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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.03.1900
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- 1900-03-26
- Erscheinungsdatum
- 26.03.1900
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Nichtamtlicher Teil. 2391 70, 26. März 1900. gegenüber und neben dem Denkmal werden Tribünen errichtet, die Fürstentribüne gegenüber dem Denkmal. Männer-und Knaben chöre bringen das Neukoidmsche -Tedeum- zum Vortrag, der Ober bürgermeister werde dem großen Sohne die Huldigung der Stadt und der ganzen Welt in kurzen Worten darbringen, das ganze Volk wird das Neussche -Heil Dir Moguntia- anstiinmen, die Glocken der Stadt werden ihre eherne Stimme, die Kanonen ihren Donner von den Wällen ertönen lassen und vermischt mit dem Jubel der Bevölke rung der ganzen Welt verkünden, wie Mainz seinen großen Sohn ehrt. Es werde ein Moment von überwältigender Wirkung werden. Darauf erfolgen die Gratulationen von Deputationen, die zahl reich erwartet werden, womit dieser Teil abschließt. Am Nach mittag werde die Stadt Mainz ihre Gäste bewirten, den Bürgern aber Gelegenheit bieten, an dem Festmahl teilzunehmen. Den Buchdruckergehilfen und ihren jedenfalls zahlreichen Gästen habe die Bürgermeisterei die -Anlage- für den Nachmittag zur Ab haltung ihres Johannisfestes zur Verfügung gestellt; diese würden gewiß freudig auch andere Gäste bei sich aufnehmen. Am Abend werde in der Stadthalle ein Kommers stattfinden, bei dem die Männergesangvereine gewiß gern mitwirken würden; dieser dürfe jedoch nicht zu lange ausgedehnt werden, um dem Hauptfesttagc nicht zu schaden. Montag der 2ö. Juni sei der Tag der Bürger. Aufopfernd und uneigennützig hätten sich die Solisten gemeldet, Geldmittel seien aus der Bürgerschaft bereits geflossen; sie würden noch reich licher fließen. Die einzelnen Gruppen des historischen Festzugs seien so ziemlich alle vergeben, die Anmeldungen stammten aus allen Kreisen und Ständen. Es müßte jetzt aus dem Festausschuß eine Kommission für die Huldigung, für Ausschmückung der Stadt und für eine (gleichfalls wünschenswerte) Illumination, für das für den Montag Abend geplante Kostümfest in der Stadthalle, das Festmahl, den Festzug, Tribünenbau und die Rheinfahrt ge bildet iverdcn. Am Dienstag den 26. Juni nach Tisch finde die Rheinfahrt nach Eltville und Bingen statt; die Mainzer und ihre Gäste würden dort gut empfangen werden. Herr Sutter gab nunmehr einen Ueberblick über die Anmel dungen zum Festzug. Nach diesen zu schließen, werde der Zug an Größe alle bisher abgehaltenen Festzüge übertreffen. So habe der Wiener Makartzug nur 1200, der Heidelberger Jubiläumszug 900, der Mainzer Schützensestzug 1200, der Karlsruher 1400 Teil nehmer gezählt. Er habe auf 1700—2000 Teilnehmer gerechnet; aber bereits lägen 2860 Anmeldungen vor, die sich noch vermehren würden. Diese Teilnehmerzahl beweise, daß nian den Zug hier wolle. Von Vereinen rc. hätten sich zur Uebernahme von Gruppen gemeldet: Liedertafel, Kaufmännischer Verein, Katholischer kauf männischer Verein, Schützengesellschaft, Bildhauer-Verein, Verein Edelweiß, Küferinnung, Schmiedeinnung, Fechtklub Jung-Mogun- tia, Sängerrunde, Sängerbund, Tüncher, Schuhmacher, Bäcker, Zuckerbäcker, Vereinigte Bierbrauereien, Rupp'scher Männerchor Moguntia, Meistersinger-Innung, Stadt Bingen, Stadt Eltville, Liederzweig, Liederkranz, Turn- und Fechtklub, Turnverein Koh-i- noor, Künstgcwerbcschule, Fidelitas, Radfahrer-Verein 1895, Vclo- cipedklub Moguntia, Gesangverein Einigkeit, Rudervcrein, Kasino zum Gutenberg, Verein Mainzer Buchdruckcreibesitzer. Einzelmel- dungen: 60 Herren, 150 Damen. Außerdem habe die Radfahrer- Union 4—5000 Radfahrer angemeldet. Zusammen, ohne vorstehende Radfahrer-Anmeldungen, 2860 Personen. Gemälde-Versteigerungen. — Nach einem Berichte des »Figaro- erzielten bei der Versteigerung der Gemäldesammlung Auguste Rousseau in der Galerie Georges Petit zu Paris Boudin's Werke: -Die Canche bei Etaples» 4850 Fr., -DieFurth- 3450 Fr., »Der Binnenhafen von Honfleur- 2650 Fr.; Corot's: -Die Dorfstraße- 33000 Fr., -Der Fischer- 30500 Fr., -Der alte Teich bei Ville d'Avray- 30500 Fr., -Die Pfütze. 25100 Fr.; Daubigny's: -Sonnenuntergang auf dem Flusse- 5900 Fr.; Diaz de la Pena's: -Moorgrund im Walde- 37000 Fr.; Jules Duprs's: -Tränke- 48000 Fr., -Kühe, die aus einer Pfütze trinken- 19500 Fr.; Rousseau's: -Sonnenuntergang im Walde- 36000 Fr., -Lichtung im Walde- 17000 Fr.; Tropon's Zeichnung: -Die Tränke« 12 600 Fr. Am 20. d. Mts. fand in Berlin in Rudolf Lepkes Kunst auktionshaus eine Versteigerung von Gemälden erster alter Meister des 16. bis 18. Jahrhunderts statt und hatte einen guten Erfolg. Frans Hals (Nr. 65 des Katalogs) erzielte 8600 Cocnelis Dusarts Leiermann (Nr. 68) 3900 ^6; C. Decker und Begas' Land schaft (Nr. 83) brachte 2620 G. Schalckens galante Scene (Nr. 47) 2500 D. Tcniers' Schäferscene (Nr. 16) 2100 Jan van Goijcns Wirtshaus (Nr. 24) 1480 I. B.Weenix' Aufbruch zur Jagd (Nr. 27) 2500 I. Wijnants' Landschaft (Nr. 36) 2100 .E; Ant. Palamedcsz (Nr. 52) 1620 Adriaan van Ostade (Nr. 72) 1250 Hondecoeter (Nr. 77) 1510 Beerstraaten (Nr. 81) 1700 Der Gesamterlös belief sich aus über 83 000 Von der Jubelfeier der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. — In seiner Festrede am 20. d. M. bei der Festsitzung der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus Anlaß der Feier ihres zweihundertjährigen Be stehens schilderte Professor Adolf Harnack in großen Zügen die Entwickelung der Akademie und zeigte, wie auf jeder der vier sich scharf voneinander abhebenden Stufen die Aufgabe der Wissenschaft in der Akademie erfaßt, und wie sie in ihrer Arbeit durchgeführt worden ist. Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts beherrschte die Akademie Leibnizens. Den ersten Anlaß zur Stiftung der Akademie bot die große Kalcnderreform, die zu ihrer Durchführung regelmäßige astro nomische Beobachtungen verlangte. Ein volles Jahrhundert hat die Wissenschaft in Berlin im buchstäblichen Sinne des Wortes von der Astronomie gelebt, denn fast die gesamte Einnahme der Akademie floß in dieser Zeit aus dem ihr verliehenen Kalender monopol. Als eine Anstalt für Forschung wurde sie begründet. Die Generalinstruktion von 1700 steckte der neuen Schöpfung die weitesten Grenzen und stellte ihr bisher unerhörte Aufgaben; sie sollte -das ganze gemeine Wohlwesen- zu fördern suchen und wurde so in der That die erste universale Akademie Europas, die erste Trägerin universaler wissenschaftlicher Aufgaben in der mo dernen Zeit. Aber so genial und groß gedacht der Plan der neuen Schöpfung war, so weit blieb diese selbst im Anfang hinter ihrer Aufgabe zurück. Es fehlte nahezu alles, die Personen und die Mittel. So lange Leibniz lebte, war er selbst die Akademie, dann aber durch lebte sie dunkle Jahre, bis sie Friedrich der Große neu erstehen ließ, indem er Maupertuis, den berühmtesten Gelehrten des Zeit alters, an ihre Spitze stellte. So wurde die Akademie eine Frideri- cianische und eine französische zugleich. Erst jetzt wurde sie wirklich auf die europäische Bühne gestellt, sie gewann in der französischen Schule Form und Haltung, ohne ihren deutschen Geist zu ver lieren. Auf drei Linien stellt sich das dar, was die Fridericianische Akademie geleistet hat: sie hat in der Mathematik und den Naturwissenschaften stetig und fruchtbringend gearbeitet, sie hat aufklärend und tolerierend gewirkt und sie hat ein redliches Stück Arbeit in der Kritik und den Ausgleichsversuchen der idealistischen und der empiristischen Philosophie geleistet. Als der große König starb, war auch die Zeit für diese seine Schöpfung abgelaufen. Eine Akademie, die französisch sprach, Kant nicht be griff und des wirklichen Zusammenhangs mit der höher strebenden deutschen Geistesbewegung jener Tage entbehrte, war in Deutsch land zum Anachronismus geworden. Daß die Akademie deutsch werden müsse, erkannte der patriotische Staatsmann Herzberg, dem Friedrich Wilhelm II. die Sorge für sie anvertraute, wohl an, aber er verstand nicht den neuen Geist der Zeit. Als dann gar Wöllner und nach ihm der Minister von Massow die Parole ausgaben, die Wissenschaft sei zu nichts nütze, schien die Akademie vollends zu versinken; wurde ihr doch 1798 geradezu zugemutet, sich als eine technische Staatsanstalt zu etablieren. Erst mit dem Eintritt der Gebrüder Humboldt, von Niebuhr und Schleiermacher machte sich wieder ein Aufschwung geltend. Diese dritte Periode ist durch ein Doppeltes charakterisiert: durch das Verhältnis, in das die Akademie zu der damals gestifteten Berliner Universität gesetzt worden ist, und durch den neuen Geist, in dem sie ihre eigene Aufgabe und die der Wissenschaft über haupt erfaßt hat. Erst durch die Universität wurde der Akademie die Sicherheit gegeben, daß es ihr nie für die Forschung an aus gezeichneten Kräften fehlen werde, während sie anderseits von der Verpflichtung entbunden wurde, für die Verbreitung der Resultate ihrer Forschungen zu sorgen. Die herrliche Erhebung der Befreiungskriege hatte aber auch die Denker schaffensfreudig gemacht und jene Männer erzeugt, die mit dem reinsten Eifer für die Wissenschaft ein starkes Gefühl, einen edlen Freiheitssinn und eine kräftige Ueberzeugung von der wesentlichen Einheit aller höheren Erkenntnisse verbanden. Immer deutlicher erkannte die Akademie jetzt ihre Aufgabe, als reprä sentierende und begutachtende Körperschaft die ideale Einheit der Wissenschaft zu verwirklichen, wie ein mächtiges Schiff die hohe See der Wissenschaft zu halten und ihre Organisation auszunützen, um große wissenschaftliche Unternehmungen zu leiten, deren Durchführung die Kräfte des Einzelnen übersteigt. Zur vollen Ent wickelung ist diese letzte Aufgabe erst in der jüngsten Periode der Entwickelung der Akademie gekommen, jener Periode, die anknüpft an die Namen Helmholtz, Werner Siemens, Virchow u. a. Den Großbetrieb der Wissenschaft, den die moderne Zeit fordert, hat die Akademie erfolgreich ausgenommen und im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr als zwanzig umfassende Unternehmungen ins Werk gesetzt, die die Kräfte eines einzelnen Mannes übersteigen und Älenschenalter zu ihrer Durchführung erheischen; sie hat treue Arbeiter ermittelt und gesammelt, sie ist die Schutzstätte der jungen Talente geworden.
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