11, 15. Januar 1910. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 589 Arteile der Presse über Nosners „Silberne Glocke" „Die Woche": Durch die „Silberne Glocke" geht ein Klingen, das dem Leser noch in der Seele hallt, wenn er das Buch längst zugeschlagen hat. Der Roman bedeutet den Höhepunkt von Nosners bisherigem Schaffen, bekundet auss neue seine Kunst der Seelcnanalyse, seine glänzende literarische Form. Es gibt in diesem Buche keine tote Seite, keine einzige, die nicht voller Stimmung wäre. „St. Petersburger Zeitung": Ich stehe nicht an, zu erkläre», daß die „Silberne Glocke" eines der allerschönsten Bücher ist, das ich seit Jahren gelesen habe. Rosners unendlich feine Art, die delikat nuancierte seelische Zartheit seiner Menschen gemahnt an einen stillen, lichtdnrchflossenen Sommerabend, der erfüllt ist von traumhaft leiser Schumannscher Musik, deren Töne auf verbleichenden Strahlen in die Höhe verklingen. „Berliner Lokal-Anzeiger": Man liest dieses Werk nicht in einem Zuge, man genießt es langsam, denn die poetische Zartheit, die es umweht, der feine Humor, der auf ihm ruht, erwecken in uns das Gefühl jener stillen Freude, die sich allmählich mitteilt und den Leser mit jenem Behagen erfüllt, das uns so wohlig erwärmt. — And wie fein sind diese Charaktere gezeichnet! „Bohemia": Möge die „Silberne Glocke", die der Meister Karl Rosner ge gossen, allenthalben in deutschen Landen erklingen, die Menschen mit ihren zarten, harmonischen, tief zu Herzen gehenden Klängen erfreuen und rühren und manch einem verzagenden Sehnsüchtigen den Mut geben, aus wehmutsvoller Entsagung kühn nach dem Glücke zu greifen. „B. Z. am Mittag": Wer diesen Roman in die Land nimmt und sich mit stiller Beschaulichkeit in die träumerische, ein wenig versonnene und doch beinahe keusche Art des beliebten Erzählers versenkt, der wird wie von unsichtbaren Fäden gehalten mitten in seinem Inhalt leben und leiden und noch lange nachher den Dingen nachsinnen, die wie ein Lied aus weiter Ferne, mit gedämpften Tönen zu ihm herüberklangen. „Berliner Tageblatt": Dieser Roman gehört zu jenen Büchern, die den Ehrenplatz auf einem gut bürgerlichen Weihnachtstisch erhalten. Der Verfasser darf sich seit einigen Jahren zu den beliebtesten Erzählern des deutschen Hauses rechnen und wird vielleicht in nicht allzu langer Zeit dem ihm wesensverwandten Ludwig Ganghofer den Rang der Beliebtheit streitig machen. „Daheim": Auch hier dasselbe Zarte, Stille, wie »nt Silberstift gezeichnet, dessen Vorzüge nicht auf der Hand sich anbieten, aber das von dem vornehmen Leser wie etwas Seltenes, Köstliches genossen wird. Johannes Schlaf im „Tag": Alles aber ist das meisterhafte und innig beseelte Kleiuleben und die schöne, reise Sicherheit der Charakterstellung. Ganz köstlich und am besten sind Rosner die Frauengestalten gelungen. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 77. Jahrgang. 81