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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.08.1898
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1898-08-24
- Erscheinungsdatum
- 24.08.1898
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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19k. 24. August 189» Nichtamtlicher Teil. 6163 Berlin. Wilh. Logier, 1837, 3 Bde. natürlich unter solchen Umständen zu sehr herabgesetztem Preise, zu erstehen. »Nun aber kommt doch die sehr schattige Kehrseite. Ob man die Zeit, die man auf fragmentarisches Anlesen von neuen Büchern verwendet, wirklich vom Standpunkt der Arbeit an seiner geistigen Ausbildung nicht besser an- wenden könnte, ist doch sehr zweifelhaft Das Vielerlei ermüdet leicht und stumpft ab; ein schlechtes Verlangen, mit reden zu können, wo man doch eigentlich die Bedingung, mitzureden, nicht gründlich erfüllt hat, kommt auch hinzu Aber die Menschen wollen so gern alles gesehen haben. Aus die oft nicht sehr taktvoll inquirierende Frage, ob man das und das gelesen habe, empfindet man doch manch mal die schlechte Genugthuung — immerhin wenigstens ehrlich — antworten zu können: »Ich habe das Buch einmal in der Hand gehabt« — nämlich, wenn man auch nur auf die Titel der zugeschickten neuen Bücher einen Blick zu werfen, Zeit, Stimmung und Lust gefunden hat Von den ge wichtigsten Seiten wird immer wieder mit Recht eingeschärft, dah wenige bedeutende Bücher wirklich zu studieren besser ist, als viele zu lesen oder gar nur flüchtig in ihnen zu blättern. Acußere Unannehmlichkeiten ferner verbinden sich mehrere mit der Behandlung dieser Sitte der Bücherzu- sendung Man sollte die nicht behaltenen prompt wieder zu- rückbringen oder zurückschicken. Aber man verbummelt das oft, weil nicht jedem jederzeit Dienstboten zu Gebote stehen und man für sich selbst gern verschiebt, was immer eine kleine Last ist und was bei der wirklich großen in dieser Beziehung entgegengebrachten Langmut, für die »Coulanz« ein zu niedriger Name ist, niemals drängt. Dann mehren sich aber die Haufen in erschreckender Weise. Und das Zurückbringen hat immer etwas leicht Peinliches an sich, in noch höherem Grade, als man im Kontokorrent-Verkehr immer ein weniger angenehmes Gefühl hat, wenn man Geld abhebt, als wenn man Geld zubringt. »Es giebt in den besten Gesellschaftsschichten manche, die so sehr den Gedanken scheuen, etwa einmal für ein Buch Geld auszugcben, dah sie sich bei dem Sortimenter, in dem ersten Fall, daß er ihnen einmal Bücher zur An sicht ins Haus geschickt hat, dies für alle Zukunft »ver bitten- — was, beiläufig gesagt, ein Ausdruck ist, der im norddeutschen Munde etwas Rücksichtsloses und Hartes hat, während man bei den biederen Süddeutschen (von Thü ringen ab) beobachten kann, daß sie dabei noch das ety mologische »Bitten - im Gefühl haben und nur bitten wollen, daß etwas nicht geschehen möge. Das heißt aber, das Kind mit dem Bade ausschütten Vielmehr muß man anerkennen, daß die Sitte bei allem ihiem berechtigten Egoismus etwas Höfliches und Zuvorkommendes hat und der Aufgabe, mit der litterarischen Produktion des Tages in Füh lung zu bleiben, guten Vorschub leistet Nur sollten beide beteiligte Parteien sich gewisse Modalitäten zum Grundsatz machen, welche die Sitte davor bewahren, in eine Unsitte umzuschlagen Die Sortimenter sollten sich doch größeres Maß zur Pflicht machen Es ist erstaunlich, was sie den Interessenten der Litte- ratur alles zumuten. Jetzt steht die Sache so, daß, wer auch nur den zehnten Teil alles dessen, was ihm ins Haus geschickt wird, behalten wollte, schon sein Budget in Unordnung bringen würde, wer alles behalten wollte, leicht sein ganzes Jahreseinkommen auf Bücher kauf verwenden könnte Auch ist es höchst befremdlich, daß die Sortimenter oft in Jahren sich kein sicheres Urteil darüber bilden, was einer ihrer Kunden allenfalls wird kaufen wollen und was nicht. Hat man sich z. B einmal ein oder das andere Hauptwerk über Spiritismus gekauft, so bekommt man von da ab alle die endlose Litteratur ins Haus geschickt, die in den letzten Jahren beinahe von Woche zu Woche anschwillt. Die Sortimenter — und ebenso allerdings eigentlich in letzter Instanz die Autoren — machen sich gar nicht klar, woher den Menschen die Zeit kommen soll, das alles zu prüfen und zu lesen, die doch ihren auf Ausfüllung berechneten Beruf zu haben pflegen, und an deren Bildungsbedürfnis nicht nur der Tag herantritt mit dem, was er gebiert, sondern auch die Jahr hunderte und Jahrtausende der Vergangenheit. Daher denn auch das beklagenswerte, aber begreifliche öffentliche Ge heimnis, daß von hundert neuen Schriften nicht fünf sind, die ihre kostspielige Herstellung — pro Bogen mindestens 50 ^ — bezahlt machen, weshalb in Wahrheit nicht das Kapital der Verleger, sondern der Ehrgeiz der Autoren vielleicht den größeren Teil der Geldmittel auf bringt, durch die der Büchermarkt so reichlich mit Waren überschwemmt wird Man meint vielleicht, daß unter den fünfzig Millionen Deutschen doch pro Schrift immer we nigstens die 500 aufzufinden sind — also unter 100 000 Menschen je einer —, die ihre Abnehmer sein könnten und zur Deckung der Herstellungskosten und ihrer bescheidenen Verzinsung ausreichen würden. Allein ich habe die Ueber- zeugung, daß von den meisten Neuheiten noch nicht 100 Exemplare im Buchhandel abgesetzt werden. Die Zu sendung von Büchern in dem Maße, wie sie geschieht, ist und bleibt mit dem unwirtschaftlichen Charakter der Arbeitsvergeudung zu bezeichnen. Es kommt auch noch hinzu, daß dem einzelnen die Versuchung, seine Bücher sammlung allmählich aus den zufällig ihm übersandten Novitäten zusammenzusetzen, nicht allzu groß gemacht werden sollte, zumal gerade unverhältnismäßig viele Kleinig keiten bei ihm hängen bleiben werden. Die Privatbiblio theken sind weit besser zusammengesetzt, bei denen die Ini tiative des Besitzers ganz besonders auch auf eine all mähliche Ergänzung der stanäarä vorlcs seines Faches oder seiner Interessensphäre, auch der älteren, Bedacht ge nommen, als über die der Zufall der buchhändlerischen Zusendungen einen sichtbaren Einfluß gewonnen hat. »Die Kunden der Sortimenter aber sollten doch sich zum Gesetz machen, die nicht behaltenen der ihnen mit größerer Maßhaltung zugesandten Bücher recht prompt, etwa an einem bestimmten Tage, monatlich zweimal, zurückzuliefern Was von den Verlagsstellen aus werbend in die Lande fliegt, könnte auf diese Weise an viel mehr Thüren anklopfen; die Aussicht aus Absatz würde sicherlich so etwas erhöht Die Sortimenter sollten mit jedem Kunden, mit dem sie in Verbindung stehen, sogleich dahin zielende Verabredungen treffen. Der Wunsch ist so sehr in sich selber begründet, daß gebildete Menschen, die sich in be rechtigte fremde Interessen hineinzuversetzen vermögen, ihm gewiß gern entgegenkommen werden, zumal es ja unseren Sortimentern im Aussprechen ihrer Anliegen nicht im mindesten an Höflichkeit zu fehlen pflegt. Am besten wäre es freilich, wenn diejenigen unserer Sortimentshündler, die das irgend zu ermöglichen imstande sind, anstatt der Zu sendungen ein, wenn auch bescheidenes Lesezimmer zum Einblick in die Neuigkeiten haben würden, zu dessen fleißiger Benutzung sie immer wieder ihre Kunden bei Gelegenheit freundlich auffordern würden. Hameln. Prof. l)r. Max Schneidewin.« Kleine Mitteilungen. Amtlicher Verlag. — Der Reichsanzeiger vom 22. August giebt folgendes bekannt: »Die vom Reichsamt des Innern veranstaltete Ausgabe des Werkes -Nautisches Jahrbuch oder Ephemeriden und Tafeln für das Jahr 1901 zur Bestimmung der Zeit, Länge und Breite zur See nach astronomischen Beobachtungen- ist im Verlage der Buch- 820*
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