um die Weltanschauung ist, wachend und weckend mit Hellem Horn folgen — von höherer Warte aus, als von der Zinne irgend einer „Partei"! Frisch, frei von Schablone und Menschensurcht, immer aber in ritterlich-nobler Haltung wird der „Türmer" diejenigen Erscheinungen und Ereignisse der Gegenwart scharf ins Auge fassen, die ihr das eigentümliche kennzeichnende Gepräge ausdrücken. Regelmäßig wird dies in Mrmers Hageöuch geschehen, einer eigenartigen, unpolitischen Monatsscha« in fesselnder, künstlerischer Form und warmblütiger „persönlicher" Darstellung. Seinem Berufe getreu, wird der „Türmer" in einer wachsamen Kundschau über das gesamte geistige Leben der Gegenwart das Bemerkenswerteste und Interessanteste ans der Eagespresse, Zeitschriften- und Much- litteratur im Auszuge oder durch wörtlichen Abdruck besonders ausgezeichneter Stücke wiedergebeu. Die „Rundschau" wird den Leser nicht nur über alle geistigen Strömungen der Gegenwart stets auf dem Laufenden erhalten, sondern auch die thatsächlichen Ereignisse des Monats auf allen Gebieten der Kultur, Wissenschaft, Litteralur, Kunst u s. n>. im Spiegel übersichtlich geordneter kurzer Mitteilungen mit knapper Kennzeichnung zusammenfassen. A- Offene Lalle gewähre dem freien Meinungsaustausche, wie der ehrlichen Ueberzeugung auch des Gegners, gastliche und weitherzige Auf nahme. So entschieden der „Türmer" seine eigenen Anschauungen immer und überall vertreten wird, so wenig glaubt er sie durch engherzige und feige Unterdrückung abweichender Meinungen fördern zu können.