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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.10.1909
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1909-10-11
- Erscheinungsdatum
- 11.10.1909
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- Deutsch
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Vereinfachungen im Betriebe des Sortiments-Buchhandels. <Vgl. Nr. 224, 231 d. Bl.) Als ich den Aufsatz mit dem obengenannten Titel schrieb, war ich sicher, daß irgendwelche Einwände dagegen kommen würden. Ich hatte mir vorgenommen, ohne Entgegnungen zu arbeiten, und doch muß ich von meinem Plane Abstand nehmen, denn die Kritik des Herrn Franz Unger, Wien, in Nr. 231 greift mich zu sehr an, und ich möchte mit ein paar Worten darüber reden. Herr Unger verurteilt zuerst entschieden mein System der Lagerordnung mit numerierten Fächern und empfiehlt dafür eine Aufstellung des Lagers nach Wissenschaften als bestes Mittel für ein sofortiges Finden eines Buches. Nun könnte ich mit Herrn Unger sagen, daß auch ich dieses System bereits ausprobte, aber mir wieder hat dieses zuviel Arger gemacht, daß z. B. die Geographie doppelt soviel Platz brauchte, als ausgerechnet war, und die Fächer für Philosophie nur balb voll waren, und dann ging das Rücken los, alle Wissenschaften zwischen Geographie und Philosophie wurden gerückt, das war eine Arbeit, die mir ent schieden nicht leichter vorkam als das Andern einer Zahl auf meinen dann eingeführten Fächerzetteln. Außerdem möchte ich hierzu noch etwas bemerken: Durch längere Arbeit in einem Ge schäfte läßt sich die Menge der am Jahresende in einer Wissen schaft aufgespeicherten Bücher ungefähr feststellen. Außerdem be folge ich stets das Prinzip einer Vorremission im Oktober, um in der stärksten Zeit auf alle Fälle Platz für die Novitäten zu haben. Fehlt es mir im September bereits in einer Wissen schaft an genügend leerem Platze, so werden alle entbehr lichen Bücher, meistens die mehrfach vorhandenen Werke, zum Remittieren bestimmt; ich brauche deshalb die Fächerordnung noch nicht umzustoßen. Nun wird mir Herr Unger wohl antworten: das kann ich bei meinem Lager auch tun, dann fällt das Rücken fort; ich gebe ihm vollkommen recht, muß aber dann noch einen Punkt erwähnen, der mir nicht gerade als Vorzug der alphabetischen Lagerordnung erscheint. In jedem Geschäfte wird es bestimmte Wissenschaften geben, die eine besondere Pflege erfahren; hier ist es eine Fachwissenschaft, die dem Geschäft das Gepräge gibt, da ist es die Belletristik, die vor allen Dingen verkauft wird; andere Sor timente befassen sich mit zwei oder drei Spezialitäten, ohne jedoch dieanderenFächer garzusehr zuvernachlässigen; kurz, jederChefwird es so einrichten, daß er seine Hauptfächer, das am meisten Verlangte gleich zur Hand hat. Nach meinem Vorschläge der Lagerordnung geht das sofort. — Wie schaut es dagegen bei dem alphabetischen Ordnen aus? Da steht eine vielverlangte Wissenschaft oder viel mehr muß sie, um nicht aus dem Abc zu fallen, an einem Platze eingereiht werden, der nur mit der Leiter erreichbar ist oder weit hinten im Laden liegt. Gleich beim Verkaufsstande dagegen steht eine Wissenschaft, die vielleicht wöchentlich einmal begehrt wird. — Ich bitte doch, auch diesen Punkt nicht außer acht zu lassen. Als zweiten Punkt beanstandet Herr Unger meine Inventur. Hierbei gehen unsere Meinungen allerdings insofern auseinander, als Herr Unger nur nach dem Wege sucht, um dem Gesetze Genüge zu leisten, während mir damit nicht gedient ist. Ich möchte nicht nur wissen, wieviel Mark in dem Geschäft festgelegt sind, mir kommt es darauf an, aus welchen Einzelteilen sich die End summe der Inventur zusammensetzt. Ich kann nicht von dem Ordinärwert des ganzen Lagers einen bestimmten Prozentsatz abschreiben, dabei könnten zu große Ungenauigkeiten Vorkommen. Früher wurde jedes Buch in eine Jnventurliste eingetragen, mit jedem Jahre ergab sich dieselbe Arbeit; beim Gebrauch der Zettel brauchen die nicht verkauften Bücher des Vorjahres nicht wieder durchschnittlichen Wertlosigkeit wenig Rücksicht genommen. Meist wandern sie — das gehört ja auch zu den Jnventurarbeiten — bei der Gelegenheit in den Papierkorb. Haben sie noch wirk lichen Wert, so ist der Zettel schließlich bald geschrieben. Für die Ausrechnung der Inventur lassen sich dann die einzelnen Zettel leicht in Gruppen ordnen, für die ein gleicher Prozentsatz ab geschrieben wird, und ist auch dieses erledigt, folgt das Ordnen nach dem Alphabet der Verfasser. Dieses dient dann im Laufe des Geschäftsjahres oft als erwünschte Kontrolle. Börsenblatt für den Dentschen Buchhandel. 76. Jahrgang. Die dritte Ursache der Kritik war mein Formularkatalog Auch hier gehe ich von meinem Vorschläge nicht ab, weil ich nichts besseres im Gegenvorschläge finde. Wenn ein Geschäft nur wenige Formulare hat, können sie wohl leicht übersehen werden, wenn sich die Drucksachen aber häufen, und das ist doch wohl überall der Fall, wird die Übersicht recht erschwert, und leicht wird ein Paket übersehen, es wird neugedruckt, ehe der alte Vor rat aufgebraucht ist. Ich ziehe meinen Zettelkatalog auch für die Formulare schon deshalb dem Vorschläge des Herrn Unger vor, weil eine Sammlung der verschieden großen Formu lare selten lange ordentlich bleiben kann, besonders wenn oft neue Formulare dazu kommen oder alte neugedruckt werden. Meine gleichgroßen Zettel in einem passenden Kasten leiden nie, gestatten jedenfalls vielmehr Notizen als die Originaldruck,achen und sind entschieden übersichtlicher. Daß damit ein »Zettelkatalog für Zettel« angelegt wird, macht mir garnichts aus, wenn es nur praktisch ist, und das ist es, denn Herr Unger irrt, wenn er ein gangs seiner Kritik bemerkt, meine Theorien seien schön, — sie haben auch in der Praxis gestanden. Das Zettelsystem ist übrigens in manchem anderen Berufe längst zum Siege gekommen und hat wegen seiner Vorzüge mit veralteten Arbeitseinrichtungen aufgeräumt. Man darf sich unter dem Zettel eben nicht ein aus einem Konzeptbogen geschnittenes Stück Schreibpapier vorstellen, die Zettel werden meist auf festes Kartonpapier gedruckt, sind unten mit einer praktischen Vorrichtung versehen, die es unmöglich macht, sie nach Einführung einer Sicherung aus ihrer Reihenfolge in ihrem genau passenden Kasten zu bringen. Wer bereits einmal die Vorzüge des Systems kennen lernte oder noch besser längere Zeit damit arbeitete, wird ver stehen, wenn ich mit Eifer und Überzeugung dafür eintrete. Mir war es nicht unangenehm, daß ich in meinem Artikel noch einmal das Wort ergreifen konnte, denn wie ich bereits sagte, war es mir nicht um die Anpreisung einer einzig richtigen neuen Methode zu tun; ich wollte anregen, und wenn ich von berufener Seite belehrt werde, daß meine Vorschläge noch nicht die besten sind, will ich die neue Lehre gern zu meiner eigenen machen; nur muß sie mir entschieden mehr Vorteile zeigen als die bisher von mir vertretene. München. Rudolf Rothe r. Aus dem Leipziger Kunstverein. Anläßlich des 70. Geburtstages Hans Thvma's hat der Leipziger Kunstverein das im Besitze des städtischen Museums der bildenden Kunst in Leipzig befindliche graphische Werk Thoma's zur Aufstellung gebracht. Einst von seinen Zeitgenossen un verstanden, bespöttelt und selbst von vielen öffentlichen Aus stellungen ausgeschlossen, ist Thoma jetzt in überschwenglicher Weise gefeiert worden, so, daß ich glaube, ihm selbst mag das als zuviel des Guten erschienen sein. Ist er doch mit seinen siebzig Jahren ein wahrhaft Weiser geworden, der da weiß, wie wandelbar die Gunst der Menge ist, der sich durch keine Lobreden berauschen läßt, vielmehr nur darauf bedacht ist, sich selbst getreu das mit Behagen zu schildern, was ihm in der Welt der Erscheinungen lieb und wert geworden ist. Daß er für seine Darstellung:n eine so eigene Weise fand, daß er nie einer Mode in der Kunst huldigte, das bewirkte eben, daß er viele Jahre als Einsamer und Unver standener durchs Leben pilgern mußte. Es ist noch nicht allzu lange her, daß der früher lange Jahre in Frankfurt am Main lebende Künstler von den Frankfurtern, die so stolz auf ihren Goethe sind, unbeachtet blieb. Als ihn der Großherzog von Baden als Galerie-Direktor nach Karlsruhe berief, wurde auch er in Frankfurt als Geistesheros gefeiert, und mit Ehren reich be dacht schied er aus seinem, ihm lieb gewordenen Frankfurter Tuskulum. Darüber, daß es dem bescheidenen Bauernsohn aus dem Schwarzwalde beschicden war, bei seinen Zeitgenossen schließlich so viel Anerkennung und Ruhm zu finden, wird gewiß jeder Kunstliebende aufrichtige Freude empfinden; haben doch andere und wahrlich nicht minder Große als Thoma vergeblich darauf warten müssen. Es sei hier nur an Feuerbach und Millet er innert, denen ihr Leben lang nur Verkennung und Undank zuteil geworden war und denen nun erst die Nachwelt den ihnen gebührenden Platz in der Kunstwelt einzuräumen beginnt. Was uns die Schöpfungen Thoma's so wert macht, das ist 1649
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