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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.04.1901
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- 1901-04-17
- Erscheinungsdatum
- 17.04.1901
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- Deutsch
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3068 Nichtamtlicher Teil. Die Nachfrage wächst zunehmend. Hunderte von Schnellpressen werden jährlich neu aufgestellt und verlangen Material. Die deutsche Papier - Vcrarbeitungs- und Druckindustrie beschäftigt schon ziemlich doppelt soviel Personen wie die Papierfabrikation, und fortwährend auftauchende neue Verwendungsarten des Papiers erhöhen den Bedarf noch mehr. Die Produktionskosten wurden durch nicht unwesentliche Auf besserungen der Löhne und eine weitere Preiserhöhung ver schiedener Rohmaterialien, insbesondere durch die außerordentliche Verteuerung der Kohlen dermaßen gesteigert, daß eine Preis erhöhung für die Papierfabrikate zwingend geboten war. Bereits im Dezember 1899 und Januar 1900 wurden von verschiedenen Jnteressentengruppen diesbezügliche Beschlüsse gefaßt, die im Laufe des Berichtsjahres mehrfach erneuert und erweitert wurden. Da Lumpen nur für die feineren Papiersorten zur Verwen dung kommen, ist Holz das hauptsächlichste Rohmaterial geworden, sei es als mechanischer Holzschliff für ordinäres Papier, sei es in Form von Sulfit-Zellstoff oder Natron-Zellstoff für die mittleren und besseren Sorten. Infolge seiner großen Verwendung wurde es so sehr gesucht, daß die Preise dafür eine bedeutende Höhe erreichten. Holzschliff und sämtliche Zellstoffe (Cellulose und Stroh stoffe) erfuhren ebenfalls wesentliche Preissteigerungen und wurden außerdem knapp, weil die Nachfrage das Angebot zeitweise erheb lich überstieg und infolge der ungewöhnlich trockenen Witterung im Spätsommer und Herbst ein empfindlicher Wassermangel ein trat, der Stillstand und Arbeitseinschränkungen in den Holz schleifereien zur Folge hatte. Der große Bedarf an Holz, der in den letzten dreißig Jahren auftrat, wurde in der ersten Zeit aus den noch ungeschwächten Holzbeständen der deutschen Wal dungen entnommen. Da aber die Bäume durchgängig etwa vierzig Jahre Wachstum brauchen, ehe sie zu Papierstoff Ver wendung finden, kann der Nachwuchs mit dem stets steigenden Verbrauch nicht Schritt halten und muß jetzt der größte Teil der in den deutschen Fabriken verarbeiteten Hölzer aus Rußland, Finnland und den Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie bezogen werden. Neben anderen Ursachen waren es in erster Linie der süd afrikanische Krieg und die chinesischen Wirren, die einen starken Verbrauch an Zeitungspapier Hervorriesen. Bald zeigte es sich, daß die im Preise gesteigerten Faserstoffe zur Deckung eines so plötzlich eingetretenen Mehrbedarfs nicht ausreichten, was natur gemäß eine weitere Steigerung der Preise für Papierhölzer und auch eine Erhöhung der Papierpreise zur Folge hatte. Die Preise für ordinäres Druckpapier und verwandte geringere Papiersorten stiegen bis zu 50"/„. Ordinäres Zcitungsdruckpapier z. B., das 1899 mit 0,21 ^ für 1 IrA bezahlt wurde, kostete Ende 1900 0,30 Verschiedene Fabriken haben bis Mitte 1901 und dar über hinaus ihre Produktion bereits verschlossen. Die Produzenten von Zeitungsdruckpapier haben sich mit wenigen Ausnahmen einem Syndikat angeschlossen, das die Aufträge verteilt und die Preise diktiert, wodurch für den Großhandel und die Konsumenten die unerquicklichsten Verhältnisse geschaffen worden sind. Dem Syndikat der Druckpapierfabrikanten gegenüber hat sich bereits eine Vereinigung der Zeitungsoerleger gebildet zum Zwecke des gemeinschaftlichen Papiereinkaufs und zur Selbsterzeugung von Papier. Trotz der Erhöhung der Preise dürfte aber das Geschäfts ergebnis für viele Fabrikanten von Zeitungspapier um deswillen ungünstig ausgefallen sein, weil sie zum großen Teil noch an alte Abschlußpreise gebunden waren, während sie alle Rohstoffe wesent lich teurer bezahlen mußten. Günstiger gestaltete sich das Geschäft für die Fabrikanten der mittleren Papiere, doch war die Spannung zwischen den Selbst kosten und den Verkaufspreisen im ersten Halbjahre derartig, daß eine ausreichende Verzinsung und Amortisation der angelegten Kapitalien nur bei besonders gut eingerichteten Fabriken möglich war. Die zweite Jahreshälfte wird darin eine Besserung gebracht haben, da die höheren Verkaufspreise in den letzten sechs Monaten des Berichtsjahres zur Geltung kommen konnten. Die Fabri kanten feinerer Papiersorten dagegen werden mit dem Geschäfts ergebnis sehr zufrieden sein können, da sie die gezahlten Mehr kosten für Rohstoffe u. s. w. durch einen vermehrten Absatz dieser an und für sich schon lohnenden Fabrikate ganz oder annähernd auszugleichen in der Lage waren. Das Ausfuhrgeschäft in holzfreien Mittelsorten war gleichfalls befriedigend, ohne indessen einen wesentlichen Aufschwung erfahren zu haben. Jedenfalls haben die Erfahrungen des Berichtsjahres den Beweis erbracht, daß die Papierfabrikanten mit ihren Roh stoffen immer mehr auf die Weltmarktpreise angewiesen sind. Deshalb wird von den Beteiligten im Interesse der Papierindustrie auf einen angemessenen Schutzzoll für Papier großer Wert gelegt. Papierhandel. Für den Papier-Großhandel brachte die Er höhung der Papierpreise viele Schwierigkeiten, da es ihm nicht allenthalben gelang, bei der Kundschaft entsprechende Preis es 88, 17. April 1901. crhöhungen durchzusetzen, obgleich teilweise ein Mangel an Papier eingetreten war. Auch die Abnehmer von Papier erlitten große Einbuße in ihren Geschäften, da weder die Preise der Bücher, noch der Zeitschriften und der anderen Drucksachen, sowie der Annoncengebühren sofort gesteigert werden konnten. Erst allmählich ließ sich hier eine Preisausbesserung durchführen. Papierwaren und Kontor-Utensilien. Der Geschäfts gang in den Papierwaren- und Kontor-Utensilien-Handlungen war gut. Die in vielen Artikeln eingetretene Preiserhöhung übte keinen nennenswerten Einfluß auf den Geschäftsgang aus. Im Januar erhöhten die Couvertfabriken, im Februar die Gcschäfts- bücherfabriken und im Mai die Tintenfabriken ihre Preise. Von den Couvertfabriken wurde im November eine Revision der Preise vorgenommen, wobei die billigen farbigen Sorten wiederum wesentliche Preiserhöhungen erfuhren, während in besseren Stoffen teilweise sogar Ermäßigungen eintraten. Wir gedenken an dieser Stelle einer Anregung Sr. Excellenz des Herrn Staatssekretärs von Podbielski gelegentlich seines Be suches bei der Handelskammer in Leipzig; er ermahnte die Ge schäftswelt, sich für ihren Briefwechsel nur weißer Briefumschläge zu bedienen, damit den Postbeamten ein rasches Lesen der Adressen ermöglicht werde, was bei den jetzt gebräuchlichen, oft recht dunkel farbigen Umschlägen nicht der Fall sei, zumal wenn die ab gelöschte Tinte blaß erschiene. Ein einheitliches Format und ein einheitliches Aufkleben der Marken in einer Reihe am oberen rechten Rande wäre weiter zu wünschen, damit durch Einführung von Stempelmaschinen die größte Raschheit in der Expedition er reicht werden könnte. Wir glauben, daß dieser Wunsch des Herrn Staatssekretärs um so leichter von der Geschäftswelt berücksichtigt werden kann, als aus der Geschäftslage ersichtlich ist, daß gerade die billigen farbigen Couvertstoffe Preiserhöhungen erfahren haben, während in den besseren weißen Stoffen wenig oder keine Preis aufschläge zu verzeichnen sind. Pappe und Packpapier. Die Nachfrage nach guten Buch bindereipappen (Hadernpappen) war, wenn auch nicht so lebhaft wie in früheren Jahren, so doch im allgemeinen befriedigend. Infolge der Erhöhungen der Löhne und der Preise für Kohlen und Rohmaterialien mußten, besonders für Holz- und Lederpappen, teilweise auch die Warenpreise erhöht werden, was um so not wendiger war, als infolge der ungünstigen Wasserverhältnisse die Warenerzeugung beträchtlich gegen die Vorjahre zurückblieb. Im allgemeinen jedoch konnte die aufsteigende Konjunktur nicht aus genutzt werden, weil die Fabriken durch ihre Abschlüsse an nie drige Verkaufspreise gebunden waren. Papierprüfungs-Anstalt. Die allgemeine Lage der Papier industrie war für die Leipziger Papierprüfungs-Anstalt nicht günstig. Da zu Zeiten, wo jeder Verbraucher dafür sorgen muß, seinen Bedarf rechtzeitig zu decken, die Kontrolle der Lieferungen nur im beschränktesten Maße in Anspruch genommen wird, er scheint es erklärlich, daß die Anstalt im fünfzehnten Jahre ihres Bestehens kein weiteres Anwachsen der Anträge auf Prüfung zu verzeichnen hatte. Wie in früheren Jahren ging fast die Hälfte aller Anträge von Papierfabrikanten aus, während sich die übrigen auf Papicrverbraucher und Papierhändler erstreckten. Die mikroskopische Faserstoffbestimmung war auch im Berichts jahre die meist gewünschte Prüfungsart. Es wurden 380 Fascr- untersuchungen gefordert, 206 Aschengehaltsbestimmungen und 254 Festigkeitsprüfüngen und Versuche des Widerstandes gegen Reiben und Knittern durchgeführt. Auf Leimfestigkeit oder Saug fähigkeit wurden 175 Papiere untersucht, 77 Papiere waren auf Gehalt an Säure zu prüfen, 51 auf Vergilbung. In 261 Fällen wurden Gutachten über Brauchbarkeit der Papiere für einen be stimmten Verwendungszweck oder über vorschriftsmäßige Lieferung gefordert. Trockengehaltsbestimmungen der Faserstoffe für Papier und zwar meist des Holzschliffes oder der Nadelholzzellstoffe kamen in 69 Fällen zur Erledigung. Sehr viele Prüfungsanträge ließen sich durch die üblichen Prüfungsmethoden nicht erledigen, sondern verlangten eingehende Untersuchungen. Wiederholt wurden ausländische Faserstoffe auf ihre Verwend barkeit für Papiere und besonders für Feinpapiere untersucht. Auch Gutachten über Brauchbarkeit von solchen Faserstoffen wurden verlangt, die sich im Inlands finden, deren Verwertung aber bis her nicht über Versuche hinausgekommen oder nicht ganz gelungen war. So sind die Zellgewebe des Stichtorfs und die im Torf zu findenden Wurzelfasern, ungeachtet bisher mißglückter Versuche, wahrscheinlich für Papier verwertbar, da einzelne ihrer Eigen schaften für deren Benutzung sprechen. Sehr vielseitig waren die Anforderungen der Industriellen, die durch Wasserverunreinigung, durch mangelhaftes Rohmaterial oder durch mißlungene Anfertigungen benachteiligt worden waren. Zur Erlangung und Hebung in der Prüfungstechnik haben auch im Berichtsjahre wiederholt Fachleute längeren Aufenthalt
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