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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.04.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1906-04-25
- Erscheinungsdatum
- 25.04.1906
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- Deutsch
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S4, 25. April 1906. Nichtamtlicher Teil. 4139 schöne Holzschnitt in den bekannten großen englischen illustrierten Zeitschriften stammte aus seinen Ateliers, wurde für das Werk guter englischer Tylographen gehalten und war doch deutschen Ursprungs. Der Schwerpunkt des Brend'amourscheu Wirkens blieb natürlich in den deutschen Aufträgen liegen. So entstanden nach 1871 die Illustrationen zu Georg Ebers »Ägypten« (Verlag von Ed. Hallberger, Stuttgart), die zum größten Teil von ihm geliefert wurden. Später folgten »Thomas a Kempis«, mit 110 Bildern von Carl Gehrts geschmückt, ein eigenartig schönes Werk des Verlags Ebner in Ulm. Inzwischen hatten auch die deutschen illustrierten Zeit schriften sich machtvoll entwickelt, und Brend'amour war diesen von Anfang an ein fleißiger Mitarbeiter. Die Arbeiten in Faksimile und Tonholzschnitt, die selbst von den besten fran zösischen Verlegern ausgezeichnet und gebraucht wurden, konnten natürlich unsern deutschen Zeitschriftenunternehmungen nur willkommen sein. Und so sehen wir denn auch Brend'amour in diesen bald eine umfangreiche Tätigkeit entfalten. Diese trug besonders zur künstlerischen Entwicklung des deutschen Tonholzschnitts bei, wobei Brend'amour durch zahlreiche Aufträge von Verlegern wie I. I Weber, Leipzig, Ed. Hallberger, Stuttgart, Adolf Kröner, Stuttgart, Velhagen L Klasing und andern unterstützt wurde. Schorer mit seinem »Familienblatt« —jenem gediegenen Unternehmen, das leider sich nicht zu halten vermochte und später einging — stützte sich auf Brend'amours Mithilfe. Die Ausbreitung des Geschäfts machte die Schaffung von Filialen zur Notwendigkeit, die in Berlin 1871, Leipzig 1873, Stuttgart 1882 und München 1892 begründet wurden und die der Mutteranstalt in Düsseldorf unterstanden. Brend'amour verstand es tüchtige Kräfte heranzubilden, die dann später durch Selbständigmachung der deutschen Verlagstätigkeit nützlich werden sollten. Wir nennen hier nur: Gustav Heuer (jetzt Heuer L Kirmse, Kunstverlag, Berlin) — Krüll, der in Amerika später einflußreich auf die Gestaltung des dortigen Holzschnitts wirkte — Adolf Cloß, der dann in Stuttgart sich ein besondres Feld der Tätigkeit errang — Ad. Knesing, Besitzer der bekannten Münchner Kunstanstalt — Krey, jetzt in Stuttgart — Edler und Käseberg, beides renommierte nachmalipe Kunstanstalten in Leipzig, usw. Nicht zutreffend ist die Behauptung von vr. May Osborne in seiner jetzt erschienenen Monographie des Holzschnitts (Verlag von Velhagen L Klasing), daß die Leistungen der Brend'amour- schen Zweiggeschäfte fast diejenigen der Düsseldorfer Mutter anstalt überflügelt hätten. Das stimmt schon deshalb nicht, da von allen Arbeiten stets Korrekturabzüge an R. Brend'amour eingeschickt werden mußten, wie er auch die ihm nötig scheinenden Anweisungen vor Beginn jeder neuen Arbeit gab und so also stets nach seinen Intentionen ge arbeitet und die beim Holzschnitt so wichtige Korrektur — resp Korrekturen — nach seinen eigenhändigen Angaben stets gemacht wurde und heute noch so gemacht wird — dann erst gelangten die Arbeiten zur Publikation. Neben dieser fruchtbaren Tätigkeit im Holzschnitt hat das Brend'amoursche Kuustinstitut in den letzten Jahren sich auch der Chemigraphie zugewandt, von der Ansicht aus gehend, daß die immer stärker werdenden Jllustrations- bedürfnisse unsrer modernen Zeit zu gewissen Zwecken auch einen wohlfeilen und brauchbaren Ersatz für den Holzschnitt erheischen. Von dieser Überzeugung durchdrungen, veranlaßte Brend'amour seinen Neffen Fritz Goldenberg, 1899 in Gemeinschaft mit dem anerkannt fachkundigen Chemigraphen H. Simhart unter der Firma: Brend'amour, Simhart L Comp, in München und Düsseldorf eine Chemi- graphische Kuustanstalt zu gründen, die zwar als selbständige Firma für eigene Rechnung arbeitet, aber als Schwesterfirma von R. Brend'amour L Comp, mit letzterer geschäftlich in steter Verbindung steht. Was auf chemigraphischem Gebiete die Firma schon geleistet hat, ist zu bekannt, um hier noch extra hervorgehoben zu werden. Die Erfahrungen, die man im Holzschnitt gesammelt hatte, sind hier geschickt auf die Chemi graphie übertragen worden. Es ist nicht leicht zu entscheiden, zu welchem Reproduktionsverfahren sich ein Original eignet, wie es auch nicht leicht ist, das Original dann für das gewählte Verfahren herzurichten. In solchen wichtigen Fragen konnte ein alter, verständnisvoller Fachmann wie Brend'amour dem Verleger zur Seite stehen. Unsre moderne Jllustrations- kunst kann weder den Holzschnitt noch die Chemigraphie entbehren, und daher ist die richtige künstlerische Leitung einer graphischen Anstalt von großer Wichtigkeit nicht nur für diese selbst, sondern vor allem für die Entwicklung unsrer Jllustra- tionskunst. Gerade in dieser Hinsicht hat Brend'amour ungemein fördernd gewirkt — die hohe Entwicklung von Holzschnitt und Chemigraphie in seinen Ateliers ist ein Be weis davon. Von namhaften Werken, zu denen Brend'amour bei trug, seien hier noch genannt das von Garnier reich und gut illustrierte Prachtwerk »Prinz Friedrich Karl im Morgen lande« von Professor Brugsch-Pascha, Verlag von E Trowitzsch L Sohn, Frankfurt a. O., und Major Wißmann, »Quer durch Afrika«, mit zahlreichen Holzschnitt-Abbildungen von dem Maler Klein-Chevalier. Doch nicht bloß für belletristische Zwecke war die Firma tätig, sie schenkte auch den Abbildungen für die Wissenschaft und industrielle Bedürfnisse, d. h. für wissenschaftliche Werke, allerlei Kataloge usw., ihre Aufmerk samkeit. Um diesen Zweig besonders ausbilden zu können, gründete Brend'amour in Braunschweig eine größere Zweigniederlassung im Jahre 1880, die sich den industriellen Abbildungen speziell widmet und hier im Holzschnitt be wundernswerte Leistungen schafft. Trotz des bedauerlichen Rückganges des Kunstholzschnittes für Buch- uud Zeitschriften- illuslration und der jetzt so mit Arbeit überhäuften Chemi graphie sind doch noch in den Xylographischen Ateliers von Brend'amour L Comp, heute ca. 60 Mitarbeiter allein für kunstgewerbliche und industrielle Zwecke tätig. Zahlreiche Anerkennungen für ihre hervorragenden illustrativen Leistun gen wurden der Firma auf Ausstellungen des In- und Aus landes zu teil. Franz Robert Richard Brend'amour wurde am 16. Ok tober 1831 in Aachen geboren. Er besuchte in Köln 1850 bis 1853 die Katzsche Malerschule und trat dann in die dortige staatliche akademische Kunstschule über, der er bis 1855 angehörte. Hier war es speziell der Maler Ramboux, der einen großen Einfluß auf seine künstlerische Entwicklung ausübte. Gleichzeitig widmete sich Brend'amour dem Holz schnitt, da er früh genug dessen Bedeutung erkannte, wenn ihm die damals noch vollständig fehlende künstlerische Vertiefung gegeben würde. Daß er dies zu erreichen ver mochte, haben zur Evidenz die vorstehenden Zeilen gezeigt. Am 25. April 1856 legte dann Brend'amour den Grund stein zu seinem Unternehmen und eröffnete in Düsseldorf seine Kunstanstalt, die in der geschilderten Weise sich ent wickeln und gedeihen sollte. 1866 nahm er dann zur Leitung der geschäftlichen Abteilung seinen Schwager, Rud. Goldenberg auf, einen umsichtigen Geschäftsmann, dem die großartige Entwicklung der Firma mit zu danken ist. Nach dessen Tode 1899 hat sein Sohn Ludwig Goldenberg, ebenfalls ein tüchtiger Geschäftsmann, die Leitung der Administration übernommen. Der fünfundsiebzigjährige greise Chef des Hauses Brend'amour, dekoriert mit dem Kronenorden vierter Klasse, steht heute noch in Gesundheit und^Frische auf seinem Posten, den künstlerischen Teil der 543'
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