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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.06.1906
- Strukturtyp
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- 1906-06-12
- Erscheinungsdatum
- 12.06.1906
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- Deutsch
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5816 Nichtamtlicher Teil. 133, 12. Juni 1906. Die Verweisung des Sortiments auf den Reisebuch handel hält Petermann nicht für empfehlenswert. Auch Bücher hebe die Schattenseiten, die dem Reisebuchhandel neben seinen Vorzügen eigen sind, mit Recht hervor. (S. 39.) Er zeitige zum Teil »so wenig erfreuliche Resultate, daß es dem regulären Sortiment eher zur Ehre, als zum Vorwurf ge reicht, an deren Herbeiführung im allgemeinen keinen Teil gehabt zu haben«. (S- 40.) Petermann hätte hinzufügen können, daß eine organische Angliederung des Reisebuchhan dels an das Sortiment überhaupt nicht tunlich sei, ein Sor timent kann höchstens eine Reisebuchhandlung neben seinem stehenden Betrieb als Sortiment führen. Petermann kommt dann auf die Steigerung der Bücher preise in den letzten 50 Jahren zu sprechen, deren Berech tigung er zugibt. (S. 41) »Damit soll aber nicht gesagt sein, daß es der Klugheit entspreche, in allen Fällen das auch wirklich zu tun, wozu man formell, berechtigt wäre. Gerade die Spekulation auf Preiserhöhung kann oft fehl gehen.« — Gewiß, aber ebenso häufig eine Spekulation auf Preis erniedrigung. Hat man denn aber ein Recht, zu behaupten, daß der Verlagsbuchhandel im großen und ganzen auf Er höhung der Preise spekuliere? Ich glaube nicht. Im Gegen teil kann ich als gewiß aussprechen, daß das Preisproblem eins der schwierigsten im Verlage ist und daß der ver ständige Verleger bei der Preisfestsetzung alle in Betracht kommenden Momente, Zahl der wahrscheinlichen Abnehmer, etwa mögliche Erhöhung dieser Zahl durch billigere Preis festsetzung, zu gewährenden Rabatt, usw., in seinem eigensten Interesse auf das gewissenhafteste in Berechnung zieht. Auch die Gewinnquote des Verlegers ist keine feststehende. Er wird stets untersuchen, ob er nicht besser tut, durch vorläu fige Erniedrigung dieser Quote und dadurch ermöglichte billigere Preissetzung einen größern Absatz und damit einen größern endgiltigen Nutzen für sich zu erzielen. Die Preis festsetzung, wie sie früher gehandhabt worden sein soll und auf die sich Professor Bücher in den kontradiktorischen Ver handlungen") beruft: ». . die gesamten Herstellungskosten kann man im Durchschnitt wieder annehmen zu ein Drittel des Ladenpreises, ein Drittel dem Sortimenter, ein Drittel dem Verleger . .«, hat schon damals Widerspruch und Heiterkeit er regt, und heute kann die Vorstellung von einer so mechanischen Preisfestsetzung keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen. Aber, wie Ferdinand Springer in den eben angeführten Verhandlungen"") es ausgesprochen hat: » ist ebenso schwierig, wie billige Bücher zu schaffen bei hohen Hono raren, hohen Herstellungskosten und geringem Absatz.« Die Herstellungskosten und die Absatzwahrscheinlichkeit werden immer die beiden Pole sein, zwischen denen die Preisfest setzung pendelt. Den für den Privaterwerb zu teuren Büchern bieten die Bibliotheken ein Unterkommen. Bei der gewaltigen Produktion (oder Überproduktion?) des deutschen Buch handels hat der einzelne Gelehrte weder die Mittel noch den Raum, die ganze Produktion in seinem Fach oder auch nur den größten Teil davon käuflich zu erwerben, und es müssen deshalb die Bibliotheken für einen großen Teil an sich nicht zu teurer Bücher Unterkunftstelle bieten. (S. 43.) Herr Professor Petermann berechnet, daß die in Deutschland jährlich neu erscheinenden juristischen Bücher etliche 50, die medizinischen etliche 40 Meter Brettlänge — oder wenn man die Höhe der Gefache zu U Meter annimmt, 15 bis 18 m Meter Wandfläche bedecken würden, und fügt hinzu, daß ihm ein in mittleren Lebensjahren stehender Herr be kannt sei, der durch seine Bibliothek aus seiner Wohnung herausgedrängt worden ist! Da ist es denn gut, daß die *) S. 283. **) S. 405. öffentlichen Bibliotheken bei der »letzten Rabattschlacht noch glimpflich weggekommen sind.« (S 44). »Aber wir Biblio thekare sind nicht so vertrauensselig, an die Dauer dieser Konzession zu glauben.« — Ich glaube Herrn Professor Petermann hierüber beruhigen zu können. In absehbarer Zeit wird der Bibliothekenrabatt nicht angetastet werden; der Buchhandel ist mit dem Erreichten zufrieden und will nun auch Ruhe haben und halten. Die Berechnung der Verluste, die die Bibliotheken erleiden, ist interessant, aber nicht ganz einwandfrei, jedenfalls werden sie auch hier als nicht besonders ins Gewicht fallend angesehen. Der Ansicht gegenüber, daß aber auch die Aufbesserung der Verhältnisse der Bibliotheklieferanten durch die Rabattminderung eine minimale sein könne, sei wiederholt darauf hingcwiesen, daß der Zweck der Herabminderung des Bibliothekenrabatts wesentlich der war, eine Gleichmäßigkeit des Rabatts in ganz Deutschland herbeizuführen, dann aber auch die Erfahrung, daß ein Rabatt von 10 Prozent bei Ansichtssendungen rc. absolut nicht gewährt werden könne. Das Heil für den Buchhandel sieht Petermann in einer erheblichen Vermehrung der Mittel, die die Städte für Bibliothekzwecke aufwenden. Von den 208 (bezw 207) Städten des Deutschen Reichs mit einer Einwohnerzahl von über 20 000 waren im Jahre 1900 nur - 57 im Besitz eigner Stadtbibliotheken; in 35 fehlt jede entsprechende Veranstaltung. (S. 48.) »Hier müßte der Hebel angesetzt werden, um eine Wandlung herbeizuführen. Bibliotheken mit ein paar hundert Mark Vermehrungsfonds, wie sie Schwenkes Adreßbuch der deutschen Bibliotheken im Jahre 1903 in Masse aufwies, sind im 20. Jahrhundert einfach eine Lächerlichkeit.« (S. 48.) »Einen Groschen pro Kopf und pro Jahr für die Wissenschaft! klingt doch wahrlich recht bescheiden. Und wie weit ist das kommunale Bibliothekwesen durchschnittlich davon entfernt!« (S. 49.) Der Buchhandel wird zufrieden sein, wenn diese frommen Wünsche zur Wahrheit werden. Bei der Finanz lage eines großen Teils der deutschen Städte ist keine große Aussicht dazu, abgesehen davon, daß es vielfach recht schwer halten wird, die Kommunalgewaltigen von dem Nutzen einer öffentlichen Bücherei zu überzeugen. Der Buchhandel ist dankbar für jede Förderung, auch wenn er nicht sofort von der Zweckmäßigkeit einer Maß regel überzeugt ist; er nimmt auch gern Ratschläge an, namentlich wenn sie von so wohlwollender Seite kommen, wie dies hier der Fall ist. Die Zwangsmaßregeln, die auf Betreiben und im Einverständnis mit seinen Mitgliedern seitens des Börsenvereins festgelegt sind, erschöpfen keineswegs seine Wirksamkeit. Auch er sucht neue Wege und ist jedem dankbar, der ihm solche zeigt. Als »neue Wege« konnten die Bücherschen Angriffe aber nicht gelten. Petermann führt den Widerstand des Buchhandels ja selbst auf den Ton der Bücherschen Schrift zurück. Bei einer solchen Art der Polemik war es nicht anders möglich, als daß der Buchhandel sich zu einmütigem Protest erhob. Der Buchhandel hat nie etwas dagegen gehabt, wenn die Schriftsteller sich in Vereine zusammentaten, und konnte nichts dagegen haben. Aber schon der Name »Schutzverein« und dazu die erste öffentliche Äußerung dieses Vereins konnte nichts andres, als die lebhafteste Gegnerschaft des Buchhandels wecken. Die Forderung eines Schutzes gegen den Buchhandel war an sich eine Beleidigung. — Doch die Streitaxt ist begraben, der Buchhandel wird nicht ohne Not wieder nach ihr greifen. Will der deutsche Gelehrtenstand sich organisieren, so wird der deutsche Buchhandel der letzte sein, der ihm dies verübelt; im Gegenteil, als starke Organisation wird er dem Gelehrten stande eine ebenso starke Organisation wünschen!
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