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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.11.1904
- Strukturtyp
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- 1904-11-14
- Erscheinungsdatum
- 14.11.1904
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- Deutsch
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^ 265, 14. November 1904. Nichtamtlicher Teil. 10083 die Bilderschrift genügen. Nun aber entstand neben dem Wunsch der Mächtigen, durch Briefe an andre Machthaber oder an Statthalter in die Ferne zu wirken, das Bedürfnis, zusammenhängenden Gedanken oder Mitteilungen über das eigne Leben hinaus Dauer zu geben. Der Priester zeichnete auf, was er in Stunden frommer Verzückung aus dem Munde der Gottheit vernommen hatte, die ständigen Gebete, die er zum Himmel emporsandte! die Herrscher überlieferten ihre eignen kriegerischen Taten oder die ihres Geschlechts der Nachwelt, legten auch in frühen Zeiten schon hier und da die Grenzen fest, die die Willkür des Einzelnen am Rechte der Andern finden sollte. Eine zu solchen Zwecken, oder zu welchen sonst und auf welche Weise es sei, bewirkte dauernde schriftliche Fixierung einer gewissen Summe von Gedanken oder Mitteilungen dürfen wir Buch im weitesten Sinne nennen, der den Begriff Buch in der heutigen papiernen und blockartigen Gestalt in sich schließt, wie denn das Wort wahrscheinlich von dem Holze abgeleitet worden ist, in das unsre Altvordern ihre Runen schnitten. Die in frühester Zeit zum Beschreiben dienenden Stoffe waren verschiedenster Art. Die Inder schrieben auf Palm blätter, die ältesten Römer auf Lindenbast, die alten Deutschen auf Holz; das ehrwürdige Gesetzbuch der Juden, die Thora, stand wie die heiligen Schriften der Perser auf Tierhäuten, lind Moses grub die zehn Gebote, die er seinem Volke gab, in steinerne Tafeln ein. Stein und Ton bildeten auch den Beschreibstoff in den alten Kulturländern am Euphrat: in Assyrien und Baby lonien. Unzählige, mit Keilschriftzeichen bedeckte Tontafeln, die in den letzten Jahrzehnten aus dem Schutt von Ninive und Babylon, bei Bagdad und an andern Orten ans Licht gebracht worden sind, vor allem die im Jahre 1854 von Engländern entdeckte Bibliothek in Ninive und das vor kurzem gefundene steinerne Gesetzbuch des Hammurabi, geben uns Kunde von der hohen Blüte der Kultur und des Schriftwesens in diesen Ländern. Auch die deutsche Orient-Gesellschaft hat sich in der letzten Zeit mit großem Erfolg an diesen Aus grabungen beteiligt. Sie hat unter andern: jene Dokumente zutage gefördert, die vor wenigen Jahren den verworrenen und in seinen Zielen so unklaren Streit um Bibel und Babel entfachten. Das schreibseligste Volk des Altertums aber, den: eine unbeschriebene Wand zuwider gewesen zu sein scheint, war das der Ägypter. Anfangs schrieben auch sie auf Stein und Leder, früh aber erfanden sie einen bequemeren und weniger Raum einnehmenden Beschreibstoff, den Papyros. Er wurde aus dem Mark der Papyrosstaude kunstvoll ge fertigt und war als der eigentliche Beschreibstoff des Alter tums, dessen letzte Spuren sich noch im Mittelalter im Abendlande finden, lange Zeit hindurch der wichtigste Export artikel Ägyptens. Die so gewonnenen Papyrosblätter aber beschrieben die Ägypter nur auf einer Seite und legten sie nicht, wie wir das Papier, aufeinander, sondern klebten sie aneinander, zu mitunter recht langen Rollen. Die längste uns bekannte Rolle mißt nicht weniger als 40 Meter. Die noch immer nicht völlig erforschte Schrift der Ägypter waren die Hieroglyphen, die zwar äußerlich den Anschein einer Bilderschrift erwecken, indessen vorwiegend eine Lautschrift sind. Schon im Anfang der ägyptischen Geschichte war sie zu festem System entwickelt und hat Jahrtausende lang, bis ins dritte Jahrhundert nach Christus, gedauert. Die äußerst schwierige Kunst der Hieroglyphen- schrift war beschränkt auf Könige, Priester und Krieger; von ihnen ist auch, fast nie aber vom sonstigen Volk, in den Papyros die Rede. Der größte Teil der ägyptischen Lite ratur trägt religiösen Charakter — berühmt ist namentlich das sogenannte »Totenbuch« —; seltner werden medizi nische oder dichterische Stoffe in den Papyros behandelt. Eine ungeheure Menge solcher Papyrosrollen, deren älteste bis an das Jahr 3000 vor Christus hinaufreichen, ist in Pyramiden, Gräbern und unter Ruinen schon gefunden worden, und immer neue kommen zum Vorschein; der Boden scheint unerschöpflich zu sein. Berühmt find namentlich die Papyros-Sammlung des Erzherzogs Rainer in Wien und der um das Jahr 1500 vor Christus entstandene Papyros Ebers, den Sie in unsrer Universitätsbibliothek betrachten können. Unvergleichbar viel höher als das ägyptische, nicht an Zahl der Rollen, wohl aber an innerm Werte der Bücher und an Ausbreitung, stand das Schriftwesen in Griechenland und Rom. Hier war das Buch der Niederschlag einer herrlichen Blüte menschlichen Lebens, die weit über ihre eigne Dauer hinaus lebendig fortgewirkt hat und zum guten Teil die Grundlage unsrer heutigen Kultur bildet. Die Phönizier, das eigentliche Handelsvolk des Alter tums, vermittelten den Gebrauch der Schrift und dann der Papyrosrolle den Griechen. Aber wohl schon vorher hatten diese eine wenn auch ungeschriebene Literatur: es waren alte Götter- und Heldensagen, namentlich die Lieder von Achill und Odysseus, die durch Berufssänger mündlich fortgepflanzt wurden. Das Schriftwesen gelangte zur Blüte erst vom fünften Jahrhundert vor Christus an, als die großen Dichter und Philosophen dem Volk ihre Werke schenkten. Charakteristisch ist es, daß die Schreib- und Lesekunst in Griechenland nicht an eine Kaste gebunden, sondern Ge meingut des Volkes gewesen ist, bis hinab zu den Sklaven, die das Abschreiben der Bücher und die Anfertigung der Rollen, griechisch Zylinder genannt, zu besorgen hatten. So ist auch in Griechenland zuerst ein Buchhandel nachweisbar. Fliegende Buchhändler riefen poetische, wissenschaftliche und Volksschriften auf den Straßen aus, und in Buchläden wurden die wichtigsten neu erschienenen Bücher öffentlich vorgelesen, um zu deren Kauf anzulocken. Auch die Ausstattung der Bücher mit Bildern und wissenschaftlichen Zeichnungen wurde schon von den Griechen eifrig geübt. Namentlich liebte man es, die Schulausgaben der Dichter, vor allem des Homer, durch reichen Bilder schmuck zu beleben. Man sieht, daß die Kunst im Leben des Kindes schon ein recht altes Thema ist. Nach dem Verfall Griechenlands ging die Pflege des Buchwesens auf Rom über und erreichte um das Jahr 50 v. Ehr. hier die höchste Blüte. Auch in Rom wurde die Fabrikation der Bücher zumeist durch Sklaven besorgt, deren mehrere um einen Vorleser versammelt wurden; aber die Gelehrten diktierten gern auch ihren Schülern Bücher, die dem Unterricht dienen sollten. Bei diesem Abschreibe verfahren schlichen sich allerdings meist viele Schreibfehler in den Text ein, und nicht selten schickte man die Abschrift eines Buches an den Verfasser, damit er sie von Fehlern reinige. Um des richtigen Textes sicher zu sein, schrieb sich mancher Gelehrte auch wohl die Bücher, die er brauchte, selbst ab. Der Beschreibstoff blieb auch in Rom das Papyrosblatt, die obsita, doch wurde zu kurzen Schriftstücken oder zu Luxusrollen auch wohl Pergament verwendet. Höher noch als in Griechenland war der Buchhandel in Roni organisiert. Manch berühmter Name von römischen Buchhändlern ist uns überliefert: so namentlich der des Pomponius Atticus, des Verlegers Ciceros. Die Bücherpreise waren, da die Arbeitskräfte wenig kosteten und die Schrift steller kein oder kein nennenswertes Honorar erhielten, äußerst niedrig, und von manchem Buche wurde daher ein großer Absatz erzielt. So wird uns berichtet, daß die Auflage der Briefe des Plinius 1000 Stück betragen habe. 1322'
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