Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.05.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-05-01
- Erscheinungsdatum
- 01.05.1882
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18820501
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-188205012
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18820501
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1882
- Monat1882-05
- Tag1882-05-01
- Monat1882-05
- Jahr1882
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Dagegen gab es im I. 1861 bloß 1535 Sortimenter; ihre Zahl ist also im Laufe von zwanzig Jahren um 2034 gewachsen! Und einer, der eine Buchhandlung kaufen wollte, konnte sich ge müßigt sehen zuinseriren: „Jetzt so zahlreich umlaufende Offerten junger Geschiffte, welche ihre Besitzer nur wegen fehlender reeller Basis zu einer gesicherten Fortexistenz los sein wollen, bleiben unberücksichtigt" Viel bedenklichere Wißstände treten in der über handnehmenden Schleuderei und im Colportagcwescn hervor. Unter Schleuderei versteht man die Ankündigung neuer Bücher unter dem Ladenpreise, ein Raubbau, der beispielsweise so weit gegangen ist, daß das Heft der „Gartenlaube" zu 40 Ps. ver kauft wurde. Einigermaßen können sich die Verleger gegen dieses Unwesen selbst Helsen, indem sie notorischen Schlcuderern keine Waarc mehr ausliefern. Jndeß liegen hier noch allerlei Schwierig keiten: wer will sagen, was „neue Bücher" sind? Völlig macht los scheint dagegen der regelmäßige Buchhandel gegen den Krebs schaden der Colportage zu sein; denn weder ihre Personen läßt sie sich von ihm zubereiten, noch ist sie mit ihrer Waare aus ihn angewiesen: sie hat sich eine eigene Literatur geschaffen, und was für eine! Der Colportagebuchhandel hat sich bereits als eigener Zweig des Gewerbes neben den Verlag und das Sortiment gestellt und eine staunenswerthe Ausdehnung gewonnen. Nach dem Schulischen „Allgemeinen Adreßbuch sür den deutschen Buchhandel" sür 1882 widmen sich ihm zum Theil oder aus schließlich nicht weniger als 1079 Firmen. A. Bolm in Berlin aber, der Herausgeber der bedeutendsten Zeitschrift für diese Branche, weiß sich im Besitz von nicht weniger als dreitau send bezüglichen Adressen! Er charakterisirt in seinem „Börsen blatt" gelegentlich zwei neu austauchende dortige Colportage-Fach- zeitschristen folgendermaßen: „Wir müssen mit Bedauern zugleich die Thatsache bekunden, daß beide Blätter in gehässiger Weise sich gegenseitig und in nicht sehr glimpflicher Weise anfeinden. Es wird uns behauptet, daß der darin angeschlagene Ton ein schwacher Nachklang der Sprache sei, wie sic im persönlichen Verkehr mit derartigen Herren zur Geltung komme. Das wort-, aber wenig inhaltreiche Programm dieser Blätter spitzt sich auf die Phrase zu, daß ,die unsauberen Elemente im Buchhandel auSgerottet werden sollen'. ,Die schwarze Liste' . . die nach diesen Blättern ,alle Schäden des Colportagebuchhandels' curiren soll, eröffnet ihren Reigen in dem einen Blatte mit der Ver öffentlichung des Namens des gegnerischen ,Redacteurs', während sich dieser an der Verunglimpfung einer dem anderen Blatte nahe stehenden Person entschädigt." Zwei Stilproben aus einem derselben, dem bei E. Malzahn in Berlin erscheinenden „Special- Fach- und Schutz-Blatt sür den deutschen Colportagebuchhandel. Organ des Vereins deutscher Colportage-Buchhändler zu Berlin" werden gute Dienste thun, den Leser in diesen Kreis einzusühren. In Nr. 1 v. I. lesen wir: „Vielseitig ausgesprochene Aner kennungen von Seiten unserer Freunde haben uns den Beweis geliefert, daß die Gründung unseres Blattes sowohl ein Bedürsniß wie ein zweckentsprechendes Unternehmen gewesen, was uns immer mehr und mehr anspornen wird, das Blatt auf der Höhe der Zeit zu erhalten und seine vorgesteckten Ziele der Erfüllung näher zu führen. Obwohl der Colportagebuchhandel ein wichtiges Glied im Buchhandel ist, so wird er dennoch viel fach angcseindet, doch meistens verkannt. Unsere höchste Aus-! gäbe soll es sein, die Fahne des Colportagebuchhandels hoch zu schwingen, ihm auch von seinen Gegnern die Achtung zu er zwingen, welche ihm gebührt", und in Nr. S v. I.: „Diese vor stehende Schilderung ist nur ein kurzer Auszug von den vielen Verschiedenen Fällen, in denen der Colportagebuchhandel nach und nach zu Grabe getragen wird; alle einzeln aufzuführen, würden Bände erforderlich sein, und schließlich würden die Leser nur Bekanntes wieder vor Augen geführt erhalten; sie würden wohl den Kopf schütteln und lebhaft wünschen, cs möchte anders werden; doch was kann bei dem besten Willen der Einzelne thun; er wird stets unmächtig bei jedem Versuch zurückprallen. Am besten und wirksamsten hat sich bisher immer in solchen, von vielen einzeln angestrebten Fällen die Presse bewährt; sie ist un streitig der mächtigste Bundesgenosse; mit ihrer Hilfe ist schon so Vieles erreicht so manches Gute geschaffen worden". In derThat, trotzihrer Elendigkeitist diesePressemächtig genug. Sie beeinflußt die Colportage, und durch diesen Canal erhalten jetzt weite Kreise des Volkes ihre gesammte geistige Nahrung, Kreise, die früher nur Gesangbuch und Kalender lasen und bisjetzt noch nicht zur Lectüre einer Zeitung sich aufgeschwungen haben. Das selbe Blatt kann mit Stolz sagen: „Die Wirkungen der Col portage haben sich auch glänzend bewährt; nicht allein daß mit deren Hilse jeder Deutsche mit Unterhaltungslectüre versehen: auch die populärsten wissenschaftlichen Werke sind fast in jede Familie eingeführt worden; der Colportagebuchhandel darf sich mit Recht rühmen, einen großen Theil zur Volksbildung beigetragen zu haben!" Wenn dem so ist, und cs ist inututis wutauckis nicht daran zu zweifeln, so dürste es sich gar wohl der Mühe verlohnen, diese Volksbildner einmal etwas näher anzusehen: woher sie kommen, wer sie sind, wohin sie gehen. Ein bankrotter Kaufmann, ein verkommener Schneider, ein streb süchtiger Handarbeiter oder sonst eine verfehlte Existenz meldet sich zum Abonnentensammeln bei einem Winkelsortimenter. Ist er etwas besser conservirt, so nennt er sich Bnchhandlungs- reisender und beginnt seinen Raubzug eine Stufe höher, aber ohne innere Unterschiede. Macht der Ankömmling den Eindruck einer gewissen Entschiedenheit und Geriebenheit, scheint er ge eignet, viele Gimpel zu beschwatzen, so wird ohne Prüfung seiner Persönlichkeit das Publicum in seine gierigen Hände gegeben. Er erhält eine Partie erster Lieferungen irgendeines „zugfähigen" Werkes und sucht damit die letzten Quartiere auf, in denen er zu Hause ist. Durch redesertige Dreistigkeit und Beharrlichkeit weiß er den Kunden seinen Kram auszuhalsen; denn wenn er auch das Buch nicht kennt, das er ausbietet, so kennt er um so besser seine Käufer. Auf diese Weise ist er bekannt geworden und denkt nun daran, sich selbständig zu machen. Ein Anfangscapital ist nicht vonnöthen. Erhält er doch die ersten drei, ja zuweilen die ersten sechs Hefte gratis; sind diese verkauft, so hat er soviel in Händen, um die folgenden zu bezahlen; denn noch wird ihm nur gegen baar ausgeliefert. An Kunden ist ebenso wenig ein Mangel; er behält die seines ehemaligen Prinzipals. So nennt er sich nun Buchhändler, und geht das Geschäft, so nimmt er selbst andere Kolporteure an, die sieben Mal schlimmer sind als er. Während sie es mit ihm ebenso machen, wie er einst mit seinem Brotherrn, treibt ihn sein Ehrgeiz höher. Endlich ist er in der Lage, von einer der zahlreichen Annoncen Gebrauch zu machen wie die folgende: „E. Mecklenburg, Verlag, Berlin 8V., Krausenstr. Nr. 41, empfiehlt die bei ihm erscheinenden durchweg spannend geschriebenen zwanzig historischen und Bolksromanc zur i thätigsten Verwendung und richtet soliden Firmen den einen oder anderen davon ganz nach Wunsch in ein, zwei oder mehr Bogen und mit Nennung ihres Namens als Verleger ein, be sorgt auch event. an Prämien das Neueste und Praktischeste zu besonders billigen Preisen ic." Aehnliche Manipulationen sind l auch in der so sehr heruntergekommenen Zeitungsindustrie an
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder