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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.05.1905
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- 1905-05-15
- Erscheinungsdatum
- 15.05.1905
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- Deutsch
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^ 111. 15. Mai 1905. Nichtamtlicher Teil. 4597 Kleine Mitteilungen. Vom Reichsgericht. — Wegen versuchter Nötigung ist am 12. September v. I. vom Landgericht E?oing der Kauf mann Willy Horn zu zwei Geldstrafen verurteilt worden. Er war Vertreter eines Schuldeneinziehungsbureaus und hatte zwei Leute mit der Eintragung in die Liste böswilliger Schuldner be droht, wenn sie nicht zahlen würden. — Die Revision des An geklagten wurde am 12. Mai 1905 vom Reichsgericht verworfen. Lentze. Konkurs Deutscher Architektur - Verlag. Leipzig. (Vgl. Nr. 71 d. Bl.) — Die Firma Deutscher Architektur- Verlag. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Leipzig. Keil straße 1, vertreten durch ihren Geschäftsführer, hat beantragt, das über ihr Vermögen eröffnete Konkursverfahren einzustellen. Dieser Antrag und die Zustimmungserklärungen der bekannten Gläubiger sind auf der Gerichtsschreiberei des Konkursgerichts zur Einsicht der Konkursgläubiger niedergelegt. Nach § 203 der Kon kursordnung können die Konkursgläubiger binnen einer Woche Widerspruch gegen diesen Antrag erheben. (Leipziger Neueste Nachrichten.) Berichtigung.— Ein unliebsamer Fehler in der fünftletzten Zeile der Gottfried Kellerschen Strophe, mit der die Schiller-Fest rede des Herrn Professors vr. Witkowski (Leipzig) in Nr. 108 d. Bl. vom 11. Mai schließt, sei hiermit berichtigt. Statt »unweiser Schönheit, muß es heißen: -urweiser Schönheit«. Red. Ein zeitgenössischer Bericht über Schillers Tod. — Als einen zeitgenössischen Bericht über Schillers Tod und inter essanten Beitrag zur Schiller-Feier gibt die Allgemeine Zeitung (München) Nr. 213 vom 9. Mai 1905 den Artikel buchstabengetreu wieder, den die Allgemeine Zeitung, oder wie sie damals hieß: die -Kaiserlich und Kurpfalzbairisch privilegirte Allgemeine Zeitung., an der Spitze ihrer Nr. 149 vom Mittwoch, den 29. Mai 1805 gebracht hat. Dieser Bericht sei auch hier wieder gegeben: »Nicht unerwartet den nähern Beobachtern und Freunden, aber schreckbar und überraschend allen entfernten Verehrern und dem allgemeinen Publikum war der Schlag, der den geliebtesten Lieblingsdichter der Nation aus unsrer Mitte in die lichtvollern Regionen versezte, wo jene berühmten drei Worte des Glaubens in Schauen übergehen, und die Poesie des Lebens sich nicht blos an Schattenbildern vergnüget. Den 9. Mai Abends um 6 Uhr entschlummerte Friedrich von Schiller in Weimar in seinem 45 Jahre an den Folgen einer Brustentzündung, oder, wie andere es lieber nennen mögen, eines Nervenschlags. Er hatte den ganzen Winter viel gekränkelt, und die Folgen einer höchstgefährlichen Krankheit, die ihn im Spätsommer während seines Aufenthalts in Jena überfiel, nicht alle beseitigen können. Dennoch war er voll froher Hoffnungen und genialischer Entwürfe. Es galt einer dramatischen Schöpfung, die, wie er vertrauten Freunden versicherte, selbst seine gelungenste, seine Jungfrau von Orleans, übertreffen würde. Ja, schon hatte er einen sehnsuchtsvollen Blik auf wärmere Klimate und vaterländische Nebhügel ge worfen, die er vielleicht in diesem Sommer noch begrüssen könnte. Cr schrieb noch wenige Tage vor seinem Tod muntere Briefe an seine Freunde voll gemüthlicher Heiter keit und grünender Lebenshoffnung. Drei Tage vor seinem Tod überfiel ihn die tödtliche Krankheit, die in einzelnen Momenten ihn selbst in andre Gefilde und ganz fremdartige Jdeenver- bindungen entrükt zu haben schien. An seinem Todestage früh kam er zu seinem völligen Vewußtseyn zurük, und sagte den Theuren, die um sein Bette standen, er finde sich sehr erleichtert, und habe in den lezten Stunden über manches dunkle Räthsel des Lebens wichtige Aufschlüsse erhalten. Doch bald trat der lezte gewaltsame Kampf ein, nach welchem er sehr ruhig und sanft mehrerer Aerzte geöfnet, wo sich bei der Sektion zeigte, daß weder die zufällige Abwesenheit seines treflichen Arztes, des Herzog!. Leib-Arztes, geh. Hofraths Stark in Jena, noch irgend eine andre, leicht zu vermeidende Veranlassung die Ursache seines so frühen und schnellen Todes gewesen sey. Die edelsten Eingeweide fanden sich in der größten Zerrüttung und Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 72. Jahrgang. Auflösung. Der rechte Lungenflügel war ganz angewachsen und kaum sichtbar, der linke bis an die 3 und 4 Ribbe zwar nicht ver wachsen, aber in Eiterung. Herz und Leber waren so angegriffen, daß sie sich sogleich in Fasern auflösen liessen; alles war entzündet, die Gedärme fast völlig verschrumpft. Bei einem solchen Zu stand der edelsten Lebenstheile grenzt es ans Wunderbare, daß er sein Leben noch so lange fristen und seine Geistesthätigkeit selbst beim Gebrauch heftiger Reizmittel mit so groser Gemalt über sich selbst behaupten konnte. Nur die Kunst seines wakern Arztes und die seltene Energie seines innern Menschen konnten dis Wunder bewürken. Allgemeine Trauer ergriff die gebildeteren Einwohner Weimars, vor allen die sich ganz verwaist fühlenden, von Schiller mit väterlicher Güte behandelten, Schauspieler des Herzog!. Hoftheaters. Sie vermochten nicht, zwei Tage nach seinem Tode eine Vorstellung zu geben, und es mußte daher durch einen gedrukten Zettel das Publikum davon benachrichtigt werden, daß fürs erste wegen des allgemein beklagten Trauerfalls keine Vorstellung Statt fände. Der Zustand der Leiche machte eine schnelle Beisetzung nöthig, und sie wurde schon in der Nacht zwischen dem 10. und 11. Mai einstweilen in ein Grabgewölbe gebracht, bis der Herzog, der bei der preusischen Revüe in Magdeburg sich befand, zurückgekommen wäre und weitere Dis positionen (hoffentlich zu einem des Dichters würdigen Grabmal im herzogl. Park an der Ilm) gemacht hätte. Freiwillig er boten sich einige edle junge Männer, die Leiche auf ihren Schultern hinauszutragcn. Am Sonntag den 12. Mai wurde für ihn in der Schloßkirche eine religiöse Todtenfeier veranstaltet. Die Kirche faßte die herbeiströmende Menge nicht. Passende Stellen aus Mozarts Requiem wurden von der herzogl. Hofkapelle auf- Stelle selbst Schillers allgesungenes Lied an die Freude berührte, und über der ganzen Todtenhandlung ergoß sich ein seltenes Ge fühl der Wehmuth. Fast laut schluchzeten die in tiefe Trauer ge- Tod seines geliebten Schillers verborgen hatte. Mit diesen Parentalien wird dann die Bühne in Weimar geschlossen, und im Bade zu Lauchstädt eröfnet werden. Hart trist dieser Schlag die verwaisete Familie des Dichters. Seine edle Gattin, die allein in ihm lebte, und im Besiz dieses Mannes sich unaussprechlich glüklich fühlte, unterlag fast dem unendlichen Schmerz. Die erste Linderung kam von der allverehrten Grosfürstin Maria Paulowna, die bald nach ihrer Nükkunft (sie war auf der Leipziger Messe gewesen) erklärte, daß sie zwei Söhne des Dichters (er hinterläßt im Ganzen 4 Kinder) ganz in ihre Versorgung nehme. Sie hatte erst vor wenig Tagen in Leipzig sein neuestes Produkt: die Huldigung der Künste, dis zierliche kleine Drama, womit sie bei ihrem ersten Eintritt ins Weimarische Theater empfangen worden war, und was Cotta auch noch besonders (ausser dem ersten Teil der dramatischen Werke, wo es den ersten Plaz einnimmt) abdruken ließ, mit reinem Wohlgefallen empfangen. Noch härter trist dieser Schlag Deutschlands verwaisete Schau bühnen und die an Dichtergenüsse, wie sie unsre immer schwerer zu befriedigende Zeitgenossen fordern, immer mehr verarmende Literatur. So erlebte der Dichter nicht einmal die so eben bei Crusius in Leipzig veranstaltete prächtige Ausgabe seiner Gedichte, erste Theil in Kurzem bei Cotta im anständigsten Gewände er scheinen wird, nur bis zur Vollendung des ersten Theils führen, worin jedoch auch noch die Johanna ganz von ihm aufs neue verbessert und durchgesehen erscheinen wird. So viel zur vor läufigen Anzeige! Diese Zeitung, die ihm selbst zum Teil ihr Daseyn verdankt, da er sich Anfangs mit Posselt zu ihrer Herausgabe vereinigen wollte, macht sichs zur Pflicht, bald noch einmal über Schiller den Dichter und Menschen zu sprechen, und die drei Hauptabschnitte seines Lebens, seine sturmvolle, oft in umrißlosen Riesengebilden sich verlierende Jugend, seine Schulen, die, nachdem er Mannheim verlassen, mit seinem ersten Aufenthalt in Dresden anfangen, und mit der Professur in Jena enden, und seine Vollendung, die man von seinemBunde mit Göthe an rechnen muß, mit einigen Marksteinen zu be- 607
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