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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.01.1910
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1910-01-15
- Erscheinungsdatum
- 15.01.1910
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- Deutsch
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- Saxonica
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568 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 11, 15. Januar 1910. Gegenwart schöpft. Man hat allgemein erkannt, daß nur auf nationalem Boden eine Verjüngung des Staates und eine Hebung der Kultur von Bestand fein kann; man hütet sich davor, sich als urteilslose Nachahmer und Nachbeter des Abendlandes zu zeigen. Eine stattliche Anzahl von Dichtern, Gelehrten und Publizisten ist herangewachsen. Es seien hier erwähnt Abdul Efendi, Subi Bey und Ziah.Pascha und vor allem Kemal Bey, der führende Geist der türkischen Moderne, ein Mann von festem Charakter, seltenen Geistesgaben und großer Belesenheit. Als Dramatiker, Lyriker und Geschichtschreiber hochgeachtet, ist er der Genius der modernen Generation. Ein vielgelesener und äußerst populärer Schriftsteller ist auch Mehmed Tewfik, der Sohn eines Stambuler Kawedschi, aus ärmlichen Verhältnissen stammend. Er ist von westlichen Einflüssen wenig berührt, seinem Denken und Fühlen nach Alttürke. Verfasser zahlreicher Feuilletons und kleinerer Schriften, wurde er hauptsächlich bekannt durch seine humoristischen Erzählungen und Schwänke, die noch heute viel gelesen werden. In seinem Auftreten und Äußeren der Typ eines Bohemien, war er ein starker Trinker, seine intime Kenntnis sämtlicher Kneipen Konstantinopels war erstaunlich. In dürftigen Verhältnissen lebend, starb er im Jahre 1899; seine Werke sind für die Kultur- und Sittengeschichte der Türkei von Bedeutung. Sehr beachtenswert ist auch Achmed Hikmet Miiftizade, der einer alten angesehenen Familie aus Morea entstammt. Seine Werke zeichnen sich durch echt türkischen Realismus und herben Pessimismus aus. Mit Vorliebe kritisiert er das Absurde gewisser sozialer Institutionen,'ohne jedoch zu verletzen, da er durch leichten und fesselnden Stil den Leser einzunehmen versteht. Wie viele seiner Zeitgenossen ist er stark von den Franzosen beeinflußt; Bourget, Maupassant und Marcel Prevost haben ihm die Anregung zu manchen seiner Erzählungen gegeben. Sehr beliebt in der türkischen Gesellschaft waren noch unter dem alten Regime die Schlüsselromane; die handelnden Personen wurden meist so charakteristisch dargestellt, daß jeder sie erkennen konnte, und alle Welt amüsierte sich meistens königlich auf Kosten der auserwählten Opfer. Man wird in anderen Ländern kaum finden, daß die Privat- und beruflichen Verhältnisse der Zeit genossen von den Schriftstellern so häufig zum Gegenstand ihrer Schilderungen gewählt werden. Aber die Türken sind in dieser Hinsicht absolut nicht nachtragend; Hauptsache ist, daß die dar gestellten Personen nicht mit Namen genannt werden. Übrigens ist diese Art der Literatur seit Beginn der neuen Ara fast gänzlich verschwunden, ebenso die unter dem alten Regime stark verbreitete Enthüllungs-, Agitations- und verbotene Literatur. Seit auch am Bosporus das freie Wort sich Gel tung verschafft hat, ist für derartige nur auf sumpfigem Boden wachsende Pflanzen kein Platz mehr. Auch der türkische Journalismus hat, so jung er ist, bisher seine Aufgabe stets mit Geschick und Takt zu erfüllen gewußt. Seitdem die Presse nicht mehr einer strengen Zensur unterworfen ist, ist sie auch in der Türkei das Sprachrohr der öffentlichen Meinung geworden. Während noch vor wenigen Jahren — ich selbst hatte zum erstenmal in den Jahren 1895 bis 1898 die türki schen Verhältnisse während eines längeren Aufenthaltes genauer kennen gelernt — das abendländische Leben dem Türken ein Buch mit sieben Siegeln war, ist man gegenwärtig in breiteren Volksschichten über die politischen und sozialen Zustände des Occidents ziemlich genau unterrichtet. Selbstverständlich wurden kurz nach der Proklamierung der Verfassung sowohl in der Hauptstadt als in der Provinz zahl reiche neue Zeitschriften ins Leben gerufen, von denen aber viele nach kurzer Zeit schon wieder eingingen, aus dem einfachen Grunde, weil die Aufnahmefähigkeit der in der Hauptsache armen und verarmten Bevölkerung für eine größere Anzahl von Zeit schriften eine zu geringe ist. Auch die Auflagen der angeseheneren Tageszeitungen sind gegenüber den Zahlen, die wir gewohnt sind, unerheblich; sie bewegen sich zwischen 10- und 20 090 Exemplaren; der Leserkreis ist aber ein viel gewaltigerer; meistens wandern die Blätter so lange durch die Hände lern- und wißbegieriger Diener, Hamals und vieler anderer, bis das Papier und die Drucker schwärze den Dienst versagen. Der allgemeine Aufschwung und die weite Verbreitung mo derner Ideen wäre in der Türkei nicht möglich gewesen, wenn nicht auch eine Neugestaltung der Sprache stattgefunden hätte. War diese doch noch vor dreißig Jahren nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sondern wegen ihres schwülstigen und überschwenglichen Stils an sich eine Wissenschaft! In diesem Labyrinth eines von allen Nachbar völkern geborgten Wort- und Gedankenschatzes sich zurechtzufinden, vermochten nur wenige Auserkorene. Literarische Genüsse kamen daher nur der Beamtenwelt und der Geistlichkeit zu gute, während die breiten Volksschichten weder von den einheimischen Es waren hauptsächlich die Jungtürken, die gegen Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts zuerst an die Vereinfachung der Sprache schritten. Die ersten Vorkämpfer in dieser Richtung waren Schinasi Efendi und Ziah Pascha, die bestrebt waren, jene alten ellenlangen, bilderreichen und das Verständnis erschwerenden Satzgebilde zu vereinfachen; der spätere Kemal Bey sowie eine zahlreiche Schar begeisterter Schriftsteller und Publizisten haben in dieser Richtung erfolgreich weitergewirkt. Infolgedessen hat sich die türkische Sprache im Laufe der letzten Dezennien ganz außerordentlich vereinfacht. An Stelle der früher zahlreichen arabischen und persischen Ausdrücke ist nach und nach ein schlichtes, leichtverständliches Türkisch getreten, eine Sprache, die nicht nur von den höheren Gesellschaftsklassen ge- pflegt und verstanden wird, sondern die tatsächlich ein Gemeingut der gesamten Nation geworden ist. Charlottenburg. Costa Franco. Va8 Veul8ctie 2ei1un§8recli1 in Lime - ti2l'8le1IUN§6t1. ^uk Veranlassung des Vereins Lbner. Land III: Vas keckl des pressxeiverbe- delriebes. Von Lbner, L^ndikus des Vereins Deutscher ^eitungsverleger. 8°. VI, 376 8. Hannover 1909. Verein Deutseüer Aeitungsverleger. 7-.^, geb. 7 80 H. Bon dem auf fünf Bände berechneten »Deutschen Zeitungs recht in Einzeldarstellungen« von A. Ebner ist, nachdem bereits der I. und IV. Band, das Preßrecht und das Anzeigenrecht, er schienen, vor etwa einem Vierteljahr als III. Band »Das Recht des Preßgewerbebetriebs« ausgegeben worden. Als Band II soll das »Urheber-und Verlagsrecht« und als Band V »Das Preßstrafrecht« folgen und damit die wertvolle Darstellung der gesamten Rechts verhältnisse des Zeitungswesens zum Abschluß gebracht werden. Der vorliegende dritte Band behandelt in einem allgemeinen Teil die Grundlagen des Preßgewerbebetriebes, die Zeitung, den Zeitungstitel, die Stellung des Zeitungsverlegers und seine Haft barkeit, indem er zunächst eine Übersicht der für das Zeitungs gewerbe in Betracht kommenden Reichs- und Landesgesetze gibt und dann, unter ständigem Hinweis auf die gesetzlichen Vorschriften und unterWiedergabe gerichtlicher Entscheidungen, die grundlegenden Rechtsverhältnisse des gewerblichen Preßbetriebs in klarer Sprache beleuchtet. Im besonderen Teile finden die Berechtigung zum Betriebe des Preßgewerbes, die Anmeldepflicht, die Druckerei als Fabrik oder Handwerk, Zwangsinnungen, Handwerkskammern, die Angestellten und ihre Versicherungspflicht eingehende Darstellung. Besondere Ausführlichkeit wird mit Recht den beiden wich tigsten Zweigen des Preßbetriebs, der Herstellung der Zeitung und ihrem Vertriebe, gewidmet. So werden die Beschaffung des Inhalts der Zeitung, das Verhältnis der Redakteure und Mit arbeiter, die technische Herstellung der Maschinen und der Einfluß des Nachbarrechts auf den Druckereibetrieb in ihren Be ziehungen zum öffentlichen und Privatrecht eingehend erörtert, wobei die Verschiedenheiten der bundesstaatlichen Landesgesetz gebungen und die ergänzenden Verordnungen gebührende Berück sichtigung finden. Ebenso schildert der Verfasser die Natur des Vertriebs, des Bezugs der Zeitung, das Postzeitungswesen und den Kolportagehandel in fließender, ansprechender Darstellung, der die einschlägigen Gesetze, Verordnungen usw. in teilweise wörtlichen Auszügen als Erläuterung dienen. Ein sorgfältig be arbeitetes Sachregister von sechzehn Spalten Umfang erleichtert
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