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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.06.1913
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1913-06-16
- Erscheinungsdatum
- 16.06.1913
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- Deutsch
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^ 136, 1k. Junt 1813. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 6413 iFortsetznng zu Seite «Z7S.> geht in jedem Gewerbe so. Aber dieses Fürchten nach allen Richtungen hin ist des vornehmsten Handelsstandes unwürdig. Die geschätzten Leser unseres Blatts mögen mir verzeihen, wenn ich sie an eine uralte Geschichte erinnere. Ich glaube, es waren fünf sibyllinische Bücher. Nach der Überlieferung forderte die Sibylle einen unerhörten Preis dafür. Der König lehnte ab. Da warf sie eins ins Feuer und verlangte am nächsten Tag den gleichen Preis für die vier und so fort, bis es drei waren. Da zahlte der König für drei, was fünf gekostet hätten. Diese weise Frau sollten wir zur Schutzheiligen unseres Gewerbes ernen nen und von ihr lernen, erstlich nichts zu fürchten, am wenigsten den Kientopp, und zweitens, unsere Preise zu erhöhen, denn unsere Ware ist's wert, und wir müssen die Menschheit dazu er ziehen, sie hoch einzuschätzcn. Es geht, aber es wird nie gehen mit Ramschpreisen. Ludwigshafen (Bodensec). vr. Heinrich Lhotzky. Einen großen Einfluß aus Literatur und Buchhandel ver spreche ich mir von der überhandnehmenden Kinoleidenschaft des Publikums nicht. Im Gegenteil, ich glaube, daß die zunehmende Bequemlichkeit in der Konsumtion abenteuerlicher und sensa tioneller Vorgänge auf die Lektüre in ähnlicher Weise verflachend wirken wird, wie die Ansichtspostkarten es in Beziehung auf die Korrespondenz und den Briefstil getan haben. Aber so wenig wir das Telegramm und die Ansichtskarten wieder verbannen können, ebensowenig werden wir der Kinobequemlichkeit des Publikums Fesseln anlegen können, und es fragt sich nur, ob Lite ratur und Theater dieser Degeneration gegenüber noch einen fe sten Rückhalt in einem größeren Kreise Gebildeter behalten wer den. Da das Kino sich mit Vorliebe nur sensationellen Romanen und Vorgängen zuwendct, so kommt ja die edlere Literatur nicht in Betracht. Ich glaube, daß die Kinodarstellung eines sensa tionellen Romans diesem mindestens so viele Leser zusühren wird, als durch die Vorführung des Films ihm Leser entzogen werden. Auf keinen Fall dürfte ein Versuch, in diese leider nun einmal eingerissene Geschmacksverirrung einzugreifen, von Erfolg begleitet sein. Damit will ich gar nicht den Stab über das Kino brechen, das ja als Mittel für den Anschauungsunterricht kaum von einem anderen überboten werden kann. München. vr. Georg Hirth. Vom Kino verspreche ich mir nichts. Als Verleger sowohl, wie als Autor. Die Mode, Theaterstücke und Erzählungen zu »verfilmen« (schon das entsetzliche Wort drückt genug ausl), ist der unaufhaltbare Verfall. Dem Publikum, das bisher in den Büchern nur blätterte, um die vermeintlichen »Rosinen« herauszuklauben, wird der »Genuß« denkbar erleichtert: denn nur die »interessanten Stellen« flattern im Filmtheater über die weiße Wand. Die »Quintessenz«, der »Gang der Handlung«, die »Idee« der literarischen Erzeugnisse, wird dem Kinobesucher nunmehr vertraut; er fühlt sich nicht veranlaßt, hernach noch in einem Buche, das teurer ist als der Kinoplatz und mehr Zeit zur Bewältigung erfordert, als die nach Kilometern gemessenen leben den Photographien, längst Bekanntes wiederzukäuen. Auf das Sujet des Romans usw. kommt es dem Publikum an, und dar auf, daß der Autor »schön« und »spannend« schreibt. Die paar Hundert in Deutschland, die heute wissen, was ein Kunstwerk ist und was keines ist, diese sind doch nicht ausschlaggebend für den Absatz wertvoller Bücher. Kurz: der »Weg vom Kino zumBuche« ist möglich. Daß er je verkehrsreiche Heerstraße würde, ist nicht zu vermuten. Die Vereinigung der belletristischen Verleger wird gut daran tun, zu rechter Zeit sich in eine Konkurrenzfirma der Gaumont, Pathö frsres usw. umzuwandeln. München. Heinrich Franz Bachmair. Das Kino ist einmal da, und keine Macht der Erde, ge schweige denn ein Wunsch, könnte es wieder wegschasfen. Wie so viele andere Interessenten wird sich also auch der Buchhandel mit dieser Tatsache absinden müssen. Ich glaube, daß er das am besten tun lvird, wenn er aus dem Kino soviel Nutzen als mög lich zu ziehen trachtet; d. h. wenn er daran mitarbeitet, die schlechten Eigenschaften des Kinos zu beseitigen und die guten zu fördern. Eine gute, vielleicht die beste ist die Gewinnung neuer Schichten für Interessen höherer, geistiger Ordnung. Jedes Kino, das nicht ganz und gar aus der allertiefsten Stufe steht, hat in seiner Bilderfolge ein oder das andere, das den Ge sichtskreis erweitert und neue Eindrücke vermittelt; sogar das viel verschriene Abenteurerstllck tut es, indem es den Zuschauer in neue Gegenden, unter fremde Völker führt und ihm unbekannte Sitten und Gebräuche zeigt. In noch höherem Grade tut dies der Film der neuen Richtung, der einen spannenden Roman in bewegten Bildern borführt. Ich halte es für zweifellos, daß ein großer Teil des Kino-Publikums für spannenden Lesestoff ge wonnen werden könnte, und es ist, glaube ich, ein alles Er fahrungsgesetz, daß die meisten, wenn sie überhaupt erst für die ungewohnte Tätigkeit des Bücherlesens gewonnen sind, vom rein Stofflichen allmählich auch zum Jnhaltlichwertvollen aufsteigen. Sie dazu zu erziehen, ist dann allerdings die Aufgabe des Ver legers und des Sortimenters. Ein unternehmender Sortimenter sollte einmal den Versuch wagen, auf Kinoprogrammen Bücher und Zeitschriften in kluger Auswahl anzukündigen: zuerst billige Ausgaben, die in irgend welcher Beziehung zu den vorgeführten Filmen stehen, später all mählich auch bessere und teurere. Sollten sich unter den Zehn tausenden, die jetzt allabendlich »tzuo vaciis?« sehen, nicht viele finden, die durch den Film angeregt werden, den Roman zu lesen? Oder durch die Aufnahmen von Scotts und Amundsens Süd polfahrt zum Lesen irgendeiner einschlägigen volkstümlichen Reisebeschreibung? Ich denke, daß es in jeder Stadt einsichtige Kinounternehmer geben dürfte, die diesen Versuch gern fördern werden, weil ja auch sie in ihrem eigenen Interesse wünschen müssen, die geistige Stufe des Kinos und damit sein Ansehen zu heben. Deutlich zeigt sich ja im Kinobetriebe die Richtung, Besseres und Ein wandfreies zu bieten. Dadurch wird das Tätigkeitsgebiet des Buchhandels erweitert, und es eröffnen sich ihm gute Aussichten. Ich fasse also zusammen: Hinnehmcn, was nicht zu ändern ist, und daraus möglichst viel Nutzen für die Allgemeinheit und damit auch für sich selbst ziehen! Das kann aber der Buchhandel nur dadurch, daß er die Kinobesucher allmählich für das Lesen gewinnt und erzieht. Wien. Kais. Rat CarlColbert, Verwaltungsrat der Gesellschaft für graphische Industrie. Wir sind vollkommen Ihrer Meinung darüber, daß es zur zeit noch gar nicht möglich ist, festzustellen, ob der Kinematograph die belletristische Literatur in günstigem oder ungünstigem Sinne beeinflußt. Man kann deshalb auch jetzt noch nicht sagen, welche Partei recht behält, ob die, welche den Kinematographen seiner Ober flächlichkeit und Sensationslust wegen bekämpft, oder die, welche glaubt, daß weite Kreise durch den Kino den Weg zum Buche finden. Um letzteres festzustellen, sollte in jedem Falle beim Verkauf eines Romans zwecks kinematographischer Darstellung den Film- instituten die Verpflichtung auferlegt werden, daß bei der Vor führung des Films ein Hinweis auf die Buchausgabe erfolgt, und zwar unter genauer Anführung des Buchtitels und wenn mög lich auch des Verlags. Uns ist bis jetzt noch kein Fall bekannt geworden, wo sich durch die Verfilmung eines Romans der Buchabsatz nachweislich ge- hoben hätte. Leipzig. Grethlein L Co. Die Frage, ob die Verfilmung von Romanen dem Buchabsatz der verfilmten Werke nützt oder schadet, zu beantworten, dafür liegt für uns noch zu wenig Material vor. Man sollte aber eher glauben, daß die Verfilmung eines Romans, wenn sie das In teresse des Publikums gefunden hat, dem Absatz des betreffenden Buches nützt, in noch weiterem Maße, als dies bei viel ge spielten Dramen der Fall ist; denn schließlich ist die Verfilmung doch nur ein ungenügendes Surrogat für das Werk selbst, wäh rend die Darstellung eines Dramas in den meisten Fällen dem
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