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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.08.1878
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1878-08-07
- Erscheinungsdatum
- 07.08.1878
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
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- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18780807
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Erscheint anher Sonntag« täglich, — Bi« früh g Uhr eingehende Anzeigen komme» in der nächste» Nummer zur Ausnahme. für den Beiträge für das Börsenblatt find an die Redaction — Anzeigen aber an die Expedition desselben zu senden. Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. Eigenthum de« BörseuvereinS der Deutschen Buchhändler. ^7 182. Leipzig, Mittwoch den 7. August. 1878. Nichtamtlicher Theil. „Was ist Schleuderei?" Bei dem lebhaften Interesse, welches in unfern Tagen wieder einmal dem bekannten Usus des Rabattgebens von Seiten der Sorti menter an das Publicum gewidmet wird — absichtlich sagen wir „wieder einmal", denn die Sache selbst ist bekanntlich so alt wie der Buchhandel überhaupt —, bei diesem Interesse muß es Wunder nehmen, daß noch keiner der Wortführer, gleichviel ob pro oder contra, sich die Mühe gegeben hat, zu erörtern: was überhaupt „Schleuderei" in, Buchhandel zu bedeuten habe? So lange hier über nicht einmal eine Erklärung versucht, geschweige denn als zu treffend von der Mehrheit der Streitenden anerkannt wird, so lange sollte doch über die Sache selbst von verständigen Männern nicht länger ins Blaue hinein gefachten werden. Vor etwa vier Decennien (von so lange her datiren unsere Erinnerungen im Buchhandel) war es z. B. in Berlin üblich, den jenigen Kunden, welche Jahresrechnung hatten, als ein kleines Bene- ficium am Schluffe des Jahres von den sogenannten Ordinärpreisen einen Abzug von 16NN, also damals 5 Sgr. Pr. Thaler, zu ge währen. Von Nettopreisen wurde damals gar kein Rabatt gewährt. Dieser Zustand erhielt sich aber nicht. Die allergewöhnlichsten Motive, wie sie eben im kaufmännischen Verkehr der ganzen Welt Vorkommen, veranlaßten einzelne Sortimenter, lediglich um dadurch Kunden zu erjagen (nicht etwa um der guten Literatur eine weitere Verbreitung zu geben, wie schon damals Spaßvögel betheuerten!), statt jener 16Zb°/> nunmehr 20 U, also 6 Sgr. Rabatt Pr. Thaler, von Ordinärpreisen zu gewähren. Allmählich wurden auch sie über boten, und es gestaltete sich gar bald, veranlaßt durch das allmähliche Verschwinden der Ordinärpreise, eine Fraction der sogenannten modernen Antiquare (die Sprache ist ebenfalls so reich an wunderlichen Verkehrtheiten, wie das Leben selbst), welche rundweg 20 o/g von Ordinär- und 10 U von Nettopreisen gewährten, und diese Bedingungen nicht etwa discret behandelten, sondern alljährlich uni die liebe Weihnachtszeit in den üblichen Katalogen ganz öffent lich die also reducirten Preise bekannt machten. Diese kurze Skizze gibt einen rein äußerlichen Umriß des Wesens der Berliner Sortiments-Verhältnisse. Ehrenwerthe Colle ge» haben sich tapfer gegen dieses Treiben gewehrt und haben auch trotz alledem sich eine Kundschaft zu bewahren gewußt. Andere, persönlich nicht minder ehrenwerthe Collegen haben sich dagegen gedrungen oder gezwungen gesehen, mit dem Strome zu schwimmen, und so ist, was anfänglich Unfug war, jetzt leider fast der allgemeine Usus, oder vielmehr richtiger Abusus geworden. Aehnlich stehen die Verhältnisse in München, Frankfurt a. M., in Bonn, wie überhaupt in den meisten Universitätsstädten, noch über boten aber sollen sie werden in Halle und Leipzig. Wenn nun hiergegen angekämpft werden soll, so wäre doch zu Fünftmdvierzigster Jahrgang. allererst festzustellen: „was ist überhaupt Schleuderei?", und hier bei würde sich ergeben, daß eine Antwort, die für alle Orte paßt, überhaupt nicht gegeben werden kann, denn jener Handelsgebrauch ist überall lediglich ein Product der localen oder von außen her drohenden Concurrenz, also eine Localfrage. Eine Localfrage aber kann nicht im Wege eines allgemeinen Decrets, und am allerwenig sten, wenn die Sortimenter zu ihrer Lösung aus allen Theilen Deutschlands zusammentreten, befriedigend gelöst werden. Die locale Natur der Frage: welcher Procentsatz darf dem Kunden als Rabatt gewährt werden? bedingt eben eine gesonderte locale Erörterung und Beantwortung. Da uns die localen Verhältnisse außerhalb Berlins nur flüchtig und nicht aus eigener Thätigkeit bekannt sind, so enthalten wir uns eines Urtheils in dieser Beziehung. Für Berlin aber ist so gut wie keine Aussicht vorhanden, auch nur irgend etwas von den gerügten Mißständen zu beseitigen, und das aus folgenden Gründen: Es hat hier in Berlin zu keiner Zeit an namhaften Verlegern wie Sortimentern gefehlt, welche zusammengetreten sind, um dem überhandnehmenden Rabattunwesen entgegenzuarbeiten. Die aller- krästigsten und anscheinend bestgemeinten Anläufe hierzu sind aber allemal spurlos im Sande verlaufen, so die große Agitation im Sommer 1856. Und weshalb ist nichts aus allen geplanten Ver einigungen geworden? Weil 1) von den Verlegern sehr namhafte sich leider jeder derartigen Verbindung und Verpflichtung abhold zeigen, und weil 2) nicht nur Sortimenter, sondern auch Verleger sich finden, welche die eingegangenen Verpflichtungen nicht einhalten, d. h. mit anderen Worten: Die Sortimenter geben nach wie vor den verpönten Rabatt, und die Verleger liefern, vielleicht nach kurzer Anstandspause, doch wieder den incriminirten Firmen. Was ist also bei solchen Erfahrungen von den jetzt erneuten Bestrebungen zu hoffen? Gar nichts! Das mag Manchem hart klingen, wer aber die Rabattfrage seit 40 Jahren in Berlin, resp. in Norddeutschland mit Interesse verfolgt hat, der kann zu keinem anderen Resultate kommen, wenn er sich nicht selbst täuscht, oder — er ist eben auf buchhändlerischem Gebiete von sehr junger Erfahrung. Eine andere Frage ist die, was aus dem Sortimentsbuchhandel bei solchen Aussichten mit der Zeit werden soll? Diese Frage ist wahrlich nicht leicht zu beantworten. In den großen Städten krankt der Sortimentsbuchhandel an den übergroßen Spesen, an den sehr erhöhten Ansprüchen der Herren Gehilfen, meist bei recht geringer Leistungsfähigkeit, und an den sehr hohen Anforderungen des Pu blikums in Bezug auf Lag? und Eleganz des Locals, reiche Aus- 420
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