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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.05.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-05-22
- Erscheinungsdatum
- 22.05.1882
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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Nichtamtlicher Theil. Der Kolportage-Buchhandel. Von sachkundiger Seite, so berichtet die Nat.-Ztg., wird uns geschrieben: Der jetzt dem Reichstage vorgelegte „ Entwurs eines Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung" bestimmt im 8. Sk: Ausgeschlossen vom Feilbieten im llmherziehen sind ferner: Druckschriften, andere Schriften und Bildwerke, mit Ausnahme von Bibeln, Bibeltheilen, Schriften und Bildwerken patriotischen, religiösen oder erbaulichen Inhalts, Schulbüchern, Landkarten und landesüblichen Kalendern. Alles, was in den Motiven zur Begründung dieses Verbotes über die Verderblichkeit des Colportagebuchhandels mit der soge nannten „Schundliteratur", was über die bedauerliche Verbreitung von Schauerromanen und unsittlichen Schriften gesagt ist, und ebenso die Vcrurtheilung des argen Schwindels, den gewissenlose Händler mit den sogenannten „Prämien" treiben, — alles dies können wir voll und ganz unterschreiben. Dennoch, trotz aller Anerkennung der wirklichen, nicht geringen Uebelstände, müssen wir gegen jenes Verbot säst des ganzen Colportagebuchhandels auf das entschiedenste protestiren. Um zu einer richtigen Würdigung der betreffenden Verhält nisse zu gelangen, ist es vor allem nöthig, daß man die Entwickelung des Colportagehandels in der letzten Zeit und sein Verhältniß zum deutschen Buchhandel betrachte. Anfangs ein Werkzeug in den Händen einer Anzahl gewissenloser Verleger, bestimmt, den trau rigsten literarischen Machwerken Verbreitung unter dem Volke zu schaffen, ist der Colportagehandel jetzt, trotzdem er von den unsau beren Elementen durchaus noch nicht völlig befreit ist, zu einem be deutenden Cultursactor, zu einem für die Veredelung und Hebung des geistigen Lebens im Volke mächtigen Hebel geworden. Noch vor wenigen Jahrzehenden konnte man die Mappen der Kol porteure säst mit nichts Anderem, als mit den Heften der oben be zeichnet« Romane angesüllt sehen, die seitdem die Bezeichnung „Colportagcwaare" zu einer so berüchtigten gemacht haben. Nur selten verloren sich damals unter diese „Schundartikcl" wenige bessere Sachen, wie vielleicht die Lieferungen einiger Konversations lexika oder einzelner größerer Geschichtswerke. Den ersten Anstoß zu einer Besserung des Materials, mit welchem die Exporteure im Lande herumzogen, gab die Schaffung einer Anzahl illustrirter Journale, besonders in Leipzig und Stuttgart, deren ungemein große Verbreitung überhaupt nur durch den Colportagehandel möglich wurde, und die zum großen Theil verhältnißmäßig Vor treffliches leisteten. Die unerwartet großen Erfolge, welche der Col portagehandel mit diesen Journalen erzielte, brachten dann den Buchhandel aus den Gedanken, diese so gut organisirte Betriebs maschinerie in noch weiterer Ausdehnung für die besten Zwecke der buchhändlerischen Arbeit zu benutzen. Das Aushören des Privi legs sür die Werke unserer Classiker gab dieser Tendenz den er wünschten Spielraum. Als Mitte der sechziger Jahre eine Anzahl von Classikerausgaben lieferungsweise in vorher nie gekannter Billigkeit bei verschiedenen Verlegern erschien, konnte der reguläre Sortimentshandel die umfassende Aufgabe, die sich hier bot, un möglich bewältigen. Hier mußte der vielgliedrige, gelenkige Col portagehandel helfend eintreten, und er hat seine Arbeit wacker ge- than. Hundcrttausende von Abonnenten wurden für den Ankauf der Werke unserer Dichterheroen gewonnen, und dabei gewöhnten die Colporteure sich daran, anstatt ihrer bisherigen „Schundwaare" wirkliches geistiges Gut dem Volke zu vermitteln. Je augenscheinlicher die auf diesem Wege erzielten Erfolge wurden, desto mehr bemühte sich der Buchhandel, das so gewonnene Terrain zu behaupten und immer mehr auszudehnen. Eine große Anzahl ausgezeichneter Unternehmungen aus allen Gebieten des geistigen Lebens wurden eigens im Hinblick aus den Colportagever- trieb gegründet. Werke hervorragendster Männer der deutschen Wissenschaft wurden in Lieferungen zu so billigen Preisen verkauft, daß nur ein Massenabsatz im allergrößten Stile, wie er ohne die Colportage vollständig unmöglich ist, einen Verdienst bringen konnte. Auch diese populäre wissenschaftliche Literatur hat bereits ihre Schule durchgemacht. Wenn anfangs auch viel Seichtes, Oberfläch liches, dem zum Phantastischen geneigten Geschmack der großen Menge Angepaßtes aus den Markt kam, so hat sich jetzt eine Volks literatur heransgebildet, von der man mit vollem Recht sagen kann, daß „für das Volk das Beste gut genug sei". Werke, welche zur Zierde der deutschen Wissenschaft gehören, die sich aber früher kaum in den Bibliotheken der Vermögenden befanden, sind jetzt den breiten Massen des Volkes zugänglich gemacht, und wie früher der geringe Bücherverbrauch in Deutschland nothwendig auf die geistige Arbeit hemmend rückwirken mußte, so veranlaßt der Massenabsatz, den heute thatsächlich jedes gute literarische Unternehmen findet, das sich dem Colportagehandel zu Liebe zur Lieferungsweise beguemt, immer neue Unternehmungen, regt bei Verlegern und Autoren neue Ideen an und in allen Schichten des Volkes findet dieser aus das Edelste gerichtete Unternehmungsgeist einen fruchtbaren Boden. Der unendliche Nutzen, der durch diese Massenverbreitung gestiftet wird, ist einzig und allein der Colportage zu danken, die mit ihren Tausenden von Arbeitern das ganze Land wie mit einem Netz umsponnen hat, die ihren Weg zu den entlegensten Ortschaften findet und Hunderttausendc von Leuten mit guter geistiger Nah rung versorgt, die nie die Schwelle einer Buchhandlung betreten oder sich zum Ankauf eines Buches entschlossen hätten. Und jetzt soll auf einmal dieser gedeihlichen Entwickelung der Dinge ein Ende gemacht werden! Nach der Vorlage der Regierung soll der Colportage der Todesstoß gegeben werden, um die Verbreitung schlechter Machwerke zu verhindern, deren Existenz allerdings von Allen bedauert wird. Aber wir meinen, jene schlechte Waare und der durch sie verursachte Schaden hat gerade in den durch die Col portage verbreiteten guten Büchern das beste Gegengewicht gefun den. Könnte man ein Mittel ausfindig machen, um jene Colportage- waare, von der wir Alle überzeugt sind, daß sie dem Volke schadet, genau zu definiren, dann wäre allerdings leicht zu Helsen. Das ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, und wir können und dürfen nicht den Colportagehandel, der zu einem unentbehrlichen Bildungs mittel geworden ist, um eines gegen seinen unermeßlichen Nutzen verschwindenden Schadens halber vernichten. Zur Feier der 40vjiihrigcn Einführung der Buchdruckerkunst in Wien. An der Spitze der Oesterreichischen Buchdrucker-Zeitung vom 11. ds. findet sich nachstehender Ausruf: Verehrte Fachgenossen! Es sind nun vierhundert Jahre, seit die Erfindung unseres Altmeisters Gutcnbcrg auf ihrem welter obernden Lause in der Hauptstadt der Ostmark eine Stätte gefunden hat. Die Typographen Wiens — im Vereine mit ihren Bcruss- verwandtcn, unterstützt durch die Gemeindevertretung, die Gelehrten und Schriftsteller dieser Stadt — beabsichtigen diesen Moment durch ein der culturhistorischen Bedeutung würdiges Fest zu begehen und ist hiefür der Johannistag, sowie der daraussolgende Sonntag (24. und 2!>. Juni 1882) bestimmt worden. Nach dem Festprogramme, welches in nächster Zeit veröffent licht werden soll, wird am 24. Juni in den Räumen des k. k. oester-
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