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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.07.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-07-03
- Erscheinungsdatum
- 03.07.1905
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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^ 151, 3. Juli 1905. Nichtamtlicher Teil. 6061 welche Folgerungen in der Richtung eines neuen gesetz geberischen Aktes zu ziehen. Wir verhehlen uns dabei keines wegs , daß dem wiederholten Ruf nach staatlicher Hilfe ein berechtigter Kern innewohnt, aber wir sind grund sätzlich gegen jeden Polizeiparagraphen auf diesem Ge biet. So reinigend mit seiner Hilfe eine nach jeder Seite hin Werturteil wie wir das vorhandene Material sichtet. Was heißt denn das »Schmutz in Wort und Bild?» Im Sinne unsrer Sittlichkeitsapostel erstreckt sich der Begriff zunächst nur auf das, Und die Tugendwächter strengster Observanz begreifen darunter schlechthin alles Sexuelle überhaupt. Wir möchten für unsre kurze Betrachtung die Werke rein wissenschaftlicher Art ganz aus schließen. Allerdings gibt es da auf dem Grenzgebiet die von jener das Mäntelchen und von dieser den Zweck borgt. Am häufigsten fand ich diese — übrigens sehr, fad und langweilig geschriebenen — Machwerke in den fliegenden Buden der Meßbuchhändler. Aber auch die Jnseratenseiten mancher Zeitschriften enthalten eine ganze Bibliographie solcher Erscheinungen. Gerade diese Bücher, deren Verschwinden gewiß graphen am seltensten zu fangen. Sie berufen sich auf ihre angeblich rein wissenschaftliche Absicht, und man wird ihnen das Gegenteil gewöhnlich nicht beweisen können. Psycho logische Beweise sind nicht gerichtsfähig. Hier hilft nur ein Mittel, wirklich ernste und gut geschriebene Aufklärungsschriften in billigen Ausgaben zu verbreiten. Denn daß eine auf naturwissenschaftlicher Grundlage beruhende Erkenntnis aller Einzelheiten unseres Geschlechtslebens die erste Bedingung für einen erfolgreichen Kampf gegen allen pornographischen Schmutz ist, bedarf wohl keiner Erörterung. Wir können bei dieser Gelegenheit den Wunsch nicht unterdrücken, daß von Wilhelm Bölsches »Liebesleben in der Natur« recht bald eine billige Volks ausgabe, etwa in der Art von Haeckels Welträtseln veranstaltet werden möchte. Das dreibändige Werk kostet jetzt immer noch 18 Wir wissen aber keines, das besser geeignet wäre, eine freie, lichtfreudige Sexualethik zu begründen als dieses. Von dem, was unter der Flagge künstlerischer Motive segelt, können die kleinen Witzblätter, wie Satyr, Sekt, das kleine Witz blatt u. a. gut wegfallen. Ihnen weint niemand eine Thräne nach — als höchstens der Verleger. Gefährlich erscheinen sie uns weniger um ihrer Lascivität als vielmehr um der Dürftigkeit ihrer Mittel willen, die den Geschmack verdirbt. Eine geist reiche Zote kann in gewissem Sinne ästhetisch wirken, aber jenes Frivolseinwollen, das doch um des lieben Geldbeutels willen nach dem Staatsanwalt schielt, diese geistreichelnde Frechheit geist loser Witzeschreiber, die sich mühsam ihr Mousseux abquälen, ist im höchsten Grade albern und langweilig. Ein bischen mehr ästhetische Durchbildung des großen Publikums! Dann verschwinden diese Zehnpfennigschundheftchen von selber. Daß sie bestehen können, ist nicht ein Zeichen der Unsittlichkeit unsrer Zeit, sondern ein bedenkliches Symptom mangelnder Kultur. Die aber kann nur von innen heraus geschaffen werden, niemals durch ge setzliche Richtlinien. Um offenbare Gemeinheiten zu unterdrücken, dazu reicht die staatliche Gewalt auch jetzt schon aus, und wir meinen, auch der gesunde Sinn der überwiegenden Mehrheit des Volkes. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 72. Jahrgang. Dem Einwand der Allzukeuschen, das selbst ein reines Kunstwerk mit der Darstellung des Nackten oder (in der Literatur) mit der Behandlung geschlechtlicher Probleme auf ein schwaches Gemüt entsittlichend wirken könnte, stellen wir wieder die Forderung nach tieferer ästhetischer Durchbildung entgegen. Das Feigenblatt in allerlei Gestalt ist ein trauriges Wahrzeichen unsrer lichtscheuen Moral. In jedem Museum beinahe kann man jene scheußliche Entstellung antiker Plastiken beobachten. Ich muß gestehen, ich empfinde den Anblick direkt als unanständig. Noch eine Stufe tiefer hinab zum Reich der Lächerlichkeit steht dann die Tat des Elberfelder Rektors, der seinen Schülern den Schiller ver stümmelte, zur höhern Ehre deutscher Sittlichkeit. Jedes unbe dingte Zurückschrecken vor der Berührung sexueller Fragen ist gleichbedeutend mit der Unfähigkeit ethische Werte überhaupt zu empfinden und gegeneinander abzuwägen. Neue Aussichten für Briefmarkensammler. — In der Münchener »Allgem. Zeitung» werden folgende Anregungen gegeben: Kürzlich war davon die Rede, wie die Postverwaltungen von Tunis und von Italien im Begriffe ständen, der Welt jener Sammler, die in der Marke nicht nur den prosaischen Gebrauchs gegenstand, sondern einen Ausdruck der geistigen Kultur der Zeit und des Landes sehen, durch die Ausgabe künstlerisch erfundener und ausgestatteter Briefmarken eine freudige Überraschung zu be reiten. Mit Recht wurde dabei betont, welch wichtige Erziehungs mittel zur Entwicklung des Schönheitssinnes in so allgemein an gewendeten Gegenständen des täglichen Gebrauches, wie Münzen und Briefmarken, gegeben sind und wie wenig die freundlichen, aber doch lächerlichen Wappentiere auf den bayrischen und die schon oft gewürdigte Germania auf den Reichspostmarken von diesem erzieherischen Teil ihres Berufes durchdrungen erscheinen. Die Vernachlässigung der äußeren Erscheinung der Postwertzeichen ist aber auch aus einem sehr nüchternen materiellen Grund zu bedauern. Jedes solche Wertzeichen wird, wenn es in dürftiger, gleichgültiger oder gar abstoßender Erscheinung die Grenzen des Ursprungslandes überschreitet, unbeachtet und wirkungslos ver schwinden. während dasselbe Zeichen in eindrucksvoller, interessanter und künstlerisch bedeutsamer Ausführung jeden Tag, in allen Richtungen der Windrose, nach allen Orten der Welt die Nachricht von der künstlerischen und technischen Leistungsfähigkeit der Heimat bringt und so in unablässiger Wirkung allmählich die Geister der Besteller gefangen nimmt. Und wenn auch nicht schon heute das Gespenst der Monotonie, wie es immer lähmender die phila- telistischen Bestrebungen zu umklammern droht, zu bekämpfen märe, so müßte die allgemein wirtschaftliche Bedeutung der Sache auf eine Erhöhung der Mannigfaltigkeit und Wirksamkeit dieses allgegenwärtigen nationalen Reklame mittels hindrängen. Eine weitsichtige Perspektive in dieser Richtung eröffnet eine vor einiger Zeit von der württember- gischen Postverwaltung für die Frankierung von Massen sendungen im Lokalverkehr getroffene Einrichtung. Die Neue mittelbar auf der zur Post gegebenen Sendung, genau wie dies bei Postkarten, Kartenbriefen, Postanweisungen der Fall, angebracht, nicht aber an einer zentralen Stelle — in einer gemeinsamen Druckerei —, sondern am Ort des Bedarfes, und nicht im Vorrat, sondern im Umfange des augenblicklichen Bedarfes erzeugt wird. Insofern das Wertzeichen zugleich mit der An bringung auf der zu frankierenden Sendung Ort und Zeit der Her stellung angibt, sind hierbei Herstellung des Wertzeichens und Ent wertung in einen einzigen Vorgang verschmolzen, so daß die sonst notwendige Entwertung wegfällt. Es kommt also in diesen Wert zeichen der Darstellung von Ort und Zeit eine entscheidende Be deutung zu. Die Angabe der Zeit geschieht durch einige Zahlen und gibt kein besonders wirksames Moment für das Bild des Wert zeichens an die Hand. Dagegen kann die Angabe des Ortes in der mannigfachsten Weise zur Erzielung eines wirkungsvollen und künstlerisch bedeutsamen Gesamtbildes verwendet werden. Sie kann beispielsweise aus einer Gesamtansicht des Aufgabeorts oder aus der Darstellung irgend eines Teils des letztern, eines charakteristischen Platzes, einer Straße, eines berühmten Bauwerks, 800
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