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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.08.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-08-01
- Erscheinungsdatum
- 01.08.1908
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- Deutsch
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8218 Börsenblatt f, d, Dtschn, Buchhandel Nichtamtlicher Teil. 177, 1. August 1908 schaftszweigen hat er mit derselben Freudigkeit und Hin gebung gedient wie der Förderung der Kunde allklassischer Literatur, die seiner persönlichen Neigung am nächsten lag. In schwieriger Lage in jungen Jahren zur Leitung des väterlichen Geschäfts berufen, hat er mit richtigem Verständnis, mit überlegener Gewandtheit, Klugheit und Kenntnis alle sich ihm entgegentürmenden Schwierigkeiten bemeistert und seine Firma zu einer der bedeutendsten, klangvollsten des deutschen Verlages gemacht, dabei niemals engherzig bedacht auf materielle Erfolge, sondern uneigennützig selbst große Opfer nicht scheuend, wenn es galt, der Verbreitung der Wissenschaft fördernd die Wege zu ebnen. Wilhelm Engelmann war am 1. August 1808 in Lemgo geboren, wohin sein Vater Friedrich Wilhelm Engelmann aus Leipzig übersiedelt war, um die dortige alte Meyersche Hofbuchhandlung zu übernehmen. Aber schon 1810 kehrte die Familie mit dem damals zwei jährigen Knaben nach Leipzig zurück. Hier eröffnete der Vater am 20. November 1811 die Buchhandlung, deren großartiger Ausbau die glücklich gelöste Lebensaufgabe des Sohnes werden sollte, ein Verlags- und Kommissionsgeschäft, dessen Betrieb, den Zeitverhältnissen entsprechend, sich in engen Grenzen bewegte, immerhin ausreichenden Ertrag gebracht zu haben scheint, um den fünf Kindern sorgfältigste Er ziehung und gute Schulbildung zu teil werden zu lassen. Der älteste, Wilhelm, besuchte die berühmte Thomasschule, und deren nachhaltigem Einfluß wird seine bleibende Be geisterung für die Kultur des hellenischen und römischen Altertums zugeschrieben werden dürfen. Aber der frühe Tod des Vaters, 1823, trat dem weiteren Besuch des Gymnasiums bis zur Reife mit rauhem Eingriff in den Weg Das Ge schäft sollte unter Leitung der Mutter für den Sohn erhalten bleiben, und dieser sah sich unerwartet vor die Aufgabe gestellt, sich für den Beruf vorzubereiten. Seine Lehrzeit verlebte er im Geschäft und Hause von Theodor Christian Friedrich Enslin in Berlin. Ju dessen Familie fand er sich in liebevoller Weise ausgenommen, und die reiche Lehre und Anregung, die er von seinem hoch gebildeten und geschäftstüchtigen Lehrherrn, nicht minder auch in der Geselligkeit dieses gastfreien Hauses empfing, fielen bei ihm auf fruchtbaren Boden. Zeit seines Lebens hat ihn innige Freundschaft mit der Familie Enslin verbunden. Aus dieser Lehre nahm Wilhelm Engelmann auch die ihn auszeichnende bleibende Vorliebe für bibliographische Arbeit in seinen Bern hinüber. Unausgesetzt und mit peinlicher Sorgfalt war er mit Zusammenstellung und Bearbeitung seiner zahlreichen »Bibliotheken« beschäftigt, die ihm zum Ruhme gereichen. Mehrere der von Enslin begonnenen »Bibliotheken« hat er später fortgeführt, viele andere hat er angeregt und verlegt, viele hat er in gewissenhafter, mühsamer und ausdauernder Arbeit selbst geschaffen. Bibliographische Arbeit aber läßt sich nicht einordnen in den Tumult des täglichen Geschäftsbetriebs. So hatte er fast regelmäßig schon eine vielstündige angestrengte Morgenarbeit hinter sich, wenn er um 8 Uhr an seinem Pulte im Kontor erschien, um seinen Riesensleiß dort von neuem zu betätigen, bis der Abend Schluß gebot. Noch auf seinem letzten Krankenlager galt seine Sorge und Arbeit der Beendigung seines letzten biblio graphischen Manuskripts. Nach Beendigung der Lehrzeit arbeitete er als Gehilfe bei Joh. Georg Heyse in Bremen, wo die mit der Buch handlung verbundene Buchdruckerei ihm Gelegenheit bot, sich auch in dieser Technik Kenntnisse anzueignen. Diese sind ihm im späteren. Beruf außerordentlich zu statten ge kommen, wie die hervorragend klare und schöne Druck ausstattung seiner Verlagswerke bezeugt. Zwei Jahre blieb er in Bremen; dann kam er nach Wien zu Karl Gerold, von da, im Alter von 25 Jahren, nach Frankfurt a/M. als Geschäftsführer der altberühmten Varrentrappschen Buch handlung. 1833 kehrte er nach Leipzig zurück. Hier wartete seiner eine schwere Aufgabe. Das in chwerer kriegerischer Zeit vom Vater betriebene Geschäft hatte schon zu dessen Lebzeiten sich nicht zu größerer Be deutung erheben können. Sein früher Tod hatte bessere Aussichten ausgeschlossen, und unter der andauernden Un gunst der Zeit verdient es Anerkennung, daß es der Mutter wenigstens gelungen war, das Geschäft dem Sohne zu er halten. Neben dem Kommissionsgeschäft war es ein Verlag theologischer Werke und Erbauungsschriften, einiger tech nischer, medizinischer und landwirtschaftlicher Werke; ein Rückgang seit dem Tode des Vaters war unvermeidbar gewesen. Vermögen hatte der Vater nicht hinterlassen können; der Mutter mußte ein sorgenfreier Lebensabend bereitet, für die Ausbildung unerwachsener Geschwister mußte gesorgt, Mittel zur Hebung des Geschäfts mußten geschafft werden. Dieser Lage gegenüber hatten Wilhelm Engelmanns Mut und Begabung die schwerste Probe zu bestehen, und hier betätigte sich sein Genie mir bewunderns werter Kraft. Die Neubelebung des Verlags begann er zunächst mit Belletristik, darunter Schriften von Glaß- brenner, Hoffmann von Fallersleben, Ferdinand Kühne; allmählich aber gelang es ihm, unterstützt von gelehiten Freunden aus seinen Studien- und Wanderjahren, Georg Gottfried Geroinus, Carl Theodor von Siebold, Eduard Caspar Jacob von Siebold, dem Geschichtschreiber Georg Weber und anderen Männern mit Namen- vom besten Klange, dem aufblühenden Verlage gediegenste Werke wissenschaftlicher Richtung zuzuführen, deren Zahl von Jahr zu Jahr zu mehren und durch mustergültige Ausstattung, darch unablässige persönliche Rührigkeit im Vertriebe, nicht zum wenigsten auch durch eigene wissenschaftliche Mit arbeit sich Vertrauen zu erzwingen, seinen Namen bekannt und beliebt, seine Firma zu einer gern ausgesuchten in der Autorenwelt zu machen. 1839 führte Wilhelm Engelmann Therese Hasse, die Tochter des Leipziger Professors der Geschiche Friedrich Christian August Haffe, zum Traualtar; eine glückliche, reichgesegnete Ehe verband die Gatten, bis am 23. Dezember 1878 der Tod Wilhelm Engelmann abrief. Diese ver wandtschaftliche Verbindung mit einflußreichen Kreisen der Gelehrtenwelt führte ihm neue Freunde und Autoren zu, darunter den Prosessor der physiologischen Chemie Lehmann, den Botaniker M. I. Schleiden, den Anatomen Albert Koelliker. Im gleichen Maße wie in der Gelehrtenwelt wuchs das Vertrauen zu seiner Firma im Buchhandel. Die muster hafte Ausstattung Wilhelm Engclmannscher Verlagswerke, namentlich auch die vortreffliche, anschauliche Illustrierung, die inhaltliche Gediegenheit, die klangvollen Namen der Autoren, alles das weckte rege Nachfrage der Studierenden und weiter Kreise der Gebildeten und Bildungseifrigen und die Aufmerksamkeit des Sortiments. So blieb neben dem wissenschaftlichen Erfolge auch der materielle Nutzen nicht aus, und das unter Sorgen begonnene Unternehmen nahm in verhältnismäßig kurzer Zeit überraschenden, ehrenvollen Aufschwung. Die große Bedeutung des Wilhelm Engelmannschen Verlages sei hier durch Anführung nur einiger der ge wichtigsten Namen vor Augen geführt: Bessel, Apelt, Schleiden, Schlömilch, Oskar Schmidt, Carus, Nees ab Esenbeck, Martius, Gorup-Besanez, Th. v. Heuglin, Koelliker, Friedrich Rudolf Haffe, Julius Sachs, Hugo de Vries, Engler, Prantl, Susemihl, Benseler, de Vary, A. v. Bezold, Julius Petzholdt, I. G. Th. Grüße, Karl
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