8322 Nichtamtlicher Teil. .V 229, 1. Oktober 1904. Jahrhunderts. Die Buchdruckerei I. G. L. Wichers und Sohn ist seit dein Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, seit 1800, im Besitz derselben ^ Familie, ^vom Vater auf den^Sohn über- Pape (1650—16681; ihm folgte Georg Redendem (1667—1684), auf Carl Wilhelm Meyn (1781-1801) über. Nach dem 1801 er- erworben, in dem dann die Druckerei bis zum Abbruch ^des Hauses, 1890, verblieb. Der Nachfolger von Schnicbes war sein Schwiegersohn Johann August Meißner (1818—55), dem sein Sohn Th. Gottl. Meißner (1856—86) folgte. Nach dessen Tode dem Vertrieb der Bücher befaßten. Seßhafte Buchhändler ^gab es ja verhältnismäßig spät; noch im siebzehnten Jahrhundert waren ^ bi, tjbcc- in alten Akten schließen darf ") Daß Hamburg ein guter Markt für Bücher war, bezeugt auch der Umstand, daß sowohl die Elzevire, wie Christoph Plantin dort zeitweilig eine Niederlage hatten. Bedeutungsvoll wurde Hamburg als Ursprungsort vieler Zeitungen. In früheren Aufsätzen^) habe ich zur Geschichte des Zeitungswesens in Hamburg und Schleswig-Holstein einige Notizen gegeben und kann mich hier kurz fassen. Das älteste Unter nehmen dieser Art ist die von Johann Meyer 1616 begründete lich behandelt, auch die Konkurrenz, die ihr erwuchs und die Schwierigkeiten, die anfänglich von Buchdruckern und Buch händlern gemacht wurden. Ich habe dort auch die Geschichte der Hamburger Nachrichten, des Fremdenblattes usw., behandelt, und ich kann hier folglich davon absehen. Daß eine Geschichte der Zeitungen in^ kulturgeschichtlicher Be^ höchst interessant ist Die ersten deutschen moralischen Wochenschriften sind der »Ber- nünfftler«, der am 13. Mai 1713 bei Thomas Wierings Erben in Hamburg erschien, und -Die lustige Fama aus der närrischen lebt hat^ j ^ i n der »Patriot«, der seit dem 5. Januar 1724 in Hamburg bei Johann Kißner erschien. Diese moralischen Wochenschriften, die große Verbreitung fanden und maßgebend für manche Fragen literarischer und humanitärer Bildung wurden, haben nicht wenig dazu beigetragen, Hamburgs Vorherrschaft in literarischer Hinsicht ") Archiv f. Gesch. d. Buchhandels. X. 128 u. ff. '5) Börsenblatt 1900, Nr. 227 u. ff. Hamburg 1888. zu stärken und zu festigen. In bezug auf Zeitungen und Zeit schriften kommt Hamburg eine führende Rolle für oas Ende des siebzehnten und den Anfang des achtzehnten Jahrhunderts un bestritten zu. Vor allem aber auch für die Literatur im allgemeinen. Schrecken des dreißigjährigen Krieges und der folgenden Kriege verschont blieb und dessen Handel durch kluges Ausnutzen der Kon junkturen mehr und mehr an Bedeutung gewann. Der Wohl bildete; in den Kriegszciten hatten manche große Herren dort ihren Wohnsitz aufgeschlagen, und Hamburg wurde häufig zu längerem Aufenthalt vom Adel der Umgegend gewählt, ^ bot die unstreitig tonangebend auf dem Gebiete der schönen Literatur und wußte sich diese Stellung auch fast das ganze achtzehnte Jahrhundert hindurch zu sichern. Selbst als die großen Heroen deutscher Dicht ersten Blick scheint, und selbst eine Aufzählung der Namen vermag uns noch nicht diese Bedeutung ganz vor Augen zu führen. Da sind zu nennen Greflinger, Schwiger, Happel, Postel, Hunold (Menantes). Wernicke, Feind, Richey, dann vor allem Barthold H,in,!ch^Bcock,^ und H.g.d.rn ^ Wissenschaft Und Kunst im Norden werden könnte. Die Kriegs zeiten, die schließlich die Macht des Gottorpischen Hauses brachen und den Wohlstand des Landes schwer schädigten, haben dies alles zu Nichte werden lassen; fast hundert Jahre lang kann Schleswig-Holstein für literarisches und wissenschaftliches Leben kaum in Betracht kommen, und auch dann war es großen