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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.02.1889
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- 1889-02-04
- Erscheinungsdatum
- 04.02.1889
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- Deutsch
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648 Nichtamtlicher Teil. .1^ 29, 4. Februar 1889. Zimmers hier unterbrechenden Kapitel näher einzugehen. Er wähnt sei aber wenigstens, daß, zumeist in Urteilen bedeutender Literarhistoriker, »die romantische Schule« im allgemeinen, »die Freunde und Nachfolger der Romantiker«, »die Herolde der deutschen Freiheit«, auch »die deutsche Altertumswissenschaft und die bildende Kunst« in ihren Hauptvertretern charakterisiert werden. Einen weitern Hauptteil des Buches machen dann die Bio- graphieen der Romantiker und ihre Briefe an Zimmer aus. In den Vordergrund treten besonders Achim von Arnim, Clemens Brentano, Johann Joseph Görres, Aug. Wilhelm und Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck. Liegt hier, wie schon gesagt, einer seits ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Romantik vor, so legen anderseits die Briese ein Zeugnis ab von der Denkungs art der Verfasser und deren freundschaftlichen Beziehungen zu Zimmer. Zu bedauern ist nur, daß von Zimmers Briefen an dieselben leider nicht einer erhalten scheint, wenigstens hier nicht beigefügt ist. Durch die bei Mohr L Zimmer erscheinenden »Heidel berger Jahrbücher« wurde Zimmers Bekannten- und Freundes kreis wesentlich erweitert. An den Sitzungen der Redaktion nahm er regelmäßig teil. — Anfänglich hauptsächlich im Hause von Rudolphis verkehrend, die er von Hamburg hierher geleitet hatte, nahm er im zweiten Jahre seine Schwester zu sich und gründete einen eigenen Haushalt. Seine Tischgenossen wurden Arnim, Brentano und August Böckh. Gleichzeitig mietete er eine große Wohnung im »König von Portugal« und errichtete hier eine Lesegesellschaft, deren im Morgenblatt von 1807 rühmend gedacht wird, und welche auch Goethe einmal mit seinem Besuche beehrte. Ten 19. Juli 1807 ging er einen gesegneten Ehebund mit der Tochter des Pfarrers Bender in Rohrbach ein. Brentanos Vorschlag zur Gründung einer Buchhandlung in Landshut und München brachte Zimmer 1808 in nähere Ver bindung mit Friedrich Karl von Savigny, dessen Lebenslauf, — wie der vieler hier nicht genannter Literarischer Größen — eingeschaltet wird. So geneigt auch Savigny und eine andere maßgebende Persönlichkeit, Friedrich Heinrich Jacobi, der Aus- fühtung des Projekts sich zeigten, so kam dasselbe schließlich doch nicht zu stände. Den bisher im Mohr L Zimmerschen Verlage vertretenen Romantikern, die unter andern in der »Zeitung für Einsiedler« einen Sammelplatz fanden, gesellte sich 1808 Jean Paul, namentlich mit Katzenbergers Badereise (1809) hinzu. Auch ihm wird die gebührende Würdigung zu teil. Die Bekanntschaft mit den Brüdern Boisseröe, die 1810 mit ihren Kunstschätzen nach Heidelberg übersiedelt waren, gab Veranlassung, auf der Reise zur Leipziger Messe Goethe in Weimar zu besuchen. Im Jahre 1812 übernahm er Savignys »Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter«. Nach dem Weggange der Romantiker von Heidelberg war Zimmer hauptsächlich mit Theo logen in freundschaftlichen Verkehr getreten, und es ist wohl be greiflich, wie in seinem von Haus aus frommen Gemüte der wohl schon durch die verherrlichenden Darstellungen der romantischen Poesie, vor allem auch durch die Verbindung mit einer Pfarrers tochter, genährie Wunsch, sich selbst noch dem geiulichen Berufe zu widmen, mehr und mehr zur Reife gedieh. Aeußerlich be stimmend mochten schließlich die durch die Zeitverhältnisse herbei- gcsührten ungünstigeren Geschästsverhältnisse Mitwirken, während zugleich die Uebersiedelung Mohrs nach Heidelberg, nachdem er sein Frankfurter Geschäft aufgegeben, die Ergreifung eines andern Berufs nach fünfjähriger alleiniger Leitung des Geschäfts wesent lich erleichterte. Nachdem er noch 1811 die Leipziger Ostermesse besucht, gab er sich eifriger als schon vorher dem Studium des Lateinischen und Griechischen, dann aber dem der Theologie hin. Er hörte namentlich bei Creuzer, Taub, Schwarz, Wilken, Lewald u. a. Ermunternd wirkten die Briefe seiner Freunde de Wette und Marheineke aus Berlin. Des erstem berühmte Bibelübersetzung war bereits 1809, des letztem »System des Katholicismus« 1810 im Mohr L Zimmerschen Verlage er schienen. Ohne seine durch das Verhältnis mit Mohr sortbestehendeu buchhändlerischcn Verpflichtungen zu vernachlässigen, hatte er dank seiner zwiefältigen Energie seinen akademischen Kursus 1814 soweit vollendet, daß er sich zum Examen in Karlsruhe melden konnte, welches er dann vor Kirchenrat Wolf in Heidelberg glück lich bestand. Besondere Ehre legte er ein mit der anonym er schienenen Schrift: »Die Bestimmung des evangelischen Geistlichen.« Selbst neben der ihm als nunmehrigem Kandidaten der Theologie anvertrauten Verwaltung des lutherischen Pfarramts in Schriesheim an der Bergstraße versah er noch monatelang seinen Dienst in der Heidelberger Buchhandlung, indem er hier in der Woche arbeitete, in Schriesheim Sonntags predigte. Diese Zeit rechnete er zur glücklichsten seines Lebens. Auch nachdem er im April 1815 mit seiner Frau und seinen drei Kindern ganz nach Schriesheim übergesiedelt war, gestaltete sich sein Leben, ungeachtet pekuniär beschränkter Ver hältnisse, durch das Entgegenkommen der Gemeinde und ein freundschaftlich-geselliges Verhältnis zu einem reformierten und einem katholischen Kollegen zu einem äußerst angenehmen, in welchem sich »noch ein Stück Romantik« aufthat. — Seine nach der Siegesnachricht der Schlacht bei Waterloo zum Besten des Schulbaus gedruckte Festpredigt erschien noch mit der Firma: Mohr L Zimmer. Aus Veranlassung eines Freundes übernahm er im Mai 1816 die zweite lutherische Pfarrstelle in Worms. Auch während seines dortigen Aufenthaltes bot sich Gelegenheit zu Predigten an wichtigen Gedenktagen, wie zum Reformationssest 1817 und zur Erinnerung an den Reichstag vom 24. April 1521. Einige Proben seiner schlichten Redeweise werden mitgeteilt. — 1821 erschien auch seine Schrift: »Luther auf dem Reichstage zu Worms 1521«, nachdem er bereits 1820 eine Sammlung seiner Predigten veröffenllicht hatte. Oester erhielt er in Worms Besuch von alten Bekannten, so u. a. von Brentano, von welchem bei dieser Gelegenheit das durch die irrige Meinung eines geistliche» Kollegen von Zimmer, daß Brentano Buchhändler sei, veranlaßte scherzhafte Wort auf bewahrt wird: »Nein, ich bin einer von denen, welche die Buch händler zu Grunde richten.« Seine äußere Lage in Worms war keine günstige, so daß er sich u. a. zwei Winter hindurch Vorlesungen über Geschichte gegen Honorar zu halten und den Unterricht im Griechischen am Gymnasium zu übernehmen veranlaßt fand. Im November 1823 übernahm er das Amt eines Dechanten am Marienstift zu Lich, wo er zwar mit der Gemeinde anfäng lich auf keinen guten Fuß sich zu stellen vermochte, doch einige Entschädigung in den freundlichen Gesinnungen der Fürstin Hohen- solms-Lich fand. — 1826 wurde er von der dankbaren Stadt Worms zum Deputierten für den Landtag in Darmstadt gewählt. — Durch Vermittelung des Konsistorialrats Spieß wurde Zimmer Ende 1827 nach Abhaltung einer Probepredigt zum Pfarrer der deutsch-reformierten Gemeinde in Frankfurt a. M. ernannt, wo er nach langer, in mancher Hinsicht segensreicher Thätigkeit, auswärtigen Freunden häufig sein gastliches Haus össnend, am 10. Februar 1853 sein vielfach bewegtes und doch ruhiges und vielfach beglücktes Leben beschloß. In Frankfurt zuerst konnte er seine acht Kinder, die bisher teils in Pension, teils in der Lehre, untergebracht waren, um sich und seine treue Gattin versammeln. Diese folgte ihm im Tove erst 1876. Der Herausgeber hat dem bereits durch seine Auswahl von Luthers Schriften: »Martin Luther als deutscher Klassiker« er worbenen Verdienst durch das vorliegende Buch ein neues hinzuge fügt. Mögen die Ansichten über den Wert mancher Schriften Luthe rs
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