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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.11.1912
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1912-11-21
- Erscheinungsdatum
- 21.11.1912
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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14712 «örsnidl-tt d. Dtschn. «llchhandil. Nichtamtlicher Teil. 271, 21. November 1812. zierung benötigt, besonders bevorzugt würden. Daß aber Molkereigcschäfte, Handlungen mit photographischen Artikeln, Rcisebnrcaux ufw. als für den Vertrieb passend erachtet wer den, der Buchhandel dagegen soviel wie ganz ausgeschaltet wird, dies liefert wieder eine nette Illustration zu der Tatsache, daß der Buchhändler vom Staat im allgemeinen als geduldiges Lamm angesehen wird. Ein Muster von Sanftmut ist er aller dings, da er sich immer und immer wieder solche Zurück setzungen gefallen läßt. Wäre nun wenigstens denen, die die ersten Nieten in dieser Staatslotterie gezogen haben, der Trost geblieben, als »Mittelspersonen«, wie sie die offiziellen Be dingungen zulassen, zu wirken. Aber nach den neuesten Inter pretationen dürfen solche Stellen an Orten, an denen sich Ein nehmer befinden, überhaupt nicht übernommen werden. Diese Auslegung bedeutet demnach eine gleichgültige Handbewegung, die den Buchhandel von diesem grünen Tisch einfach wegwischt. Traurig genug ist es, daß der Sortimenter nach derartigen Nebeneinnahmcn besonders begierig sein muß. Solange jedoch das Buch ein Luxusartikel ist und solange nicht jeder wie für seine äußere Repräsentation, für seine Kleidung, alljährlich eine gewisse Summe für seine Fortbildung mitberechnet, so lange bleiben auch viele Buchhändler auf Nebeneinkünfte aus Jnseratenpachten, Devotionalien, Papierwarcn usw. angewie sen. Bis zu jener goldenen Zeit hat es aber leider noch gute Wege. Wir müssen immer noch alle Erwerbsmöglich keiten gespannt verfolgen und sind dabei stets von den Zeit läuften mehr oder weniger abhängig. Wenn uns der Balkan krieg auch jetzt einen kleinen Absatz an Kricgskarten usw. bringt, so läßt sich doch leider recht sehr befürchten, daß die durch ihn bewirkte Krisis an der Börse, daß die dräuenden Wolken am politischen Horizont den Wohlhabenden die Hand für Luxusartikel verschließen, daß wir daher mit einer De pression für das Weihnachtsgeschäft zu rechnen haben. Je teurer das Geld ist, um so billiger sind immer die Gründe, die der Buchhändler für den Ausfall zu hören bekommt. Die wenigen Schwabinger, die »ns der Balkankrieg weggeführt hat, hätten also, obwohl die Studierenden aus dem Balkan ganz gute Bücherkäufer sind und oft für Bücher mehr ausgeben, als der crbgesessene Münchner, nicht viel zu bedeuten. Die Herab- Minderung der allgemeinen Kauflust jedoch werden wir wohl nicht einmal durch erhöhte Anstrengungen ausgleichen können. Während sich nun auf der Weltbllhne Ereignisse abspic- len, die möglicherweise in ihren Endwirkungen unser ganzes Kultnrgebäude erschüttern, nehmen wir hier an den Schicksalen der kleinen Welt teil, die uns deutsche Autoren in ihren Neu schöpfungen schildern. Von allen Uraufführungen hatte Lud wig Thoma's Magdalena die stärkste Wirkung. Dieses Volks schauspiel, wie es der Verfasser bezeichnet hat, errang hier in München einen allgemeinen, wie er gern charakterisiert wird, »durchschlagenden« Erfolg. Es ist Wohl auch das beste Werk Thoma's. Die meisterhafte Darstellung der Magdalena, die in ihrer Geistesarmut nichts darin findet, wenn sie sich preis- gibt, läßt das Werk berechtigt neben Sudermanns Ehre und Hauptmanns Weber stellen. Wir Buchhändler können es je- dem, der sich für gute naturalistische Schilderung gewinnen läßt, mit bestem Gewissen empfehlen. Für die holde Siebzehn, für saffianweiche Gemüter ist es natürlich nichts. Wer sich in diese glänzende Darstellung einer an Geist Armen hineinlebt, der lernt, daß alles Verstehen alles Ver zeihen heißt, daß wir in der organischen Veranlagung, in der Einwirkung des ganzen Umgebungskreises die stärksten und nachhaltigsten Triebe für unsere Handlungen zu suchen haben. Bis diese natürliche Beurteilung in Fleisch und Blut über- gcgangen ist, werden aber noch Generationen vergehen. Unsere heutige Erziehungsmethode hat ja diese Umwandlung ethischer Wertung in ihr Programm ausgenommen, so daß wir also annehmen können, dätz in absehbarer Zeit die Kennt nis der wechselseitigen Wirkung zwischen körperlicher und da mit geistiger Veranlagung und der Erziehung Allgemeingut wird. Aus allen Vorträgen des hier am 3., 4. u. 5. Oktober abgehaltenen zweiten Deutschen Kongresses für Jugend bildung und Jugendkunde klang das »Losungswort für die Schulsysteme: ,Begabuugsschulc, nicht Einheitsschule', Bega bung im Sinne der Qualität, nicht Quantität«. Ein Zweites aber, das besonders in den Ausführungen vr. Kerschensteiners verlangt wurde, die Erziehung für das Praktische Leben durch stärkere Einfügung des Werkstattunterrichts, findet eine wesent liche Unterstützung durch unser Deutsches Museum, das ein wahrhaft riesiges und dabei einzig dastehendes Material birgt. Die neunte Sitzung des Deutschen Museums ergab, daß schon 1914 mit den Jnstallationsarbeiten begonnen werden kann, 1915 demnach die Eröffnung dieser gemeinsamen Muster sammlung aller deutschen Staaten zu erwarten ist. Sie bringt, wie schon aus den jetzt noch geteilt in der Maximilianstratze und in der Zweibrückenstraße bestehenden Ausstellungen zu sehen ist, einen überwältigenden Stoff, der die Fortschritte der Natur wissenschaften, der Technik und der Industrie zeigt. Dabei bieten Anordnung und Form immer Neues. Jeder Gegenstand wird von der ersten Stufe seiner Herstellung bis zur Vollendung gezeigt. Von den einzelnen Maschinen und Apparaten sind Durchschnitte aufgestellt, die das Jneinander- greifen der einzelnen Teile darstellen. Besonders Sinnfälliges, wie die Elektrisiermaschinen und der Röntgenapparat, wird vom Publikum, das es frei erproben kann, immer untersucht. Wohin man schaut, überall ist kostbares Anschauungsmaterial, ist reicher Stoff zur Belehrung vorhanden. Die Fremden, die durch vieles Reisen Vergleichsmöglichkeit gewonnen haben, zollen uns unbeschränkte Anerkennung, bezeichnen das Museum schon jetzt als einzig dastehend in der Welt. Es strömen deshalb auch Gaben von allen Seiten herbei, selbst aus Amerika sind der dorthin entsandten Studienkommission des Deutschen Mu seums verschiedene Modelle zugefagt worden. Ja ein Ameri kaner hat dem Museum an Geld mehr gestiftet, als die im Frühjahr entsandte Studienkommission kostete. Ist der Bau auf der Kohleninsel vollendet, sind alle Stiftungen erst aufgestellt, dann werden wir so recht sehen, daß hier »ein Kultur element ersten Ranges« geschaffen wurde. Und wir werden stolz sein auf dies Ansehen heischende Wahrzeichen deutscher Kraft, deutschen Fleißes und deutscher Einigkeit. G. Recknagel. Carl Meißner: „Der schwere Weg", Dichtung. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1912. 1.50 ord. „ „ „Im Schauender Dinge", Ge- dichte. Ebenda. 1912. 2.- ord. Der Verfasser vorstehender Dichtungen ist dem Buchhandel nicht unbekannt. Er hat ihm selbst eine Zeitlang angehört, bevor er sich der schriftstellerischen Laufbahn zuwandte. Noch bekannter im Buch handel ist der Name feines Vaters Carl Meißner in Elbing, der längere Zeit als Besitzer der gleichnamigen, noch jetzt bestehenden Buchhandlung an der Spitze des deutschen Sortiments im Kampf um bessere Existenzbedingungen stand. Darum erscheint es uns berechtigt, daß der obigen beiden kürzlich erschienenen Bücher auch in dieser Zeitschrift gedacht wird. Carl Meißner hat als Kunstschriftsteller und Mitarbeiter des Kunstworts einen guten Nus, als Poet war er uns bisher nicht bekannt. Jetzt tritt er gleich mit zwei Büchern auf einmal an die Öffentlichkeit. Das erste »Der schwere Weg« ist ein schwer mütiger Sang eines, den die Pflicht gegen die Mutter fünfzehn lange Jahre an die Enge der Kleinstadt mit ihrem» erdrückenden Philister tum fesselte, bis ihm die Schwingen brachen und er selbst äußerlich ein Kleinstädter wurde, sich bescheidcnd mit dem Los, das ihm ein hartes Geschick auferlegte, aber durch sein reiches Innenleben sich die kleine Umwelt weitend. Es sind je nach der Stimmung und
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