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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.02.1911
- Strukturtyp
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- 1911-02-20
- Erscheinungsdatum
- 20.02.1911
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- Deutsch
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2180 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 42, 20. Februar 1911. im Anfangsunterricht große Schwierigkeiten machen, und daß dies ein Hindernis für die Ausbreitung oes Deutschen sei, sondern daß ferner japanische Studenten, die in englischen Büchern oder sonstwo gelegentlich ans ein deutsches Wort stoßen, das sie im Wörterbuch suchen, mit dem Nachschlagen desselben wegen der abweichenden Schrift die größte Mühe haben, vor allem dann, wenn sie das betreffende zu über setzende Wort in Antiqua vor sich bzw. gelesen haben. Was nun die Schriftfrage in den Schweizerkantonen anbelangt, so bin ich in der Lage, eine amtliche Klarlegung zu bieten. Unserem früheren Vorsitzenden Pfarrer Spieser ist im Jahre 1897 vom Präsidenten der freiwilligen Schul synode des Kantons Basel folgende Auskunft erteilt worden: ». . . . Aus der Eingabe der hiesigen Lehrerschaft (behufs Wiedereinführung der Bruchschrift) ersehen Sie, daß dieselbe grundsätzlich mit Ihren Bestrebungen einverstanden ist, aber unleidlichen Zuständen ein Ende bereiten möchte. . . . Hätte cs möglich geschienen, aus diesem Schriftenwirrwarr durch allgemeine Einführung der Antiqua herauszukommen, so hätte sich die hiesige Lehrerschaft zweiselsohne mit großer Majorität für die Antiqua-Schrift ausgesprochen. Die genannte Eingabe der Lehrer von 1897 selbst führt u. a. aus: »»Als im Jahre 1881 von der Behörde in der löblichen Absicht, die Schule zu entlasten, die Antiqua eingefiihrt wurde, ging sie von der Voraussetzung aus, daß die umliegenden Kantone und Staaten ihrem Beispiele folgen würden. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, und in den angrenzenden deutschen Ländern ist heute weniger denn je Aussicht für die allgemeine Einführung der Antiqua vorhanden. Da die Schule auf die Be dürfnisse des Lebens Rücksicht zu nehmen hat, und wir als Grenzstadt in gar vielen, namentlich auch die Schrift berührenden Beziehungen von unseren Nachbarn abhängig sind, scheint es geboten, daß ivir zur Vermittlung dieser Beziehungen uns eben der Schrift bedienen, die im deutschen Sprachgebiet die allgemein übliche ist. Die isolierte Stellung, welche Basel mit der Antiqua einnimmt, hat zur notwendigen Folge, daß bei dem häufigen Schülerwechsel die von Basel wegziehenden jüngern Schulkinder die Schrift des neuen Schulortes nicht schreiben und lesen können, und daß umgekehrt die nach Basel kommenden Schüler sich zuerst die ihnen fremde Antiqua aueiguen müssen, bevor sie dem Unterrichte folgen können. Solche fremde Elemente verursachen aber hier wie dort immer eine Störung des Unterrichts. »»Im Interesse einer objektiven Be urteilung der Schriftfrage soll hier jedoch ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Reserenten und sämtliche Votanten an erkannten, daß die Antiqua gefälliger und einfacher als die deutsche Schrift, und daß in der erster» namentlich der Übergang von der Schreib- zur Druckschrift leichter ist, als in der letztern. Wenn daher nur eine Schrift zu üben wäre und die Verhältnisse des praktischen Lebens es gestatten würden, so wäre der Antiqua der Vorzug zu geben; es ist also bei den Lehrern nicht Abneigung gegen die Antiqua, sondern die Rücksicht auf. die Bedürfnisse des praktischen Lebens, was sie veranlaßt, gegen dieselbe Stellung zu nehmen.»» Kürzlich teilte mir ferner das Sekretariat des Erziehungs wesens des Kantons Zürich mit, es wäre unzweifelhaft, daß ein neuer Anstoß in der Schriftangelegenhcit mehr und dauernden Ersolg haben würde. Ein voll kommener Umschwung ist jedoch ohne Mitwirkung Deutsch lands, wie wir aus Vorstehendem ersehen haben, mit Schwierigkeiten verknüpft. Schreibmaschinen mit Eckentypen in Deutschland einzu bürgern ist wohl ein praktisch aussichtsloser Versuch; aber es soll uns recht sein, wenn sie auskommen: dann wird mau erst recht täglich die Verkehrtheit des Gebrauchs von zweier lei Schriftarten vor Augen haben. Die Eckenschrifttypen bei Schreibmaschinen sind undeutlicher, verschmutzen sich leichter, geben undeutlichere Wachskopicn, nutzen sich wegen der vielen feinen Haarstriche rascher ab, und außerdem können Wörter zur Hervorhebung in Großbuchstaben nicht damit gebildet werden. Maschinen mit festen Fraktur-Typen des üblichen Stils sind für Auslandskorrespondenz nicht ver wendbar. Wenn Herrn Ruprecht die Maschinenschrift zu breit läuft, so braucht er nur einfach Maschinen mit höheren, liegenden Typen oder Hammoninuaschiuen an zuschaffen, deren Schrift schmaler ist. Was nun die Beseitigung der Altschrift aus den Volks schulen anbelangt, so ist es jedem Einsichtigen klar, daß dies ein ganz unausführbarer Gedanke ist, denn die schriftliche Ver ständigung innerhalb Deutschlands, ganz abgesehen von dem Verkehr in den Grenzgebieten und mit dem Ausland, vor allem auch im heutigen Geschäftslebcn, macht die Kenntnis der runden Schreibschrift zur unbedingten Notwendigkeit. Ohnehin wird genug darüber geklagt, daß die Schüler beim Übergang auf eine höhere Schule so geringe Fertigkeit in der Lateinschrift besitzen. Auch mögen Kaufleule und Ingenieure die sogenannte »Rundschrift» nicht mehr entbehren. Soll die Schule von unnützem Ballast befreit werden, so kann es sich nur um die Abschaffung der Schreibübungen in der spitzen Schrift handeln, um so mehr als die übrigens noch weiter verbesserungsfähige Altschrift der Bruchschrist in jeder Beziehung weit überlegen und wegen der Übereinstimmung der Druck- und Schreib schrift, sowie der meisten Großbuchstaben mit den entsprechen den Kleinbuchstaben bedeutend leichter erlernbar ist, während die eckige Druck- und die spitze Schreibschrift zwei grundverschiedene Schriftformen darstellen. Im Kamps um die Schriftart wird die unterrichtliche Seite der Frage und der Luxus der zweierlei Handschrift fast gar nicht oder zu wenig beachtet, und doch ist der Segen und die Notwendig keit einer Schristreform schon durch den außerordentlichen Gewinn von mehreren hundert bisher dem Schreibunterricht in der Spitzschrift zwecklos geopferten Stunden klar erwiesen, abgesehen von dem Fortfall einer solchen Menge gesundheits schädlicher Näharbeit. Diese Zeitersparnis kann für nütz lichere Dinge verwertet werden, und die durch Verwendung einer Schrift erzielbare größere Schreibfertigkeit würde anderen Unterrichtsgegenständen zugute kommen. Wohin sollte es zudem führen, wenn jedes Volk eine eigene Schrift besitzen wollte? Müssen wir Deutsche unbedingt eine be sondere Liebhaberei für uns haben, und noch dazu eine, dis andere früher anfgegeben haben? Betätigen wir unser völ kisches, politisches und staatsbürgerliches Selbstbewusstsein und unsere Vaterlandsliebe gleich den anderen großen Kultur völkern auf eine nützlichere und edlere Art! Es tut wirklich not. Oder hat es die »eigene Schrift» während all der Jahrhunderte ihrer Verwendung verhindert, daß wir in jener Beziehung andern Völkern nachstanden? Albert Windeck.
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