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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.06.1885
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- 1885-06-10
- Erscheinungsdatum
- 10.06.1885
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- Deutsch
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hat sich das alles bis auf diese Zeit erhalten. Wir besitzen 8ta- tionsrs Hall umgeben von den buchhändlerischcn Straßen Lntsr- nostsr Rov, Oorusi-, ^vs Naria. Baus, in unmittelbarer Umgegend von der alten St. Paul's Church. Zwei Jahrhunderte lang vegetiert dieser Austausch und Handel fort, ohne viel Entwickelung zu zeigen; bis endlich die Erfindung der Buchdruckerkunst, das Erwachen des Studiums der griechischen Sprache infolge der Einnahme von Konstan tinopel durch die Türken, die Entdeckung von Amerika und endlich die deutsche und englische Reformation einen totalen Umschwung aller Verhältnisse hervorbrachten. Es war ein großartiger Fort schritt der neuen Zeit, so groß, so alle Gemüter anregend, daß wir uns kaum ein wahres Bild dieser Bewegungen in der menschlichen Gesellschaft machen können. Die Zerstörung der Manuskripte beginnt hier weit später als in Deutschland, wird aber dann auch weit gründlicher und rücksichtsloser betrieben. Als Heinrich VIII. die Klöster und Abteien konfiszierte, gingen ganze Schiffsladungen von Pergament und Papier nach Holland, einzig und allein des Materials halber, und verschwanden. Stowe, der berühmte Verfasser des 8urvs^ ok Bouäou, sah anstatt der Fensterscheiben Pergamentblätter von kostbaren Ma nuskripten über ganz England verbreitet;wohin erwanderte, traf er dieselben an; so gingen kostbare Mannskripte verloren, und später, als die Puritaner die Oberhand gewannen, wurden alle Kloster schriften, Codices, Manuskripte, soviel man deren nur habhaft werden konnte, verbrannt, verschifft und verkauft — eine radi kale Zerstörung. Trotz alledem finden wir in den Bibliotheken Englands vieles Erhaltene; was für Schätze aber durch die unglückseligen Kämpfe der katholischen, protestantischen und puritanischen Partei ungen verloren gegangen sind, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. Erst mit der Einführung der Buchdruckerkunst durch Caxton fängt die Entwicklung des Bücherverkaufs in England an. Die Engländer hatten freilich mit der Sprache große Kämpfe zu be stehen, ehe die Bevölkerung ein einfaches Englisch verstehen konnte. In den Schulen wurde ein Normännisch-Französisch gelehrt, der Adel sprach ebenfalls nur französisch, während die Ostprovinzen voll von angelsächsischen, isländischen und dänischen Dialekten waren. Im Jahre 1385, im neunten Regierungsjahre Königs Richard II., fing man an das Französische in Schulen aufzugeben und die Konstruktion in die englische Grammatik einzuführen. Es war eine Übergangsperiode, in der Caxton viel zu lernen hatte. Denn oft war die Sprache mehr holländisch, und englische Schiffer, die in Kent landeten und Eier zu haben wünschten, konnten sich durch den Namen s§ßs dieselben nicht verschaffen, man verstand sie nicht; erst als mau nach s^reu fragte, klärte sich der Wunsch auf. Bücher im gewöhnlichenEnglisch waren also für die Provinzen ganz unverständlich. Bald auch hörte wieder die Kenntnis des normännischen Französisch auf, und um diese Zeit fing Caxton an französische Bücher ins Englische zu übersetzen, die er dann selbst druckte; aber es hat Jahrhunderte gebraucht, ehe man das gewöhnliche Englisch, »sowiuoll Luxlisb« allgemein verstehen konnte. Caxton war zuerst bei einem Schnitthändler (uisrosr) Robert Laue in der Lehre, der 1439—40 Lordmayor von London war. Derselbe hinterließ Caxton 20 Marks, damals eine ziemlich beträchtliche Summe, und von jener Zeit finden wir Caxton auf dem Kontinente, nämlich in Brabant, Flandern, Holland und Seeland; man vermutet, er war Reisender und Agent für die Lompau^ ok Nsrcers; er sagt selbst, er wäre dreißig Jahre in jenen Ländern gewesen. Was er aber für Geschäfte machen konnte, ist in Dunkel gehüllt, denn während zwanzig Jahren, in welchen er in Holland war, herrschte eine absolute Prohibition alles kommerciellen Aus tausches zwischen England und dem Herzogtum von Burgund, und es ist nur denkbar, daß er die kostbaren Stoffe für den Hof und Adel, deren sie bedurften, sn Aras einschmuggelte. Eine wohl- bekannte Stellung dieser Art muß er wohl eingenommen haben, denn als 1464 Eduard IV. sich mit dem Herzog von Burgund in Unterhandlungen einließ, um diesem Zustand ein Ende zu machen, wurden William Caxton und Richard Whitehill als spe zielle Vermittler ernannt. In seinem ersten Buche, welches Caxton übersetzte, »Ilseu^sII ok tbs Aistorz-ss ok Tro^s«, finden wir auf dem Titel, daß er in Köln ist, wo er das Werk am 19. Tage des Septembers 1471 beendet. Als Caxton die Waren, die er erhielt, mit den Devisen und Zeichen der Händler stempelte, hatte er wahrscheinlich noch keine Ahnung, wie bald er den Stempel gegen eine Druckplatte Umtauschen würde. Es war die Zeit der Holzblöcke und der Formschneider. Spielkarten durften 1464 nicht in England eingeführt werden, um die englischen Fabrikanten zu schützen; dieselben waren in Frankreich seit mehr als hundert Jahren bekannt, ehe Eduard IV. sie verbot und waren bei Königen und dem Adel in stetem Gebrauch. Die deutschen Holzschneider waren darin sehr erfahren und producierten wohl am meisten; denn wir finden sie schon 1441 in Nürnberg. Aber man druckte nicht nur Spiel karten, sondern auch Heiligenbilder für den Kirchengebrauch, und da diese mit kleinen Textcitaten versehen waren, so bildeten sie wohl die ersten Anfänge fürs Volk, um lesen zu lernen; sie waren die Vorläufer zu den Blockbüchern (block-books), deren bedeutendstes Specimen die »Biblia Lnuperam« ist. Diese be steht aus 40 Blättern in klein Folio, jedes enthält einen Holz schnitt mit Auszügen aus der Bibel. Bald auch druckte man von Holzstöcken Grammatiken, die Donate hießen und in Schulen zur Verwendung kamen. Nachdem Mainz im Jahre 1462 eingenommen war und die meisten Gehilfen Gutenbergs sich zerstreuten, ist zu vermuten, daß Caxton mehrere derselben in Köln engagierte, um selbst eine Druckerei zu gründen. Unter diesen waren wahrscheinlich Pinson, Rood, Mechlin, Letton und Wynkyn de Worde. Mit Hilfe einiger von ihnen druckte Caxton »Bartbokoiusus äs kropristatäbus Rsrum« und die Übersetzung des »Rsousik«. Die Typen sind denen von Fust und Schösser so ähnlich, daß man vermutet es seien dieselben gewesen. Ohne Zweifel ist, daß Caxton, als er 1471 in Köln Drucker wurde, er in den Besitz von Typen und Matrizen gelangte, die er später nach England brachte und mit denen er sein »Onius ot' tbs Lbsss« druckte. Die geheime Kunst hatte für ihn großes Interesse und er gesteht selbst, daß ihn die Erlangung des Geheimnisses viel Geld und Zeit gekostet hat. Nachdem er sich in der neuen Kunst ver vollkommnet hatte, ging er nach England zurück und errichtete seine Pressen unter dem Abt John Esteney gegen 1474 in Räum lichkeiten, die sich in der Abtei von Westminster befanden. Es ist zu vermuten, daß man ihm das alte Skriptorium einräumte und zur Benutzung gab, weil hier die Bücher geschrieben und kopiert wurden, Beschäftigungen, die jetzt durch die neue Er findung verdrängt und überflüssig geworden waren. Nur bleibt es seltsam, daß, obwohl er seine Presse in diesen kirchlichen Räumen aufstellte, er so wenig Bücher gedruckt hat, die theolo gischen Inhalts sind oder religiösen Charakter an sich tragen; im ganzen sind es fünf bis sechs dieser Art. Bibeln konnte er nicht
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