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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.02.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-02-27
- Erscheinungsdatum
- 27.02.1905
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- Deutsch
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ISS2 Fertige Bücher. ^ 48, 27. Februar 1S0S. Jos. Lösel'sche Üuchhandlung in Kempten und München. Das „Vaterland" in Luzern schreibt in der Nummer vom 29. Januar 1905 über hrallk. M Leben und Aerk Ein Buch von unvergänglichem Werte — ohne Phrase zu sprechen — ist soeben bei Kösel in Kempten erschienen: Jesu Leben und Werk von Richard von Kralik. Der Autor, der als Dichter und vielseitiger Gelehrter längst einen europäischen Ruf genießt, sagt in der Vorrede, daß sein Werk zunächst keinen dogmatischen oder apologetischen Zweck verfolge, es soll auf Grund der erhaltenen Quellen und Überlieferungen ein fach die Ereignisse jener Zeit so lebendig und anschaulich zu vergegenwärtigen, daß der Leser imstande ist, sich in dieselben zurückzuversetzen, sie gleichsam von neuem zu erleben. Das ist denn auch dem Verfasser meisterhaft gelungen. Mit einer kristallenen Durchsichtigkeit tritt uns darin das Kulturleben der alten Welt, bald mildes Licht ausstrahlend, noch öfter schwarze, unheimliche Schlagschatten werfend, aber immer auf den „Ersehnten der Völker" hinweisend, entgegen. führt Kralik den Leser sicher an der Hand durch die Wirrsale der jüdischen und römischen Geschichte. Er zeigt auf Schritt und Tritt, wie wir staatlich, politisch, rechtlich, kulturell, künst lerisch, literarisch und religiös ganz von den mächtigen Im pulsen jener Zeit abhängen, ja mitten in ihr stehen. Sie lebt in uns und in allen unfern Anschauungen fort, wir selbst sind ihre lebendigen Zeugen. Die Wirkung, die sie täglich auf uns, a^isübt, ist i^m gewisscrmaßen^ auch eine Quelle, ein Dokumenst Menschheit nur verderblich wirken konnte. „Man isoliert die Entstehungsgeschichte nnserer Religion und ihre alttestament- lichcn Voraussetzungen zu sehr von der allgemeinen wclt- antiken Kultur ebenso notwendig wie das alte Testament^ in eine Geschichte der Entstehung des Christentums, so not wendig, wie Pontius Pilatus ins Credo gehört. Und so wie es die Aufgabe des Historikers ist, das Bild des einen Christus aus den verschiedenen Quellen darzustellen, so muß er es auch verstehen, das Gesamtbild der messianischen Zeit als eine Einheit begreifen zu lassen. Nur auf diesem Wege wird auch das Verständnis der ganzen folgenden Kirchengeschichte, das Verständnis der römischen Kirche vermittelt." Das Werk selbst besteht aus zehn Hauptabschnitten, welche die folgenden Sammeltitel führen: 1. Römer und Juden; 2. Die Geburt des Heilandes; 3. Die Bildung der Zeit; 4. Das Nahen des Himmelreiches; 5. Die Gründung der Kirche; 6. Die theoretische Offenbarung; 7. Die praktische Offenbarung; 8. Die ästhetische Offenbarung; 9. Die Passion; 10. Die Apostel. Abgewickelt wird der umfangreiche Stoff in 250 kurzen an dieser Stelle leider nicht Mitteilen können. Jedoch eine kurze Stichprobe von dem klassisch ruhigen Stil des Buches mag hier immerhin Platz finden. Wir greifen diese Steine zu Brot!" Aber Jesus wendet die Versuchung durch Betreten des geistigen Gebietes ab: „Mich sättigt nicht nur Brot, sondern Gottes Wort." Wieder spricht der Versucher: „Wenn du Gottes Sohn wärest, müßtest du dich von der Zinne eben als Gottes Sohn kann ich Gott nicht so versuchen." „Wenn du ein Königreich gründen willst," sagt der Versucher wieder, „so mußt du dich dem Geiste der Welt beugen." „Nein, denn ich will das Reich Gottes gründen!" Der Versucher ver stummt für diese Zeit; Engelsfriede und Engelsmächte umgeben den Sieger. Dieser weihevolle Ton, der allein dem Göttlichen entspricht, geht durch das ganze Buch hindurch; wunderbar groß und schön blickt uns, auf den festen Untergrund der Profangeschichte ein getragen. das Bild der Person Jesu entgegen. Die ganze Dar stellung ist gleichsam durchweht vom Dufte des Übernatürlichen; da ist nichts von Rührseligkeit und süßlicher Frömmelei zu finden, alles ist kernhast und gesund. Man fühlt es unwillkür lich, hier hat ein gereifter und geistesmächtiger Dichter seine Kraft in den Dienst des Historikers und Philosophen gestellt. Und doch, wie klar und leichtverständlich ist alles! An solcher Speise tonnte eine von Geistesstolz und Materialismus ange- sressene Generation gesunden. Hier ist auch glänzend das Pro blem gelöst, daß Wissen und Glauben, vom Standpunkte höch ster Bildung angesehen, keine Gegensätze bilden, sondern sich harmonisch ergänzen. Die Kritik wird wahrscheinlich nicht ermangeln, dem Werke auch schwache Seiten nachzuweisen. Immerhin, das wird die Gediegenheit desselben im allgemeinen nicht schmälern, denn des Schönen und Großen ist in dem Buche so viel, daß man abfällige kleinere Mängel gern in Kauf nimmt. In der heu tigen Zeit, wo die glaubensfeindliche Wissenschaft das Genie bereits monopolisiert zu haben wähnt, ist es schon eine be merkenswerte Tat, wenn sich ein Mann von der Genialität eines Kralik einem Stoffe zuwendet, der mit den Interessen unseres Glaubens so enge verwachsen ist, ja ihren eigentlichen Lebensnerv bildet. Gewiß wird dieses Buch ein erhabenes Missionswerk ausüben auch in dem Sinne, daß es manch einem „schwankenden Rohr" wieder festen Halt verleiht, manch einen „rauchenden Docht" von neuem zur Hellen Flamme entfacht. Die Mitglieder des Klerus find dem Verfasser noch speziell zum Danke verpflichtet dafür, daß ihnen nun auch ein in das Gewand der Ästhetik gekleidetes, von den bisherigen Dar stellungen abweichendes, aber darum nicht minder anregendes und geistbefruchtendes Leben Jesu zur Verfügung steht. L. Wir empfehlen das vorzügliche Werk wiederholt Ihrer tätigen Verwendung und machen namentlich auch Hand lungen mit Kundschaft in protestantisch-theologischen Kreisen darauf aufmerksam. Bezugsbedingungen: brosch. 5 ^ ord., L cond. 3 in Lnwd. geb. 6 ord., ä cond. 4 Kempten und München, 26. Februar 1905. 75 H, fest oder bar 3 50 fest oder bar 4 35 H netto; 10 H netto. los. Nösel'sche SuciiDanOIung.
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