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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.02.1876
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1876-02-09
- Erscheinungsdatum
- 09.02.1876
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- Deutsch
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Nichtamtlicher Theil. 32, g. Februar. ^/4 guten Schulkenntnissen, namentlich in den alten und neuen Sprachen, ausgerüstet zu dem Buchhändler C. E. Bahn in Hamburg in die Lehre. Er bildete sich rasch zum Geschäftsmanne, so daß er schon im dritten Lehrjahre die Verwaltung eines Filialgeschästes in Kiel mit Erfolg übernehmen konnte. In Hamburg war er mit Friedrich Perthes befreundet geworden, und als Letzterer 1796 in Hamburg seine eigene Buchhandlung begründete, beschlossen die Beiden, sich zu associircn; B. sollte sich nach London wende», um dort ei» wissen schaftliches Lesecabinet zur Förderung eines regeren literarischen Verkehrs zwischen England und Deutschland zu errichten, für wel chen Zweck er nach Güttingen ging, seine Kenntnisse zu erweitern und Vorstudien aus der dortigen Bibliothek zu treiben. Der Plan scheiterte an den mißlichen Zeitverhältnissen und B. wirkte zusammen mit Perthes in erfolgreichster Weise, trotzdem Beide ohne Vermögen waren und ihre Handlung nur auf Credit beruhte, der ihnen aller dings von allen Seiten mit vollsten! Vertrauen gewährt wurde. Hambnrg war damals der Mittelpunkt des Welthandels und der größten politischen Bewegungen, und so konnten Perthes und B. die weitverzweigtesten buchhändlerischen Beziehungen in allen Ländern mit großem Erfolge unterhalten. Indessen die Jahre von 1806—l l hatten die schwierigsten Kämpfe für sie im Gefolge und nur mit äußerster Anstrengung vermochten die Beiden ihren ge schäftlichen Verpflichtungen nachzukommen, in welcher Zeit der höch sten Noth sich B. stets von großer Ruhe und Besonnenheit erwies. Bei Beginn der französischen Herrschaft 1811 nahm das Geschäft einen ungeahnten Aufschwung; in Hamburg allein war Gelegenheit, Bücher in das Reich zu bringen, während dies auf der ganzenDonancn- linie der neuen Departements bis Amsterdam unmöglich war, und der Biichcrbedarf war ein sehr großer; in allen Justiz- und Admi- nistrationsfächcrn, wie in allen übrigen Zweigen des öffentlichen Lebens mußte man sich mit dem von der neuen Regierung Ausge- drängteu bekannt machen, und Perthes und B. deckten von Hamburg aus einen großen Theil des Bücherbedarss in Deutschland. Ihr Geschäft war außerdem von der Mortier'schen Besetzung Hamburgs an bis zum Davoust'schen Gouvernement ein Sammelplatz aller Mi litär- und Civil-Autoritäten, trotzdem die Besitzer keineswegs ihre echt deutsche Gesinnung verbargen und namentlich B. oft in kühnster Weise im Gespräch sich exponirtc. Selbstverständlich betheiligte sich B. denn auch bei dem Hamburger Aufstande 1813, was zur Folge hatte, daß bei dem Wicdereinrücken der Franzosen das Geschäft mit Beschlag belegt wurde ; die Besitzer waren geflohen, der Ruin schien unabwendbar, Perthes' Vermögen wurde confiscirt, seine Wohnung zur Kaserne umgewandelt; in Kiel trafen sich die Freunde, um über die Zukunft einen Entschluß zu sasscu. Nach der politischen Entschei dung 1814 gingenBeide mit Gottvertrauen daran, aus den Trüm mern des früher so blühenden Geschäftes sich ein neues zu erbauen, und wurden dabei überall mit demselben Credit unterstützt, den man ihnen schon früher unbedingt gewährt hatte. B. wandte sich zunächst nach England, um nach Aushebung der Contincntalsperrc das erste Begehren nach deutscher Literatur zu benutzen; Perthes ging nach Hamburg zur Wiederherstellung der Handlung und Beide opcrirtcn so geschickt und glücklich, daß innerhalb zweier Jahre sämmtliche rückständige Verpflichtungen erfüllt waren. Von der Zeit ist das Glück dem Geschäfte treu geblieben und gelangte die Firma Perthes und B. zu großem Ansehen. Vom Jahre 1822 an widmete sich B., nachdem Perthes den Geschäftszweig des Verlages übernommen, mit seinem Schwiegersohn Mauke dem alleinigen Betriebe des Sortiments, wobei er, inmitten der erfolgreichsten Thätigkeit, 1826 vom Tode überrascht wurde. B. besaß eine seltene, umfassende Kenntnis; der Literatur aller Völker, und aus seiner geschäftlichen Thätigkeit ließe sich manches für die Geschichte seiner Zeit und jener Literaturepoche nicht Unbedeutende hervorheben, wofür indessen hier nicht der Raum ist. Für seine Familie war er ein Muster echt deutschen Wesens und selten mag so viel Tiefe, Gründ lichkeit und Eigcnthümlichkeit des Geistes mit so viel Milde und Weichheit vereint gefunden werden. Er hinterlicß drei Söhne, von denen zwei dem Buchhandel sich zuwandtcn: der älteste Carl Heinrich Wilhelm B., geb. 1. Decbr. 1808 in Hamburg, erwarb in Berlin das Eichlcr'sche Antiquariat und entwickelte dann, indem er sich namentlich dem Sortimcntsgeschäste zuwandte, unter der Firma Besser'schc Buchhandlung eine außerordentliche Thätigkeit; seine Buchhandlung wurde ein Sammelplatz der Berliner Gclehrtcn- welt, und von den damals jüngern Männern traten ihm manche auch persönlich nahe, wie z. B. die Brüder Curtius, Wattenbach, von Schlözer u. A. Erstarb im Juli 1848, nachdem sein Sorti- mentsgeschäft im Jahre 1847 durch Kauf an Wilhelm Hertz übcr- gegangen war, der die Besser'sche Buchhandlung zu hervorragender Bedeutung geführt hat und noch heute besitzt. Der Verlag ging nach dem Tode von Wilhelm B. an Franz Duncker in Berlin über. Rudolf B. war von 1836 bis 1853 mit seinem Schwager Mauke Besitzer der Hamburger Buchhandlung Perthes-Bcsser L Mauke (jetzt W. Mauke Söhne), gründete 1854 unter seinem Namen ein Verlagsgeschäst in Stuttgart, das er 1858 als Thcilhaber von Justus Perthes' geograph. Anstalt nach Gotha verlegte. Hier lebt er jetzt noch. Der jüngste Sohn Heinrich B. (geb. 1813, gest. 1860) war Kaufmann. 30) Biel: Friedrich B., erster Buchdrucker der Stadt Basel, wo er im I. 1472 zusammen mit Michael Wenßler „6a»xarim kerxainonsis (llorxoinovsis) epiotolso" druckte, dem er 1474 den „Sasscnspiegcl", 255 Blätter in Folio („gecorrigieret von Theo- doricus von Bockstorf, Bischof zu Neucnburg") folgen ließ. Auch das 1474 ohne Angabe des Druckortes erschienene „ liepartorluw juris" von Johannes Calderini, 60 Blätter in Folio, wird ihm zu geschrieben. Misccllcn. Notiz für die oesterreichischen Verleger. — So wieder deutsche Buchhandel bestrebt ist, seinen Geschäftsgang zu vereinfachen und praktischer zu gestalten, so beharrt der oesterreichische bei seinen alten Gebräuchen und Einrichtungen. Einer der unangenehmsten Mißstände ist die Ordinär-und Netto-Rcchnung zugleich. Gegen eine durchgehende Ordinär-Rechnung ließe sich nicht viel einwenden, wie wohl auch diese umständlich ist; der oesterreichische (hauptsächlich der Wiener) Verleger berechnet aber nach Belieben und Willkür ein Buch mit Ordinär, das andere mit Netto. Daß dieses den Geschäftsgang — Einträgen der Facturen, Remittenden, Disponeuden und die Ab rechnung — bedeutend erschwert und zu Jrrthümern Veranlassung gibt, ist einleuchtend genug. Die meisten Firmen in den Provinzial- städtcn sind von dieser doppelten Rechnerei abgckommen. Nur Wien, obenan seine größten Verleger haben dieselbe bcibehalten. Den besten Beweis, daß diese Doppelrechnung und selbst die Ordinär-Rechnung unpraktisch, ja unhaltbar ist, bietet der deutsche Buchhandel, woselbst sie früher viel verbreitet,'fast allgemein war, zu Anfang der 70 er Jahre aber nur noch von vereinzelten Firmen bcibehalten war und jetzt mit Einführung der Markrcchnung vollständig verschwunden ist. Charakteristisch ist noch, daß dieselben Firmen im Verkehr mit dem deutschen und ausländischen Buchhandel diese Doppclrechnung nicht in Anwendung bringen. — Die 4 Proc. Sconto, den die Wiener Handlungen vom Absätze der Ordinärbücher den oesterreichischen Firmen gewähren, lassen sich leicht ans irgend eine Art ausglcichen; der fragliche Zopf sollte unter allen Umständen aus Oesterreich verschwinden. U. I-.
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