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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.03.1906
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- 1906-03-13
- Erscheinungsdatum
- 13.03.1906
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2678 Nichtamtlicher Teil. ^ 60, 18. März 1906. Frankfurt a. M. und er hat nachher keinen Versuch mit dem Selbstverlag mehr gemacht Er hatte sich daran die Finger verbrannt. Die nächste Verbindung, die Goethe anknüpfte, war mit dem Buchhändler Christian Friedrich Weygand, der die 1730 in Helmstedt gegründete Weygandsche Buchhandlung im Jahre 1774) nach Leipzig verlegt hatte. Goethe erzählt, wie gerade am Hochzeitstag seiner Schwester, am 1. November 1773, ein Schreiben dieses Weygand eingelaufen wäre, worin er um ein Manuskript ersuchte. Nicht richtig ist die Angabe, daß gerade der Weither fertig gewesen wäre, und daß Goethe diesen nun als ersten Artikel Weygand überlassen habe; denn der Roman war damals noch nicht geschrieben und wurde erst im Februar 1774 verfaßt; zweitens sind bei Weygand vor dem »Weither« andre Werke Goethes herausgekommen: »Clavigo« und das »Neu eröffnete moralisch-politische Puppenspiel«, und erst im Oktober l774 folgte ihnen der Weither. Es ist eine Frank furter Lokalsage, daß das Manuskript zuerst dem Verleger Varrentrapp in Frankfurt a. M. angeboten, von diesem aber abgelehnt worden wäre. Wir wissen nur, daß Weygand die Leiden des jungen Weither übernahm und davon, trotz der zahl reichen Nachdrucke — wir kennen im ganzen 18 — eine lange Reihe von Auflagen herausgebracht hat, die ihm jedenfalls bedeutenden Gewinn verschafft haben müssen. Noch 1825 hat Weygand eine Jubiläumsausgabe des »Weither« mit dem ein leitenden, von Goethe für diese Ausgabe geschriebenen Gedicht »An Weither« herausgebracht. Nachher blieb das Privileg für dieses Werk in der Hand Weygands und seiner Rechts nachfolgerin, der Firma Gebhardt L Reisland, die seit 1838 den Weither als ihr Eigentum betrachtete, während alle andern Werke Goethes an Cotta übergingen. Daß das Honorar für den Weither nicht hoch gewesen ist, können wir aus einer Äußerung schließen, die Goethe an Sophie la Roche in einem Briefe vom 23. Dezember 1774 tat. Zwei Monate nach dem Erscheinen des »Weither« schreibt er: »Ich mag gar nicht daran denken, was man für seine Sachen kriegt. Und doch sind die Buchhändler vielleicht auch nicht schuld. Mir hat meine Autorschaft die Suppen noch nicht fett gemacht und wird und soll's auch nicht tun.« Hier steht er also auf dem Standpunkt, wie er ihn in Dichtung und Wahrheit durchblicken läßt: er ist Dilettant, der das Dichten als Zeitvertreib ansieht, und es für Simonie hält, für ein poetisches Werk Geld zu geben oder zu nehmen. Das änderte sich nun aber bald, als er nach Weimar gegangen war und hier die Berührung mit dem praktischen Leben gefunden hatte. Er wird zum Geschäftsmann, er lernt rechnen, nicht nur für sich, auch für andre, und der Wert des Geldes kommt ihm zum Bewußtsein. Das erste Anzeichen davon finden wir in der Korrespondenz des Berliner Buchhändlers August Mylius, der durch Mercks Vermittlung mit Goethe in Beziehung getreten ist und von ihm die »Stella« erhalten hat. Ehe er den Verlag übernahm, schrieb er Merck am 17. Oktober 1775, als Goethe von Mylius verlangt hatte, er solle das Manuskript der »Stella« kaufen, ohne es zu sehen: -Es ist allerdings wohl Eigensinn vom Hrn. Or. Göthe, wenn er seine Msc. auf die Art verkaufen will; denn unter uns gesagt, es ist etwas sonderbar, unbesehen und, nach dem alten Sprüchwort, die Katze im Sacke zu kaufen. Auch ist mit einer so kleinen Pieye ja kein großer Handel zu machen. Was machen denn auch einige Tausend für eine Summe, und wie viel verliert sich im Lauf des Buchhandels in Deutschland nicht? Inzwischen damit ich nicht den Vorwurf auf mich lade, als ob nichts mit mir anzufangen wäre, so werde ich die Probe machen und künftigen Posttag an meinen Vetter nach Weimar 20 Thlr. senden, um von Herrn Or. Göthe das Msc. der Stella in Empfang zu nehmen, hauptsächlich aber, um mit diesem allerdings seltenen Genie und fruchtbaren Schriftsteller in Bekanntschaft zu kommen. Wenn es nur nicht, wie ich fast fürchte, die entgegengesetzte Wirkung thutl Denn da er nun für diese vielleicht kleine und nicht so sehr interessante Pieye 20 Thlr. bekommt, so wird das folgende Stück 50 Thlr. und Or. Faust vielleicht 100 Louisd'or gelten sollen; das ist aber wider die Natur der Sache und nicht auszuhalten und ich thue von ganzem Herzen Verzicht darauf. Mich wundert übrigens, daß der Hr. Ör. Göthe die Buchhändler so quälen will, da er, wie ich immer gehört habe, solches aus ökonomischen Gründen nicht nöthig hat. Soll es also vielleicht Ruhm seyn, daß ihm seine Msc. so theuer sind bezahlt worden? vr. Faust wäre mir für einen proportionirlichen Preis lieber gewesen.« Dieser sehr charakteristische Brief des Verlegers, der des halb für das angebotene Werk weniger zahlen möchte, damit der Dichter nachher für wertvollere nicht zu viel verlange, stimmt mit dem überein, was wir von jetzt an in der Regel im Verkehr Goethes mit den Verlegern bemerken werden. Auf ihrer Seite Zurückhaltung, auf der feurigen Mißtrauen. Grund hat er genug dazu erhalten. Denn während er für seine Werke noch auf lange Zeit hinaus kaum ein einiger maßen anständiges Honorar erzielen konnte, haben sich Buch händler zu gleicher Zeit an diesen Werken unrechtmäßig be reichert und erheblichen Nutzen von ihnen gezogen, und keiner einen stärkern als der Berliner Christian Friedrich Himburg. Im 16. Buch von Dichtung und Wahrheit sagt Goethe folgendes: »Als meinen Arbeiten immer mehr nachgefragt, ja eine Sammlung derselben verlangt wurde, jene Erinnerungen aber mich abhielten, eine solche selbst zu veranstalten, so benutzte Himburg mein Zaudern, und ich erhielt unerwartet einige Exemplare meiner zusammengedruckten Werke. Mit großer Frechheit wußte sich dieser unberufene Verleger eines solchen dem Publikum erzeigten Dienstes gegen mich zu rühmen und erbot sich, mir dagegen, wenn ich es verlangte, etwas Berliner Porzellan zu senden. Bei dieser Gelegenheit mußte mir ein sallen, daß die Berliner Juden, wenn sie sich verheirateten, eine gewisse Partie Porzellan zu nehmen verpflichtet waren, damit die Königliche Fabrik einen sichern Absatz hätte. Die Verachtung, welche daraus gegen den unverschämten Nachdrucker entstand, ließ mich den Verdruß übertragen, den ich bei diesem Raub empfinden mußte. Ich antwortete ihm nicht, und indessen er sich an meinem Raub gar wohl behaben mochte, rächte ich mich im stillen mit folgenden Versen Holde Zeugen süß verträumter Jahre, Falbe Blumen, abgeweihte Haare, Schleier, leicht geknickt, verblichne Bänder, Abgeklungner Liebe Trauerpfänder, Schon gewidmet meines Herdes Flammen, Rafft der freche Sofias zusammen, Eben als wenn Dichterwerk und -Ehre Ihm durch Erbschaft zugefallen wäre; Und mir Lebendem soll sein Betragen Wohl am Thee- und Kaffeetisch behagen? Weg das Porzellan, das Zuckerbrodl Für die Himburgs bin ich tot.« Jnteressant ist es, daß Himburg durchaus nicht das Bewußtsein hatte, daß er Unrecht tat. Es gibt darüber keine direkte Äußerung von ihm; wir besitzen aber einen schlagenden Beweis, und dieser Beweis besteht in einem großen Stich von Chodowiecki aus dem Jahre 1781. Der Stich führt die Unterschrift »Wercke der Finsternis oder Beytrag zur Geschichte des Buchhandels in Deutschland. Allegorisch vorgestellt zum besten, auch zur Warnung aller ehrliebenden Buchhändler, zu finden bey C. F. Himburg in Berlin«. Auf dem Bild ist eine Räuberhöhle dargestellt, aus der sich ein paar handfeste Kerle auf die Vorüber wandernden stürzen und sie ihrer Gewänder berauben, während die Justitia ihr Haupt verhüllt. Die Vorüber wandelnden sind die rechtmäßigen Verleger, die Räuber sind die Nachdrucker. Ein solches Blatt hätte Himburg ohne Zweifel nicht
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