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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.07.1918
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1918-07-08
- Erscheinungsdatum
- 08.07.1918
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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X-156, 8. Juli 1918. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtlchn. Buchhandel. Vorsitzender (den Redner unterbrechend): Ich nehme an, die Herren sind einverstanden, wenn der Herr Antragsteller die Begründung seines Antrags, die er anscheinend schristlich nie dergelegt hat, vorträgt, indem er sein Manuskript abliest. — Das ist der Fall. Antragsteller Wilhelm Diebener (fortsahrend): Den Löwen anteil an diesem Zuwachs haben die technischen Zeitschriften, Vvn denen wir seit 1890 838 neue Blätter zählen. In diesem gleichen Zeitraum von 23 Jahren weisen die neugegründeten Blätter der einzelnen Wissensgebiete folgende Zahlen auf: Industrie und Gewerbe 838 neue Blätter Handel und Verkehr 46l „ „ Rechtswissenschaft 458 „ „ Theologie und Philosophie 435 „ Philologie und Pädagogik 383 „ 'Naturwissenschaften und Medizin UnterhaltungS-, Frauen- und Jugend 351 „ " zeitschriften 340 „ Land« und Forstwirtschaft 309 „ Kunst und Literatur 181 „ Sport 181 „ Militär und Marine 28 „ In diesen Zahlen tritt ein reiches geistiges Leben in die Er- scheinung. Wir marschieren mit ihnen allen Kulturslaaten vor an. Zum erstenmal ist dies äußerlich neben der Statistik durch die Ausstellung der Gruppe Fachpresse aus der Bugra zum Aus druck gekommen. Während der Kriegszeit sind 1503 Zeitschriften dauernd eingegangen, dagegen wurden 1319 neu gegründet, sodatz wir heute mit einer Minderung von 184 Zeitschriften gegenüber dem Stand von 1914 zu rechnen haben. Zu dieser Minderung um 184 kommen aber noch die vorübergehend eingegangenen Blätter mit 1171 hinzu, sodatz also gegenwärtig 1355 Zeitschrif ten weniger als im Jahre 1914 erscheinen. Wieviele Blätter von den vorübergehend eingegangenen ihr Erscheinen wieder aufnehmen werden, kann natürlich nicht vorausgesagt werden. ES läßt sich jedoch der Schluß ziehen, daß wir bei der Bewirt schaftung unseres geistigen und gewerblichen Lebens durch die Fachpresse mit einer geringeren Anzahl von Blättern, als wir sie in den Friedensjahren zählten, nicht auskommen, und daß der Krieg nur die nicht existenzberechtigten hinweggesegt hat. Die Fachpresse hat sich in den Jahren unseres wirtschaft lichen Aufschwungs in der Stille zu einer machtvollen Höhe cmporgerungen, die in der Tat den Kreisen des Gesamtverlags nicht völlig zum Bewußtsein gekommen ist. Auch seitens der Tagespresse lag eine Unterschätzung vor, trotzdem diese nur etwa 4000 Blätter aufweist gegenüber 5600 der Fachpresse. Nur unsere Feinde, unter ihnen England voran, haben dies erkannt. Die in der Fachpresse niedergelegte wissenschaftliche Tätigkeit und besonders die von ihr ausgehende Befruchtung unserer Technik und industriellen Arbeit, deren Ergebnisse vom deutschen Kaufmann in allen Konlinenten auSgewertet wurde, ist von England scharf beobachtet worden. Das sehen wir aus einem Bericht, den der englische Handelsattache zu Frankfurt a. M. im Jahre 1913 an seine Regierung erstattet hat, in dem er sagt: ES gibt in Deutschland Wohl kaum einen Handelszweig oder eine Fabrikationsart, die nicht ihre eigene Organisation, möglicherweise auch eine eigene Fachzeitschrift hätte. In ganz Deutschland werden Fabrikanten, die gleiche oder ähnliche Waren Herstellen, entweder persönlich oder durch das ge druckte Wort in Beziehungen zueinander gebracht. Auf diese Weise kennt der Fabrikant schnell und zuverlässig die Markt lage für seine Waren. Da die Spezialisierung immer größere Fortschritte macht, ist der Fabrikant auch daran gewöhnt, die Entwicklung verwandter und ähnlicher Industrien zu stu dieren. Der Spezialist lernt auf diese Weise auch die Be wegungen anderer Märkte des In« und Auslandes kennen. Nachrichten von ausländischen Märkten werden sofort in deutschen Fachzeitschriften wiedergegeben und gelangen bis in die entfernteste Werkstatt. Wie außerordentlich das Shstem der Fachzeitschriften in Deutschland entwickelt ist, zeigt sich schon daraus, daß ein Katalog derselben über 300 engbedruckte Seiten stark ist. Fast alle diese Zeitschriften sind hervorragend gut, und ihre Berichte über die wirtschaftliche Wetterlage sind so zuverlässig, daß kein Wechsel den deutschen Fabrikan ten unvorbereitet trifft. Meine Herren, eine treffendere Charakterisierung unserer deutschen Fachpresse kann es kaum geben. Daß die wissen schaftlichen Blätter in dieses Urteil eingeschlossen sind, braucht Wohl nicht besonders dargelegt zu werden. England Pflegt seine Fachpresse, um uns in der vielseitigen Entwicklung derselben nachzukommen. Das kann man auch dar aus ersehen, daß beispielsweise Blätter für Luxusindustrien, die ich zu verfolgen Gelegenheit hatte, heute noch in einem Umfang von über 120 Seilen erscheinen, und daß die englische Regierung wie zuverlässig berichtet wurde, ihre Fachpresse auch für den Wirtschaftskrieg in Anspruch nimmt. Wer könnte in Abrede stellen, daß auch die deutsche Fachpresse für unsere Gesamt- Wirtschaft hohe Aufgaben erfüllt! Das wird von unseren Re gierungsstellen auch anerkannt, kommt aber bei der Klassifizie rung des Papierbedarfs für die Fachpresse nicht zum Ausdruck. Tie Ursache liegt zweifellos bei den Herren Sachverständigen, die unsere Fachpresse ebenfalls zu geringwertig einschätzten, be sonders gegenüber der Tagespresse, die neben der noch genügen den Belieferung mit Papier mit Millionen aus der Reichskasse unterstützt wird. Unser Antrag bezweckt darum, den Deutschen Verlegerverein für die Erfüllung unserer berechtigten Forde rungen in Anspruch zu nehmen, um der Fachpresse die Existenz bedingungen besser als bisher zu ermöglichen und sie nicht ver kümmern zu lassen gegenüber jener unseres Hauptfeindes über dem Kanal, von dem uns eine sorgsame Pflege derselben be kannt ist. Dem Zeilschristenverlag sind durch seinen Presse- charakter zum Teil andere Wege als dem reinen Buchverlag ge- wiesen, und durch seine Vertriebsari ist er dem Sortiment ent fremdet worden. Es ist aber daran festzuhallen, daß die großen Ausgaben, die durch beide Verlagsgruppen erfüllt werden, eng ineinander verstrickt sind, und daß Buch- und Zeitschriftenver- lcger immer wieder in den Armen der alma inater des Gesamt- Verlags zusammengeführt werden, dieser Urzentrale des Schrift tums, von der die geistige Befruchtung alles menschlichen Schaf fens ausgeht. Der Fachpresse fällt durch ihr regelmäßiges Erscheinen die Rolle der Kontinuation in der Vermittlung geistiger Werte zu. sowie die stetige Überleitung aller wissenschaftlichen und tech nischen Forschungsergebnisse in die Einzelgebiete des täglichen Erwerbslebens. Damit leistet sie auch für den Buchverlag Pionierarbeit, indem sie dem Buch Eingang in die einzelnen Fachkreise schasst. Ja, die Fachzeitschrift ist die Presse des Buchverlags. Sie allein trifft am sichersten den Interessenten für Spezialgebiete im Reich und im Ausland: sie ist oft die ein zige Vermittlung für den im Ausland lebenden BUcherkäufer. Unsere Forschungsinstitute aus allen Gebieten finden darum in der Fachpresse einen notwendigen, durch nichts zu ersetzenden Helfer. In diesem umfassenden Wirkungskreis, in ihrer Inan spruchnahme durch die Kriegswirtschaft und durch den Leser kreis bei dem Zwang des regelmäßigen Erscheinens muß der Kamps der Fachpresse um das Papier geradezu als Demütigung wirken. Wir verkennen keineswegs die Mission der Tagespresse. Den politischen Aufgaben derselben stehen aber die wissenschaft lichen und gewerblich-wirtschaftlichen ebenbürtig zur Seite, und damit fällt auch die Ursache der Bevorzugung, der sich die Tagespresse nicht nur in der Zuweisung der Menge von Papier stoff erfreut, sondern auch durch die in die Millionen gehenden staatlichen Beihilfen zur Deckung der jetzt bestehenden Papier- Überpreise. Der gesamte Verlagsbuchhandcl muß darum ein Interesse daran haben, daß die ihm zugehörige und von ihm herausge gebene Fachpresse nicht verkümmert und aus der Zurücksetzung befreit werde, und daß ihr in dem Papierverbrauch eine eben bürtige Stelle neben der Tagespreise zugewiesen wird. Unter diesen Gesichtspunkten bitte ich Sie, meine Herren, unseren Antrag zu beurteilen und dafür einzutreten. (Fortscbumi öüql I 395
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