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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.08.1884
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- 1884-08-20
- Erscheinungsdatum
- 20.08.1884
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- Deutsch
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3762 Nichtamtlicher Theil. 194, 20. August. „Empfehle mich dem Herrn und der Frau Schwägerin und allen Freunden, denen ich für ihre Güte und Liebe danke. „Nochmals lebe wohl. Dort sehen wir uns wieder! „Dein herzlicher Gatte und meiner Kinder Vater Joh. Phil. Palm. „Braunau, im Gefängnisse am 26. August 1806. Eine halbe Stunde vor meinem Ende." Dieses Schreiben soll der unglücklichen Frau, welche in Todes angst über das fernere Schicksal ihres Gatten in Nürnberg Nach richten entgegensah und vergebliche Schritte that, um sein Loos zu verbessern, erst sehr verspätet zugegangen sein; ja, man soll ihr die Mittheilung seines Todes, sowie die näheren Umstände desselben möglichst lange verschwiegen haben. Endlich empfing sie seine letzten Worte und zu gleicher Zeit ein ausführliches Schreiben des Geist lichen von Braunau, welcher Palm auf seinem letzten Gange be gleitet hatte, das über jene Umstände genau Auskunft gibt. Es lautet wie folgt: „Braunau, am 4. September 1806. „Hochschätzbarste Frau! Mit innigstem Schmerz benachrichtige ich Ihnen das traurige Loos Ihres besten Herrn Gemahls. Wäre ich dieser schweren Pflicht enthoben, wie glücklich würde ich mich schätzen! Allein Freundschaft, gegebenes Wort und Handschlag ver binden mich zu diesem traurigen Geschäfte. In vollem Vertrauen also, daß Sie in der Standhaftigkeit, in der Unterwerfung und innigsten Ergebenheit gegen Gottes unbegreifliche, aber doch allzeit heilige und anbetungswürdigste Fügungen, Ihrem Herrn Gemahle vollkommen gleichen, erfülle ich mit gegenwärtigem mein Ver sprechen. — Ihr liebster Gemahl ist nicht mehr! — Während eines Aufenthaltes von 4 Tagen in hiesigem Staatsgefängnisse hatte er 2 Verhöre. Den 24. und 25. August, wo er von einer eigens hiezu bestellten Militärcommission einer absichtlichen Verbreitung politischer Brochüren wider Frankreich und ihrem Kaiser beschuldigt und deshalb zum Tode verurtheilt wurde; welches am 26. um 11 Uhr Mittags geschah, und um 2 Uhr darauf vollzogen wurde. „Nach Verlesung seines Urtheils bat er sich einen Geistlichen aus, der ihm denn auch in meiner Person bewilligt wurde. Ich säumte nicht, diesem zwar höchst traurigen, jedoch für einen solchen Unglücklichen dennoch tröstlichen Rufe zu folgen, und verfügte mich in Gesellschaft eines meiner Herren Collegen, nach erhaltenem Er- laubnißscheine, in's Gefängniß und traf ihn ganz betroffen, dennoch aber bei voller Gegenwart des Geistes an. Er gewann mich lieb und schenkte mir unter den wärmsten Freundschaftsküssen und Um armungen sein innerstes Vertrauen, übergab mir die 2 Ringe an Sie zum Angedenken und seine silberne Sackuhr für seinen lieben Sohn. „Wir suchten ihm unter verschiedenen trostreichen Gesprächen seine letzten Lebensstunden so viel möglich erträglich zu machen. Wie er denn auch nach und nach ganz ruhig und in Gott ergeben sein höchst unglückliches Schicksal zu ertragen immer bereitwilliger wurde. — Den größten Schmerz und die häufigsten Thräncn ver ursachte ihm die so schnelle und immerwährende Trennung von seiner innigstgeliebten Gattin und Kindern, und das traurige Loos, in welches selbe durch seinen Tod versetzt würden. Er empfahl mir vorzüglich das weiße Tuch mit rothem Streife an der Ein fassung wohl aufzubewahren und es Ihnen, meine Theuerfle, so wie es ist, ohne selbiges zu reinigen, sicher zu übermachen, indem er seine letzten Thränen als Beweise seiner bis an's Ende gehegten Liebe und Treue gegen seine Gattin und Kinder darinn aufbewahrte, mit dem Beisatze, daß dieß Ihnen in Ihrem Leben das größte und letzte Kleinod sein wird, welches ich denn in dem letzten Augenblicke vor seinem Tode zu mir nahm, und nebst den übrigen Sachen auf bewahrte. „Bei allem Unterschiede unserer Religionsbekenntnisse, das er mir gleich anfänglich redlich eingestand, war ihm unser Antrag (ob ihm unsere Gegenwart und Zuspruch bei diesen so wichtigen Augen blicken angenehm, tröstlich und aufmuntcrnd sehn, widrigenfalls wir ihn nicht im geringsten belästigen würden) äußerst willkommen, und er gab unfern allgemeinen und menschenfreundlichen Vorstellungen williges Gehör, indem wir ihn in seiner von Jugend auf gehegten Ueberzeugung und mit Frömmigkeit ausgeübten Religionsbekennt- niß, der strengsten Toleranz und christlichen Bruderliebe gemäß, nicht im geringsten stöhren wollten. — Er trug mir auf, Ihnen seine 2 Lieblingslieder, nämlich »Alles ist an Gottes Seegen re.« und »Gottlob, nun ist es wieder Morgen« rc., welche er uns im Ge fängnisse zu wiederholten Mahlen mit größter Jnnbrunst vorbetete, zu notifiziren, daß Sie selbe Ihren Kindern lernen und lebens länglich empfehlen möchten, und versicherte, daß selbe ihm in seinem ganzen Leben, besonders aber in seinem letzten Morgen am 26. August und letztern 2 Stunden vor seinem Tode wirklich den größten Trost und Beruhigung verschafften. „Er äußerte auch ein Verlangen, das heilige Abendmahl nach seinem Religionsbekenntnisse zu empfangen, welches aber aus Mangel eines Geistlichen aus seiner Religionsparthei nicht geschehen konnte. Indessen beruhigten wir ihn in diesem Stücke vollkommen mit der Vorstellung, daß unser Herr und Heiland gewiß bei denen ist, die ihn suchen und ihm im Leben und Tode gleichen, wie es bei ihm ganz vorzüglich der Fall ist. „So naheten denn die letzten Minuten seines Lebens unter freundschaftlichen Gesprächen und trostreichen Religionsvorstellungen unvermerkt heran. Er versprach uns auch mit Havd und Mund, daß er seinen Feinden und Mördern, und wer immer auf eine Weise Schuld an seinem Tode wäre, vollkommen verzeihe, so wie er wünsche und hoffe, vom himmlischen Vater Vergebung zu erhalten. „Er empfahl Sie, meine Beste! und seine Kinder dem besonder» Schutz des Allerhöchsten, der an Ihnen Vaterstelle vertretten möchte; worüber wir ihn auch beruhigten. „Da wir bei der Commandantschaft um Verlängerung seiner Lebensfrist, wenigstens auf einige oder doch einen Tag, wiederholt und dringendst, aber ganz vergeblich flehten; indem uns die Strenge und Unverletzbarkeit der Gesetze vorgeschützet wurde, so begleiteten wir ihn dann auf sein eigenes Verlangen bis an die Stelle, wo er als Opfer fallen sollte. „Alles, groß und klein in unserer Stadt, jammerte und weinte laut, obwohl ihn kein Mensch noch sah und kannte; dessen wir ihn auch noch im Gefängnisse zu seinem Tröste versicherten, daß er ja nicht als ein Missethäter angesehen werde. Selbst viele von den Fremden bekannten, daß sie nie eine solche Betrübniß fühlten. Und was muß ich erst von mir sagen, da ich sein innigstes Vertrauen genoß, und alle die Küsse noch auf meinem Munde trage, die er Ihnen, meine Beste, unglückliche Frau! seinen Kindern und Freunden zudachte! „Heute als den 30sten, wo ich diesen Brief entwarf, ist der erste Tag, wo ich mit einigem Gedeihen Speisen zu mir nehmen kann; ich war in größter Gefahr zu erkranken. — Gott Lob, nun ist es wieder besser um mich. Ich hätte früher an Sie geschrieben, wenn ich nur eine Seele in Ihrer Vaterstadt gekannt hätte. Auch erhielt ich erst den 30. August von der Commandantschaft, nach vielen An fragen und Bemühungen, aus besonderer Begünstigung, die Er- lanbniß, seine zurückgelassenen Sachen, die er mir im Gefängnisse anvertraute, worunter auch ein versiegeltes Päckel Geld befindlich ist, auf die sicherste Weise an Sie durch meine eigene Person über machen zu dürfen, worüber ich einen Beglaubigungsschein erhielt. „Ob ich dieselben nun entweder über Passau durch diePalmische Buchhandlung oder durch die Diligence gerade an Sie abschicken solle, erwarte ich nächstens von Ihnen einen Wink.
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