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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.06.1904
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1904-06-18
- Erscheinungsdatum
- 18.06.1904
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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ISS, 18, Juni 1S04, Nichtamtlicher Teil, 5305 geben könnte. Die Preise der selteneren Bücher weichen bei den Auktionen fortwährend ab. Die Moden und Neigungen der Sammler ändern sich und die Antiquariatskataloge sind manchmal irreführend. Der Wert der wohlbekannten, aber seltenen literarischen Schätze wächst jedes Jahr, Dieses Anwachsen verdanken wir in hohem Grade den amerikanischen Millionären, Geld, so schließt der Millionär, kann ihm alles verschaffen, was er wünscht. Wenn er den Ehrgeiz hat, eine Bibliothek wertvoller Bücher anzulegen, so schickt er nach London, Edinburg oder sonst wohin seine Aufträge und läßt zu jedem Preise kaufen. Wenn nun gar zwei oder drei Millionäre auf der Suche nach derselben Seltenheit sind, so ist es klar, daß ein Buch, das vor fünfzig Jahren zehn Pfund Sterling kostete, heute deren hundert kostet. Alte Bücher im allgemeinen wachsen nicht an Wert, wohl aber an Gewicht durch den Staub,der Jahre, Die volkstümliche Anschauung, daß ein Buch von Wert sein muß, wenn es über hundert Jahre alt ist, ist ein arger Irrtum, Zuweilen erhalten Bücher einen größeren Wert durch Beigaben, die ursprünglich nicht dazu gehörten, z, B. Autographen, handschriftliche Bemerkungen, Exlibris, Ab bildungen usw, Bücher, die sich früher im Besitz von lite rarischen und anderen Berühmtheiten befunden haben, werden höher bewertet. Es gibt Kenner, die ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf das Sammeln von illustrierten Büchern richten, die z, B, Holzschnitte von Bewick, Stiche von Cruik- shank, Rowlandson usw, enthalten. Gegen Ende des acht zehnten und Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurden viele schöne Werke mit Stichen und handkolorierten Tafeln herausgegeben. Dieselben sind meist von beträchtlichem Werte und werden immer seltener. Wenn Umgebung und tägliche Beschäftigung den Cha rakter eines Menschen beeinflussen, so dürfte dies bei dem Manne zutreffen, der Bücher kauft und verkauft und literarische Lust atmet. Im Verkehr mit den verschiedensten Arten von Männern und Frauen aller Stände, die die mannigfachsten Gattungen von Büchern haben wollen, muß er ein vielseitiger Mann sein und werden, der über jeden aufs Tapet kommenden Stoff reden kann und ebensogut ein Bilderbuch für ein Kind, als eine geeignete Predigtsammlung für einen angehenden Theologen empfehlen kann. Der Buchhändler ist der Hüter und Spen der von Schätzen, die kostbarer sind als Silber und Gold, Die von ihm verteilte geistige Nahrung fördert den Verstand und die Bildung der unsterblichen Seele, Die von anderen Knufleutcn verkauften Waren dienen nur für die Bedürfnisse des vergänglichen Lebens, aber die unsterblichen Gedanken großer Bücher sind für die Ewigkeit, Welcher Art muß nun der Mann sein, dessen tägliches Geschäft es ist, solche Schätze zu kaufen und zu verkaufen? Der ideale Buchhändler sollte ein Mann in allen Sätteln sein, nicht zu sehr von einem Fache oder einer Wissenschaft eingenommen, sondern sie alle hinreichend kennen und lieben. Er darf auch kein zu eifriger Bücherliebhaber sein, sonst würde er wohl lieber kaufen, aber mcht verkaufen. Die gangbarsten Bücher sind nicht immer die besten; einige haben einen geradezu unglaublichen Erfolg, während andere viel wertvollere unverkauft und ungelesen bleiben. Niemand kann sich diese merkwürdige Erscheinung in der Welt der Bücher erklären oder die Gründe dafür angeben, warum Werke von nicht besonderem großen literarischen Werte plötzlich zu Tausenden verkauft und von jedermann gelesen werden. Seinerzeit erschien ein kleines Buch: Ibe 6»tss S.M-, das wie die warmen Semmeln abging. Jeder fragte jedermann, ob er das Buch schon gelesen hätte. Be triebsame Verfasser fabrizierten Werke ähnlichen Inhalts wie: llbo 6atk8 olosoä, 86SV6N kor ever/boäx, seqnol to tbe 6st68 Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 71. Jahrgang. ajar, Ln Lntläoto to tb6 6atss ajar !C, Viele Leser der jetzigen Generation werden niemals von diesem Buche oder von dem Streite gehört haben, der sich wegen seines eigentümlichen Inhaltes erhob. Die Verfasserin, Miß Phelps, beschrieb einen sehr greifbaren und sehr irdischen Himmel, in welchem Klaviere und andere Vergnügungs- (oder Marter-) Instru mente zu finden waren. Wenn sie heute ihr Buch schreiben würde, dürsten ohne Zweifel die Annehmlichkeiten ihres himmlischen Paradieses um Golfspiel, Pingpong, Automobil sport usw, vermehrt werden. Die Haitis ok Vorbivx, die ursprünglich in lllaolr-vooä's ^lagaxivs erschien, wurde als Broschüre für einen Sixpence herausgegeben und hatte einen riesigen Erfolg, Es war die realistische Beschreibung einer deutschen Invasion in Großbritannien, die in der be rühmten Schlacht gipfelte. Dieses Heft war das erste einer ganzen Schar von Nachahmungen, von denen die »Belagerung von London- die beste war. Der lkißkt st vams Lnroxa's 8cbool war ein geschicktes politisches Pamphlet und handelte vom deutsch-französischen Kriege, John Bull als großer, dicker, gutmütiges, be schränkter Schuljunge war der Held dieses und anderer damals veröffentlichter Pasquille, Als Königin Viktoria zur Kaiserin von Indien ausgerufen wurde, erschien: lllbs 8lot Oll tbs (Zneen's 8o»ä als Protest gegen Disraelis ehr geizige Politik, Der verstorbene Edward Jenkins, M, d, P, für Dundee, war der Verfasser von Kivx's Rabzg das einen unerhörten Erfolg hatte. Als Habbertons kleines Buch über die Taten und Meinungen der beiden außergewöhnlichen Kinder »Holen 8 kabiss« von Amerika herllberkam, konnten die Drucker nicht rasch genug Exemplare zur Befriedigung der Nachfrage schaffen. Das Wort des frühreifen Budge: »I rvani to 866 :li6 v.'Ü66l8 go -vonnä- war damals ebenso populär, als es heute IVss Navgrssxor's »VVbit vs^?- ist. Ein Buch in Versen gewinnt selten sofort eine größere Ver breitung, Urs, Ssruivxdaw's llonrval in Versen war jedoch bei seinem Erscheinen ebenso beliebt, wie ein sensationeller Roman, Mrs, Jerningham war ein fröhliches junges Mädchen, das mit einem sehr gewöhnlichen, alltäg lichen, gesetzten, ruhigen Ehemann John Jerningham ver heiratet war. Vor ihrer Heirat war sie so glücklich, daß sie -lachend in der Nacht erwachte-. Sie wußte John nicht zu würdigen und John verstand ihre bewegliche Natur nicht; sie waren beide unglücklich. Nach mannigfachen Erfahrungen fand sie heraus, welches Kleinod von einem Ehemann sie besaß und sie wurden das glücklichste verheiratete Paar, »LItsrs/äs-, eine anmutige Geschichte von Miß Annie Swan, wurde seinerzeit von dem auf dem Gipfel seiner Macht stehenden Gladstone gelesen. Er schrieb dem Verleger einen anerkennenden Brief darüber und Liäsrs^äs wurde das Buch, das jedermann las. Von Last I^nne von Mrs, Henry Wood wurden 8VV0V0 Exemplare verkauft. Es kam zuerst in drei Bänden für 31 sb, 6 ä, heraus, dann in einem Band zu 6 sb , dann für 2 sb, und kostet jetzt 6 ä. Die Sixpenny - Ausgabe ist gewöhnlich die letzte Lebensstation eines populären Romans, Zuweilen finden sie nicht einmal hier Ruhe, sondern werden noch in abgekürzter Gestalt für einen Penny herausgegeben. Der amerikanische Geistliche Charles M, Seldon ist der Verfasser einiger religiöser Romane, von denen: »In bis Ltsxs; or, IVbat »vonlä llssns äo?- der bedeutendste ist, Bon diesem Buche wurden in den ersten Monaten Hunderttausende verkauft. Da das Werk nicht geschützt war, wurden von verschiedenen Verlegern Ausgaben zu allen Preisen von einem Penny an veran staltet, Auf zahlreichen Kanzeln wurde auf das Buch hin gewiesen und darüber gepredigt. Dann hörte plötzlich aus einem nicht ersichtlichen Grunde die Nachfrage auf. Große Mengen des Buches blieben unverkauft. Eine Erzählung aus 70 l
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