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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.09.1909
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1909-09-17
- Erscheinungsdatum
- 17.09.1909
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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216. 17. September 1909. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 10691 Graphische Künste auf der X. Internationalen Kunstausstellung im Glaspalast in München. Die diesjährige internationale Kunstschau im Münchener »Kristallpalast« bietet das gewohnte prächtige, aber etwas mono tone Bild, in das nur die neuartig wirkenden Kollektionen einiger ausländischen Künstlcrgruppen, so namentlich die der Schweizer und Russen, und sodann oie jugendlichfrische Kunst der »Scholle« und der »Sezession« eine merkbare Abwechslung bringen. Neben den Massendarbietungen an Ol- und Temperagemälden, die in endlosen Saalfluchten den Besucher festhalten und dessen geistige Elastizität eher lähmend als fördernd be einflussen, finden die in einigen kleinen Kabinetten und auch zerstreut in den Sälen untergebrachten Werke der Graphik und der Zeichnung (im weiteren Sinne) nicht immer die ihnen ge bührende Beachtung. Wer sich jedoch von der sogenannten großen Kunst abwendet und sich in diese abseitige stillere Kunstwelt mit Andacht versenkt, dem bietet sie gleichwertige Genüsse. Große Mannigfaltigkeit herrscht hier, sowohl inhaltlich wie technisch, vor allem aber auch in bezug auf Persönlichkeiten. Denn während in der Malerei vor allem die farbigen Probleme, dann das Stoffliche und Gegenständliche der Erscheinung zur Geltung kommen und stark hervortretende Geistigkeit mit dieser rein bildmäßigen Darstellung sich nicht verträgt, gelangt in der Zeichnung und ihren Aba-ten die Persönlichkeit des Künstlers zu um so eindringlicherer Wirkung. So kommt es denn, daß in München, wo Künstler aller Länder, Zeichner aller Stile, sich Stelldichein geben, nicht so sehr die nationalen als die persönlichen Unterschiede in die Augen fallen. Da ist der nach London übergesiedelte Amerikaner Pennell mit einer Kollektion seiner Landschaften und Städteansichten (»Toledo«, »Das neue New Uork«, »Pittsburg bei der Arbeit«). Eine großzügige Raumgestaltung und eigentümlich graziöse Technik, die über alle Dinge den Hauch feiner Geistigkeit breitet, zeichnet diese Arbeiten aus. Einen starken dramatischen Zug spüren wir im besonderen in den Pittsburger Ansichten, das Pathos der Arbeit und der modernen Technik. Vigano, der Italiener, bietet eigen empfundene Ausschnitte aus dem Alltags leben, Genreszenen, Bauern- und Tierdarstellungen, Charakterköpfe, sicher hingesetzt und umwoben von prickelndem Helldunkel. Von den Wienern sind T. Franz Simon, Ferdinand Mich! und Rudolf Junk gut vertreten. Köstlich sind die farbigen Radierungen Simons, Blätter von einer Delikatesse, die an japanische Farben poeme erinnert. Betrachtet man sie aus der Ferne, so wirken sie wie Arrangements von dunklen Farbenflecken auf lichtem Grunde. Beispielsweise der »Gemüsemarkt« und der »Pariser Bücher trödler«. In anderen Blättern sind großdekorative Wirkungen angestrebt. Große leuchtende Farbenflächen bannen schon von weitem den Blick. Und doch ist der Tongeschmack ganz intim, wienerisch distinguiert. Das blaue Meer wird kontrastiert mit dem goldgelben Strand, der Vordergrund belebt mit sauber und lecker hingesetzten bunten Menschen, Sonnen schirmen und Zelten. Ein Nachtstück entzückt durch das Spiel des Lichtes auf den Gesichtern des an eine Zirkusbude sich herandrängenden Publikums. Mit farbigen Radierungen exzelliert auch Ferdinand Michl. Er schildert das Leben der galanten Welt und Halbwelt und versteht sich auf aparte Farbenklänge. Junk zeigt graphische Kleinigkeiten, Exlibris, Buchschmuck und ähn liches, Pinell-Koller markig gezeichnete Farbenholzschnitte. Die schweizerische Abteilung hat manches Schöne, aber hervorragende die alten Holzschnittmeister. Auf ähnlichen Wegen wandelt auch Francois Louis Schmied, ein anderer in Paris lebender Schweizer, wogegen der Berner Franz Gehri in einer Kollektion genreartiger Radierungen als ein behaglicher Schilderer des Alltags auftritt. Von den Schweizern sind noch Emil Anner mit einem prächtigen Mädchenkopf, Plinio Colombi mit einer stimmungsvollen Landschaft und Giacometti mit zwei in einem eigentümlichen teppichartigen Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 76. Jahrgang. Dekorationsstil gehaltenen Illustrationen zu »Jürg Jenatsch« zu erwähnen. Einen sehr sympathischen Eindruck empfängt man von dem Schweden Carl Larsson, der in dreißig großen Aquarellen sein Künstlerheim schildert Es ist fast eine Erholung, bei diesen tech nisch gediegenen Arbeiten auszuruhen, und mit Freude konstatiert man, wie in diesen fröhlichen Lebens- und Stimmungsbildern ein frischer Erzählerton mit gereiftem Können sich paart. In un mittelbarer Nachbarschaft hängen die landschaftlichen Radierungen Ernst Norlinds, einer reichen träumerischen Natur, die mit Vorliebe in romantischen Stimmungen schwelgt; in einem besonderen Kabi nett sind die leidenschaftlich erregten Naturschilderungen Carl Emile Zoirs, eines Gotenburgers, ausgestellt. Der Däne Tom Peterscn schildert in solid gezeichneten aber etwas trockenen Radierungen das alte Hamburg; der Holländer Veldheer Stadtansichten von Nürnberg in einem derben, etwas krausen Holzschnittstil. Von höchstem Reiz sind zwei große landschaftliche Radierungen von Etienne Bosch im Haag, den Golf von Salerno und die Notre Dame von Paris darstellend, wundervolle Blätter, die mit ihrer originellen sicheren Raumgebung, der reichen Tonschönheit an alte holländische Kunst denken läßt. Noch sind zwei Belgier zu erwähnen: M. Henry Meunier mit seinen heroischen, von Gewitter und Sturm durchbrausten Landschaften und Armond Nassenfosse mit einer Kollektion kleiner Gravüren, Bergarbeiterinnen und ähnliches, die ebenso einfach wie verblüffend lebenswahr gezeichnet sind. Den größten Raum beanspruchen auf der Internationalen die Deutschen und vor allem die Münchener, wenn auch die großen Namen gar nicht oder nur spärlich vertreten sind. In einem Kabinett, in dem die Arbeiten der Münchener Sezessionisten vereinigt sind, tritt als Persönlichkeit von Bedeutung zunächst der erst dreißigjährige Willy Geiger hervor, der in einem Zyklus von sieben Radierungen ein altes Thema in neuer und geistreicher Weise paraphrasiert und dabei einen erstaunlichen Gestalten- und Ideen reichtum an den Tag legt. Da sind Blätter wie die »Vsnus ?anckemo8«, die im Vorwurf wie auch in der schlagkräftigen Zeich nung an Goya erinnern, andere wieder wie »Venus beroioa« und »Venus inater« sind von einem dichterischen Schwung und einer geistigen Kraft, die an Klinger erinnert. Wenn auch die künstlerischen Tendenzen Willy Geigers hart das Literarische streifen, so konstatiert man doch mit Freude, daß der Künstler einem Stoffgebiet sich zugewendet hat, das seinem Wesen durchaus entspricht. In einem engeren geistigen Gesichtskreis hält sich die Kunst Oscar Graf's, dessen Radierungen Wand an Wand mit denen Willy Geigers hängen: ein Porträt von Rudolf Dill, eine Gewitterlandschaft und ein Heiliger Hieronymus. Es sind Blätter von fast raffinierter technischer Meisterschaft, wundervoll im Ton und reich an malerischen Qualitäten. Im selben Kabinett zeigt sich als Radierer auch noch Hubert von Heyden mit interessanten Studien aus der Vogelwelt, ferner Joh. Leonhart mit humoristischen Genrebildern. Der bekannte Porträtist Karl Bauer ist mit einem Bildnis von Ernst Haeckel vertreten; Otto Gampert mit ganz vorzüglichen, tiefempfundenen landschaftlichen Radierungen. Von den Münchenern seien noch erwähnt: Hans Stubenrauch und Wolfgang Wagner, die sich in humoristischer Maske zeigen; Eugen Oßwald, der mit impressionistischen Studien exzelliert; ferner Ludwig Willroider mit feinen landschaftlichen Zeichnungen und Ludwig Putz mit einer farbenprächtigen, an Marees erinnernden Studie »Magere Beute«. Der Worpsweder Hans am Ende brilliert mit einer prächtigen landschaftlichen Radierung »Tief im Moor«; der Augsburger Fritz von Hellingrath mit Motiven von der Insel Reichenau, ganz entzückenden kleinen Blättern von höchst eigenem Reiz. Es bleibt nun noch der Leipziger Bruno Heroux mit seinen Exlibris zu erwähnen, die im ganzen von guter Qualität und besonders im Ton gut gelungen sind. R. >386
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