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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.08.1898
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1898-08-24
- Erscheinungsdatum
- 24.08.1898
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- Deutsch
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- Saxonica
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Nichtamtli »Suchhändlerische Zusendungen.« Mit der althergebrachten Sitte der buchhändlerischen An sichtssendungen beschäftigt sich unter obiger Ueberschrift im neuesten Hefte der von l)r. Richard Wrede herausgegebenen »Kritik« (Nr. >67 vom 20. August) ein Artikel des Herrn Pro fessors vr. Max Schneideivin in Hameln. Mit Erlaubnis des Herrn Herausgebers geben wir die dortigen Ausführungen teilweise hier wieder und sind überzeugt, daß die vielfach zutreffenden und durchweg wohlwollenden Bemerkungen bei vielen Lesern des Börsenblatts Aufmerksamkeit finden werden. Nach einer Einleitung, in der der Verfasser die mancherlei Waren Revue passieren läßt, die dem wider willigen oder gleichgiltigen Publikum durch unverlangte und meist unwillkommene Zusendung angeboten zu werden pflegen, giebt er das Dringende des Bedürfnisses für viele Gewerbtreibende und Kaufleute zu, ihre Waren anzubieten, ja förmlich aufzudrängen, da sich der Idealzustand des Wartens auf Nächst age nur selten verwirklichen lasse Auf der anderen Seite stehe das Publikum teilweise förmlich zur Abwehr bereit, und so gebe es einen fortdauernden Kampf zwischen Verteidigung und Angriff. — Sodann fährt der Ver fasser fort: »Bücher nun eignen sich in der That von allen Waren am besten, nicht nur mit Anpreisungen, sondern auch iu nstura den Interessenten zur Verlockung zu et waigem Kauf ins Haus geschickt zu werden. Sie sind leicht zu verpacken, nehmen nicht vielen Raum ein und sind in ihrer Qualität nicht so leicht zu überblicken wie andere Gegenstände, die sich in den Läden zum Verkauf anbieten, sondern verlangen zu ihrer Prüfung mehr Ruhe, Muße und passend gewählte Gelegenheit. Die Sitte, sie in die Häuser zu schicken, ist daher, wie gesagt und be kannt, bei allen Sortimentern sehr allgemein verbreitet, in einem Maße, das bisweilen verwundern macht. Ich hatte einmal ein größeres Buch nach langer und mühsamer Arbeit fertig und will gestehen, daß ich mich verwunderte, es niemals von den Buchhändlern meines Wohnortes am Schaufenster ausgestellt zu finden. Ich entdeckte in mir, daß ich doch auf diese kleine Befriedigung der Eitelkeit ge rechnet hatte, bei dem großen Publikum der Vorübergehen den als einer angesehen zu werden, der den immerhin seltenen Fleiß besäße, so etwas fertig zu bringen, und dadurch in den Augen der großen Menge der Mitbürger zu steigen, die ja einen Maßstab der Unterscheidung ihrer Zugehörigen nur in mancherlei unvollkommnerem Gerede besitzt. Diesen eitlen Wunsch auszusprechen, wäre ich aber seit meiner nun bald 40 Jahre alten Bekanntschaft mit dem Schopenhauerschen Aufsatz »über das, was einer vorstellt« zu stolz gewesen, denn dieser klassische Aufsatz öffnet wunderbar die Augen über die ganze Nichtigkeit der Eitelkeit und ersetzt deren leere Befriedigungen mit ruhigem Selbstgefühle. Nach einem Jahre, als die Krebse zurückgegangen sein mußten, ließ ich aber doch einmal die Verwunderung bei den Sortimentern fallen und bekam nun zu hören, daß die Versendung in die Häuser ja viel wirksamer wäre. Im Innern be zweifelte ich das eigentlich, denn eine Spur dieser Zu sendung — in etwaigen Gratulationen, eine große Arbeit hinter mir zu haben — war mir kaum zu Ohren ge kommen; aber ich atmete auf in den Seelen anderer, denen es, wie dem Bäuerlein des Aristides, nicht sehr recht ist, wenn einer irgend etwas voraus hat, und die das Zu gesandte vielleicht ganz gern monatelang vor fremden Blicken versperrt halten. — cher Teil. »Die gedachte buchhändlerische Zusendung hat für beide Seiten ihre Vorteile und ihre Nachteile, an die ich jetzt kurz erinnern will mit dem Bestreben, auf die Abstellung der Nach teile hinzuwirken Für die Sortimentshändler kommt so ge wiß ein großer Teil ihrer Verkäufe von Büchern zustande Die Wißbegierde wird stärker gereizt, als aus dem Ansichtig werden bloßer Titel im Schaufenster oder litterarischer An zeigen. Das Einlesen in die halbverschlossenen Bücher kann so interessant werden, daß es die Unlust des Gedankens, den Preis bezahlen zu sollen, ausgleicht, bei deren minimaler Ueberschreitung durch die Begierde des verhängnisvollen Messerschnittes dann der Preis fällig wird. Auch behält jeder Literatus, dem das ganze Semester hindurch immer wieder etwas zugeschickt wird, doch immer dies oder jenes, um nur nicht den Buchhändler unentgeltlich so viel Mühe anwenden zu lassen. Der Umsatz der Sortimenter erhöht sich also durch die Sitte der Bücherzusendung. Doch bei manchen aller dings in so geringem Maße im Verhältnis zu den Ver suchsmassen, daß sie aussprechen, in Zukunft lieber auf die Sitte verzichten zu wollen. Auch ist für die Sortimenter sehr viel Schreiberei mit ihr verbunden. Die Titel werden — oft mit sehr scherzhaften Abkürzungen — immer zweimal aus geschrieben, einmal unter dem Namen des Empfängers im Kladden-Buche, zweitens auf der jedem Empfänger mit seinem Namen beigefügten Rechnung. Für die Lehrlinge und Gehilfen mag das immerhin den Vorteil haben, daß sie Bücher kennen lernen und sich damit in ihr Fach einleben »Der Empfänger hat zunächst den Vorteil, daß er »auf dem Laufenden bleibt«. Und in der That kommt es vor, daß man die wichtigsten und folgereichsten literarischen Bekanntschaften dieser Zusendung von Ansichts-Exemplaren verdankt Mir ist es so gegangen z B. mit Adolph Strudels großem Werke »Philosophie im Umriß« und mit E v. Hartmanns »dialektischer Methode«, mit zwei Autoren, die für mich eine so entscheidende Bedeutung gewonnen haben, daß ich mir sie gar nicht mehr wegdenken könnte, ohne die größten geistigen Provinzen zu verlieren. E. v Hartmann hätte ich allerdings bei der Fülle seiner Produktion und bei dem Aufsehen, das er erregte, jedenfalls doch bald kennen gelernt; Adolph Stoudel aber wurde von der Kritik fast ganz totgeschwiegen, und in diesem Falle bin ich wirklich der buchhändlerischen Zusendung einen großen Schatz mit einer Dankbarkeit schuldig, die ich gar nicht stark genug ausdrücken kann. Auch hat man den großen Vorteil, daß man in solchem Falle noch durch keinerlei fremde Kritik beeinflußt ist, ganz mit eigenen Augen sehen kann und nicht gezwungen ist, die fremde Brille erst mit der eigenen Herzensmeinung in Einklang zu setzen. Ein Urteil über große Autoren aber ist auch bei dem zerstreuten Strahl möglich, der einem vor dem entscheiden den Messerschnitt allein erst zugänglich ist; denn große Autoren verraten die ganze Qualität ihres Denkens schon in allen beliebigen Ausschnitten ihrer Dar stellung so sicher, wie die Hausfrau auf dem Markt über die Qualität der Butter gewiß wird durch die kleine Probe, die sie mit dem Finger abwischt und zum Munde führt Einmal ist es mir sogar passiert, ein wertvolles Werk in der Form der Makulatur kennen zu lernen, in die eingewickelt mir von einer großen Berliner Firma die Neuheiten zugeschickt wurden. Zu meiner Freude war es mir noch möglich, ein Exemplar des der Ver nichtung bestimmten alten Buches über Staatswesen und Menschenbildung »von F. H. — Bodz Neumond«,
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