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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.07.1901
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1901-07-25
- Erscheinungsdatum
- 25.07.1901
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- Deutsch
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energischen Scheidung der Gründe, während die Ausführung der Nadel und anderen Instrumenten Vorbehalten blieb. Dagegen stehen in dem schönen Mädchenkopf (2?, ebenso schon in 27) die Aquatintapartien offen zu Tage. Die Flächen sind kräftig gegeneinander abgesetzt, und die (spar same) Zeichnung mit der Nadel giebt nur den Umriß und die notwendigste Modellierung. Diese einfache, klare, flächige Behandlung entspricht den Gegebenheiten des Verfahrens offenbar am meisten. Und so finden wir es denn auch in diesem Sinne weiterhin angewandt, bald mehr, bald weniger verdeckt und überarbeitet (in 31, 43, 57, 62, 79 u. a). Meist tritt die Manier in den Mitteltönen deutlich hervor. Am ausgiebigsten ist in dem »Markt von Grodek« (83) von der Aquatinta Gebrauch gemacht. Hier ist die Strichzeichnung zu gunsten der deutlich von einander abgesetzten, im Licht abgestuften Flächen fast ganz zurück getreten. Und trotz dieser streng flächigen Behandlung ist die Tiefenwirkung vollkommen und die Lichtführung wunderbar überzeugend. Man beachte nur, wie wundervoll die Figuren gegeneinander und gegen den Grund stehen. Nehmen wir dazu die Feinheit der Charakteristik, so müssen wir sagen: ein ganz köstliches Blatt. In der großen »Familie« (81) ist Orlik in mancher Beziehung zu der älteren Art der Anwendung des Verfahrens zurückgekehrt. Die Aquatinta dient hier vornehmlich dazu, die Modellierung und das Halbdunkel vorzubereiten und zu unterstützen. Die Voll endung des Blattes gehört der Strichzeichnung. Alles in allem scheint uns der in dem besprochenen Blatt Nr. 83 eingeschlagene Weg der Technik am besten gerecht zu werden. Freilich erfordert er einen wirklichen vor trefflichen Zeichner, der mittels des Schattenrisses charakteri sieren kann, und einen feinfühligen Maler, der Luft-, Licht- und Linienspiel so beherrscht wie Orlik. Das ebenso eigen artige wie glückliche Blatt läßt hoffen, daß uns der Künstler uoch mehr solche echte Aquatinta-Arbeiten schenken werde. Führt die Aquatinta naturgemäß zu flächiger Behandlung, so ermöglicht der »weiche Grund« zarte Uebergänge in den Halbtönen, weiche Zeichnung. Das Verfahren ist dies: Statt mit dem gewöhnlichen Aetzgrund wird die Platte mit einem ganz dünnen, weichen und klebrigen Grund (aus Wachs, Asphalt und Rindstalg mit Terpentinöl) überzogen. Auf die so Präparierte Platte legt man ein Blatt feinen Papiers und zeichnet nun mit Bleistift oder feinen Stäbchen auf dieses. Hebt man danach das Papier von der Platte ab, so haftet der weiche Grund an den bezeichnten Stellen des Papiers, die Platte ist also an denselben Stellen der Netze zugänglich und kann weiter wie eine radierte Platte behandelt werden. Die geätzten Striche wirken, im Abdruck wie Kreide- oder Bleistiftstriche. Auch dieses Verfahren kann mit eigentlicher Radierung, mit Nadel- oder Roulette-Arbeit kombiniert werden. Zum ersten Male tritt uns das Verfahren in dem Zwiegespräch (19) entgegen. Hier dient es wesentlich dazu, eine Zeichnung in reichen, schummerigen Strichen zu er möglichen. Ebenso noch in einigen späteren Arbeiten. Da gegen wird es in der feinen kleinen Landschaft 57 mit gutem Erfolg zu malerischen Zwecken ausgebeutet. Das Unbestimmte der Formen bei dämmerndem Licht kommt vor- trefflich in den fein punktierten Flächen und Linien zur Geltung. Noch malerischer wirkt das seine Helldunkelstück Kü. Unter den weiteren Arbeiten muß endlich 88 hervor gehoben werden. Hier werden Figuren auf hell beleuchteter Parkwiese umschrieben, und das »freie Licht«, das alles umspielt, die köstliche Ferne könnte kaum aus andere Weise gleich überzeugend wiedergegeben werden. Dies Blättchen gehört neben 57 und 86 meines Erachtens zu den anziehendsten Proben des Verfahrens. I Zu alledem muß nun hervorgehoben werden, was für ein feinfühliger Zeichner Orlik ist. Davon überzeugt man sich am besten angesichts der radierten oder mit der Schneide nadel (auch dem Diamant) gearbeiteten Blätter. Ich nenne 28, gleich fein in der Charakteristik der Bewegung, wie in der Wiedergabe von Lust und Licht; ferner die charakteristischen Figuren 12, 35, 75—77, die Landschaft 46, das reizende Blatt 73, dessen sicher umrissene Gestalten ein besonders an ziehendes Dokument dieser Seite der Kunst Orliks bieten, und endlich die trefflichen Bildnisse. Neben der Sicherheit, mit der stets das Wesentliche bestimmt gegeben ist, bewundern wir hier wieder die Mannigfaltigkeit der Mittel in der Ausführung. Weiter muß gesagt werden, daß der Künstler zur Er zeugung derber, dunkler Tonflächen auch das Sandpapisr anwendet. Auf die mit Aetzgrund versehene Platte wird Sandpapier gelegt und mittels des Polierstahls fest auf gepreßt. Die Sandkörner drücken sich durch den Aetzgrund durch und legen ein Korn auf der Platte frei So kann geätzt werden. Auf diese Weise sind die Gründe auf 85 und 87, aber z. B. auch 86 hergestellt. Erwähnen wir endlich noch, daß er sich auch in der Schabkunst versucht hat — man vergleiche 70 oder 81 —, so haben wir wohl die wesentlichen Züge der Arbeit auf der Platte angeführt. Aber damit ist noch keineswegs alles gesagt. Es versteht sich, daß diese zum Teil so subtilen Platten auch ein besonders sorgsames Druckverfahren er fordern. Was sich beim Wischen der Platte noch erreichen läßt, dafür giebt mehr als ein Stück den sprechenden Beleg. Ich glaube, wir thun dem Künstler nicht unrecht, wenn wir an seinen Arbeiten besonders die Vielseitigkeit der Technik und das Feingefühl für das jeweils geeignetste Verfahren rühmen. Daß er aber bei allem Suchen und Versuchen doch auch zu ganz reifen Leistungen gelangt ist, Las soll hier noch ausdrücklich anerkannt werden. Ich rechne dazu neben den großen an Schönheiten reichen Blättern 62 und 63, die mit mannigfachen Mitteln hergestellt sind und zweifellos eine volle malerische Wirkung (vrgl. das Wasser 62) erzielen, be sonders einzelne mittlere und kleinere, in denen sich Absicht und Ergebnis wohlthuend decken: etwa die schon erwähnten Arbeiten 29, 73 und 83. Ueberall tritt uns da der feine Beobachter und sichere Zeichner entgegen. Immer ist der Raum ganz klar, auch im kleinsten Maßstab ist das Spiel des Lichts und der Luft anziehend, reizvoll und ganz lebendig. Und wie weiß er den Menschen zu schildern! In allen Situationen, im Ge spräch und bei der Arbeit (28!), im Stehen und im rüstigen Ausschreiten (63), froh oder traurig, stets ganz bei der Sache. So ist denn auch das radierte Werk Orliks reich an feinen Stimmungsbildchen. Und man muß den Künstler so lieben, wie den Techniker bewundern lieber die ausgestellten Lithographien können wir uns kürzer fassen. Hatten wir schon anläßlich der großen Lithographie-Ausstellung im Februar Gelegenheit, einige der ganz malerisch behandelten feinfarbigen älteren Blätter Orliks kennen zu lernen, so wird unsere Vorstellung von diesen Arbeiten nun noch bereichert. Ueberall treten uns dieselben Grundzüge entgegen: ausgesprochen malerische Absicht (im Gegensatz zu den dekorativen Tendenzen etwa der Karls ruher, deren Blätter viel flächiger sind), feiner Farbensinn auch in starkfarbigen Vorwürfen und ein sein geschultes Auge für Raum- und Lichtwerte. Da Orlik sich fast ausschließlich der Kreide bedient, so ist dabei seinen Lithographien immer noch ein unverkennbarer zeichnerischer Zug eigen, der ihnen allermeist nur zu statten kommt. Interessant ist es nun, zu beobachten, wie der jüngste Aufenthalt in Japan auf den Künstler gewirkt hat. Er
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