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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.11.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1911-11-30
- Erscheinungsdatum
- 30.11.1911
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- Deutsch
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- Saxonica
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15050 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 278. 30 November 19 LI. annehmen, — wobei ihm dann aber der Vorwurf mangelnder Ge wissenhaftigkeit nicht erspart werden kann; — denn wenn er die gewichtigen Gründe der Anhänger der Bruchschrift kannte und doch einen solchen Satz niederschriebe, so müßte sein Vor gehen als das bezeichnet werden, was der Engländer nicht fair nennt. Die Unterschiebung der »Sentimentalität« und des »falschen Patriotismus« als Hauptbeweggrund der Deutschschriftler muß zurückgewiesen werden. Sein erstes Beispiel der angeblichen Unleserlichkeit der Bruchschrift ist der so überaus abgelagerte Kunstkniff der Vor führung bon Wörtern, die mit Lauter deutschen Großbuchstaben gedruckt sind. Dieser rückständige Scherz im Schriftkampfe sollte doch nachgerade beiseite gelassen werden. Es wird mir eigentlich schwer, ihn entsprechend mit lateinischer Schreibschrift zu erwidern. Die deutsche Schrift bedarf des Notbehelfes der Ver wendung von lauter Großbuchstaben in einem Worte nicht; eine solche Druckweise ist für sie unangemessen; ihre Groß buchstaben dienen als künstlerische Zeichen zur Hervorhebung und Kennzeichnung von Wörtern, zur Schaffung größerer Übersichtlich keit von Drucktexten. Der Verfasser sagt: »Das eigene Kleid paßt in seiner Armut an Gebrauchs-Fähigkeit nicht für unsere reiche Sprache. Es ist unzulänglich und nur aus Abfällen zusammengesetzt«. Ein eigenartiges Nichtsehenwollen der Wirklichkeit! Das »arm selige« eigene Kleid besitzt Buchstaben-Verbindungen sch, ch, ck, ß, st, tz, besitzt Unterscheidungen s, s, ß, besitzt in reichlichem Maße die so nötigen Ober- und Unterlängen der Buchstaben, besitzt größte Mannigfaltigkeit in den Buchstaben.Formen, besitzt einen Schatz von Schrift - Spielarten in seinen vier Hauptgruppen Gotisch, Fraktur, Schwabacher, Kanzlei: alles Eigenschaften, die die Übersichtlichkeit, die schnelle Auffassung und Lesbarkeit fördern. Und das soll Armut, Unzulänglichkeit, das sollen Abfälle sein! Um da Mängel zu erkennen, muß man eben Lateinschriftler sein. OS^r- und Unterlängen sind freilich dem Verfasser auch in der Lateinschrift unerwünscht, da sie ihm das Schriftbild »unschön« und das Wortbild »unübersichtlich« machen, womit er sich freilich zu allen wissenschaftlichen (physiologischen) Untersuchungen in Gegensatz setzt und zeigt, daß er die wahre Aufgabe der Schrift noch gar nicht erfaßt hat. »So oft die Schriftfrage in Deutschland in den Vordergrund des Interesses gerückt wurde, anerkannte man die Mißgestalt der Fraktur«. (!) Wer ist denn dieser »man«? Meines Erachtens wird durch solche unbeweisbare und irreführende Behauptungen, die nur einseitige Geschmacks-Ansichten wiedergeben, der Sache gar nicht genützt. Die unzutreffende Behauptung des Verfassers, die Schwabacher Schrift sei italienischen Ursprunges, erinnert mich an andere unkritische Behauptungen von Lateinschriftlern, die Bruch schrift überhaupt sei (bei den einen) italienischen, (bei den anderen) französischen Ursprunges, was alles verkehrt ist. Hinsichtlich der Schwabacher Schrift übersehen die Liebhaber der Lateinschrift meist, daß sie sich eigentlich nur in den Großbuchstaben von der gewöhnlichen Fraktur unterscheidet, daß die Kleinbuchstaben aber im wesentlichen dieselben sind. Die Behauptung, daß Gotisch nicht zu den deutschen Schriften gehöre, bzw. nicht Fraktur sei, ist völlig irrig. Sie ist nicht Fraktur im engeren Sinne, aber sie ist Bruchschrift, gehört zur gebrochenen deutschen Schrift und ist die Vorläuferin der Fraktur. Das weiß doch jeder Fachmann. Die Behauptung, daß ein Festhalten an der Fraktur und Schwabacher »einen bemerkenswerten Tiefstand unseres künst- lerischen Empfindens« beweise, kann m. E. nur jemand aufstellen, dessen Kunstbegriffe von der natürlichen, durch ein Jahrtausend in der Schriftfrage bezeugten Kunstauffassung der Deutschen abgeirrt sind. Die entsetzlichen Verirrungen auf dem Gebiete der Schriftgestaltung, die der Verfasser auf Seite 7 vorführt, über deren Entartung ich ihm vollauf zustimme, betreffen merkwürdiger weise ausschließlich Lateinschriften. Der Verfasser scheint demnach übersehen zu haben, daß sich die Lateinschrift eben zur Weiterentwickelung, zur Ausgestaltung als Zierschrift, viel weniger als unsere deutsche eignet, daß sie vielmehr bei den meisten Versuchen verzierender Um- und Ausgestaltung greulich verzerrte Gebilde ergibt. Bemerkenswert ist, daß der Verfasser von dem lateinischen langen s und dem 6, welche Schriftgießereien (und auch gerade Lateinschrift-Freunde) heutzutage wieder einzuführen sich bemühen, um in der Lateinschrift den offenbaren Mangel, gegenüber der deutschen Schrift, zu beseitigen, nichts wissen will, weil diese Zeichen auch andere lateinisch schreibende Völker nicht besäßen. Damit wird er, wie ich fürchte, sich den leb- haften Unwillen vieler Lateinschrift-Eiferer zuziehen. Anderer- seits ist aber daraus zu ersehen, daß die Lateinschrift bei Ablehnung dieser lateinischen Neuzeichen niemals der deutschen Sprache richtig anzupassen ist, dagegen bei Einführung derselben wieder in ihrem deutschen Duktus nicht in vollem Maße als »Weltschrift« gelten kann. Im übrigen ist es wahrlich keine Übertreibung, wenn man behauptet, daß Männer, die wie Soennecken die Bruchschrift, in der sie nichts Deutsches sehen, unter Hinweis auf den Welt- Verkehr um jeden Preis beseitigen wollen, auch die deutsche Sprache des Welt-Verkehres wegen unter Umständen abzu schaffen und vielleicht ganz mit dem Esperanto oder anderen Sprachen zu vertauschen geneigt wären. Erst vor wenigen Wochen schrieb mir der in Japan an der dortigen Haupt-Kadetten- Anstalt und an der japanischen Kriegs-Akademie seit elf Jahren wirkende deutsche Professor Emil Hallier: »Dieselben Leute, dieselben Kreise, die unserer Schrift den Garaus machen wollen, wenden im Auslande auch unserer Sprache den Rücken. Was hat es z. B. für einen Sinn, auf einen Markt, wo das Deutsche überwiegt (wissenschaftliche Kreise Tokios), Ab reiß-Kalender, Erzeugnisse des Hauses Soennecken, zu werfen, die die Monats- und Tagesnamen englisch, französisch, spanisch und portugiesisch — nur nicht deutsch tragen? Geschäftliche Rücksichten können da nicht maß gebend gewesen sein; denn die Ware wurde durch diese Art der Ausführung unverkäuflich«. Der Geltungsbereich unserer deutschen Schrift ist durch ihre vierhundertjährige Bekämpfung durch Humanisten und ihre Nach- folger fast gar nicht eingeschränkt worden. Zurzeit steht ihr durch das rege künstlerische Leben in unserem Schriftgießerei gewerbe eine neue Blütezeit bevor. Und der Deutsche Reichstag hat am 17. v. M. den Versuch, sie auszurotten, mit über Dreiviertel-Mehrheit verworfen. Seit fast einem Jahrtausend ist sie das Kleid der deutschen Sprache, und dies Kleid — wird bleiben. Adolf Reinecke. Kleine Mitteilungen. Der vrtsverein der Buchhändler in Hannover-Linden beruft auf Montag, den 4. Dezember, abends pünktlich S Uhr, eine Versammlung nach dem Brauergildehaus mit nachstehender Tages ordnung ein: 1. Maßnahmen der Leipziger Jllustrirten Zeitung. — 2. Unser roter Rabattzettel und seine Wirkungen auf die Nicht mitglieder des Vereins. Wie erreichen wir allgemeine Beach tung ? — 3. Weihnachtsprämien. — 4. Verschiedenes. Nene Photographische Gesellschaft in Steglitz. — Auf die alarmierenden Nachrichten in der Presse über die finanziellen Verhältnisse der Gesellschaft gibt die Verwaltung nachstehende Aufklärung: Der Umsatz im laufenden Jahre bis zum 21. November betrug 3 940 700 gegenüber 3 392 600 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Schwierigkeiten, in die die Gesellschaft in der letzten Zeit gekommen ist, haben ihren Grund in folgendem: Früher übernommene Verpflichtungen für die F. W. Ebbinghaus G. m. b. H. in Letmathe nötigten die Gesellschaft, größere Beträge aufzuwenden. Diese Beträge mußten den laufenden Betriebsmitteln entnommen werden und sind andrerseits in Letmathe festgelegt. Sodann ist die Ge sellschaft mit der Rotary Photographie Co., London, an welcher sie mit einem Fünftel beteiligt und die eine ihrer Hauptab- nehmerinnen ist, dadurch in Differenzen geraten, daß die Rotary ihr Papier entgegen den bestehenden Verträgen anderweitig bezog. Hierzu kam, daß die Rotary Co. ihre uns in Zahlung gegebenen Akzepte zu Protest gehen ließ. Die Folge hiervon war, daß sowohl die General Paper Company in Brüssel, der Hauptlieferant unserer Gesellschaft, als auch das Bankhaus der Gesellschaft uns die von ihm diskontierten Wechsel der Rotary zur Verfügung stellte und anderweitige Deckung ver-
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