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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.10.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-10-16
- Erscheinungsdatum
- 16.10.1882
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- Deutsch
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4448 Nichtamtlicher Theil. 240, I«. October. Ausdehnung »och nicht vorhanden war: eine „Bibliothek der ge summten deutschen Nationalliteratur von der ältesten bis aus die neuere Zeit". Thatsächlich gestaltete sich diese Bibliothek zu einem Sammelwerke für altdeutsche Literatur. Gegen den Plan wurden mit Recht allerlei Bedenken laut; aber es war für die ausstrebende Germanistik doch von Bortheil, daß Jahrzehende lang ein Ver leger ihr sein Interesse zuwandte und selbst Opfer brachte. Wenn Jakob Grimm bei Gelegenheit einer Besprechung einiger Bände dieser Basse'schen Bibliothek das ganze Unternehmen mit seinen „prahlhasten Verheißungen" verwirft und dem rührigen Ver leger den Rath ertheilt: statt seiner doch nicht ausznfüllcnden Gesammtbibliothek eine anspruchlose Sammlung für die Heraus gabe ungedruckter oder neubehandelter Gedichte des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts anzulcgen und beharr lich sortzusühren, wodurch er unserer alten Literatur wahren Nutzen schaffen und auch seinen Bortheil finden könne, so sehen wir hier aufs deutlichste, daß Jakob Grimm auch einen sehr richtigen Blick für das Praktische besaß. Dagegen können wir dem Ausspruche, es stehe jetzt, nämlich im Jahre 1837, um die altdeutsche Literatur so, daß tüchtige Arbeiten auf ihrem rege belebten Felde überall Leser und Verleger fänden, nur eine sehr bedingte Gültigkeit zugestehen. Denn wenn auch hervorragende Literatur-Denkmäler von bewährten Gelehrten, die auch auf an deren Gebieten sich auszeichneten, herausgegeben waren, so war damit noch nicht dem Bedürfnisse genügt. Auch Schöpfungen zweiten und dritten Ranges galt es bekannt zu geben, wenn die deutschen Studien wirklich gedeihen sollten. Aber da fehlte eben die Bereitwilligkeit der Verleger gar sehr. Briese aus jener Zeit sind voll von Klagen über die Hindernisse, die sich der Herausgabe altdeutscher Werke entgegenstellten. Für gar manche Gelehrte, uamentlich jüngere Kräfte, war deshalb die Basse'sche Bibliothek ein willkommenes Refugium. In einem Sammelwerke fanden die einzelnen Beiträge auch eher Verbreitung, als wenn sie gesondert veröffentlicht wurden, schon deshalb, weil die öffent lichen Bibliotheken aus die Fortsetzungen von vornherein Bedacht nehmen mußten. Sicherte dadurch der Verleger auch sein Unter nehmen, so bleibt ihm doch auch dankbare Anerkennung bewahrt, weil er trotz mancher Opfer so lange ansharrte. Mit dem im Jahre 1880 veröffentlichten 3S. Bande hörte das Unternehmen auf, und es verlautet nicht, daß sich die Nachfolger Gottfried Basse's zu einer Wetterführung entschlossen haben. Anderer Art war das im Jahre 1843 von der Gocschen'- schen Buchhandlung in Leipzig gegründete Sammelwerk „Dich tungen des deutschen Mittelalters". Hatte es Basse ursprünglich auch auf die elastischen Werke der deutschen Literatur abgesehen, so gestaltete sich seine Bibliothek doch thatsächlich zu einer Ver einigung noch unbekannter oder doch nicht ausreichend bekannter Werke. Außer der „Gudrun", mit der das Unternehmen eröffnet wurde, ist keine andere Dichtung aus der Glanzperiode der mittelalterlichen Literatur vertreten. Die Goeschen'sche Samm lung dagegen beschränkte sich aus das Mittelalter, brachte her vorragende Meisterwerke, aber auch beachtenswerthe Schöpfungen von Epigonen; auch des Bahnbrechers Heinrichs von Veldcke Hauptgedicht, die „Eneide" nebst seinen Liedern und Sprüchen wurden dargeboten. Leider fand das Unternehmen schon mit dem achten Bande seinen Abschluß; es hätten in ihm noch vor allem Wolsram's von Eschenbach und Hartmaun's von Aue Werke Ausnahme finden sollen. Zwischen die Anfänge der Basse'schen Bibliothek und der Gveschen'schen Sammlung fällt die Gründung des literarischen Vereins. Die von ihm ins Leben gerufene „Bibliothek" berührte sich zwar in mancher Hinsicht mit dem einige Jahre älteren Unternehmen Gottfried Basse's, aber sowohl in Bezug auf den Inhalt als auf die Form waren ihr weitere Grenzen gesteckt. Der Zweck des Vereins ging nach den Statuten dahin, „die jährlich von den Mitgliedern zu leistenden Beiträge auf die Herausgabe werthvoller, sei es handschriftlicher, sei es älterer schon gedruckter, aber bereits aus dem Buchhandel verschwunde ner und sehr selten gewordener Werke zu verwenden, und zwar solcher, die dem germanischen oder romanischen Sprachgebiete angehören und ein allgemeineres Interesse darbieten, also vor zugsweise Schichten geschichtlichen und poetischen Inhalts." Ge rade durch die Mannigfaltigkeit der gestellten Aufgaben, die sich nicht aus die deutsche schöne Literatur beschränkten, konnte dieser Bibliophilenverein weite Kreise Theilnehmender gewinnen und dauernd fesseln. Aber andrerseits war es auch natürlich, daß Werke in deutscher Sprache und poetische Schöpfungen vorzugs weise berücksichtigt wurden. Die Begründer des Vereins waren die damals sämmtlich in Stuttgart lebenden, nunmehr verewigten Herren: Georg Frhr. v. Cotta, Archivrath Ed. v. Kausler, Geh. Legationsrath IIr. Fr. v. Kölle, Geh. Legationsrath Fr. v. Lehr, vr. Wolsgang Menzel, Obertribunalrath vr. v. Scheurlen, v, Ehr. Fr. v. Stälin, vr. Carl Georg v. Waechter, Kanzler der Universität Tübingen und Präsident der Kammer der Abgeordneten. Das Protectorat übernahm Sc. Majestät der König Wilhelm von Württemberg; seit 1864 ist Se. Majestät der König Karl der hohe Protector des Vereins. Das Präsidium führte zuerst Geh. Legationsrath v. Lehr; die übrigen Gründer traten zu einem leitenden Ausschüsse zusammen. Später wurde der Ausschuß, der aus zwölf Vereinsmit gliedern zu bestehen hatte, alljährlich gewählt. Dem Ausschüsse war nach den Statuten das wichtige Recht und Amt zugetheilt, über die Wahl der abzudruckenden Schriften auf den Antrag der Verwaltung zu entscheiden, sowie den Präsidenten zu bestellen. Hervorragende Gelehrte gehörten und gehören dem Ausschüsse an. Von Verstorbenen mögen genannt sein: Böhmer, Jakob Grimm, v. Karajan, Mone, Franz Pfeiffer, Schweller, Simrock, Wilhelm Wackernagel. In den ersten Jahren machten sich besonders Franz Pfeiffer, damals Bibliothekar in Stuttgart, und Prof. Albert Schott um den Verein verdient. Wie uns Adalbert v. Keller in seinem Bericht erzählt, begann die politische Unruhe des Jahres 1848 die Wirksamkeit des Vereins zu lähmen. „Die Verwaltung war allmählich der Hauptsache nach in die Hände eines Buchhändlers gerathen, der das Ganze wie ein buchhändlerisches Unternehmen betrachtete und die Publicationen als buchhändlerischen Com missionsartikel behandelte. Viele Mitglieder des leitenden Aus schusses hatten Zeit und Stimmung verloren, den Zwecken des Vereins nachhaltige Thätigkeit zu widmen, und es wurde sogar die Frage der Auslösung des Vereins angeregt." Im Herbste 184g übernahm, der Einladung des Aus schusses folgend, Prof. Adalbert v. Keller in Tübingen die Bor standschaft des Vereins und die Leitung der Geschäfte, wobei er besonders aus die Unterstützung des damaligen Privatdocen- ten, jetzt Prof. Wilhelm Ludwig Holland, zählen durfte, der ihm bis 1857 in der Eigenschaft eines Secretärs hilfreich zur Seite gestanden und auch später der Verwaltung seine Theilnahme und Mitwirkung erhalten hat. Präsident v. Keller vereinfachte die Verwaltung, löste dieselbe aus ihrer Abhängigkeit vom Buch handel und wirkte aufopferungsvoll theils anregend, theils selbst- thätig als Herausgeber für die Zwecke des Vereins in der er folgreichsten Weise. Die Zahl der Mitglieder wuchs erfreulich mit jedem Jahre
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