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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.07.1876
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1876-07-17
- Erscheinungsdatum
- 17.07.1876
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- Deutsch
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^ 163, 17. Juli. Nichtamtlicher Theil. 2535 Nichtamtlicher Theil Friedrich Arnold Brockhaus. IX.*) Die Kritik ist nicht Jedermanns Sache; nur ein kleiner, ge wählter Theil der Gesellschaft ist so gebildet und besitzt hinreichende geistige Schärfe, um mit der Sache deren Werth und Wesen be- urtheilen zu können und um an einem Abwägen der Leistungen auf künstlerischem wie wissenschaftlichem Gebiete Geschmack zu finden. Die große Menge will unterhalten sein und unsere literarischen Erzeugnisse nicht immer mit dem Gradmesser in der Hand genießen. Für diese war der „Hermes" freilich ein zu gelehrtes Organ, dessen vornehme Sprache Vielen unverständlich bleiben mußte. Nach dem Goethe'schen Ausspruche nun: „Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen", trug sich Brockhaus, noch ehe Ende des Jahres 1818 daS erste Stück des „Hermes" erschienen war, wiederum mit einem neuen Plane zu einer anderen literarischen Zeitschrift herum, die mehr unterhalten als kritisiren, ein „Literaturblatt für Weltleute" werden sollte. Bereits im Spätsommer 1818 wandte sich Brockhaus an den selben Wieland in Jena, dem er ein Jahr vorher die Redaction des „Hermes" vergeblich angetragen hatte, mit der Aufforderung, die Herausgabe der von ihm beabsichtigten neuen literarischen Zeit schrift, welche den Titel „Conversations-Blatt" führen sollte, zu übernehmen. Wieland konnte sich jedoch nicht sofort entschließen, während mancherlei Rücksichten Brockhaus veranlaßten, die ganze Idee vor der Hand aufzugeben. Besonders mag dabei der Umstand mitgewirkt haben, daß August von Kotzcbue seit 1818 eine von den selben Ideen getragene Zeitschrift, das „Literarische Wochenblatt" in der Hoffmann'schen Hofbuchhandlung in Weimar herausgab. Allein das Unternehmen ging Brockhaus immer wieder im Kopse herum, zumal als er sah, daß sowohl die Kotzebue'sche Zeit schrift wie ein ähnliches in Wien begründetes Journal unter dem Titel: „Conversationsblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unter haltung" seinen Plan zur Ausführung gebracht hatten, obgleich das letztere wenig Beifall beim Publicum fand, so daß es bereits mit dem dritten Jahrgang wieder zu Grabe getragen wurde. So schrieb Brockhaus, seine alte Idee wieder ausnehmend, am 8. Juni 1819 an seinen Freund Hasse in Dresden, kurz bevor er seine Reise nach Paris antrat: Jetzt nach der gänzlichen Beendigung des „Conversations-Lexikons" (in der fünften Auflage) und bei der dadurch für ihn eintretenden großen Ruhe werde er wahrscheinlich mit Anfang 1820 eine „Conversations-Zeitung" beginnen, die das „Conversations-Lexikon" fortführen und stets ergänzen solle. Da durch würden auch die wahrhaften Schätze, die sich bei ihm durch das Halten der wichtigsten europäischen Zeitschriften anhäufen und meist unbenutzt blieben, verwerthet werden können. Allein bereits in Paris kamen ihm wieder andere Ideen, „wegen welcher allein" — wie er von dort an sein Haus in Leipzig schrieb — „ich meine Reise wohl mal werde segnen können, da ich sie ohne diese nicht gehabt haben möchte. Es ist die, vom--Conversations- Lexikon« jährlich, etwa unter dem Titel: »Jahrbücher der Zeit und ihrer Fortschritte« einen Band Fortsetzung zu geben, einigermaßen in der Art, wie das »^.unual Register« und dadurch das »Conver sations-Lexikon« gewissermaßen sortzuführen und an uiveau der Zeit zu erhalten. Ich müßte mich sehr irren, oder wir werden davon Auflagen von 12 — 15,000 Exemplaren machen können. Zur Ausführung habe ich bereits mehrere Maßregeln genommen und der erste Band, »Das Jahr 1819«, muß schon im nächsten Som mer erscheinen." Der Enthusiasmus, mit welchem Brockhaus diese bereits frü her gehegte Idee, nur etwas modificirt, wieder ergriff, war bald wieder erkaltet und gelangte, wie seine früheren Pläne, nicht zur Ausführung. Dagegen hatte sich das „Literarische Wochenblatt" Kotzebue's eines großen Anklanges beim Publicum zu erfreuen, und sollte dasselbe für Brockhaus bedeutungsvoll werden. Nach Kotze bue's Ermordung, so berichtet der Verfasser, übernahm einer der Verleger, Wilhelm Hoffmann in Weimar, selbst die Redaction des Blattes und gestattete dabei dem überaus händel-süchtigen und eite- len Dichter Adolf Müllner, es für seine Privatangriffe zu gebrau chen. Während Kotzebue's Redactionsführung waren schon oft Ver lagsartikel von Brockhaus in dem Blatte lobend und tadelnd, aber immer in anständigem Tone besprochen worden; Brockhaus hatte auch mit Kotzebue selbst seit 1811 mehrfach literarisch und persön lich verkehrt, ohne indeß ein Werk desselben zu verlegen. Nachdem nun Müllner ein Hauptmitarbeiter an der Zeitschrift geworden war und sich das Gerücht verbreitet hatte, derselbe werde von 1820 an die Redaction des Blattes übernehmen, mußte Brockhaus befürch ten, daß dieser, mit dem er damals wegen einer im „Hermes" ver öffentlichten Rccension des Trauerspiels „König Dngurd" in bittere Fehde gcrathen war, auch dieses Blatt zu Angriffen gegen ihn benutzen werde. In der That brachte auch die am 21. October 1819 ausgegebene Nummer des „Literarischen Wochenblattes" in Form einer Rccension des „Hermes" einen heftigen Angriff gegen Krug und Brockhaus, wozu freilich Krug dadurch Anlaß gegeben hatte, daß er bald nach Kotzebue's Ermordung das „Literarische Wochenblatt" und das Auftreten Kotzebue's gegen das deutsche Universitätswesen im „Hermes" angriff und diesen Aufsatz auch in einer Separatausgabe veröffentlichte. Brockhaus benutzte diese Gelegenheit, um Müllner womöglich an weiteren ähnlichen Artikeln zu verhindern. Er übersandte am 2. Decembcr dem Verleger und nominellen Redacteur des „Literarischen Wochenblattes", Wilhelm Hoffmann in Weimar eine von Krug im „Hermes" veröffentlichte Antwort auf jenen Artikel, an deren Schluß Krug „alle ehrlichen und redlichen Redacteure" bat, keine anonymen Angriffe Müllner's gegen ihn in ihre Blätter aufzunehmen, und fügte seinerseits hinzu: „Da ich ebenfalls dieser Geschichte wegen mit Müllner in offene Fehde gerathen bin, so darf ich nicht minder erwarten, daß er, wie einst Merkel, auf jeden meiner Verlagsartikel Jagd machen und suchen werde, solche in den Koth zu ziehen, und ich halte cs daher für meine Pflicht, Sie hierauf aufmerksam zu machen, da ich von Ihrer Collegialität erwarten darf, daß Sie eineni so gehässigen und unwürdigen Betragen nicht die Hände bieten und dies an einem in Ihrem Verlage erscheinenden Institute nicht dulden werden. Am besten ist es, wenn Sie diesem Criticus keins meiner Verlagswerke zusenden." Hoffmann hatte jedoch nicht jenen Begriff von Collegialität, den Brockhaus in seiner Unbefangenheit voraussetzte. In, Gegen- theil, Hoffmann antwortete auf diesen Brief kurz abweisend, und Brockhaus, nicht gewohnt sich in dieser Weise bedienen zu lassen, erwiderte in einem ziemlich gereizten Tone, der natürlich seine Wir kung hervorbrachte und eine Reihe von Briefen zur Folge hatte, in welchen sich die beiden Verleger gerade keine Artigkeiten sagten. Bald nachdem dieser Briefwechsel beendet war, wurde Brock haus von dem Geheimen Regierungsrath Peucer benachrichtigt, daß Gebrüder Hoffmann mit der Idee umgingen, das „Literarische Wochenblatt" zu verkaufen, und ganz natürlich war cs wohl, daß Blockhaus den Plan faßte, das Unternehmen für sich zu erwerben, da er dadurch seinen Gegner Müllner entwaffnen konnte. Auf eine 344* *) VUI. S. Nr. 157.
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