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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.10.1910
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1910-10-19
- Erscheinungsdatum
- 19.10.1910
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- Deutsch
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Nichtamtlicher Teil. ^ 243. 19. Oktober 1910. friedigende Ergebnisse gehabt; Einzelheiten sind in dem ange gebenen Werke zu finden. Hier sei nur auf einen Schädling, den Brotkäfer oder Brotbohrer, ^.uobiuiu panioeum, hingewiesen, dessen Verheerungen an Büchern die ganze Welt inter essieren. Dieser gefährliche Bücherfeind gehört zu den Bohr käfern (^nodiiäas), die im allgemeinen matt gelblich, gräulich oder bräunlich gefärbt und ausgezeichnet dem Milieu angepaßt sind, in dem sie leben: ^.uobium striatuiu z. B. besitzt die graugelbe Farbe des trockenen Holzes, ^.nodiuru paniesuiu hat eine braune Färbung, die derjenigen alter Folianten nicht unähnlich ist. Alle haben einen walzenförmigen oder eirunden Körper mit kleinem, unter dem stark gewölbten Halsschilde verborgenen Kopfe. Der Brotkäfer, Brotbohrer oder Bücherkäfer (^uobiuiu panieeum) ist überall anzutreffen, wo sich der Mensch niedergelassen hat: in Nahrungsmittelvorräten, in naturgeschichtlichen Sammlungen, in allen getrockneten organischen Stoffen. Dieses Insekt trägt nach vr. Hagen (kibliotd. sntowol., Leipzig 1862) seinen Namen von der Tatsache, daß es 1721 zum ersten Male von dem Pastor Frisch in Berlin in einem Stück vertrockneten Roggenbrotes gefunden worden ist; daher der Beiname xanieeuw, der ihm von Linns gegeben wurde. JnEngland hatmanbeobachtet, daß dieser Käfer eine ausgesprochene Vorliebe für die Vorräte der Drogisten zeigt, weshalb man ihn dort ckrux ktors bestls nennt, während man sich in Deutschland mit der Übersetzung der Linneschen Benennung begnügt und Brotkäfer oder Brotbohrer sagt. Die Weibchen dieser Käfer beschränken sich darauf, ihre Eier an der Oberfläche von Einbänden niederzulegen, wobei sie die für die Entwicklung der Larven günstigsten Stellen wählen wie z. B. eine enge Spalte, eine Schramme, oder die durch ein an den Rändern unvollständig angeklebtes Vorsetzblatt usw. gebotenen geschützten Stellen. Sobald die Larven ausgeschlüpft sind, bahnen sie sich fressend einen Weg ins Innere des Buches und folgen jeder Rich tung, auf der sie Kleister antreffen. Mit ihren Freßwerkzeugen vergrößern sie ihre Stollen in dem Maße, wie ihr Körper wächst; allmählich werden sie kräftig genug, um den Band in An griff zu nehmen, durchbohren ihn und graben sich darin einen angenehmen Aufenthaltsort. Das ausgebildete Insekt kommt nach 15 bis 20 Tagen zum Vorschein und macht sich bei günstigem Wetter davon. Die kreisrunden Löcher, die man zuweilen in so großer Anzahl auf dem Rücken ge bundener alter Bücher sieht, sind Ausgangslöcher und nicht Ein fallslöcher der Bücherschädlinge. Diese Löcher können in der Folge als neue Eierablegestellen dienen, da die Weibchen in ihnen einen für ihre Nachkommenschaft völlig geschützten Unterschlupf finden. Das erste Eindringen dieser Bttcherschädlinge in die Bände erfolgt aber durch die auf der Oberfläche der Einbände selbst ausschlüpfenden Larven, die durch kaum wahrnehmbare Löcher in das Buch eindringen. Die Larve von ^.vodiuru xanieeuiu sucht vor allem stärke haltige Stoffe wie Mehlkleister, geleimtes Papier, Oblaten usw. Um solche Stoffe zu erlangen, bohrt sie zuweilen sehr lange Stollen durch harte Körper, die ihr fast gar keinen Nährwert bieten. Hat doch vr. Hagen ein ganzes Fach von mehr als zwei- hundert Jahre alten Büchern gesehen, die ihrer ganzen Breite nach von der Larve dieses Käfers durchbohrt waren. Kirby und Spense (Introäuetion to ontomolox^ 1858) hatten in einer öffent lichen Bibliothek noch viel Merkwürdigeres beobachtet, nämlich einen Stollen, der durch eine Larve von ^nodium oder kt.inu3 durch 27 Folianten derartig gebohrt worden war, daß man die 27 Bände mit einem Male hätte in die Höhe hätte heben können, wenn man durch das Bohrloch einen Bindfaden gezogen hätte. Es ist sehr schwer, der Brotkäferlarve in ihren Gängen bei zukommen, und eine gründliche Vernichtung des Insekts keine leichte Sache, wenn es sich einmal in einer großen Bibliothek festgesetzt hat. Es gibt ja allerdings verschiedene Verfahren, durch die man die Schädlinge mehr oder weniger gründlich beseitigen kann; man ist aber niemals sicher, daß man alle Larven zerstört hat, und kann auch niemals gründlich den Eiern beikommen, die tief verborgen sein und neue Zerstörungsherde bilden können. Bezüglich der verschiedenen Mittel zur Vernichtung der Insekten sei auf das Werk von Houlbert verwiesen. Hier sei nur erwähnt, daß sich gasförmige Mittel, besonders Schwefelkohlen stoffgase als sehr kräftig und wirksam erwiesen haben, welch letzteren mit Ausnahme der Eier vielleicht kein Lebewesen widersteht. Blades teilt in seinen »Lnswies ok Look8« mit, daß auch die Larve von Ooeopbor». pseuckoZpretellg. und von ^nobium xsrdiuax als Bücherschädlinge in üaxranti ertappt worden find. In einem von Blades mitgeteilten Falle haben ganze Bruten von Bücher würmern einen Schöfferdruck von 1477 vom Anfang und vom Ende des Werkes aus zu einem förmlichen Wettfressen in Angriff genommen. Der Druck hat 250 Blätter sehr guten, starken, ungebleichten Papiers, von denen vorn 90, hinten 69 durchfressen sind. Die vordere Kolonne hat folgende Spuren ihrer fressenden Tätigkeit in dem Schöfferdruck hinter lassen: Blatt 1: 212 Wurmlöcher, Blatt 11: 57, Blatt 21: 48, Blatt 31: 31, Blatt 41: 18, Blatt 51: 6, Blatt 61: 4, Blatt 71: 2, Blatt 81: 2 Löcher, Blatt 87 1 Loch, Blatt 90: 0 Loch. Die vom Ende des Buches aus angreifende Kolonne hat auf dem letzten Blatte 81 Löcher, auf Blatt 11 von hinten 40 Löcher, auf Blatt 66 von hinten 1, auf Blatt 69: 0 Loch gefressen. Es ist merkwürdig, wie in diesem Werke die Wurmlöcher zuerst rasch geringer werden und dann allmählich ganz verschwinden. Blatt für Blatt ist das gleiche Loch festzustellen, bis der Durchmesser des Loches in einem Blatt plötzlich auf die Hälfte vermindert ist und bei genauem Zu- sehen sich auf dem nächsten Blatte, genau da, wo das Loch ge kommen wäre, wenn die Larve weitergefressen hätte, eine kleine Abschürfung zeigt. Man könnte fast von einem Wett rennen der Buchwürmer in dem von Blades angeführten Falle sprechen. In den ersten zehn Blättern werden die schwachen 155 Würmer dahintergelassen; in den nächsten zehn sind es nur noch 48 Fresser; diese vermindern sich auf 31 im dritten Zehnt, auf 18 im vierten. Auf Blatt 61 halten nur noch 6 Würmer stand, auf Blatt 61 haben wieder 2 aufgegeben. Bis Blatt 71 bleiben zwei hartnäckige Prasser sozusagen Kopf an Kopf; beide machen ein schönes, großes Loch, der eine ein ovales. Auf Blatt 71 und sogar auf Blatt 81 sind die beiden übriggebliebenen immer noch Kopf an Kopf. Auf Blatt 87 gibt der ovale Wurm auf, der andere frißt sich noch durch drei weitere Blätter und bricht nun ab. Dann sind 92 Blätter des Werkes von den Würmern verschont, worauf wieder die vom Hinteren Ende des Buches aus beschädigten Blätter beginnen, deren Löcher gegen das Ende zu immer zahlreicher werden, wie oben angegeben. Die Bücher der gegenwärtigen Zeit findet der Bücherwurm offenbar höchst ungenießbar, denn er rührt das aus allen mög lichen Bestandteilen zusammengebreite Papier nicht an. Vielleicht verbietet dem Wurm sein Instinkt, Kaolin, Gips, Schwerspat, die verschiedenen Säuren und sonstigen Zutaten, die man zu Papier verarbeitet, zu fressen. Insofern wären also die alten, aus freß- barem Papier bestehenden Bücher gegenüber den neuen heutigen, aus allem möglichen ungenießbaren Mischmasch bestehenden schwer im Nachteil. Dank dem allgemeinen Interesse, das man heute an alten Büchern nimmt, hat aber der Bücherwurm jetzt schwere Tage und nur sehr wenig Aussicht auf die stille Vernachlässigung der alten Druckwerke, die zu seinem Gedeihen notwendig ist. Das glückliche Amerika, das uns so viele alte Druckwerke abkauft, scheint vor vierzig Jahren von dem Bücherwurm nach sehr wenig Übles vermerkt zu haben, denn Mr. I. L. Ringwelt sagt in der von ihm herausgegebenen und gedruckten »American llno^eloxasäia ok Lrintinx, Philadelphia 187!, daß »diese papier fressende Motte vermutlich mit Schweinslederbänden von Holland aus in England eingeführt worden ist; in einer Privatbibliothek in Philadelphia befindet sich jetzt ein von diesem Insekt durch- fressenes Buch«. Wahrscheinlich sollte dieser Satz ausdrücken, daß dies eine große Merkwürdigkeit ist. »Ach, ihr glücklichen Philadelphier (meint Blades), die ihr euch rühmen könnt, die älteste Bibliothek der Vereinigten Staaten zu besitzen, aber erst einen privaten Sammler um Erlaubnis ersuchen müßt, wenn ihr das einzige Wurmloch in der ganzen Stadt zu sehen wünscht!« Anderes Ungeziefer ist den Büchern weniger gefährlich. Die Küchenschabe (ksriplrrneta orientalis) soll zuweilen am Boden liegende Einbände benagen. Gefährlicher ist eine amerikanische Schabe (in Amerika 6roton Lux, bei uns Llatta xerwauiea, kdzckloäroiuig. xerwaniea genannt) nach dem Berichte von Weston in »Library Journal« vom September 1879. In der alten eng lischen Bibel von 1551, Psalm 91, 5, heißt es zwar: sl'bou sbs-U
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