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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.08.1882
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- Band
- 1882-08-30
- Erscheinungsdatum
- 30.08.1882
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- Deutsch
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täglich^- BiS^srüh S Uhr^ ein- BSrsei,l>l«tt Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. Eigeathum de« Börleaberem« der Deutschen Buchhändler. 201. Leipzig, Mittwoch den 30. August. 1882. Nichtamtlicher Theil. D. C. Hinstorff. Am 10. d. Mts. endete ein sanfter, schmerzloser Tod das Leben des großherzoglichen Commcrzienraths und Hofbuchhändlers D. C. Hinstorff in Wismar. Mit ihm ist aus der Reihe der deutschen Buchhändler wieder einer jener Männer geschieden, deren Leben in vieler Beziehung, namentlich der jüngeren Generation unseres Standes, ein hohes, des eifrigsten Nachstrebens würdiges Vorbild bietet. Was er geworden und erreicht, verdankte er nur seiner rastlosen Energie, seiner nimmermüden, alles beleben den Arbeitskraft. Denn als er, kaum 20 Jahre alt, sich aus eigene Füße stellte und im September 1831 in Parchim sein eigenes Geschäft eröffnete, besaß er nichts als seinen Fleiß und seinen Arbeitsmuth; er wollte durch eigene Kraft und Thätig- keit es zu einer angesehenen Stellung im Buchhandel bringen, und es gelang ihm! Es ist aus Anlaß seiner geschäftlichen Jubiläen viel von seinen geschäftliche» Erfolgen die Rede gewesen, und namentlich ist sein Verhältniß zu Fritz Reuter, unserm großen unsterb lichen Volksdichter, und die beispiellos schnelle und große Ver breitung, welche dessen Werke im Hinstorff'schen Berlage fanden, vielfach besprochen worden. Was Hinstorfs's Namen weit über den Kreis des deutschen Buchhandels hinaus bekannt und an gesehen gemacht hat, ist allerdings der Verlag der Reuter'schen Werke gewesen; — aber nichts ist oberflächlicher und verständ- nißloser, als die Bemerkung, die man oft hingeworsen hört: Hinstorff wäre ohne Reuter nichts geworden. Nie darf man vergessen, daß Reuter, bevor er zu Hinstorff kam, schon an vielen Thüren vergeblich angeklopft hatte, daß eine Reihe von Ver legern achselzuckend die plattdeutschen Dichtungen abgewiesen hatte. Für Hinstorff war es keine Kleinigkeit, als er vor 23—24 Jahren den Verlag der Reuter'schen Schriften übernahm, er, der ge wohnt und genöthigt war, den Gewinn seiner Thätigkeit immer aufs neue ins Geschäft zu stecken, um es anszudehnen und von Jahr zu Jahr ertragssähiger zu machen, den dies aber bis dahin der Möglichkeit beraubt hatte, baares Betriebscapital anzusam meln. Daß er es unternahm, daß er ferner sich bereit erklärte, dem Dichter von vornherein ein Honorar zu bewilligen, von dem mehr als einer seiner Berussgenossen ihm damals sagte, daß es ihn nothwendig ruiniren müsse, das beweist seinen geschäftlichen Scharfblick und seine glückliche Energie. Wenn Reuter von seinen „Läuschen un Rimels" drei Auflagen im Selbstverlag abzusetzen vermochte — so sagte er sich —, dann kann ich im Buchhandel noch zehn absetzen; — und nun begann er für Reuter zu wirken, wie selten ein Verleger für seinen Autor gewirkt hat! — Frei lich, auch der rührigste Vertrieb wird einem Autor nicht zu einem namhaften Erfolge verhelfen, der seinen Werth nicht in seinen Reunundvierzigster Jahrgang. Werken trägt, der nicht selbst zu Volkesherzen zu sprechen ver mag, — aber wir Buchhändler wissen es zu beurtheilen, welchen Antheil der Verleger oft an den Erfolgen seines Autors hat, einen Antheil, den das Publicum niemals anerkennen wird und anerkennen kann. Nun, beide, Reuter und sein Verleger haben einen reichen Lohn ihrer Arbeit erlebt, einer durch den andern. Was wir aber sagen wollten, ist, daß Hinstorff es auch ohne Reuter dahin gebracht haben würde, unter die ange sehensten Verleger Norddeutschlands zu zählen. Ein Blick in den vollständigen, aus Anlaß des vorjährigen 50jährigen Ge schäftsjubiläums erschienenen Verlagskatalog, der über 5 Bogen stark in musterhafter typographischer Ausstattung vor uns liegt, beweist uns dies. Die specielle mecklenburgische juristische Fach literatur des Hinstorff'schen Berlages z. B. ist nicht nur für beide Mecklenburg von hervorragender Bedeutung gewesen, und ein sprechendes Zeichen sür Hinstorfs's Energie und geschäftliches Uebergcwicht ist der Umstand, daß die Bedeutung seines Ver lages seit Jahrzehenden die des gesammten übrigen Verlags beider Mecklenburg, — ganz abgesehen dabei von Reuter — weit in den Schatten gestellt hat. Hinstorfs's Persönlichkeit ist vielen Berussgenossen bekannt gewesen. Die treibende Initiative des rastlosen Geschäftsmannes gab seinem Wesen den Stempel der Hast und Unruhe; aber er wußte, was er wollte und daß Zeit Geld ist. Blieb ihm doch an passant Gelegenheit genug, seinen Freunden gegenüber seinem trockenen, treffenden, aber harmlosen Humor die Zügel schießen zu lassen. Viele seiner originellen Redeweisen, die stets Zeugniß einer seltenen Menschenkenntniß gaben, sind geflügelte Worte in den Kreisen seiner Freunde und Zöglinge geworden; gerade die Originalität seines Wesens, das Eigenartige, oft die conventio- nellen Schranken hergebrachten Verkehrs Verschmähende seiner Art und Weise zeichneten ihn aus vor Vielen. In dem alles nivellirenden schablonenhaften Verkehr unserer Tage ist ein Mensch gar nicht hoch genug zu schätzen, der sich gibt, wie er ist, und nicht, wie ihn ein zweifelhafter Conventionalismus haben will. Was aber Viele, die Hinstorff gekannt, die ihn als über aus rührigen und scharfblickenden Geschäftsmann geschätzt und sich im dereinstigen Leipziger „Kaffeekränzchen" an den Blüthen seines Humors erfreut oder ihn aber von seiner manchmal rauhen und überaus strengen Art gegen sich und Andere kennen gelernt haben, nicht gewußt haben, das ist, daß der alte Hofbuchhändler D. C. Hinstorff — ob er es gleich nicht zeigen mochte und sich gegen jede Aeußerung dessen sträubte — im Grunde ein sehr weiches Gemüth besaß und ein großherziger Mann gewesen ist. — Was er im Stillen Gutes gethan, ohne daß oft selbst seine nächsten Angehörigen davon wußten, das wurde nicht laut; er 511
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