Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.11.1896
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1896-11-11
- Erscheinungsdatum
- 11.11.1896
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18961111
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-189611118
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18961111
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1896
- Monat1896-11
- Tag1896-11-11
- Monat1896-11
- Jahr1896
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
und Lemercicr (der bekannte Pariser Lithograph und Drucker), der das Patent des Verfahrens im Jahre 1857 unter der Vermittelung eines Strohmannes angekauft hatte, da er doch eine Konkurrenz desselben befürchtet hatte, ließ dieses absichtlich fast unbenutzt. Den nächsten bedeutsamen Schritt zur Verbesserung dieses Verfahrens machten, nachdem mittlerweile das Patent abgelaufen war, Tessis de Motay und Maröchal in Metz, indem sie an Stelle des Steines als Träger der Chromat gelatineschicht Metallplatten (Kupfer oder Zink) anwendeten. Sie nannten ihr Verfahren Phototypie, welchen Namen der Lichtdruck heute noch in Frankreich trägt, und erhielten darauf im Jahre 1865 gleichfalls ein Patent in ihrem Vater lande, Als besonders bemerkenswert und neu erscheint an deren Verfahren, daß sie die auf die Metallplatten aufgetragene Chromleimschicht durch Wärme trockneten, indem sie diese eine oder mehrere Stunden lang einer Temperatur von ca, 50" 0. aussctzten, worauf erst die Belichtung unter der negativen Matrize erfolgte. Durch dieses künstliche Trocknen der Schicht wurde nicht nur der Uebelstand zum Teil behoben, daß sich letztere immer von ihrer Unterlage abblätterte, sondern es wurde dadurch auch auf der Oberfläche der lichtempfindlichen Schicht ein ge wisses Korn, das sogenannte Runzel- oder Lichtdruck- Korn, erzielt, ohne welches ein gutes und schönes Resultat nicht zu erreichen ist. Da aber Poitevin diese Manipulation unbekannt war und sie sich am Steine auch nicht ausführen ließ, so ist es erklärlich, daß Tessis de Motay und Marschal bessere Resultate erzielen mußten als ersterer. Aber trotz alledem hafteten dem Verfahren noch be deutende Mängel an, so daß es kaum möglich war, mehr als 50—70 gute Abdrücke von einer Platte zu liefern, bis der bekannte Münchner Photograph I, Albert im Jahre 1868 mit seinem nach ihm selbst benannten Verfahren der »Alb ert- typie« oder auch »Albertotypie« auf den Plan trat. Dieses unterscheidet sich im Prinzipe durch nichts von der »Phototypie«; nur wird hier der gleiche Zweck durch andere, neue Mittel erreicht. Der Hauptfortschritt Alberts lag in der Anwendung von Glasplatten, an Stelle der Metallplatten als Bildträger, und weiter in einer eigentümlichen Manipulation, die die Chromleimschicht auf den Glasplatten festhaftend machte. Zu diesem Zwecke überzog Albert eine Spiegelglasplatte mit einer Mischung von Eiweiß, Gelatine und einem Chrom salz und setzte nach dem Trocknen dieses Aufgusses, die Glasplatte von der Rückseite her, dem Lichte aus, wodurch die Chromleimschicht gehärtet und unauflösbar mit dem Glase verbunden wird. Erst auf diese fest am Glase haftende Untergrundschicht wird sodann eine zweite, die eigentlich zum Empfange des Bildes durch Kopierung bestimmte Chrom gelatineschicht aufgetragen, im Ofen durch Wärme getrocknet, belichtet, im Wasser ausgewaschen u, s w., worauf die Platte zum Drucken reif erscheint. Zu gleicher Zeit mit Albert arbeiteten in Deutschland mehrere Experimentatoren an der Ausbildung und Ver besserung des Lichtdruckverfahrens, von welchen in erster Linie I. Hutznik in Prag zu nennen ist. Albert kaufte von HuKnik dessen Verfahren, teils um alles Neue in diesem Genre kennen zu lernen, hauptsächlich aber, um jede gefähr liche Konkurrenz für seine Druckerei zu beseitigen. Max Gemoser übte dieses Verfahren im Vereine mit Ohm und Großmann in Berlin jedoch erst im Jahre 1869 aus, und beanspruchte auch für sich die Ehre der Erfindung dieses Ver fahrens, das durch ihn den Namen »Lichtdruck« erhielt und diesen von da ab auch beibehielt. Zwei spätere Verbesserungen, welche an diesem Verfahren gemacht wurden, wären noch hauptsächlich bemerkenswert. nämlich die Einführung der sogenannten Vorpräparation mit Wasserglas und Eiweiß oder Bier, die an Stelle der von Albert angewendeten Untergrundschicht aus belichteter Chrom gelatine, das Festhaften der eigentlichen Druckschicht zu be wirken hatte, und eine weitere Verbesserung des Verfahrens durch die Einführung der sogenannten Aetzung der Licht druckplatten. Diese durch das Wort Aetzung wohl nicht ganz richtig bezeichnete Manipulation besteht darin, die fertig kopierte und gewaschene Lichtdruckplatte mit einer hygro skopischen Substanz, bestehend aus Glycerin, Salpeter, unter schwefligsaurem Natron rc, und etwas Ammoniak zu behandeln, wodurch die Bildschicht durch längere Zeit in druckfähigem Zustande feucht erhalten wird, was man früher nur durch Waschen mit Wasser nach jedem Abdrucke, wie beim Stein drucke, sehr umständlich erreichte. Auf diesem Standpunkte steht auch heute noch die Technik des Lichtdruckes, die somit, nochmals kurz definiert, darin be steht, daß: »auf einer mit Wasserglas und Bier vorpräparierten Glas platte eine dünne Schicht aus Gelatine, gemischt mit einem doppeltchromsauren Salz (Kalium- oder Ammonium- Bichromat), aufgetragen, durch Wärme im Lichtdruckofen bei ca. 50« 6. getrocknet, unter einer photographischen nega tiven Matrize belichtet, hierauf in Wasser gut aus gewaschen und abermals getrocknet wird. Vor dem Druck wird die Platte mit der sogenannten Actzflüssigkeit (bestehend aus Glycerin und einem hygroskopischen Salz mit etwas Ammoniak) gefeuchtet in die Hand- oder Schnellpresse ge bracht und jetzt in bekannter Weise davon gedruckt«. Dieses, jetzt in Deutschland allgemein als »Lichtdruck« bezeichnete Verfahren, trägt außer diesem noch eine große Anzahl Namen, welcher Umstand leicht zu Irrungen Anlaß geben kann. In Deutschland nannte man es auch Photo graphiedruck, Glasdruck, Photo-Hyalotypie, Leimdruck rc. In Frankreich nannte man es Phototypie, Collotypie, Heliotypie, Photocollogruphie oder Oollograpbis rapicks, in Amerika Arto- typie, welchen Namen eventuell noch das Wörtchen »Chromo« vorgesetzt wird, wenn es sich um Lichtdruck in mehreren Far ben, also um den Farben-Lichtdruck handelt, der als sol cher allein wohl wenig, aber dafür in Kombination mit dem gewöhnlichen Steindruck, d. h. der Chromolithographie, häufig Anwendung findet. An eigener Litteratur ist der Lichrdruck nicht sehr reich, denn es existieren nur wenige Werke, die sich ausschließlich mit der Technik desselben beschäftigen*), obwohl vieles hier über in den periodisch erscheinenden photographischen Fach zeitschriften enthalten ist. Bezüglich der Verwendungsart des Lichtdruckes und des Charakters seiner Produkte kann es als eines der schönsten und meist benutzten photomechanischen Verfahren bezeichnet werden. Das Gebiet des Lichtdruckes ist die Darstellung von Halbtonbildern nach photographischen Aufnahmen. In Licht druck kann alles wiedergegeben werden: Landschaften, Archi tekturen, Porträts, Gemälde, getuschte und getonte Zeichnungen, ohne der Hand eines Zeichners bei der Herstellung der Druck platte zu benötigen. Zeichnungen in linearer Manier lassen sich wohl auch mittelst des Lichtdruckverfahrens reproduzieren, man wendet dafür aber doch lieber andere, passendere Ver fahren (Photolithographie oder Zinkätzung) an. Das Lichtdruckverfahren ist nicht sehr billig, es muß sogar als eines der teuersten Verfahren (außer der Heliogravüre) *) Solche Werke sind: Allgeyer, Julius, Handbuch über das Lichtdruckverfahren rc, 2, Ausl, Leipzig 1896, Karl Scholtze, — HuLnik, I,, Das Gesammtgebiet des Lichtdrucks rc. 4, Ausl, Wien 1894, A, Hartleben, — Schnautz, vr, Julius, Der Licht druck und die Photolithographie 6. Ausl. Düsseldorf 1895, Ed, Liesegang.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder