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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.02.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-02-01
- Erscheinungsdatum
- 01.02.1882
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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auf Verlangen vorweisen. Zur Zeit meines Londoner Aufent haltes (Herbst 1878) war, weil einige Zeit vorher einem Leser irgend ein Gegenstand abhanden gekommen war (der Verlust eines Buches der Rekorevoo labrar)- datirte aus noch früherer Zeit), eine wesentliche Verschärfung dieser Bestimmung eingetretcn, und sollte jeder Besucher des Lesesaales bei jedem Besuche de» am Eingang zun, RoackiuZ' ltoom Wache haltenden Dienern seine Einlaßkarte vorzeigen. Diese ihren Zweck ersichtlich ver fehlende Bestimmung wurde mit einer Rigorosität durchgeführt, welche man an Deutschen als biireaukratische Pedanterie belächeln oder rügen würde; jedenfalls war auch die englische Verwaltung des Lritisb Nuseam damals wenigstens einer solchen Pedanterie nicht unfähig. Nebenbei haben übrigens die beiden ostiarii noch die Aufgabe, die Zahl der täglichen Besucher zu notiren für die mit großer Sorgfalt gepflegte Statistik des Museums. Wer von den wachthabenden Beamten durchgelassen ist und den Gang zwischen verschiedenem Nebcngclaß, wie Garderobe re. passirt hat, gelangt endlich zu der nach beiden Seiten geräuschlos sich öffnenden Glasthür des LeackinZ Loom. Von imponirendcr Großartigkeit erscheint dieser dem Fremden, welcher ihn zum ersten Male betritt: sowohl überraschen ihn die mächtigen Dimen sionen, als die übersichtliche Symmetrie der gesammten Anord nung ihm wohlthut und die bunte Mannigfaltigkeit des Treibens ihn fesselt. Neben den zahlreichen Vertretern beider Geschlechter des Landes, in dessen den Musen geweihter Stätte er weilt, und den bekannten Typen anderer europäischer Länder sieht man die Söhne der verschiedensten Gegenden fremder Erdtheile, Araber, Neger und Mulatten, namentlich viele Hindus, die durch Studien im Brittischen Museum die Kluft auszufüllen bestrebt sind, welche zwischen ihrer heimischen und der europäischen Cultur besteht. Man würde übrigens fehlgehcn mit der Annahme, daß alle die anwesenden Leser ernst wissenschaftlichen Studien obliegen. Gerade unter den Besuchern aus London sollen, wie mir ver sichert wurde, viele den Roackiug lioom zu praktischen Zwecken aussuchen: Beamte von Advocatenbureaux, welche alte Zeitungs annoncen im Interesse ihrer Clienten nach irgend welchen Per sonalien durchstöbern; Industrielle, welche sich nach Zeichnungen für ein Modell umsehen oder nach der Beschreibung der für irgend eine Branche patentirten Maschinen. Fremde, welche den LoaäivA Room nur in Augenschein nehmen wollen, werden bloß partienweise und nachdem sie aus dem Secretariat des Museums eine besondere Erlaubnis, eingeholt haben, unter Führung eines Beamten zugelassen; auch dürfen sie nur von der Eingangsthüre aus den Raum und seine Einrichtung betrachten. Wer als Leser und mit einem bestimmten literarischen Zwecke den Lesesaal be treten hat, wird sich zuerst, falls er noch zu wählen hat, eines geeigneten Platzes versichern, wobei — besonders sür Hand schriftenleser — aus die Beleuchtung zu achten ist und auf die Nähe derjenigen Abtheilung der kstbronoo labrar)-, aus welcher er zumeist Bücher zum Nachschlagen entnehmen muß. Er wird dann seine Bücherbestcllung machen und zwar sür Bücher, die Tags zuvor sür ihn zurückgestellt worden sind, unter Benutzung der alten Empfangsscheine, auf welchen nur Datum und event. die Angabe des Sitzplatzes zu verändern sind. Werden reservirte Bücher nicht am dritten Tage nach ihrer Aufbewahrung wieder vom Leser bestellt, so wandern sie in die Bibliotheksräume zurück. Das Herbeiholen der gewünschten Bücher, namentlich solcher, welche neu bestellt sind, erfordert zumal in der ersten Stunde nach Eröffnung des Roaäivß lioom eine geraume Zeit. Da ver gehen ^ bis Stunden, ehe das Gewünschte zur Stelle ist, und doch kann man den Beamten des Museums, bei welchen wie im englischen Geschäftsleben überhaupt das „guickl/' eine Hauptrolle spielt, keineswegs den Vorwurf der Lässigkeit machen. Auch die Manipulation des Büchersnchens ist richtig organisirt; nur ist in der ersten Gcschästsstunde der Andrang zu groß und das lobenswerthe Prinzip, die Zahl der Bücher, die Einer ver langen kann, nicht zu beschränken, sehr zeitraubend für die Ver waltung. Ueberhanpt würden manche deutsche Gelehrte, welche jeden Gang nach der Bibliothek ihres Ortes als einen lästigen Zeitverlust empfinden, deren Verkehr mit diesem Institute sich häufig darauf beschränkt, durch Brief oder Boten Bücher zu be stellen und diese ebenso durch Andere holen zu lassen, welche aber anderseits vom Hörensagen geneigt sind, das Brittische Museum als Muster bequemster Bücherbenutzung über Alles zu Preisen; diese Gelehrten, meine ich, würden an Ort und Stelle bald er fahren, daß ohne wesentliche Opfer an Zeit die Schätze des Brittischen Museums für sie nicht zu heben sind. Der Fremde, welcher nur zu Studienzwecken und meist in seiner Ferienzeit in London weilt, empfindet das wenig; Wohl aber haben mir in London ansässige Gelehrte versichert, daß sie wegen ihrer anderweitigen Bcrufsgeschäfte nur selten, und dann stets mit Aufopferung eines halben oder ganzen Arbeitstages das Museum benutzen könnten; ein Opfer, welchem der geholte Gewinn nicht immer entspräche. Will der Leser den koaäiug Room verlassen, so liefert er sämmtliche gegen Scheine erhaltene Bücher oder Manuscripte bei demjenigen der drei Beamten ab, welcher seine Scheine in Ver wahrung hat; die Entleiher sind auf die drei Beamte» nach dem Alphabet ihrer Namen vcrtheilt. Diejenigen Werke, welche Einer sür den folgenden Tag zurückgcstellt haben will, müssen besonders abgegeben werden und je mit einem Jnlerimszettel (Formulare sind nicht vorgeschricben) versehen sein, aus welchem die Signatur des Buches, Datum und Name des Bestellers nebst dem Worte „Irspt" enthalten sind. Die Bücher der Rekorone« labrar)' sollen rcglementsmäßig alsbald nach ersolgter Benützung vom Leser wieder eingestellt werden, jedenfalls also, bevor er wcggcht. An eine Zeit innerhalb der Geschäftsstuqden ist die Rückgabe der Bücher so wenig wie ihre Bestellung gebunden. Am meisten häuft sich jene natürlich vor Schluß des lieaäing lioow. Derselbe wird 15 Minuten vorher mit einer Glocke an- gckündigt; doch merkt man schon längere Zeit vorher an dem demonstrativen Zurechtrücken der Stühle, Abträgen von Büchern u. dergl. von Seiten des Nnterpersonals, daß die Zeit des Schlusses nahe ist, falls man sich nicht durch einen Blick aus die große im Leaäiug lioom befindliche Uhr über die Zeit unter richtet hat. — Bor Oeffnung des lieackinA Roorr, wird täglich die Rokoronoo labrar)- revidirt, was sowohl der Sicherheit wegen als zur Beseitigung der unausbleiblichen Verstellungen erforder lich ist. Ueber die Einrichtung der Bücherräume kann ich kürzer sein. Soweit dieselben nicht zugleich Ausstellungssälc sind, sür welche Rücksichten der Repräsentation maßgebend waren, ist das Prinzip größtmöglicher Ausnützung des Raumes sowie im Zusammen hang damit größter Gleichmäßigkeit der Einrichtung streng durch- gesührt. An den Seiten schmaler Gänge, sie sind 6 F. breit, befinden sich die Büchergestelle, alle von gleicher Höhe und Breite. Sie sind, was sehr praktisch ist, aus Eisen gegossen, in Folge dessen in ihren einzelnen Theilen und unter einander so gleich mäßig, daß die Legeböden (gleichfalls galvanisirte, oben mit Leder überzogene und an den Ecken mit Holz verkleidete Eisen platten) ohne weitere Anpassung an jeder Stelle jedes Repositoriums benutzt werden können. Letztere sind vorn in ihrer ganzen Breite mit einer herabhängenden etwa 2 Zoll breiten Lederklappe ver sehen, welche die untere Bücherreihe vor dem Eindringen des Staubes und die einzelnen Bücher beim Einstellen und Heraus nehmen vor Beschädigung durch die scharfen Kanten der Lege-
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