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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.07.1909
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1909-07-24
- Erscheinungsdatum
- 24.07.1909
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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^ 169, 24 Jull 1909. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 8649 Eltern und Erzieher meinen. Durch das, was Kinder lesen, werden ihre Gedanken beschäftigt und oft die Grundlagen zur Ausbildung ihres Charakter ! gelegt. Gib daher genau Acht auf den Lesestoff, der Kindern in die Hand gegeben wird. Als Verleger vieler Kinderbücher und als Herausgeber eines Kinderblattes »Börnevennen«, das jetzt über 41 Jahre lang be steht, habe ich reiche Gelegenheit gehabt, mich mit diesem Teil unserer Literatur bekannt zu machen, und ich glaube wohl sagen zu dürfen, daß dieser Teil meiner Verlagstätigkeit mein besonderes Interesse gehabt hat. Ich habe mich immer be strebt, daß die bei mir erschienenen Kinderbücher so gut und so gesund sein sollten wie nur irgend möglich, und doch muß ich bekennen, daß nicht alle so gut sind, wie ich es gewünscht hätte. Die Sache ist nämlich die, daß es erheblich schwieriger ist, für Kinder zu schreiben, als viele glauben, weit schwieriger, als für Erwachsene, und es ist unglaublich, wie viel ganz unmögliche Manuskripte zu Jugendschriften den Verlegern jährlich eingesandt werden. Ich wandte mich einmal an einen hochangesehenen Mann mit dem Ersuchen, ein Schulbuch für Kinder zu schreiben; aber er antwortete, es sei ihm unmöglich, dazu habe er keine Zeit, denn, sollte er es tun, so müsse er mindestens drei Monate Ferien nehmen und sich in dieser Zeit vollständig in den Gedankengang des Kindes hineinversetzen. Gerade das verstehen so viele von denen, die für Kinder schreiben, gar nicht, daß sie sich in den Gedankengang des Kindes hineinleben, genau jeden Satz, ja jedes Wort überlegen sollten, denn die Sprache muß durchaus natürlich und leichtverständlich sein und der Inhalt nicht nur unterhaltend, sondern auch bis zu einem gewissen Grade belehrend und bildend, so daß er, während er unterhält, auch des Kindes Horizont erweitert. Viele glauben sicherlich, daß es sich für einen Verleger lohne, Kinderschriften herauszugeben; aber es ist oft außerordentlich schwer, ein Kinderbuch in so großer Anzahl zu verkaufen, daß auch nur die Kosten gedeckt werden. Die Ursache ist teils die, daß man eine hübsche Ausstattung mit Illustrationen usw. zu billigem Preise verlangt, teils die, daß so viele geradezu schlechte, ungesunde, billige Bücher für Kinder fabriziert werden, die den Verkauf der wirklich guten Kinderbücher hemmen, und meine Erfahrung geht dahin, daß das Publikum schwer dazu zu bringen ist, die besten Kinderbücher zu kaufen. Alle schädliche, aufregende und ungesunde Literatur für Kinder muß mit allen Kräften bekämpft werden. Eltern und Er zieher müßten einsehen, daß es für des Kindes Zukunft, für seine ganze Entwicklung in hohem Grade schädlich ist, ihm ein Buch in die Hand zu geben, von dem man nicht im voraus weiß, daß es gut und gesund ist. Hierdurch würden für Schriftsteller und Verleger die besten Aussichten geschaffen, gute und gesunde Bücher für unsere Jugend hervorzubringen. Ich kann versichern, daß ich für mein Teil oft dessen recht überdrüssig gewesen bin, mit der Herausgabe von Kinderbüchern fortzufahren, weil ich als Verleger so wenig Freude und Anerkennung gehabt habe, und ich weiß, daß es andern Verlegern und vielen Schriftstellern ebenso gegangen ist. Die Kinder müssen beim Lesen Anleitung haben, nicht in der Weise, daß man ihnen dies oder jenes verbietet, sondern so, daß man darauf achtet, in welcher Richtung ihre Neigung geht, und ihnen dann das Bestmögliche auf diesem Gebiete in die Hände gibt, im frühen Kindesalter am besten Erzählungen und Wirklichkeitsschilderungen über Kinder und Tiere; nicht zu viele Märchen, da diese häufig ihre Phantasie in ungesunde Aufregung versetzen und ihre Begriffe darüber, was wirklich und was un wirklich ist, verwirren, — im späteren Alter am besten geogra phische und historische Erzählungen und Schilderungen. Was mich als Kind besonders gefesselt hat, waren B. S. Jngemanns histo rische Romane und »Onkel Toms Hütte«. Die Kinder tun gut daran, sich ihre eigene kleine Bibliothek zu bilden, die sie allmählich zu schätzen, zu schützen und zu ver mehren lernen werden. Aber weiter müßte es dahin kommen, daß es an jeder kommunalen oder privaten Schule eine Bücherei gibt, die einen Beitrag vom Staate erhält. Es müßten auch gute, als Wegweiser dienende Kataloge herausgegeben werden, sachlich nach dem Alter der Kinder geordnet, und diese müßte man so verteilen, daß sie sowohl Eltern wie Erziehern in die Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 76. Jahrgang. Hände kommen; denn es wird immer besser sein, die Bücher nach solchen Katalogen zu wählen, als nach schillernden Reklamen oder als — wie es leider so viele tun, die Bücher für Volksbüchereien kaufen sollen — sich an die Antiquare zu wenden und dort haufen weise von dem zu kaufen, was andere abgestoßen haben. Es wäre auch wünschenswert, daß die Presse, namentlich unsere großen Tageszeitungen, der Lektüre unserer Kinder ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Raum opferten. Entweder wird die Kinderliteratur gar nicht besprochen, oder es werden ihr nur hinten im Blatte einige wenige Zeilen in kleinem Druck gewidmet, während doch die Eltern, die auf die Tages zeitungen abonnieren, gern beim Kaufe von Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Kinderliteratur ein wenig Anleitung haben möchten. Zu Kinderbüchereien gibt die dänische Regierung einen Bei trag von 11000 Kr.; aber meiner Ansicht nach begeht man den Fehler, daß man diesen Beitrag verteilt, ohne eine Gewähr dafür zu verlangen, was gekauft wird (denselben Fehler macht man bei dem Zuschuß des Staats zu den dänischen Volksbibliotheken), so daß ohne Zweifel häufig (mit weniger Rücksicht auf die Qualität) das gekauft wird, was gebraucht am billigsten zu bekommen ist (vom hygienischen Standpunkt aus dürfte dies zudem nicht un gefährlich sein). Auf diese Weise kommt der Staatszuschuß nicht den besten Kinderbüchern zu gute, und hierin sehe ich den Haupt grund dafür, daß es sich so schlecht verlohnt, gute Kinderbücher zu verlegen, und daß die Verleger oft Manuskripte von Kinder buchverfassern ablehnen müssen, die so gut sind, daß sie heraus gegeben werden sollten. In Schweden gibt die Regierung im ganzen 60 OM Kr. jährlich an Volks- und Kinderbibliotheken; an letztere in Form von Beiträgen von 65, 70 und 75 Kr., aber nur zum Einkauf solcher Bücher, die das Regierungsbureau ihnen angibt. In Norwegen gibt die Regierung 12000 Kr. und außerdem 7500 Kr. (also zusammen gegen 20000 Kr.) jährlich an die Zentral leitung der Kinder- und Jugendbibliotheken der norwegischen Volksschulen, aber nur unter folgenden Bedingungen: 1. Der Staat verlangt, daß die Büchersammlung, die um Zuschuß nachsucht, selbst einen gleich großen Betrag von anderer (öffentlicher oder Privater) Seite aufgebracht hat. 2. Die Ein käufe sollen ausschließlich durch die Zentralleitung erfolgen. 3. Es dürfen nur diejenigen Bücher gekauft werden, die in dem von der Zentralleitung herausgegebenen Katalog angeführt sind. 4. Die bestellten Bücher werden nur von dem jeder Bücherei angegebenen Sortimentsbuchhändler (nicht Antiquar) gekauft, und zwar zu einem etwas ermäßigten Preise, der durch Verhandlungen zwischen der Zentralleitung und den Verlegern festgesetzt wird; die Verleger geben auf diese Weise ihren Beitrag zur Förderung von Kinderbüchereien. Die vorzügliche Art, in welcher diese Angelegenheit in Nor wegen geordnet ist, hat bewirkt, daß in den letzten Jahren zum Besten der norwegischen Jugend eine Menge gute, wohlgeordnete Kinderbüchereien entstanden sind und daß für norwegische Schrift steller und Verleger die Möglichkeit geschaffen ist, neue gute nor wegische Kinderbücher herauszugeben. Ausführungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen. — Am Sonnabend, den 24. Juli beginnen unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes Wermuth die Beratungen der Vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuer wesen, für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen über die Ausführungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen. Die Sitzungen werden sich voraussichtlich über mehrere Tage hinziehen. Nach ihrem Abschluß wird sofort die Bekanntgabe der Aus führungsbestimmungen erfolgen. (Leipziger Ztg.) In Lsterreich verboten. — Das k. k. Landesgericht Wien als Preßgericht hat mit dem Erkenntnisse vom 15. Juli 1909 auf Antrag der k. k. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt der Nummer 15 des 14. Jahrganges der periodischen Druckschrift: .Simplicissimus« vom 12. Juli 1909 (Spezialnummer Junker), und zwar wegen des Artikels: »Das rechte Mittel« in seiner Gänze samt den dazu gehörigen Bildern (Seite 244 und 245) das Vergehen nach § 303 St-G. begründe, und es wird nach 1123
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