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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.02.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-02-07
- Erscheinungsdatum
- 07.02.1908
- Sprache
- Deutsch
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1530 «Srl-nblatl s. d. Dtschn. Buchhand-I. Nichtamtlicher Teil. 31, 7. Februar 1S08. Neues über Matthaeus Merian d. Älteren. Von I. H. Eckardt. Im Jahresbericht des Basler Kunstvereins über 1906 findet sich ein ungemein interessanter Aufsatz deS Herrn Professors Daniel Burckhardt-Werthemann über Matthaeus Merians Jugendjahre 1593—1625, der zum erstenmal in erschöpfender Darstellung die Wanderjahre des Meisters bis zu seiner Übersiedlung nach Frank furt a. M. behandelt, manches Neue, bisher Unbekannte bringt und die frühern Angaben richtigstellt. Als ich vor fast einem Vierteljahrhundert meine kleine Studie über Merian schrieb, die ich einige Jahre später in erweiterter Form als Buch erscheinen li.ß, standen m>r Qu llen für das Leben des Meisters kaum zur Verfügung, und ich beschränkte mich, wie ich gern bekennen will, in durchaus dilettantischer Weise auf einige kurze Bemerkungen und beschränkte mich im allgemeinen auf die Topographien. Meine Arbeit war eine Jugendarbeit mit all deren Mängeln und Fehlern, und ich habe schon oft bedauert, daß andre Arbeiten mich nicht dazu kommen li ßen, eine neue Monographie über die Familie Merian zu verfassen, zu der ich mannigfache Vorarbeiten bereits gemacht habe. Gleichzeitig mit der Bucbausgibe m>ines Werks erschien, was mir leider erst nach der Fertigstellung und Ausgabe bekannt wurde, im Baseler Jahrbuch für 1887 eine feinsinnige, stimmungsvolle Arbeit des Pfarr rs Probst über den Baseler Meister. Seitdem sind größere Arbeiten über den älteren Merian nicht geschrieben worden, so sehr auch sein Name seitdem bekannt ist und so sehr seine Werke geschätzt werden; kürzere Aufsätze über ihn sind wohl hier und da erschienen, und über seinen Sohn ist manches veröffentlicht; auch ich habe im Börsenblatt manches über die M tglieder dieser Künstlerfamilie mitgeteilt. Burckhardt berichtet kurz über die Jugendjahre Merians und seine Erstlingsarbeit von 1609, eine Kopie des phantastischen ältesten Stadtbildes von Basel. Dann führt er uns nach Zürich, wo M.rian als Lehrling in der Werkstatt des Glasmalers und Kupferstechers Dietrich Meyer beschäftigt war. Eine Arbeit des jungen Merian aus dieser Zeit, eine Glasmalerei aus dem Jahre 1609, ist vor Jahren aus dem Baseler histo rischen Museum entwendet worden. 1610 folgten dann, unter dem Einfluß des Züricher Künstlers Christoph Murer, drei Radierungen, betitelt: Adeliges Landleben: Fischfang, Vogelstellen, liebevolle Behandlung der mit reicher Staffage versehenen Land schaft ze gen. Von diesen Blättern, die ich besitze, trägt das Blatt Wolfsjagd die Bezeichnung »^lattdaeus Neriao 6»8i1,6o kseik Lehrmeister, von dem er die Geheimnisse des -Meyerschen Atzgrundes« erfahren hatte, 1631 widmete er ihm einen Band seiner historischen Chronik und sandte ihm den schönen Dankes- brref, den ich auch in meiner Monographie zum Abdruck brachte. Nuelle» gestochen, falsch ist, da Heinrich II. erst 1621 starb; das Werk, um das es sich handle, sei das Leichenbegängnis des 1608 verstorbenen Herzogs Karl III., dessen Bilder bei Brentel in Straßburg gestochen wurden. Das Titelblatt zu dem Werk trägt Merians Stechernomkn; ob weitere Blätter des Werkes von ihm herrühren, ist nicht nachweisbar. Dem Straßburger Aufenthalt verdanken manche reizenden Blättchen aus Straßburgs Umgebung ihren Ursprung. Von Straßburg setzte er seine Wanderungen fort, zuerst nach Nancy, wo er jedoch nicht mit Callot zusammen getroffen ist, wie in alten Werken zu lesen war, denen auch ich s. Z. diese Mitteilung entnahm, die ich inzwischen aber auch als nicht stichhaltig gefunden hatte. über ChLlons, Troyes usw. Slädte, die er im Bilde festhielt, wanderte er nach Paris, wo er etwa ein Jahr zubrachte und außer verschiedenen kleinen Blättern einen großen Stadtplan von Paris radierte. 1615 kehrte er nach Basel zurück, wo ihm die ehrenvolle Auf gabe zu teil wurde, einen von Hans Bock gezeichneten Plan seiner Vaterstadt in Kupfer zu stechen. Auf vier Kupferplatten, je 53,5:35 Zentimeter groß, hat Merian die Arbeit übertragen, nachdem er sie vorher umgezeichnet und ihr unsagbar malerischen Reiz verliehen hatte, der beim Stich vor allem zu Tage tritt und den großen Plan zu einem Kunstwerk stempelt. Das Stadtbild ist aus der Vogelschau gesehen, und der Künstler hat nicht nur mit liebevoller Hand die Kirchen, öffentlichen Bauten, Mauern und Tore, Gärten, Brunnen, P ätze und stille Winkel geschildert, er hat sie auch belebt und bevölkert mit mannigfachen Gestalten, die ihren Beschäftigungen nachgehen. Der Plan ist 1617 in Oppenheim gedruckt und herausgegeben. Auch manche der kleinen Bildchen aus der reizvollen Um gebung seiner Vaterstadt verdanken vor allem wohl diesem Auf enthalt des Künstlers ihre Entstehung; oft sind religiöse oder allegorische Bilder, wie sie die Zeit verlangte, im Vordergrund, oft aber auch Bilder und Szenen, die dem Volksleben entnommen waren. Von Basel aus machte er den mißglückten Versuch, nach Italien zu gelangen, und wandte sich dann, als ihm dieses durch die Sperrung der Alpenpässe wegen der Pest nicht ermöglicht wurde, den deutschen Landen zu. Cr ging zuerst nach Augsburg, wo er bei Lukas Kilian sich vor allem im Porträtstich, in der Wiedergabe von H storienbildern und in der Ornamentzeichnung vervollkommnet«. 16l6 erschien von Merian ein vermutlich in Augsburg entstandenes Büchelchen »italienischer Grotesken«. Von Augsburg kam er nach Stuttgart, um dort im Auftrag seines früheren Straßburger Meisters Brentel die »Kindsiauffs- Solemnitäten- für ein Söhnlein des Herzogs Georg Friedrich von Württemberg in Kupfer zu stechen. Es sind im ganzen 19 Kupfer, die Burckhardt als das Schlechteste bezeichnet, was Merian ge schaffen hat. Während seines Stuttgarter Aufenthalts füllte er sein Skizzen buch mit mancherlei fein empfundenen landschaftlichen Schilde rungen der schönen Umgebung Stuttgarts, der Neckar vor allem Längere Zeit scheint er sich dort nicht aufgehalten zu haben; Burckhardt schreibt, und wohl mit Recht, die Entstehung der Folge von vier Kupferstichen. Darstellungen der Jahreszeiten, immer drei Monate auf einem Blatt, der Antwerpener Zeit zu. Ich habe diese Blätter vor mir liegen und kann nur voll und ganz sein Urteil unterschreiben: »Niemals, weder früher noch später, hat Merian eine derart säuberliche .und metallisch glatte Arbeit ge liefert- Auch das Format der Blätter, 26x37 ew, übertrifft das von Merian für derartige Gegenstände sonst beliebte Maß. Ver mutlich hat der Künstler mit diesen Blättern den Versuch machen Auch in Oppenheim wohin er sich nun wandte und bei Johann Theodor de Bry 1617 Stellung fand, hat er vorerst noch Blätter in dieser vlämischen Manier geschaffen, so Jagdgeschichten nach In Oppenheim hat er dann auch einige Blätter radiert für ein zweites Stuttgarter Festalbum, die Feierlichkeiten bei der Hochzeit des Herzogs Friedrich und der Taufe des Prinzen Ulrich, dos wiederum sein alter Straßburger Prinzipal Brentel heraus gab. Dort ist dann auch der große Stadtplan von B-.^el ge druckt worden. Vor allem wurde er jedoch Mitarbeiter an den großen Reise werken, die sein neuer Prinzipal herausgab und für die er viele Abbildungen lieferte. Am 17. Dezember 1617 starb der alte Ratsherr Merian, und der Sohn reiste nach Basel in Crbschaftsangelegenheiten. Für den nächstfolgenden Sommer nimmt Burckhardt einen Aufenthalt Merians in Schwalbach an, ob mit Recht oder Unrecht, lasse ich dahingestellt. Der Oppenheimer Zeit verdanken viele Städte ansichten und Landschaften ihre Entstehung, die jedoch vielfach einen handwerksmäßigen, steifen Eindruck hinterlassen. Anfang 1619 hat der Künstler dann eine zweite Studienreise nach Paris unternommen und ist sehr wahrscheinlich von dort über Lüttich nach Köln gegangen, wo er den amtlichen Auftrag erhielt, einen ausführlichen Prospekt der mächtigen Nheinstadt in Kupfer zu stechen. 1620 ist das Blatt im Verlage von Gerhard
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